Sunday, 28. August 2016
21.10.2013
 
 

Neun Anzeichen dafür, dass China gegen den Dollar aktiv wird

Michael Snyder

Auf der internationalen Bühne der Finanzwelt spielt China Schach, während die USA Halma spielen. Nun sind die Chinesen dazu übergegangen, ihre seit Langem gehegten Pläne, den Dollar als weltweite Reservewährung zu entthronen. Die schlichte Wahrheit lautet, China hat kein Interesse daran, zuzulassen, dass das amerikanische Finanzsystem die Welt auf ewige Zeiten beherrscht.

Schon jetzt ist China die größte Exportnation der Welt, und in den kommenden Jahren wird das Reich der Mitte ab einem gewissen Punkt auch die stärkste Volkswirtschaft weltweit sein. Die Chinesen wollen, dass der weltweite Umgang mit Währungen diese Veränderung im globalen wirtschaftlichen Machtgefüge reflektiert. Derzeit wird der größte Teil des Welthandels in Dollar

abgewickelt, und mehr als 60 Prozent der weltweiten Devisenreserven werden in Dollar gehalten. Dies verschafft den USA einen erheblichen inhärenten Vorteil, aber aufgrund der unglaublich falschen Entscheidungen der letzten Jahrzehnte löst sich dieser Vorteil allmählich in Luft auf. Und die jüngste politische Instabilität in Washington im Zusammenhang mit dem Regierungs-Shutdown und dem Erreichen der Schuldenobergrenze lässt die Chinesen diese Anzeichen von Schwäche deutlich spüren. China hat öffentlich damit begonnen, das Ausmaß der amerikanischen Staatsverschuldung anzuprangern. Chinesische Regierungsvertreter drohten sogar an, in Zukunft keine weiteren amerikanischen Schuldverschreibungen zu kaufen. Zudem haben die Chinesen damit begonnen, mit anderen größeren internationalen Akteuren Währungsswaps zu vereinbaren. Und nicht zuletzt hat China immense Mengen an Gold angehäuft. Alle diese Schritte bereiten den Augenblick in der Zukunft vor, in dem China dem US-Dollar völlig den Boden unter den Füßen wegziehen wird.

 

 

Gegenwärtig bildet das amerikanische Finanzsystem das Kernstück des weltweiten Finanzsystems. Da praktisch jedes Land den Dollar dazu benutzt, Erdölimporte zu bezahlen und mit anderen Handel zu treiben, hat dies die Nachfrage nach US-Dollar weltweit ungeheuer angekurbelt. Andere Länder sind deshalb im Allgemeinen glücklich, US-Dollar im Gegenzug für Erdöl, billige Plastikgeräte und andere Güter für den amerikanischen Markt zu erhalten.

 

Viele Exportländer haben daher große Mengen an Dollar-Devisen angehäuft, aber anstatt diese Gelder einfach zu deponieren, investieren sie erhebliche Mengen ihrer Devisenreserven in amerikanische Staatsanleihen, die in der Regel im Bedarfsfall leicht verkauft werden können. Wenn also das amerikanische Finanzsystem das Kernstück des Weltfinanzsystems bildet, dann machen die amerikanischen Schulden »den Kern des Kernstücks« aus, wie einige Leute es einmal formuliert haben. Amerikanische Staatsanleihen geben dem Kreislauf von Geldschöpfung, Kreditvergabe und Ausgaben, von dem die Weltwirtschaft abhängt, neue Nahrung.

 

Aus diesem Grunde wäre eine amerikanische Zahlungsunfähigkeit auch ein so massives Problem. Ein Zahlungsverzug oder eine Zahlungsunfähigkeit der USA ließe die Zinsen hochschnellen und das ganze weltwirtschaftliche System gegenseitiger Abhängigkeiten geriete völlig durcheinander. Unglücklicherweise für die USA lässt sich die amerikanische Schuldenspirale nicht unendlich weiterdrehen. Die amerikanische Staatsverschuldung wächst, und zwar weitaus schneller als das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Und daher sind die amerikanischen Schulden völlig unhaltbar.

 

Die Chinesen verstehen, was hier gerade vorgeht, und sie wollen zu den letzten Überlebenden gehören, wenn sich der Staub der kommenden Finanz- und Wirtschaftskatastrophe langsam legt. In den Nachwehen eines amerikanischen Zusammenbruchs, davon geht China aus, wird es die größte Volkswirtschaft weltweit sein, über größere Goldvorräte als jedes andere Land und eine respektierte Außenwährung verfügen, die der Rest der Welt benutzen kann, um Handel miteinander zu treiben.

 

China wird jetzt aber keineswegs stillsitzen und darauf warten, dass alles so eintrifft. Tatsächlich unternimmt es viele Schritte, um eine entsprechende Entwicklung in Gang zu setzen. Im Folgenden neun Anzeichen dafür, dass China aktiv gegen den Dollar vorgeht:

  1. Die chinesische Kreditratingagentur Dagong hat die amerikanischen Schulden von A auf A- herabgestuft und angedeutet, weitere Herabstufungen seien nicht ausgeschlossen.

  2. China ist eine sehr umfangreiche Währungsswap-Vereinbarung mit der Euro-Zone mit einem Umfang von 350 Mrd. Yuan und 45 Mrd. Euro eingegangen, was als großer Schritt in die Richtung gesehen wird, den Yuan als wichtige weltweite Währung einzuführen. Diese Vereinbarung wird dazu führen, dass der US-Dollar in sehr viel geringerem Umfang beim Handel zwischen China und Europa zum Tragen kommt:

»Darüber hinaus werde diese Vereinbarung eine Ausweitung des Handels und der Investitionen zwischen den Regionen ohne eine Konvertierung in eine andere Währung, wie etwa in den US-Dollar, ermöglichen, sagte Kathleen Brooks, Forschungsdirektorin bei FOREX.Com. ›Dies dient dazu, den europäischen und chinesischen Handel zu fördern, allerdings unter Ausschluss des Dollars‹, meinte Brooks. ›Das ist ungefähr so, als schalte man den Zwischenhändler aus, und plötzlich ist man alle potenziellen Dollar-Risiken los.‹«

  1. Bereits im Juni unterzeichnete China einen umfangreichen Währungsswap mit Großbritannien. Auch dies war ein wichtiger Schritt in Richtung Internationalisierung des Yuan.

  2. China hält derzeit 1,3 Billionen Dollar an amerikanischen Schuldverschreibungen, und die massiven Risiken durch diese Belastung mit den amerikanischen Schulden haben sich in China immer mehr zu einem heiß debattierten innenpolitischen Thema entwickelt.

  3. Mei Xinju, ein Berater des Handelsministeriums, warnte in dieser Woche davor, dass sich China im Falle einer Zahlungsunfähigkeit der amerikanischen Regierung generell dazu entschließen könnte, keine amerikanischen Schuldverschreibungen mehr zu kaufen.

  4. Laut Yahoo News sucht China bereits nach Möglichkeiten, seine Devisen zu diversifizieren und sich allmählich vom Dollar zu lösen:

»Medienberichten dieser Woche zufolge sucht die staatliche chinesische Devisenbehörde, die die 3,66 Billionen Dollar an Devisenreserven des Landes verwaltet, nach Wegen, diese teilweise in Immobilien in Europa anzulegen.«

  1. Die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua forderte in einem Gastkommentar in dieser Woche »eine ent-amerikanisierte Welt«. Zu den politischen Turbulenzen in Washington hieß es: »Und erst vor Kurzem hat die zyklisch wiederkehrende Stagnation in Washington bei der Suche nach einer tragfähigen, von beiden Parteien akzeptierten Verabschiedung des Haushalts und der Genehmigung, die Schuldenobergrenze ein weiteres Mal anzuheben, viele Länder, die über erhebliche Dollar-Devisen verfügen, schweren Risiken ausgesetzt und die internationale Gemeinschaft in hohem Maße gelähmt.«

  2. Über die vorübergehende haushaltspolitische Einigung in Amerika urteilte Xinhua am Donnerstag: »Die Politiker in Washington haben nichts Substanzielles gegen den endgültigen Zusammenbruch des weltweiten Vertrauens in das amerikanische Finanzsystem unternommen, sondern ihn lediglich herausgeschoben.« In dem Kommentar der regierungseigenen Publikation hieß es weiter, die Einigung in der Schuldenkrise »hat nur dazu geführt, dass die Zündschnur der amerikanischen Schuldenbombe um einige Zentimeter verlängert wurde«.

  3. China ist der größte Goldhersteller weltweit und gehört zu den Ländern, die immense Mengen an Gold aus anderen Ländern importiert haben. Und sie sind keineswegs dabei, diesen Prozess abzubremsen, im Gegenteil: Sie beschleunigen ihren Ankauf von Gold sogar noch und weiten ihn aus. Der Geldmanager Stephen Leeb erklärte, seine Quellen hätten ihm mitgeteilt, China beabsichtige den Ankauf weiterer 5000 Tonnen Gold. Viele sind überzeugt, China plane tatsächlich eine Golddeckung für den Yuan und versuche, seine Währung zur besten Alternative zum US-Dollar zu machen.

Was würde denn nun genau geschehen, wenn die Chinesen eines Tages ankündigten, sie würden ihrer Währung eine Golddeckung unterlegen und bei internationalen Handelsgeschäften nicht länger mit Dollar bezahlen?

 

Über Nacht würde sich das Erscheinungsbild der Weltwirtschaft ändern. In einem früheren Artikel beschrieb ich einige der Dinge, mit denen wir in einem solchen Fall zu rechnen hätten:

»Sollte sich China entscheiden, den Yuan mit einer Golddeckung zu unterlegen und bei internationalen Handelsgeschäften nicht länger auf den Dollar zurückzugreifen, hätte dies verheerende Folgen für die amerikanische Volkswirtschaft. Die Nachfrage nach US-Dollar und amerikanischen Schuldverschreibungen bräche drastisch ein. Und entsprechend stiegen die Preise für Dinge des täglichen Gebrauchs steil an. An diesem Punkt der Entwicklung gibt es kein billiges Benzin oder billige Importe aus China mehr. Unser gesamter Lebensstil hängt davon ab, dass der US-Dollar die Hauptreservewährung weltweit ist, und wir damit in der Lage sind, unsere Importpreise niedrig zu halten. Wenn die restliche Welt (angeführt von China), dem US-Dollar diesen Status [als Weltreservewährung] nimmt, führte dies zu einem massiven Devisen-Tsunami, der an unseren Küsten zurückbrandete, und als weitere Folge käme es zu einer schmerzhaften Anpassung unseres Lebensstandards an die neuen Verhältnisse.

Gegenwärtig wird der größte Teil der amerikanischen Währung außerhalb der USA eingesetzt. Sollte sich dies eines Tages ändern und wir nicht mehr in der Lage sein, unsere Inflation zu exportieren, dann beschert uns das ungeheure Schwierigkeiten.«

Dass wir einfach riesige Mengen an Geld drucken konnten und praktisch alle weltweit dieses Geld benutzten, war für die amerikanische Volkswirtschaft ein Segen. Wenn sich diese Situation ändert, dann beschreibt der Begriff »Katastrophe« die dann folgenden Ereignisse nur sehr unzureichend.

 

Nach einer Rasmussen-Reports-Umfrage, die in der vergangenen Woche veröffentlicht wurde, glauben nur 15 Prozent aller Amerikaner, das Land befinde sich auf dem richtigen Weg. Aber in Wahrheit handelt es sich um die guten Zeiten. Die amerikanische Bevölkerung hat noch nichts anderes erlebt. Eines Tages werden die Menschen zurückblicken und sich verzweifelt wünschen, zu den »glücklichen alten Zeiten« der Jahre 2012 und 2013 zurückkehren zu können. Soviel zu den weiteren »positiven« Entwicklungen, und jetzt heißt es nur noch: Von nun an geht‘s bergab.

 

 

 

 


 

 

 

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