Saturday, 23. July 2016
22.06.2014
 
 

»Putins Hirn«: USA Reich der Antichristen?

Michael Snyder

Glaubt man Alexander Dugin, bekannt als »Putins Hirn«, ist die Neue Weltordnung, wie sie die USA errichtet haben, das »Königreich des Antichristen«, weshalb es auch unvermeidbar eines Tages zerstört wird. Nach seiner neo-eurasistischen Lesart ist ein Konflikt zwischen (dem von Russland dominierten) Eurasien und der atlantizistischen Neuen Weltordnung des Westens unausweichlich und die Kräfte der globalen liberalen Hegemonie werden in diesem Kampf geschlagen. Anders gesagt: Dugin ist durch und durch überzeugt davon, dass es eines Tages einen großen Krieg zwischen Russland und den Vereinigten Staaten geben wird und dass Russland gewinnt.

 

Begehen Sie nicht den Fehler, Dugin als Spinner abzutun! Er ist Professor an Russlands bester Universität, tritt regelmäßig in allen großen russischen Sendern auf und seine Bücher sind ausgesprochen einflussreich. Mit seinen Werken über Eurasien sorgte Dugin schon für Schlagzeilen, lange bevor Putin an die Macht kam oder die Idee einer Eurasischen Union aufbrachte. Ehrlich gesagt liegen die Wurzeln von vielem, das Putin heutzutage propagiert, in den Werken Alexander Dugins.

Im Westen hat kaum jemand von Dugin gehört, aber man sollte ihn nicht ignorieren. Er ist radikal antiwestlich eingestellt, und das gilt vor allem mit Blick auf die liberalen Strömungen der westlichen Welt. Eine für ihn typische Aussage klingt in etwa so

»Wer für eine globale Vormachtstellung des Liberalen ist, ist der Feind.«

Ganz besonders verabscheut Dugin den »Kulturkolonialismus« der Vereinigten Staaten. Dass sich die USA in globale Angelegenheiten einmischen, ist seiner Meinung nach der Hauptgrund für viele Übel, die die Welt heute plagen…

»Die USA sind eine chimärische, anorganische, umgepflanzte Kultur ohne sakrale Staatstraditionen und kulturellen Nährboden, doch trotzdem versuchen sie, den anderen Kontinenten ihr anti-ethnisches, anti-traditionelles und ›babylonisches‹ Modell aufzuzwingen.«

Doch er geht in seiner Kritik weit über das hinaus, was die meisten Amerika-Kritiker des Westens tun würden. Er scheut nicht davor zurück, im Zusammenhang mit den USA über »Neue Weltordnung« und »Herrschaft des Antichristen« zu sprechen. Hier ein Auszug aus einem wissenschaftlichen Artikel über Dugins Neo-Eurasismus.

In seinem wichtigsten Buch, Osnovy geopolitiki [»Grundlagen der Geopolitik«], nimmt Dugin – »eine Art Sprachrohr und Ideologe« der »Dämonisierung der westlichen Werte« – eine geopolitische Verortung der neo-eurasistischen Aversion gegenüber den USA und der angelsächsischen Welt insgesamt vor. Laut den von ihm befürworteten imperialistischen geopolitischen Theorien ist der Planet grob in drei große Regionen unterteilt: die Weltinsel (im Grunde die USA und Großbritannien), Eurasien (vor allem Mitteleuropa, Russland und Asien) und Randland (die Staaten zwischen der Weltinsel und Eurasien). Gemäß der neo-eurasistischen Doktrin herrscht ein ewiger, nicht zu lösender Konflikt zwischen der »Seemacht«, assoziiert mit der US-dominierten »homogenisierenden Neuen Weltordnung«, und der »Landmacht« der russisch dominierten »Neuen Eurasischen Ordnung«, die sich gegen Globalisierung und ethno-kulturelle Universalisierung stemmt. In klassisch manichäischer Tradition verteufelt Dugin die USA und die gesamte atlantizistische »Weltinsel« als »Reich des Antichristen«.

Und was wird nach Dugins Auffassung mit dem »Reich des Antichristen« geschehen? Er scheint absolut überzeugt davon, dass das »amerikanische Imperium« eines Tages zerstört werden wird

Beim Eurasismus bleiben viele territoriale Ziele der alten Sowjetunion erhalten, während die Ideologie für eine Welt aktualisiert wird, die für die alten bolschewistischen Klischees keine Begeisterung mehr aufbringen kann. Raus mit dem alten marxistisch-leninistischen Geschwafel über »Klassenkampf«, rein mit dem globalen Konflikt, der ebenso auf »geheiligter Geografie« basiert wie auf dem »unausweichlichen« Konflikt zwischen der Kontinentalmacht Eurasien und der »Seemacht« bestehend aus Großbritannien und den USA.

Doch Dugin ist nicht nur »Putins Hirn«, er ist auch »Putins Rasputin«. Dugins Ideologie ist erfüllt von Beschwörungen eines »metaphysischen Marxismus« und dem Festhalten an den traditionalistischen Ansichten des »mystisch-faschistischen« Denkers Julius Evola. In Dugins Ideologie heißt es, dass ein finaler Konflikt zwischen Eurasien und – wie Dugin es formuliert – »dem Königreich des Antichristen« bevorsteht. Was dieses Königreich des Antichristen anbelangt, so stehen laut Dugin »die Vereinigten Staaten im Mittelpunkt der Expansion«. Denjenigen, die sich dem »Antichristen« entgegenstellen, bleibt Dugin zufolge nur eine einzige Möglichkeit: »Das Amerikanische Imperium sollte zerstört werden. Und das wird es früher oder später auch.«

Noch einmal: Das sagt jemand, der in Russland sehr bekannt ist und hoch verehrt wird. Und sollte Wladimir Putin nicht passen, was er sagt, würde er ihm einfach das Mikrofon abschalten

2008 wurde Dugin an Russlands bester Hochschule, der Moskauer Staatsuniversität, zum Professor berufen und zum Leiter der nationalen soziologischen Organisation Zentrum für konservative Studien. Regelmäßig tritt er in sämtlichen führenden russischen Fernsehsendern auf und äußert sich dort zu innen- und außenpolitischen Themen. Seit der Pro-Demokratie-Proteste aus dem Winter 2011/12 und Putins damaligem Bestreben, eine Eurasische Union aufzubauen, hat sein Bekanntheitsgrad noch zugenommen. Seine übermäßige Präsenz in der russischen Öffentlichkeit spricht dafür, dass er Putins Zustimmung findet. Russlands Medien – und insbesondere das Fernsehen – werden fast vollständig vom Kreml kontrolliert. Wenn dem Kreml eine bestimmte Person nicht mehr gefällt (oder man keine Verwendung mehr für sie hat), verschwindet diese Person vom Bildschirm.

Den meisten Amerikanern ist dies nicht bewusst, aber in Russland kocht die antiamerikanische Stimmung derzeit sehr hoch. Eine aktuelle Umfrage zeigte, dass der Antiamerikanismus in Russland nicht einmal während des Kalten Kriegs so stark war.

 

Und diese Stimmung wird ständig angefacht durch Denker wie Dugin. Für ihn sind die Political Correctness und die liberale Grundhaltung der USA und der westlichen Welt der »gemeinsame Feind«, den der Rest des Planeten bekämpfen muss. Hier ein Ausschnitt aus einem Interview mit Dugin

»Das, was wir ablehnen, wird uns vereinen. Das, was wir sind, wird uns trennen. Deshalb müssen wir betonen, wogegen wir sind. Der gemeinsame Feind verbindet uns, während die positiven Werte, die wir alle hochhalten, uns trennen. Deshalb müssen wir strategische Bündnisse schmieden, um die aktuelle Ordnung der Dinge zu stürzen. Ihren Mittelpunkt könnte man beschreiben als Menschenrechte, Hierarchiefeindlichkeit und Political Correctness – alles, was die Fratze des Biests ist, des Antichristen oder, anders gesagt, Kali-Yuga.«

In den Vereinigten Staaten glauben vermutlich nur wenige Menschen, dass ein Krieg mit Russland zum jetzigen Zeitpunkt »unausweichlich« ist. In Russland dagegen ist die Situation eine ganz, ganz andere.

 

Der Konflikt in der Ukraine ist da nur die Spitze des Eisbergs. Für russische Denker wie Dugin ist das nur eine einzelne Auseinandersetzung in einem viel größeren Konflikt. Sie malen sich eine Zukunft aus, in der letztlich nur noch eine Seite existiert.

 

 

 

 


 

 

 


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