Freitag, 9. Dezember 2016
16.02.2016
 
 

Globaler Abschwung entfaltet erschreckende Kraft

Michael Snyder

Angeblich befindet sich die Weltwirtschaft in einem guten Zustand. Aber warum zeigen uns dann alle wesentlichen Kennzahlen, dass der Welthandel dabei ist, einzubrechen? Der Baltic Dry Index (BDI), der die Preisentwicklung beim Schiffstransport der wichtigsten Frachtgüter abbildet und als Frühindikator des Welthandels gilt, ist zum ersten Mal unter die Marke von 300 Punkten gefallen. Und die Ausfuhrzahlen praktisch aller großen Exportländer weltweit befinden sich im Sinkflug. Auch China ist von dieser Entwicklung nicht ausgeschlossen.

 

Der Anteil Chinas am Welthandel ist immens, und daher sind die jäh einbrechenden chinesischen Im- und Exporte ein deutliches Alarmzeichen. Wenn weniger Güter nachgefragt, gekauft und transportiert werden, ist dies ein untrügliches Zeichen für eine schrumpfende Realwirtschaft. Gegenwärtig werden enorme Anstrengungen unternommen, um die Finanzmärkte weltweit zu stützen, aber letzten Endes werden diese Bemühungen verpuffen.

 

Die Weltwirtschaft ist derzeit dabei, in eine Rezession abzustürzen. Und derzeit wird es selbst für die optimistischsten Wirtschaftsanalysten immer schwieriger, diese Realität zu verdrängen oder zu leugnen.

 

Als die chinesischen Handelszahlen für den diesjährigen Januar veröffentlicht wurden, waren sie für viele außerordentlich enttäuschend. Der amerikanische Fernsehsender CNBC berichtete in diesem Zusammenhang:

»Die chinesischen Importe fielen im Januar um 11,2 Prozent und die Importe brachen sogar um 18,8 Prozent ein – beide Werte sanken damit deutlich stärker, als Analysten erwartet hatten.

Von Reuters befragte Analysten waren von einem Rückgang der Exporte im Januar von 1,9 Prozent und bei Importen nur von einem Minus von 0,8 Prozent ausgegangen, nachdem die chinesischen Exporte im Dezember 2015 gegenüber dem Vorjahr um 1,4 Prozent gesunken waren und die Importe um 7,6 Prozent nachgegeben hatten.«

Derartige Zahlen zeigen sich nur in einer Rezession. Die chinesischen Importe sind damit seit 15 Monaten in Folge gesunken, und die zweitgrößte Volkswirtschaft weltweit scheint dabei zu sein, einzubrechen. Wie ich schon sagte, ist China der wichtigste Umschlagsplatz des Welthandels. Es ist die vom Umfang her größte Handelsnation weltweit, und daher muss man diese Zahlen als Katastrophe bezeichnen.

 

Auch andere Kennzahlen weisen in die gleiche Richtung. Der Welthandel ist so dramatisch eingebrochen, dass es gegenwärtig billiger ist, einen Ferrari als ein 335 Meter langes Frachtschiff zu mieten:

»Die Charterpreise für Capesize-Schiffe sind angesichts des verlangsamten Wirtschaftswachstums in China seit August um 92 Prozent auf gegenwärtig 1563 Dollar pro Tag gesunken. Das entspricht weniger als einem Drittel der Tagesmiete für einen Ferrari F40 (5597 Dollar), obwohl auch dieser Preis nach Angaben von Nick Hartwig, dem Gründer von supercarexperience.com, in den letzten Jahren leicht gefallen ist. Die Preise von Baltic Exchange erfassen nur die reinen Charterkosten, nicht aber die Treibstoffkosten. Schiffe dieser Größe verbrauchen etwa 35 Tonnen Diesel am Tag, was laut Bloomberg Kosten von etwa 4000 Dollar ausmacht.«

Das ist kaum zu glauben, aber doch nur ein weiterer Hinweis darauf, wie absurd die Lage geworden ist. Ein weiterer Indikator für den Einbruch der Wirtschaft in China sind die Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt in Hongkong:

»In unserem letzten Bericht über den Immobilienmarkt in Hongkong berichteten wir, die Zahl der Immobilientransaktionen deuteten nach Angaben der ortsansässigen Centraline Property Agency im Januar darauf hin, dass dies der schlechtestes Monat seit 1991, also seit Beginn der Erfassung der Monatszahlen, werden könnte – mit anderen Worten: der größte dokumentierte Einbruch in der Geschichte.

Centaline schätzte, dass vermutlich letztlich nur 3000 Transaktionen stattfinden werden, da die Immobilienentwickler neue Ankäufe eingeschränkt haben. In den ersten 27 Tagen des Januars wurden lediglich 394 Einheiten verkauft. Damit ist diese Zahl gegenüber Dezember 2015 um 80,3 Prozent gesunken, als noch 2127 Verkäufe registriert wurden. Auch die Anzahl der Verkäufe von Altbauten sank im Januar um 20 Prozent auf 1276 Verkäufe.«

Ähnliche Beispiele ließen sich aus allen Teilen der Welt berichten. Die meisten Menschen beschäftigen sich lieber mit den Auf- und Ab-Bewegungen auf den Finanzmärkten, aber die harten wirtschaftlichen Fakten zeigen uns die wirkliche Lage.

 

Wir befinden uns inmitten eines atemberaubenden weltweiten Wirtschaftsabschwungs, und das globale Finanzsystem beginnt derzeit, darauf zu reagieren. Die weltweiten Aktienkurse befinden sich in einer Baisse, d.h. einer anhaltenden Phase starker Kursrückgänge, der Erdölpreis ist in den vergangenen 18 Monaten um drei Viertel seines ursprünglichen Wertes eingebrochen, Ramschanleihen sind dabei, wie schon 2008, massiv an Wert zu verlieren, und in der vergangenen Woche war ein Punkt erreicht, an dem seit Mitte 2015 fast 17 Billionen Dollar an weltweiten Aktienwerten vernichtet worden waren.

 

In dem verzweifelten Versuch, doch noch irgendwie das Ruder herumzureißen und die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen, gingen viele Zentralbanken dazu über, »Strafzinsen«, also negative Zinsen auf Einlagen, einzuführen. Aber Strafzinsen zeitigen einige sehr unangenehme unbeabsichtigte Auswirkungen:

»Zu den unbeabsichtigten Folgen des weltweiten Zinssenkungs-Wettlaufs der Zentralbanken (bei dem es offenbar keine Untergrenze gibt) gehört es, dass negative Zinsen wie eine Steuer auf das Bankensystem wirken.

Wenn kommerzielle Kreditgeber dafür bestraft werden, dass sie ihre Reserven bei der Zentralbank parken, verringert dies die Gewinnmarge, die sie angesichts der ohnehin niedrigen Zinsen noch erwirtschaften können, während die Kapitalkosten steigen.

Bisher ›sind Banken nicht in der Lage oder scheuen noch davor zurück, negative Einlagen-Zinssätze an ihre Kunden weiterzugeben, was ihnen nur wenige Optionen belässt, die anfallenden Kosten auszugleichen‹, bemerkte ein JP-Morgan-Analyst.«

In Wahrheit haben wir tatsächlich schon die Grenzen der Geldpolitik erreicht. Seit März 2008 wurden die Zinsen weltweit 637-mal gesenkt, und die Zentralbanken haben Vermögenswerte im Umfang von 12,3 Billionen Dollar aufgekauft. Aber trotz dieser beispiellosen Interventionen befinden wir uns erneut inmitten einer neuen weltweiten Krise.

 

Die Zentralbanker machen einfach so weiter wie bisher und agieren hypernervös, während sie verzweifelt versuchen, die Lage zu stabilisieren. Ich persönlich schätze die Lagebeurteilung von Jim Rogers, die dieser vor Kurzem in einem Interview mit dem amerikanischen Fernsehsender CNN äußerte:

»Der bekannte Investor Jim Rogers warnt vor einem unmittelbar bevorstehenden Finanz-Armageddon, das von schwachsinnigen Zentralbankern herbeigeführt werde.

Wir werden alle einen schrecklichen Preis für das Unvermögen dieser Zentralbanker zahlen‹, sagte er am Montag in einem Interview mit der CNN Moderatorin Nina dos Santos, ›Wir haben es hier mit einem Haufen von Akademikern und Bürokraten zu tun, die nicht wissen, was sie tun.‹«

Wir sind in die Endphase der größten Finanzblase der Geschichte eingetreten, und jetzt hat sich der Vorhang für den entscheidenden letzten Akt gehoben. Es stimmt, die Regierungen und die Zentralbanken werden versuchen, »die Lage wieder in den Griff zu bekommen«, aber es zeichnet sich immer klarer ab, dass sie eigentlich dabei sind, immer schneller die Kontrolle zu verlieren.

 

Aber es gibt auch noch andere Faktoren wie etwa den potenziellen Ausbruch des Dritten Weltkrieges im Nahmittelosten, der diese neue Krise jederzeit in einen völligen Albtraum verwandeln könnte. Wir wollen also das Beste hoffen, aber uns zugleich auf das Schlimmste vorbereiten.

 

 

 

 

 

 

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