So machen wir Diktatoren reich
Michael Grandt
Empört verfolgen viele Menschen, wie Diktatoren vom Schlage eines Gaddafi Menschen brutal unterdrücken. Doch wir selbst unterstützen die Gaddafis dieser Welt. Denn wohl jeder von uns finanziert beim Einkaufen menschenverachtende Regimes. Auf bestimmte Produkte wollen oder können wir nicht mehr verzichten.
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Da ist zum Beispiel der dem libyschen Diktator Gaddafi gehörende Erdölkonzern Tamoil. Er betreibt in Deutschland, der Schweiz, Italien und Spanien insgesamt 3.500 Tankstellen. In der Schweiz ist
Tamoil die größte Erdöl-Gesellschaft. Eigner ist der Oilinvest-Konzern, der offiziell vom libyschen Staatsfonds Libyan Investment Authority (LIA) kontrolliert wird. Der aber besteht aus Mitgliedern der Gaddafi-Familie. Die Gaddafis sind über LIA auch am italienischen Bankhaus Unicredit und an der renommierten Londoner Tageszeitung Financial Times beteiligt. Kaum jemand käme auf die Idee, die Financial Times abzubestellen, weil man mit dem Kauf indirekt auch die Gaddafi-Familie unterstützt. Nicht anders ist es an den Tankstellen: Mehrere Politiker haben unlängst zum Boykott von Tamoil aufgerufen, weil die Autofahrer bei jedem Besuch einer Zapfsäule Gaddafis Kriegskasse füllen. Die Aufforderung verhallte ungehört. Das gilt allerdings nicht nur für Libyen. Denn wir importieren ja auch
bedenkenlos Öl aus der Islamischen Republik Iran, dem Jemen oder Saudi-Arabien. Libyen ist der drittwichtigste Erdöllieferant der Bundesrepublik. Nicht im Traum kämen wir Autofahrer auf die Idee, Öl aus Diktaturen zu boykottieren. Denn dann müssten wir unsere Fahrzeuge bald schieben.
Haben Sie gewusst, dass sich hinter vielen Produkten des täglichen Lebens Diktatoren verbergen? Mit jedem Kauf eines solchen Produkts unterstützen wir zwielichtige Regime. Essen Sie gern mal einen Schokoriegel oder genießen Sie eine Tasse Kakao? Trinken Sie gerne Fruchtsaft oder kaufen Sie bestimmt Parfume? Greifen Sie gern zu einem frischen Strauß Blumen und am Abend zu einem alkoholischen Getränk aus einem fernen Land? Dann lesen Sie, wie viele Diktatoren ihre Produkte in unsere heimischen Regale geschmuggelt haben. Mit jedem Kauf ihrer Produkte finanzieren Sie einen Diktator. Viele von ihnen sind inzwischen Milliardäre. Nicht nur, weil sie ihre Untertanen ausgeplündert haben, sondern vor allem auch, weil wir sie beim Einkaufen unterstützen.
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