Friday, 29. July 2016
25.05.2014
 
 

Wer braucht noch den Petro-Dollar? Russland und China gewiss nicht

Michael Snyder

Russland und China haben gerade das »Erdgasgeschäft des Jahrhunderts« unterschrieben und reden nun darüber, sich vom US-Dollar zu verabschieden und Handelsgeschäfte stattdessen in ihren eigenen Währungen abzurechnen. Das hat enorme Auswirkungen auf die Zukunft der amerikanischen Wirtschaft, trotzdem hüllen sich die Mainstreammedien in den USA seltsamerweise in Schweigen.

So habe ich beispielsweise die Website von CNN durchforstet, um zu sehen, wie man dort mit dem Erdgasgeschäft umgeht. Gefunden habe ich nichts außer »Top-Storys« wie »Promis, die sich ihre Haare rot färben« oder »Niedliches Kind zupft Obama am Ohr«. Und da wundern sich die Leute, warum die Mainstreammedien sterben? Passt eine Geschichte ihnen nicht in den Kram, wird sie einfach ignoriert. Doch die Wahrheit ist die: Das neue Abkommen zwischen Russland und China ist gewaltig. Es könnte das gesamte globale Finanzsystem radikal verändern, und zwar nicht zum Vorteil der USA.

Zehn Jahre lang hatten Russland und China über dieses Erdgasgeschäft verhandelt, bis man nun endlich Einigung erzielen konnte. Russland ist der weltgrößte Erdgasexporteur, China wird aller Wahrscheinlichkeit nach schon in wenigen Jahren zur weltgrößten Volkswirtschaft aufsteigen.

 

Dieses neue, 400 Mrd. Dollar schwere Abkommen bedeutet, dass diese beiden Supermächte in den nächsten 30 Jahren eine Beziehung führen könnten, bei der der beiderseitige Nutzen im Vordergrund steht…

 

Russland hat ein Abkommen geschlossen, China über einen Zeitraum von 30 Jahren durch eine neue Pipeline mit Erdgas im Wert von 400 Mrd. Dollar zu beliefern. Die Vereinbarung stellt einen Meilenstein in den Beziehungen zwischen dem weltgrößten Energieproduzenten und dem größten Energieverbraucher dar.

Präsident Wladimir Putin wendet sich China zu, um Russlands Wirtschaft auf eine stabilere Grundlage zu stellen – während sich wegen der Ukraine-Krise die Beziehungen Russlands zu USA und Europäischer Union eintrüben. Der heutigen Unterzeichnungszeremonie gingen mehr als ein Jahrzehnt der Verhandlungen voraus. Die Vereinbarung sehe vor, dass der staatliche Erdgaskonzern Gazprom 55 Mrd. Dollar in die Erschließung gewaltiger Erdgasvorkommen im Osten Sibiriens investiert und die Pipeline baut, sagte Putin.

Es sei ein »epochales Ereignis«, sagte Putin in Schanghai nach der Vertragsunterzeichnung. Beide Länder seien zufrieden, was den erzielten Preis anbelange.

Natürlich kaufen und verkaufen Länder ständig Erdgas. Möglicherweise problematisch für die USA wird das Ganze aber durch den Umstand, dass Russland und China daran arbeiten, das Geschäft ohne den Dollar zu realisieren. Hier ein Auszug aus einem aktuellen Artikel einer russischen Nachrichtenquelle...

Russland und China beabsichtigen, im bilateralen Handel das Ausmaß zu erhöhen, in dem Direktzahlungen in den jeweiligen Landeswährungen erfolgen. Das geht hervor aus einer gemeinsamen Erklärung zu der umfassenden Partnerschaft und strategischen Kooperation, die am Dienstag in Schanghai vereinbart wurde.

»Beide Seiten wollen mit neuen Vorhaben das Ausmaß der praktischen Zusammenarbeit von Russland und China erweitern. Angestrebt wird insbesondere eine enge Zusammenarbeit in Finanzbelangen, darunter auch eine Erhöhung der Direktzahlungen in russischer und chinesischer Landeswährung bei Handelstransaktionen, Investitionen und Darlehen«, heißt es in der Pressemitteilung.

In meinem Artikel »Entdollarisierung: Russland bereitet massiven Schlag gegen Petrodollar vor«  habe ich davor gewarnt, was passieren könnte, wenn Schluss ist mit dem Petrodollar-Monopol. Unser Lebensstandard in den USA hängt extrem stark davon ab, dass der Rest der Welt auch weiterhin Geschäfte in unserer Währung abwickelt. Fängt Russland nun an, China Erdgas in einer anderen Währung zu verkaufen, wäre das ein monumentaler Rückschlag für den Petrodollar. Und sollten andere Nationen dem Vorbild von Russland und China folgen, könnte dies eine Lawine auslösen, von der sich der Petrodollar vielleicht nicht mehr erholt.

 

Und es sind nicht nur die jeweiligen Regierungen in Moskau und Peking, die über eine Abkehr vom Dollar sprechen. Erst kürzlich hat Russlands zweitgrößte Bank mit der Bank of China vereinbart, »sich gegenseitig in Landeswährung zu bezahlen«...

Russlands zweitgrößte Handelsbank VTB hat sich mit der Bank of China darauf verständigt, sich gegenseitig künftig in der jeweiligen Landeswährung zu bezahlen.

»Die Vereinbarung sieht vor, dass die Banken ihre Zusammenarbeit in einer Vielzahl von Feldern ausweiten, etwa bei der Abrechnung in Rubel und Renminbi, im Investmentbanking, beim Interbankengeschäft, bei Handelsfinanzierungen und Kapitalmarkttransaktionen«, heißt es in der offiziellen VTB-Pressemitteilung.

Das Geschäft zeige das wachsende Interesse von VTB an Asien und werde zur Ausweitung des russisch-chinesischen Handels beitragen, sagte Wassili Titow aus der VTB-Geschäftsleitung. Beide Länder seien schon jetzt gute Handelspartner.

Man kann quasi zusehen, wie die Macht des Dollar verblasst. Vor einigen Monaten hatte China angekündigt, nicht länger Dollar horten zu wollen. Ich spekulierte damals, dies könne ein Beleg dafür sein, dass China eine umfassende Abkehr vom Dollar vorbereitet. Tja, inzwischen sind Chinas Absichten deutlicher geworden.

 

China will nicht, dass die USA bis in alle Ewigkeit die Finanzwelt dominieren. Langfristig beabsichtigt China, derjenige zu sein, der das Sagen hat – und das bedeutet, die Macht des Dollar muss gebrochen werden.

 

Anstatt bergeweise amerikanische Devisen anzuhäufen, hat China begonnen, »Hard Assets« zu sammeln, also Rohstoffe, Metalle und Immobilien. Über Chinas rasch wachsende Goldbestände habe ich schon geschrieben und wie sich zeigt, waren die Chinesen auch sonst nicht faul und haben auch Öl gebunkert...

Im Rekordtempo schafft China Öl für seine strategischen Reserven beiseite. Das Land tritt in so großem Maß als Einkäufer am Markt auf, dass die Folgen am gesamten Rohölmarkt zu spüren sind.

Aktuell nehmen die Spannungen im Südchinesischen Meer zu und der Westen bereitet wegen der Krise im Osten der Ukraine Ölsanktionen gegen Russland vor. Analysten glauben, China wolle unauffällig Reserven aufbauen, sollte es zu einem plötzlichen Anstieg der Preise oder zu Lieferunterbrechungen kommen.

In ihrem jüngsten Bericht meldete die Internationale Energieagentur IEA, dass China im April 6,81 Millionen Barrel pro Tag importiert habe, der bislang höchste Wert überhaupt.

Es gab einmal eine Zeit, da war China wirtschaftlich extrem abhängig von den USA. Dasselbe galt für den Rest der Welt. Inzwischen hat sich das wirtschaftliche Machtgefüge jedoch so dramatisch verlagert, dass Ländern wie Russland und China klar wird, dass man sich nicht länger von den USA abhängig machen muss.

 

Und mit jedem Jahr, das ins Land geht, werden die Beziehungen zwischen Russland und China stärker und stärker. Wie Pepe Escobar kürzlich schrieb, sorgt diese neue Allianz für einige Bestürzung in Washington...

Kein Wunder, dass sich Washington Sorgen macht. Schon jetzt ist diese Allianz in vielerlei Hinsicht besiegelt – durch die BRICS-Gruppe der Schwellenländer (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika), durch die Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit, Asiens Gegengewicht zur NATO, durch die G20 und durch die Bewegung der Blockfreien Staaten mit ihren 120 Mitgliedern. Handel und Kommerz sind erst der Anfang. Auch Synergien bei der Entwicklung neuer Rüstungstechnik sind denkbar. 2018 geht Russlands neues, hochmodernes Luftabwehrraketensystem S-500 an den Start und Peking hätte so etwas sicherlich auch gerne. Russland steht zudem kurz davor, Dutzende hochmoderner Kampfflugzeuge vom Typ Suchoi Su-35 an die Chinesen zu verkaufen, denn die beiden Länder bereiten eine Partnerschaft in der Luftfahrt vor.

Das Verhältnis der USA zu beiden Ländern verschlechtert sich unterdessen rapide. Wegen der Ukraine-Krise sind die Beziehungen zu Russland so miserabel wie seit Ende des Kalten Kriegs nicht mehr und China ist gerade zutiefst beleidigt, weil Washington behauptet, chinesisches Militärpersonal habe Industriespionage in den USA betrieben...

China warnte am Dienstag, Washington gefährde die militärischen Beziehungen. Die USA haben fünf chinesische Offiziere der Industriespionage angeklagt. Peking drehte den Spieß um und warf Washington vor, »im chinesischen Internet der größte Angreifer« zu sein.

China setzte die Zusammenarbeit mit den USA an einer gemeinsamen Arbeitsgruppe zur Internetsicherheit aus, nachdem am Montag chinesische Offiziere angeklagt worden waren, aus großen amerikanischen Unternehmen Industriegeheimnisse gestohlen zu haben. Das Außenministerium forderte Washington auf, die Anklage fallen zu lassen.

Der gereizte Ton zeigt, dass die Spannungen zwischen den Ländern zunehmen. Die USA werfen China vor, dass Chinas Militärs ihre Erfahrungen im Cyberkrieg für Industriespionage nutzen und Erkenntnisse an den gewaltigen chinesischen Staatssektor weiterreichen.

Die Kluft zwischen Ost und West wächst. Aber der Regierung Obama ist immer noch nicht klar geworden, dass wir den Osten dringender benötigen als er uns. Was ist der größte amerikanische Exportartikel zurzeit? Der Dollar. Unser massiv aufgeblähter Lebensstandard hängt in hohem Maß davon ab, dass der Rest der Welt unsere Währung für seine Handelsgeschäfte verwendet und uns unsere eigene Währung zu extremst niedrigen Zinsen leiht.

 

Spielt der Rest der Welt nicht mehr mit, wird unser auf Schulden basierendes Finanzsystem rasch auseinanderfallen. Leider scheint in der Regierung Obama niemand so recht Ahnung von Weltwirtschaft zu haben, deshalb wird Washington vermutlich auch weiterhin Russland und China gegen sich aufbringen. Wenn dafür irgendwann die Rechnung fällig wird, könnte sie deutlich teurer ausfallen, als wir alle es uns je hätten vorstellen können.

 

 

 


 

 

 

 

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