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In unserem Buch Europa vor dem Crash habe ich bereits im März 2011 darauf hingeweisen, dass die Lage in China sich immer weiter verschärfen wird. Damals wurde das Thema aber ignoriert. Meine Begründungen waren:
- Das Wachstum der Wirtschaft ist durch einen massiven Geldzufluss aus gigantischen Konjunkturprogrammen quasi künstlich erzeugt.
- Konjunkturhilfen fließen auch weiterhin zum Teil in unwirtschaftliche Vorhaben.
- Ein selbsttragender Aufschwung bleibt aus.
- Eine gigantische Immobilienblase ist durch rasant steigende Preise und eine große Anhäufung fauler Kredite entstanden.
- Fast ein Viertel der an Kommunen vergebenen Darlehen mit einem Umfang von rund 880 Milliarden Euro zur Finanzierung von Infrastrukturvorhaben sind akut »ausfallgefährdet«.
- Lohn- und Produktionskostensteigerungen verteuern die Exporte und gefährden heimische Arbeitsplätze und Standorte ausländischer Investoren.
- Erstmals reduzierte sich der Handelsüberschuss.
- Peking kurbelt den Export auch weiterhin durch eine künstlich niedrig gehaltene Währung an.
- Die Dollar-Reserven mit einem Volumen von über zwei Billionen Dollar werden durch die inflationäre Politik der Amerikaner immer mehr entwertet.
Doch es kommt noch ein weiteres, viel größeres Problem dazu: Das illegale Schattenbankensystem, das jetzt zusammenzubrechen droht, weil immer mehr Unternehmer ihre Kredite nicht mehr bezahlen können.
Viele Firmeninhaber haben sich das Geld nicht von den staatlichen Banken, sondern von privaten Kreditgebern geliehen. Die illegalen Untergrundbanken sind so immer mächtiger geworden und zwar in der ganzen Volksrepublik. Allein in Wenzhou im Süden der Provinz Zhejiang sollen Kredite in
Höhe von 120 Milliarden Yuan, das sind 13,6 Milliarden Euro, vergeben worden sein. Rund 60 Prozent der Firmen und Privathaushalte sollen in diese Schattengeschäfte involviert sein.
Paradox: Viele kleine und mittlere Unternehmen leihen sich bei den illegalen Banken Geld mit Zinssätzen von bis zu 60 (!) Prozent, obwohl sie bei den staatlichen Geschäftsbanken viel weniger Zinsen zahlen müssten.
Genau das ist der Punkt: Von offiziellen Geschäftsbanken erhalten diese Firmen kein Geld mehr, da diese die Kreditvergabe auf Anordnung der Regierung drastisch einschränken müssen. So soll die Inflation (zur Zeit rund 6 Prozent) bekämpft werden. Doch die kleinen und mittleren Firmen sind auf die Kredite angewiesen, um überhaupt noch weiterexistieren zu können. Erhalten sie kein Geld, müssen sie schließen. Das geschieht gegenwärtig überall in China.
Aber auch Chinas legaler Finanzsektor steckt aufgrund der oben genannten Aspekte in Schwierigkeiten. Denn sie haben mit faulen Krediten zu kämpfen, die sie kurz nach der ersten Finanzkrise 2009 durch die Finanzierung Hunderter von Großprojekten angehäuft haben. Von den rund 10,7 Billionen Yuan (1,2 Billionen Euro) werden noch in diesem Jahr 40 Prozent fällig. Doch die Schuldner werden kaum in der Lage sein, die Gelder zurückzubezahlen. Die Banken müssen diese Ausfälle dann abschreiben, was zu gigantischen Löchern in ihren Bilanzen führen dürfte.
Doch wäre dies alleine nicht schon überlebensbedrohend für die staatlichen Banken, brechen jetzt auch noch die Preise für die Immobilien ein. Viele Immobilienabwickler haben sich ebenfalls Kapital von den Schattenbanken geliehen, weil sie offiziell an keine Gelder mehr kamen. Die Preise von Immobilien sinken immer tiefer und es herrscht ein Überangebot, weil Wohnungen nur noch in Erwartung steigender Preise gekauft worden sind, die jetzt keiner mehr haben will. Die Renditen fallen jetzt in den Keller und bedrohen die Schattenbanken auch von dieser Seite her. Die gigantische Blase, die sich in den letzten zehn Jahren gebildet hat, droht zu platzen.
Peking reagiert panisch auf diese beunruhigenden Entwicklungen und kauft seit einer Woche Bankaktien auf, um seine Banken zu stützen, damit es nicht zur Katastrophe kommt. Der Fluch des Kapitalismus hat nun auch die Volksrepublik eingeholt.
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