Thursday, 18. September 2014
20.08.2013
 
 

Was passiert, wenn die Zinsen weiter rapide steigen?

Michael Snyder

Wenn Sie verfolgen wollen, wie nahe wir dem nächsten Finanzkollaps gekommen sind, dann sollten Sie vor allem eine Zahl im Auge behalten. Die Zahl, von der ich spreche, ist die Rendite für zehnjährige US-Treasuries [Staatspapiere], denn die beeinflusst Tausende von anderen Zinssätzen in unserem Finanzsystem.

Wenn die Rendite für zehnjährige Treasuries steigt, ist das schlecht für die US-Wirtschaft, weil es die langfristigen Zinsen in die Höhe treibt. Wenn die Zinsen steigen, wird der Kreditfluss gedrosselt, und ein gesunder Kreditfluss ist entscheidend für das schuldenbasierte System, in dem wir leben. Stellen Sie sich jemanden vor, der eine Tube zudrückt, durch die Wasser fließt. Je höher die Zinsen steigen, desto mehr wirtschaftliche Aktivität wird abgedrückt. Wenn die Zinsen

weiter rapide steigen, wird es für die US-Regierung teurer, Geld zu borgen, der Häusermarkt kann erneut einbrechen, Verbraucherschulden werden teurer, Investoren in Ramschanleihen müssen sich auf herbe Verluste gefasst machen und die Aktienmärkte werden viel Leid erfahren. Wir könnten es erleben, dass die 441-Billionen-Dollar-Zinsderivate-Blase implodiert. Und das ist erst der Anfang.

 

Ja, wir alle müssen die Rendite für zehnjährige US-Treasuries genau beobachten. Am Freitag eröffnete sie bei 2,76 Prozent, erreichte einen Höchstwert von 2,86 Prozent, bevor sie bei 2,83 Prozent schloss. Die Rendite für zehnjährige US-Treasuries ist seit Anfang Mai um fast 120 Basispunkte gestiegen, und fast alle an der Wall Street sind überzeugt, dass sie noch viel höher gehen wird. Wir betreten hier Neuland, denn wir haben in den letzten 30 Jahren in der Zeit einer Hausse für US-Treasuries gelebt. Viele Investoren wissen gar nicht, dass man mit US-Staatspapieren Geld verlieren kann. Sie werden als »risikofreie« Investitionen gepriesen, aber das ist ein großer Irrtum.

 

Tatsächlich könnten wir erleben, dass Anleiheinvestoren aller Art am Ende Billionen von Dollar verlieren.

Und auch die Investoren am Aktienmarkt werden Geld verlieren. Niedrige Zinsen sind gut für die wirtschaftliche Aktivität, und die ist gut für den Aktienmarkt. Das untenstehende Diagramm wurde von dem Blogger Chartist Friend from Pittsburgh erstellt und es zeigt, dass die Aktienpreise allgemein gestiegen sind, während die Rendite für zehnjährige US-Treasuries in den letzten 30 Jahren ständig zurückgegangen ist.

Wenn die Zinsen steigen, ist das schlecht für die wirtschaftliche Aktivität und schlecht für Aktien. Deshalb sind so viele Aktienanalysten alarmiert darüber, dass die Zinsen derzeit so schnell steigen. Wie ich kürzlich geschrieben habe, haben wir soeben die größte Häufung von Hindenburg-Omen seit der letzten Finanzkrise erlebt. Die Aktienmärkte scheinen bereits reif für eine riesige »Anpassung«, und steigende Zinssätze könnten ihnen einen großen Schub in die negative Richtung versetzen.

 

Am Ende könnten Aktienmarktinvestoren beim nächsten Börsenkrach Billionen von Dollar verlieren. Darüber hinaus können steigende Zinsen auch leicht einen weiteren Crash auf dem Häusermarkt herbeiführen. Wie am Freitag im Wall Street Journal besprochen wurde: Wenn die Rendite für zehnjährige US-Treasuries steigt, werden auch die Hypothekenzinsen in die Höhe gehen.

 

Höhere Renditen werden die längerfristigen Kreditkosten für US-Verbraucher und Unternehmen hochtreiben. Die Hypothekenzinsen steigen, und Investoren achten genau darauf, ob dies die Erholung auf dem Häusermarkt wieder entgleisen lässt. Der Markt ließ in diesem Jahr Anzeichen erkennen, dass er die Kurve kriegen würde.

 

In einen meiner früheren Artikel hatte ich ein Beispiel aufgenommen, das zeigt, was steigende Hypothekenzinsen anrichten können. Vor einem Jahr lag der Zinssatz für 30 Jahre noch bei 3,66 Prozent. Die monatliche Zahlung für eine 300 000-Dollar-Hypothek mit 30-jähriger Laufzeit betrug bei diesem Zinssatz 1374,07 Dollar. Steigt der 30-Jahres-Satz auf acht Prozent, so stiege die monatliche Zahlung für eine 300 000-Dollar-Hypothek mit 30-jähriger Laufzeit auf 2201,29 Dollar.

 

Acht Prozent erscheinen Ihnen verrückt?

Das sollte es aber nicht. Acht Prozent galten im Jahr 2000 noch als normal. Wenn Sie heute ein Haus für 300 000 Dollar besitzen, was glauben Sie: Wird es leichter oder schwerer zu verkaufen sein, wenn die Hypothekenzinsen in die Höhe schnellen?

 

Ja natürlich, es wird viel schwerer sein. Tatsächlich werden Sie vielleicht den Verkaufspreis deutlich senken müssen, so dass mögliche Käufer sich die Zahlungen leisten können. Hoffen wir, dass die Rendite der zehnjährigen US-Treasuries eine Weile gleich bleibt. Wenn sie auf dem derzeitigen Niveau bleibt, wird der Schaden vielleicht nicht so groß.

 

Aber wenn sie die Drei-Prozent-Marke überschreitet und weiter in die Höhe geht, könnten wir schon bald einen Schlamassel erleben. Tatsächlich ist laut Investor-Survey der Bank of America Merrill Lynch die 3,5-Prozent-Marke der Wert, bei dem der Kollaps des Anleihemarkts wahrscheinlich »ungeordnet« wird.

Unser letzter Credit Investor Survey vom 8. bis 11. Juli ergab, dass 3,5 Prozent für die Zehnjährigen allgemein als Auslöser einer ungeordneten Rotation betrachtet wird – d.h. höhere Zinsen führen zum Kapitalabfluss und breiteren Credit Spreads [Bonitätsaufschlägen] – bei »High grade«-Investoren.

Anders gesagt: Drei Prozent für die Zehnjährigen werden nicht zu allgemeinem Credit Spread führen, wenn es genügend Kaufinteresse von institutionellen Investoren gibt (obwohl sich die Spread-Kurve für die Zehner/30er weiter abflachen würde, da offene Investmentfonds/ETF-Anteile in der Glocke der Verteilungskurve konzentriert sind, während die institutionelle Nachfrage überproportional am langen Ende der Kurve angesiedelt ist). Trotzdem, wenn die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Zinsanstiegs auf 3,5 Prozent hoch ist – dieser Eindruck entsteht bei hoher Zinsvolatilität –, werden sich bestimmte Investoren zurückhalten.

Somit könnte es kein ausreichendes institutionelles Kaufinteresse geben, das den Kapitalabfluss privater Gelder ausgleicht und ingesamt die »High grade«-Spreads begrenzt.

Was ist der Auslöser dafür?

Nun, es gibt natürlich mehrere Faktoren, aber es ist ein sehr beunruhigendes Zeichen, dass Ausländer in einem Maße, wie wir es seit 2007 nicht mehr erlebt haben, US-Treasuries verkaufen.

Eine der größten Sorgen auf den Finanzmärkten ist die, ausländische Investoren könnten keine weiteren US-Treasury-Papiere mehr kaufen, was einen Anstieg der Sollzinsen auslösen würde.

Dies ist zwar nicht der Beginn eines besorgniserregenden Trends, aber neue Zahlen des US-Finanzministeriums zeigen, dass Ausländer im Juni Nettoverkäufer waren. Tatsächlich ist es der größte Nettoverkauf von US-Wertpapieren seit August 2007.

Erinnern Sie sich an all die Warnungen der letzten Jahre darüber, was geschehen würde, wenn fremde Länder anfingen, die US-Schulden abzustoßen?

 

Nun, wie es aussieht, kann es bald so weit sein.

Leider gibt es keinen Weg, wie die Party, die die US-Regierung veranstaltet, weitergehen kann, wenn uns die Ausländer unsere Schulden nicht abkaufen. Wir haben die Staatsverschuldung seit dem Jahr 2000 um über elf Billionen Dollar erhöht, und nach Angaben des Wirtschaftswissenschaftlers Laurence Kotlikoff von der Universität Boston stehen wir in den nächsten Jahren vor nicht fundierten Verbindlichkeiten in Höhe von über 200 Billionen Dollar.

 

Selbst wenn Ausländer uns weiterhin massenweise superbilliges Geld leihen, müssten trotzdem unsere Steuern verdoppelt werden, um uns fiskalisch auf einen nachhaltigen Kurs zu bringen. In der Septemberausgabe von Finance and Development, einer Zeitschrift des Internationalen Währungsfonds, sagt Dr. Kotlikoff, der IWF selbst habe insgeheim bestätigt, dass die USA in größten fiskalischen Schwierigkeiten stecken – weit schlimmer als der Washingtoner Kreditgeber der letzten Instanz bislang zugegeben hatte. »Die fiskalische Lücke ist riesig«, bestätigte der IWF in einem Bericht vom Juni. »Die fiskalische Lücke zu schließen, erfordert eine permanente fiskalische Anpassung entsprechend rund 14 Prozent des US-BIP.«

 

Dieser Betrag ist so hoch wie das gesamte derzeitige US-Bundessteueraufkommen. Die Folgen eines fiskalischen Eingreifens des IWF, eine Verdopplung der Bundessteuern auf Dauer, wären entsetzlich – und möglicherweise mehr als das. Prof. Kotlikoff sagt: »Der IWF behauptet, zur Schließung der fiskalischen Lücke durch Besteuerung sei eine sofortige und permanente Verdopplung unserer Einkommenssteuer, unserer Unternehmenssteuer und aller anderen Bundessteuern erforderlich.«

 

»Amerikas fiskalische Lücke ist enorm – so massiv, dass es nicht vorstellbar scheint, sie ohne umgehende und radikale Reformen des Gesundheitssystems, des Steuer- und Sozialversicherungssystems und die Kürzung militärischer und anderer Ausgaben zu schließen.«

 

Können Sie es sich leisten, doppelt so viele Steuern an die Regierung in Washington zu zahlen?

Nur sehr wenige Amerikaner wären dazu in der Lage. Aber so ernst sind die Finanzprobleme der Regierung in Washington. Dabei wird bei den obigen Angaben davon ausgegangen, dass die Zinsen für US-Staatsschulden auf dem gegenwärtigen Niveau bleiben. Wenn die durchschnittlichen Zinsen für US-Staatsschulden nur auf sechs Prozent steigen, wird die US-Regierung jährlich eine Billion Dollar nur an Zinsen für die Staatsverschuldung zahlen.

 

Weiterhin geht das oben Gesagte davon aus, dass wir ein gesundes Finanzsystem haben werden, dem nicht noch einmal aus der Patsche geholfen werden muss. Aber wenn rapide steigende Zinsen dazu führen, dass die 441-Billionen-Zinsderivate-Blase implodiert, wird der Bailout für die Banken, die »zu groß sind, um bankrott zu gehen«, wahrscheinlich sehr viel umfangreicher sein als beim letzten Mal.

 

Und tatsächlich: Wenn die Blase erst platzt, wird es vermutlich auf der ganzen Welt nicht genug Geld geben, um die Dinge wieder ins Lot zu bringen. Wenn Ihnen das Bild, das ich hier zeichne, trostlos erscheint, so deshalb, weil es trostlos ist. Manchmal bin ich über mich selbst frustriert, weil ich das Gefühl habe, dass es mir nicht gelingt, die enorme Gefahr, die uns momentan droht, richtig zu vermitteln.

 

Wir treiben auf die schlimmste Finanzkrise der neueren Menschheitsgeschichte zu, und der schuldenbasierte Wohlstand, dessen wir uns erfreuen, wird verschwinden und nie wiederkommen. Sie können das als »Untergangsgerede« abtun und den Kopf in den Sand stecken, aber das wird nichts helfen. Anstatt die Realität zu ignorieren, sollten Sie lieber hart arbeiten, um Ihre Familie vorzubereiten auf das, was kommt, und andere warnen, sich ebenfalls vorzubereiten.

 

Wenn sich ein Hurrikan auf das Land zubewegt, fahren Sie nicht mit Ihrer Familie zum Strandpicknick. Das wäre töricht. Leider verhalten sich viel zu viele Amerikaner heute so, als könnte sich so etwas wie die Finanzkrise von 2008 niemals wiederholen. Wenn Sie sich der Täuschung hingeben, all dies werde irgendwie zu einem guten Ende kommen, dann wird Sie der kommende Sturm wie aus heiterem Himmel treffen.

 

Aber wenn Sie heute Vorbereitungen treffen, dann könnte es Ihnen gut gehen. Es gibt Hoffnung, wenn man versteht, was geschieht, und es gibt Hoffnung, wenn man sich vorbereitet. Halten Sie also die Rendite für zehnjährige US-Treasuries im Auge. Je höher sie steigt, desto ernster wird die Lage.

 

 

 

 


 

 

 

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