Friday, 1. July 2016
25.11.2013
 
 

China kündigt an, seine Dollarreserven nicht mehr erhöhen zu wollen

Michael Snyder

China hat erst jüngst eine Bombe platzen lassen, die von den amerikanischen Leitmedien fast völlig ignoriert wurde. Die chinesische Zentralbank entschied, es »liegt nicht länger im Interesse Chinas, seine Devisenreserven zu vergrößern«. Im dritten Quartal dieses Jahres lagen die chinesischen Devisenreserven bei einem Wert von etwa 3,66 Billionen Dollar. Und natürlich nahm der Dollar dabei den absoluten Löwenanteil ein.

Jahrelang hatte China Dollar-Reserven angehäuft und viel dazu beigetragen, dass der Wert des Dollars hoch und der Wert des Yuan niedrig lag. Damit sollte u.a. erreicht werden, dass chinesische Exportartikel auf den internationalen Märkten billiger waren. Aber nun kündigte China an, es sei an der Zeit, die Dollar-Reserven nicht mehr aufzustocken. Und sollte China tatsächlich

diese neue Politik umsetzen, könnte es auch in naher Zukunft damit aufhören, weiterhin amerikanische Staatsanleihen zu kaufen, wie einige amerikanische Analysten vermuten. Wie sich jeder leicht ausmalen kann, hätte dies für die USA sehr negative Folgen.

 

Seit Jahren hatte China systematisch dazu beigetragen, den Wert des Dollars künstlich oben und den Wert seiner Währung Yuan niedrig zu halten. Dies führte dazu, dass eine Flut extrem günstiger Produkte über den Pazifik hinweg die USA erreichte, die von den amerikanischen Verbrauchern gerne gekauft wurden. Haben Sie sich nicht auch schon einmal bei dem Besuch eines Ein-Dollar-Ladens gefragt, wie um alles in der Welt jemand noch Gewinne erzielen kann, wenn er die dort angebotenen Produkte herstellt oder für einen Dollar vertreibt?

 

Die Wahrheit kommt ans Licht, wenn man sich die Produkte einmal genauer anschaut und feststellt, dass fast alle diese Produkte außerhalb der USA hergestellt wurden. Die Aufschrift »Made in China« gehört wahrscheinlich zu den am häufigsten in typischen amerikanischen Haushalten vorzufindenden Aufdrucken.

 

Aufgrund dieses massiven amerikanischen Handelsbilanzdefizits gegenüber China wurden Zehntausende von Geschäften und Millionen von Arbeitsplätzen nach China ausgelagert. Den gleichen Weg nahmen auch Billionen von Dollar.

 

Jetzt hat China die Entscheidung getroffen, dass man aus der amerikanischen Volkswirtschaft nicht mehr viel herausholen könne und es daher an der Zeit sei, den Dollar kollabieren zu lassen. Wie ich anfangs schon erwähnte, will China seine Devisenreserven nicht weiter aufstocken. Die chinesische Zentralbank, die Chinesische Volksbank, erklärte, das Land sehe keinen Sinn mehr darin, seine Devisenreserven weiter zu erhöhen. Dieses und andere Anzeichen deuten darauf hin, dass die politischen Entscheidungsträger die Dollar-Ankäufe verringern werden, weil dies auch die internationale Konvertibilität des Yuan einschränkt:

»›Es liegt nicht länger im Interesse Chinas, seine Devisenreserven aufzustocken‹, erklärte Yi Gang, einer der stellvertretenden Direktoren der chinesischen Zentralbank in einer Rede im Rahmen einer Veranstaltung, die vom China Economist Forum 50 am 20. November an der Tsinghua-Universität in Peking organisiert worden war. Die Zentralbank werde ›im Wesentlichen‹ keine weiteren Interventionen am Devisenmarkt vornehmen und die tägliche Schwankungsbreite des Yuan erhöhen, schrieb Zentralbank-Gouverneur Zhou Xiaochuan in einem Artikel in einem Leitfaden, in dem nach einem Treffen der kommunistischen Parteiführung in der vergangenen Woche Reformen dargelegt wurden. Weder Yi noch Zhou äußerten sich allerdings zum Zeitpunkt der Veränderungen.«

Es ist nicht damit zu rechnen, dass dieser Schritt sofort und mit einem Mal erfolgt, aber der Wert des Dollar wird dadurch sinken, und die Billigwaren, die die Verbraucher im Wal-Mart und den Ein-Dollar-Läden erstehen konnten, werden sich deutlich verteuern.

Noch schwerwiegender werden die Folgen dieser jüngsten chinesischen Entscheidung allerdings für die amerikanische Staatsverschuldung ausfallen. Wie den meisten Amerikanern bekannt ist, hängen wir in hohem Maße davon ab, dass andere Länder, wie eben auch China, uns Geld leihen.

 

Gegenwärtig hält China amerikanische Staatsanleihen im Wert von fast 1,3 Billionen Dollar. Aber, bemerkt CNBC, wenn China seine Dollar-Reserven nicht erhöhen will, bedeutet dies wahrscheinlich auch, dass es keine weiteren US-Staatsanleihen mehr kaufen will:

»Analysten bewerten dies als einen Hinweis der Chinesischen Volksbank, dass sie ihre Währung ohne staatliche Intervention frei schwanken lassen will. Damit entfiele dann auch die Notwendigkeit umfangreicher Dollar-Reserven. Und wenn der Dollar nicht länger gebraucht wird, dürfte die Zentralbank auch den Ankauf weiterer in Dollar ausgewiesener Wertpapiere wie etwa US-Staatsanleihen zurückfahren.

›Wenn die Chinesen beabsichtigen, diese Ankäufe zu verringern, muss man eben danach Ausschau halten, wer der Grenzkäufer künftig sein wird‹, meinte Richard McGuire, Kursspezialist der Rabobank, in einem Gespräch mit CNBC. »Wenn die US-Notenbank Federal Reserve jetzt ebenfalls ihre Ankäufe von Staatsanleihen verringert, könnten beide Entwicklungen zusammengenommen die ohnehin schon pessimistischen langfristigen Aussichten der US-Staatsanleihen weiter verschlechtern.‹«

Wer soll denn in Zukunft unsere ganzen Schulden kaufen? – Eine gute Frage.

 

Wenn die Federal Reserve den Ankauf amerikanischer Staatsanleihen zurückfährt und China keine weiteren US-Schulden mehr kauft, wer soll dann an ihre Stelle treten? Wenn die Nachfrage nach Regierungsanleihen sinkt, werden die Zinsen dramatisch ansteigen. Und wenn die Zinsen sich gegenüber ihrem gegenwärtigen Stand deutlich erhöhen, wird das Albtraum-Szenario Wirklichkeit, von dem ich bereits früher gesprochen hatte. In einem anderen früheren Artikel mit der Überschrift »Wie China den Absturz des Dollars und den Zusammenbruch des gesamten amerikanischen Finanzsystems auslösen kann«, legte ich dar, wie China im Alleingang der amerikanischen Volkswirtschaft verheerenden Schaden zufügen könnte.

 

China ist die größte Handelsnation weltweit und hält im Vergleich mit anderen Nationen den größten Einzelanteil an den amerikanischen Staatsschulden. Wenn also die Chinesen beginnen sollten, ihre Dollar-Reserven und unsere Staatsanleihen abzustoßen, dürfte der Rest der Welt diesem Beispiel folgen; und auf die USA kämen sehr schmerzhafte Zeiten zu.

 

In dieser Woche erfolgte aber noch eine weitere Ankündigung, die darauf hindeutet, dass China weitere Schritte gegen den Dollar vorbereitet. Laut der Nachrichtenagentur Reuters werden Termingeschäfte mit Rohöl an der Terminbörse in Shanghai möglicherweise bald in Yuan ausgewiesen:

»Die Terminbörse in Shanghai (SHFE) könnte die Preise für Termingeschäfte mit Rohöl bald in Yuan ausweisen und die Preise für schwefelhaltiges Rohöl als Referenzwert benutzen, erklärte der SHFE-Chef am Donnerstag und fügte hinzu, die Börse werde die Vorbereitungen beschleunigen, um die rechtzeitige Genehmigung der Bestimmungen sicherzustellen.

China überholte die USA im September als weltweit führender Erdölimporteur und hofft, diese neue Abwicklung der Termin- Geschäfte würde zu einem Vorbild und Maßstab in Asien. Zugleich hieß es, China werde ausländischen Investoren ermöglichen, in diesen Handel einzusteigen, ohne vor Ort eine Niederlassung einrichten zu müssen.«

Sollte es tatsächlich so kommen, bedeutete das eine drastische Veränderung. China ist der größte Erdölimporteur weltweit, und es war daher nur eine Frage der Zeit, dass es das Petrodollar-System offen infrage stellen würde. Aber ich hätte nicht gedacht, dass dies so schnell geschehen könnte.

 

Die Welt ist ständig in Veränderung begriffen, und die meisten Amerikaner haben nicht die geringste Vorstellung davon, was diese Veränderungen für sie bedeuten. Wenn die Nachfrage nach dem Dollar und amerikanischen Schuldpapieren abnimmt, werden die Produkte, die wir in unseren Läden einkaufen, sehr viel teurer werden. Unser Lebensstandard wird sinken, und es wird für alle (einschließlich der amerikanischen Regierung) sehr viel teurer werden, sich Geld zu leihen.

 

Leider lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt kaum noch etwas dagegen unternehmen. Wenn es um die Wirtschaft geht, spielt China Schach, während die Amerikaner Dame spielen. Und jetzt bekommen wir die Konsequenzen jahrzehntelanger sehr, sehr dummer Entscheidungen zu spüren. Der scheinbare Wohlstand, dessen sich die meisten Amerikaner heute erfreuen, steht auf tönernen Füßen und wird sich bald in Luft auflösen – und die meisten haben keinen blassen Schimmer, was da eigentlich geschieht.

 

Die vor uns liegenden Jahre werden uns vor ungeheure Herausforderungen stellen, und ich hoffe, dass Sie dabei sind, sich darauf vorzubereiten.

 

 

 

 


 

 

 

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