Friday, 1. July 2016
06.12.2014
 
 

Welche Folgen hatte es, als die Erdölpreise das letzte Mal so drastisch einbrachen?

Michael Snyder

Dass die Erdölpreise in weniger als einem halben Jahr um mehr als 40 Dollar nachgaben, geschah zuvor erst einmal in der Geschichte: Und zwar in der zweiten Hälfte des Jahres 2008, und nur einige Monate später nach dem drastischen Fall der Erdölpreise begann der gigantische Finanzkollaps. Heute scheint sich die Geschichte zu wiederholen, aber diesmal wären die Folgen noch katastrophaler.

 

Massiv fallende Erdölpreise signalisieren, dass sich die Wirtschaftsaktivitäten verlangsamen. Und dies kann sich auch auf die Finanzmärkte sehr destabilisierend auswirken. Wie Sie im Folgenden lesen werden, nehmen Energieunternehmen heute schätzungsweise einen Anteil von 20 Prozent des Marktes der sogenannten »Schrottanleihen« ein. Und ein Zusammenbruch dieses Marktes gilt in der Regel als sicheres Zeichen für einen bevorstehenden größeren Crash auf den Aktienmärkten.

Wenn man also nach einem Frühwarnzeichen sucht, sollte man seine Blicke auf den Energie-Schrottanleihenmarkt richten. Wenn sich dort eine Krise andeutet, dürfte an der Wall Street insgesamt bald die Hölle los sein.

 

Die Bedeutung des Fracking-Erdöl-Booms in den USA lässt sich kaum überschätzen. Nur aufgrund dieses Booms wurden die USA zum größten Erdölproduzenten der Erde. Gegenwärtig produzieren die USA mehr Erdöl als Saudi-Arabien oder Russland.

 

Diese »Revolution« führte seit der letzten Rezession zur Schaffung von Millionen Arbeitsplätzen und trug als einer der Schlüsselfaktoren entscheidend dazu bei, dass der Anteil der beschäftigten Arbeitnehmer in den USA einigermaßen stabil blieb.

 

Aber leider droht jetzt ein abruptes Ende dieses Fracking-Booms. Wie Brad Plumer vor Kurzem in einem Artikel auf Vox beschrieb, hat die Organisation erdölexportierender Länder, kurz OPEC, den amerikanischen Fracking-Erdöl-Unternehmen einen Preiskrieg erklärt:

»Die OPEC hat jetzt in jeder Hinsicht einen ›Preiskrieg‹ gegen die USA begonnen. Dies bedeutet vor allem, dass man derzeit von Erdölförderländern wie Saudi-Arabien und Kuwait sehr günstiges Erdöl beziehen kann. Aber damit ist es nun gleichzeitig teurer, per Fracking Erdöl aus Schiefer- und anderen Gesteinsschichten in Texas und Nord-Dakota zu fördern. Wenn die Erdölpreise weiterhin sinken, wird sich dieses Geschäft für einige Unternehmen nicht mehr lohnen, und sie werden aufgeben. Und dann? Die Erdölpreise werden sich stabilisieren, und die OPEC behält ihren Marktanteil.«

Sollte der Erdölpreis auf seinem jetzigen Niveau verharren oder sogar weitersinken, werden zahlreiche amerikanische Fracking-Unternehmen aufgeben müssen, und damit werden viele Arbeitsplätze verlorengehen.

 

Die Saudis wissen, wie man mit harten Bandagen kämpft und verhalten sich dabei absolut rücksichtslos. Tatsächlich ist dies nicht das erste Mal, dass so etwas geschieht:

»Robert McNally, ein früherer Berater des Weißen Hauses unter George W. Bush und Vorstandschef des Energieberatungsunternehmens Rapidan Group, erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, Saudi-Arabien ›wird jeden Preisrückgang akzeptieren, um jegliche Versorgungsengpässe auszugleichen und damit die Märkte außerhalb des amerikanischen Fracking-Sektors zu stabilisieren‹. Selbst der legendäre Erdölexperte T. Boon Pickens ist der Auffassung, Saudi-Arabien wolle die amerikanischen Erdölförder- und Frackingunternehmen unter Druck setzen, ›um zu sehen, ob die Fracking-Leute einem sinkenden Preis standhalten können‹. Dies ist nicht das erste Mal: Als die Erdölförderung Mitte der 1980er-Jahre in der Region North Slope im amerikanischen Bundesstaat Alaska und in der Nordsee anstieg (damals wurden zusammengenommen zwischen fünf bis sechs Millionen Barrel pro Tag gefördert), brach die OPEC einen Preiskrieg vom Zaun, um ihren Marktanteil zu vergrößern oder zumindest zu halten. Als Folge sank der Erdölpreis bis 1986 von etwa 40 Dollar auf knapp unter zehn Dollar pro Barrel.«

In den letzten Jahren war der Energiesektor der einzige Lichtblick der amerikanischen Wirtschaft. Sollte jetzt auch dieser Bereich zusammenbrechen, hätte dies dramatische negative Folgen für unsere weitere wirtschaftliche Entwicklung.

 

Nehmen wir als Beispiel nur die folgenden Zahlen, die aus einem vor Kurzem auf der Internetseite Business Insider veröffentlichten Artikel von Sam Ro stammen:

»Insbesondere dann, wenn die Preise zu tief sinken, wären die Energieunternehmen nicht mehr in der Lage, die Förderkosten in den USA zu decken. Diese Ausgaben der Energieunternehmen, die man auch als Kapital- oder Investitionsausgaben bezeichnet, sichern eine Vielzahl von Arbeitsplätzen.

Der Energiesektor ist für etwa ein Drittel der Kapitalausgaben der S&P 500 und für fast ein Viertel der gesamten Kapitalausgaben und Ausgaben für Forschung und Entwicklung verantwortlich‹, berichtete Amanda Sneider von Goldman Sachs.«

Noch beunruhigender wären die möglichen Folgen für die Finanzmärkte. Wie ich schon erwähnte, machen die Energieunternehmen einen Anteil von fast 20 Prozent an dem gesamten Markt für Schrottanleihen aus.

 

Wenn diese Unternehmen in eine Schieflage geraten und entsprechend bei ihren Anleihen Zahlungsausfälle drohen, dürfte dies unsere Großbanken wirklich hart treffen:

»Würde ein Zusammenbruch eine Welle von Zahlungsausfällen auf dem gesamten Markt hochverzinslicher Schuldtitel auslösen, was dann auch die Aktienmärkte träfe, könnte praktisch jeder davon betroffen sein. Als Erste wären vor allem die Banken betroffen, die von der Immobilienkrise als Letzte getroffen wurden.

Warum? – Wie aus verschiedenen Quellen hervorgeht, machen Energieunternehmen zwischen 15-20 Prozent aller amerikanischen Schrott-Schuldentitel aus.«

Das Ausmaß der potenziellen Gefahr für die Märkte kann man kaum überschätzen. Ein Analyst drückte es so aus:

»Diese Entwicklung habe ich immer wieder erlebt«, sagte Larry McDonald, Leiter der Abteilung für amerikanische Strategie des US-Finanzunternehmens Newedge, »Wenn sich die Erwartungen hoher Erträge bei Wertpapieren nicht erfüllen, wird es zu einem schweren Kreditausfall kommen. Und das ist dann der sprichwörtliche Kanarienvogel im Kohlebergwerk.«

Als die Schrottanleihen das letzte Mal zusammenbrachen, kam es nur wenig später zu einem Aktiencrash. Damals waren vor allem die großen Wall-Street-Banken betroffen:

»Beim letzten Zusammenbruch der Hochzins-Wertpapiere, der sich vor allem auf Schuldtitel im Zusammenhang mit dem Immobiliensektor konzentrierte, verlor Citigroup in den folgenden 60 Tagen 63 Prozent ihres Wertes, wie die Zahlen von Kensho zeigen. Die Bank of America schrumpfte um die Hälfte.«

Ich kann verstehen, dass einige dieser Informationen vielen Menschen als zu technisch erscheinen, aber im Kern läuft es auf Folgendes heraus: Beobachten Sie den Schrottanleihen-Markt. Wenn sie zusammenzubrechen beginnen, ist dies ein deutliches Warnzeichen dafür, dass ein größerer Aktiencrash unmittelbar bevorsteht.

 

Selbst die Mainstream-Medien beginnen nun zu warnen. So hieß es in einem CNN-Artikel:

»Zu einer solchen Absetzbewegung von den Schrottanleihen kommt es oft kurz vor einem Einbruch der Aktienmärkte. ›Hochverzinste Papiere liefern nützliche Signale für Aktien-Investoren‹, sagte ein Analyst von Barclays in einem vor Kurzem veröffentlichten Bericht.

Barclays hatte die Zahlen der letzten Jahrzehnte durchforstet. Dabei stießen sie auf ein Warnsignal: Jedes Mal vor einem Preissturz kam es zu einem 30 prozentigen Anstieg bei den Margen zwischen Staatsanleihen und Schrottanleihen.«

Wenn Sie auf den nächsten größeren Finanzzusammenbruch warten, hat Ihnen dieser Artikel gezeigt, dass er uns näher ist denn je. In den vor uns liegenden Wochen sollten Sie ihre Aufmerksamkeit auf die Preisentwicklung bei Erdöl, auf den Markt für Schrottanleihen und auf die Großbanken legen.

 

Vor uns brauen sich gigantische Turbulenzen und Probleme zusammen, und niemand weiß genau, was als Nächstes geschehen wird.

 

 

 

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Leser-Kommentare (10) zu diesem Artikel

11.01.2015 | 22:51

George Orwell

@ben Dem muß ich wiedersprechen. In den letzten 15 Jahren ist der Peak Öil angeblich immer wieder erreicht gewesen. In Wahrheit wurde er sogar immer wieder übertroffen. Standart Öil und Shell haben selber erst kürzlich gesagt das wir noch Öl 60 bis 80 Jahre haben!!!! Das verdummen der Leute über die angebliche Ölknappheit wurde kpünstlich erzeugt.


11.01.2015 | 22:14

George Orwell

@ben Dem muß ich wiedersprechen. In den letzten 15 Jahren ist der Peak Öil angeblich immer wieder erreicht gewesen. In Wahrheit wurde er sogar immer wieder übertroffen. Standart Öil und Shell haben selber erst kürzlich gesagt das wir noch Öl 60 bis 80 Jahre haben!!!! Das verdummen der Leute über die angebliche Ölknappheit wurde kpünstlich erzeugt.


08.12.2014 | 18:09

rotepmal

Und was die Saudis betrifft, viel interessanter wäre es, wenn die ca. 30 Seiten des Abschlussberichtes zu 9/11, die bislang per Präsential-Deket als geheim eingestuft, veröffentlicht werden. Diese zeigen die Verwicklung des Saudischen Könighauses auf.


07.12.2014 | 21:30

HJS "5%Club"

@Hihi....mach mal eine Andeutung. Solltest Du aber die Auserwälte Nation meinen, so bin ich der Meinung das die nur aus einem Grund von dem Roten Schild gegründet worden ist. Jetzt so langsam sich aber dem Verfallsdatum nähert um im Bunzelland für deren Elite eine neue Bleibe zu gründen. Ich laß mich gerne aufklären.


07.12.2014 | 01:41

Hihi

Hallo HJS "Für mich ist das alles auf oberster Ebene abgesprochen. Das saudische Königshaus, nicht das Volk, sich aus einem bestimmten Grund sehr ,sehr sicher fühlen kann ..." So ist es, alles nur orchestrierte, meist j..., wenn oft noch auch kryptoj... Statthalter, die den mittelbaren Weisungen des obersten jüd. Kahal Folge zu leisten haben. Dass sie "keiner Nation der Erde" zugehörig sei sollen, stimmt jedoch nicht.


06.12.2014 | 21:17

Micha

Da sieht man mal wieder wie krank die Menscheit ist. Anstatt zu erkennen das wir nur eine Welt haben auf der wir alle zusammen leben und so effizient wie möglich mit unseren Ressorsen umzugehen. Geht es drum der hebelt den aus und macht den kaputt und der übergeht den. Peak Oil wird mit Sicherheit kommen.

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