
Zum zweiten Mal seit Beginn der Krise überfluten die Vereinigten Staaten den globalen Kapitalmarkt mit billigem Geld. 600 Milliarden neu gedruckte Dollar sollen der heimischen Wirtschaft wieder auf die Beine helfen: Die Fed »produziert« also wieder Kapital und kanalisiert viele Milliarden über den Ankauf von Staatsanleihen und anderer Zinspapiere. Damit wird das Sparen durch niedrigere Zinsen immer unattraktiver, die Aufnahme von Krediten aber erleichtert. Gleichzeitig sinkt der Außenwert des Dollar, was die Exporte und somit auch das Wachstum steigern soll.
Unbeachtet bleibt die Tatsache, dass viele private US-Haushalte so hoch verschuldet sind, dass sie die Aufnahme neuer Kredite scheuen, die Arbeitslosigkeit auf Rekordniveau verharrt und Unternehmen immer weniger Geld investieren.
So birgt das größte geldpolitische Experiment der Neuzeit, nicht nur für Investoren, auch für Sparer einige Risiken: Die neuen Milliarden können die Notierungen für Rohstoffe in die Höhe treiben, Turbulenzen an den Währungs- und Finanzmärkten auslösen, Spekulationsblasen noch weiter aufblähen und Verbraucherpreise in die Höhe treiben.
Ein Vorgeschmack erlebten wir bereits kurz nach Bekanntgabe der Fed-Entscheidung:
- Der Dow Jones kletterte so hoch wie seit der Pleite von Lehman-Brothers nicht mehr
- Der DAX stieg auf den höchsten Stand seit Juni 2008
- Der Euro in Dollar markierte ein Hoch von 1,4065
- Der Ölpreis stieg auf 87,61 Dollar je Barrel
- Der Goldpreis erhöhte sich auf 1394,90 Dollar
- Der Silberpreis stieg auf ein 30-Jahreshoch auf 27 Dollar je Feinunze
Die amerikanische Politik des billigen Geldes und der Schwächung des Dollar bringt vor allem große Exportnationen wie Deutschland, China, Brasilien und Japan gegen sich auf, weil deren Unternehmen bei Geschäften mit den USA weniger Erlöse erzielen. Die überschüssige Liquidität schürt Inflationsängste und die Furcht vor einer neuen Investitionsblase an den Kapitalmärkten.
Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) äußerte sich gegenüber der Welt am Sonntag unmissverständlich: »Die expansive Geldpolitik der USA bereitet mir Sorge, weil eine übermäßige Geldvermehrung auch eine indirekte Manipulation des Dollarkurses ist.«
Brüderles Kabinettskollege, Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), setzte noch einen drauf: »Bei allem Respekt, mein Eindruck ist, die Vereinigten Staaten sind ratlos. Die US-Notenbank verfolgt die falschen Rezepte.«
Der brasilianische Finanzminister Guido Mantegna wurde noch deutlicher: »Geld vom Hubschrauber aus abzuwerfen bringt nichts Gutes«.
Auch die Chinesen kritisierten die neuerliche Dollarschwemme und drohten sogar mit einem »währungspolitischen Schutzwall«.
Auf dem G-20-Gipfel am 11/12.11. 2010 in Seoul dürfte es demnach heiß hergehen. Eines ist jedoch sicher: Die Amerikaner haben ihre letzte Patrone verschossen.
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Quellen:
Reuters
Welt am Sonntag vom 07.11.2010
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