Sunday, 28. August 2016
13.12.2013
 
 

Wie stark werden die Aktienkurse diesmal einbrechen, wenn die US-Notenbank ihre lockere Geldpolitik zurückfährt?

Michael Snyder

Als die erste Phase der geldpolitischen Lockerung, des so genannten »Quantitative Easing 1« (QE1), zu Ende ging, und ebenso beim Auslaufen von QE2, kam es zu deutlichen Wertkorrekturen auf den Aktienmärkten. Und wie Sie sich erinnern werden, herrschte auf den Finanzmärkten große Empörung, als der Chef der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), Ben Bernanke, vor wenigen Monaten andeutete, die Fed könnte möglicherweise bald QE3 zurückfahren.

Verständlicherweise hört es die Wall Street nicht gerne, wenn man ihr androht, ihr den Geldhahn zuzudrehen. Die Fed hat die amerikanische Bevölkerung dazu gebracht, ihre lockere Geldpolitik des QE (zu der u.a. der Ankauf von US-Staatsschulden und hypothekenbesicherten Wertpapieren sowie niedrige Zinsen gehören) zu unterstützen, indem sie immer wieder betonte, damit werde »die Wirtschaft stimuliert«, aber das hat sich schon bald als schlechter Wirtz entpuppt. In einem

 

früheren Artikel führte ich 37 Statistiken an, aus denen hervorging, dass sich die Lage für den Durchschnittsamerikaner immer weiter verschlechterte. Andererseits erwies sich die geldpolitische Lockerung als wahrer Segen für die Wall Street.

 

Während QE1 stieg der Index S&P 500 um 300 Punkte. In der Phase des QE2 erhöhte er sich noch einmal um 200 weitere Punkte. Und während des jetzt noch laufenden QE3 stieg der S&P 500 sogar um etwa 400 Punkte an. Gegenwärtig bewegt sich der S&P 500 in ungeahnten Höhen, und die Aktienkurse haben jeden Bezug zur Realität verloren. Derzeit stecken wir inmitten der größten Finanzblase, die die USA jemals erlebt haben. Mit was müssen wir rechnen, wenn die Fed beginnt, ihre lockere Geldpolitik zurückzufahren, und die Blase platzt?

 

Viele Leute aus der Branche behaupten, die Fed werde QE3 niemals zurückfahren. Sie sind überzeugt, die Fed werde zwar ab und an mit einem Ende der QE drohen, aber wenn es dann hart auf hart komme, werde sie die Märkte schon weiter mit billigem Geld versorgen. Aber diese Überzeugung hat einen großen Haken.

 

Der Rest der Welt schaut zu, und viele sind über diese Lockerung der Geldpolitik sehr besorgt. Daher muss die Fed diese Politik irgendwann aufgeben, weil sie davon abhängig ist, dass die restliche Welt nach unseren Regeln spielt. Unser gegenwärtiger wirtschaftlicher Wohlstand hängt zum großen Teil davon ab, dass die restliche Welt den US-Dollar als Weltreservewährung akzeptiert und den USA Billionen von Dollar zu extrem niedrigen Zinsen leiht. Wenn sich diese Länder entschieden, diese Politik aufzugeben, würde das ganze System sehr schnell zusammenbrechen.

 

Aus diesem Grund war die Meldung so alarmierend, dass China nach eigenen Angaben seine Dollarreserven nicht mehr erhöhen will. Schon lange hatte China die USA aufgefordert, das rücksichtslose Gelddrucken aufzugeben. Nun ergreift China erste Maßnahmen, die dem Land eine größere finanzielle Unabhängigkeit von den USA ermöglichen.

 

Wenn die Fed also ihre geldpolitische Lockerung nicht bald aufgibt, werden sich vermutlich auch andere Länder ähnliche Schritte überlegen. Die Fed ist sich bewusst, dass sie im Moment nur etwas Zeit auf Pump gewinnt. Das Vertrauen in das amerikanische Finanzsystem nimmt rapide ab.

 

Aber die Fed weiß auch, dass ein Ende des QE3 auf den Finanzmärkten für massive Turbulenzen sorgen würde. Jedes Mal, wenn die Fed zuvor die Geldschrauben wieder fester anzog, war dies für die Wall Street sehr schmerzhaft.

 

Diesmal scheint die Fed alles in ihrer Macht Stehende zu versuchen, die Medien dazu zu bewegen, die Investoren schon im Voraus geistig auf diesen Schritt vorzubereiten. So schrieb etwa Jon Hilsenrath vom Wall Street Journal vor nur wenigen Tagen:

»Die Märkte stehen heute aus Sicht der Fed besser da als im September, als es hieß, die Fed werde die monatlichen Anleihenankäufe zurückfahren. Bemerkenswerterweise dringt die Botschaft, auf eine Einschränkung des QE-Programms müsse nicht automatisch umgehend eine kurzfristige Erhöhung der Zinsen erfolgen, immer mehr ins Bewusstsein. Die Optionsmärkte gehen, anders als im September, gegenwärtig davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der Fed vor 2015 sehr gering ist. Damals tendierten die von der Fed mit Liquidität versorgten Optionsmärkte stärker zu der Einschätzung, die Zinsen würden bereits Ende 2014 steigen. Die Fed versucht seit Monaten klarzustellen, dass die Einschränkung des QE nicht notwendigerweise eine Kreditverknappung bedeutet, und ist vermutlich freudig überrascht, dass die Investoren ihr das abgenommen haben, da eine Abkehr von der geldpolitischen Lockerung ernsthaft in Erwägung gezogen wird.«

 

Sollte Ihnen die subtile Botschaft in der obigen Passage entgangen sein, hier nun eine Zusammenfassung in klarer Sprache:

»Sie müssen sich keine Sorgen machen. Die Federal Reserve steht auf Ihrer Seite und sie versichert, dass alles in Ordnung ist. Die Investoren vertrauen auf das, was die Fed sagt, und das sollten Sie auch. Lassen Sie sich nicht von anderen in die Irre führen. Das Ende der lockeren Geldpolitik bedeutet keine Kreditverknappung, und sollte sich die Fed dazu durchringen, ihre lockere Geldpolitik zu beenden, werden Märkte sehr ruhig und besonnen darauf reagieren.«

Die Fed (und ihre Sprachrohre) wollen um jeden Preis verhindern, dass es zu den gleichen Reaktionen wie zuvor kommt. Aus den hier abgebildeten Grafiken geht hervor, dass der S&P 500 mit jeder neuen Phase des QE einen weiteren Anstieg verzeichnete. Und am Ende jeder Phase kam es zu einer deutlichen Wertberichtigung an den Aktienmärkten. Die folgende Graik stammt von der Internetseite DayOnBay.org:

 

 

Aber sie erfasst nicht mehr die Entwicklungen der letzten Monate: Heute steht der S&P 500 schon bei 1800 Punkten.

 

 

Fassen wir noch einmal zusammen:

 

Von dem Zeitpunkt der Bekanntgabe von QE1 bis zu seinem Auslaufen stieg der S&P 500 von 900 Punkten auf 1200 Punkte. Nach dem Auslaufen des Programms fiel der Index wieder auf unter 1100 Punkte.

 

Daraufhin geriet die Fed in Panik und führte QE2 erst heimlich und dann offiziell ein. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Der S&P 500 stieg bis knapp über die 1300er-Marke. Nach dem Ende von QE2 kam es wieder zu Bereinigungsprozessen auf den Märkten. Der S&P 500 brach ein und fand sich plötzlich bei einem Stand von 1123 Punkten wieder.

 

Erneute Panik: Die Fed reagierte zuerst mit einer Neuauflage der »Operation Twist« und startete dann später QE3. Seitdem erlebt der S&P 500 einen beispiellosen Höhenflug und steht gegenwärtig bei etwa 1800 Punkten.

 

Aber diese massiv aufgeblähten Aktienkurse haben jeglichen Bezug zur realwirtschaftlichen Lage der USA verloren. Tatsächlich haben sich die wirtschaftlichen Bedingungen für die meisten Menschen im Lande ständig weiter verschlechtert. Gerade heute erfuhren wir, dass der amerikanische Schienenverkehr in der letzten Novemberwoche um 16,3 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum zurückgegangen war. Das ist ein sehr bedenkliches Zeichen, denn es bedeutet, dass die Menge der beförderten Güter stark abgenommen hat.

 

Die Federal Reserve hat diese gigantische Finanzblase geschaffen, die sich völlig von der Realität losgelöst hat. Nur durch schier endloses Gelddrucken kann die Fed diese Blase aufrecht erhalten, aber sie weiß auch, dass sie dies nicht unendlich lange machen kann, denn die restliche Welt schaut zu. Die Fed steckt im Grunde genommen in einer schwierigen Zwickmühle.

 

Wann immer sich die Fed letztlich dazu durchringt, ihre lockere Geldpolitik einzustellen (ob schon im Dezember, oder im Januar, Februar usw.), werden die Folgen für die Finanzmärkte dramatisch ausfallen. Hier ein kurzer Auszug aus einem vor Kurzem veröffentlichten Artikel von James Howard Kunstler:

»Selbst in einer Welt scheinbar ohne Konsequenzen kommt es zu Vorfällen. Eine ziemlich sichere Entwicklung ist die Anhebung der Zinsen – insbesondere dann, wenn ausländische Investoren gleichzeitig in einem vorgetäuschten Richtungswechsel eine ganze Lawine von US-Staatsanleihen wieder zum Rückkauf freigeben. Mit diesen Papieren handeln andere Länder, vor allem in Asien, um überall auf der Welt reale Vermögenswerte wie Gold und Immobilien zu erwerben; und die letztinstanzlichen Händler – die Trottel, die amerikanische Staatsanleihen als Bezahlung für ganze Schiffsladungen Kupfererz oder Kakaobohnen akzeptieren – haben niemanden mehr, an den sie sich halten können. Die Chinesen kündigten im November lauthals an, amerikanische Staatsanleihen verursachten ihnen Kopfschmerzen und deshalb würden sie keine mehr kaufen. Japan befindet sich in einem psychotischen Finanz-Delirium und kauft wie wild seine eigenen Schuldverschreibungen. Wer wurde noch ausgelassen? Burkina Faso und der Rentenfonds der kirgisischen Schuster?

Die Zinsen für amerikanische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren bewegen sich wieder auf die berüchtigte Marke von drei Prozent zu. Leser haben darauf hingewiesen, dass sich zusätzlich zu den Auswirkungen auf Kredite für Fahrzeuge oder Hypotheken die wirklich wichtigen Entwicklungen im Bereich der Zinsswaps abspielen werden. Als dies Ende des Sommers das letzte Mal geschah, gerieten die Banken, die zu groß sind, als dass man sie untergehen lassen könnte, aufgrund ihrer Verluste bei diesen Wetten in gefährliche Schieflagen. Dies liefert uns einen Vorgeschmack auf das, was uns erwartet, wenn sich das Schwarze Loch einer alles zusammenpressenden Deflation öffnet, wobei Kaskadenketten unerfüllter Versprechen Finanzsysteme vor dem Hintergrund allgemeinen Kreditausfalls und allgemeiner Lähmung zum Einsturz bringen und alle Geldbewegungen zum Stillstand kommen werden, und die Menschen sich erst einmal wieder ernsthaft darüber klar werden müssen, was Geld eigentlich ist.«

Kunstler geht hier auf eine Entwicklung ein, die ich zuvor schon viele Male beschrieben habe: Wenn die Phase des QE3 zurückgefahren oder gänzlich eingestellt wird, dürfte das zu einem erheblichen Anstieg der Zinsen für amerikanische Zehn-Jahres-Staatsanleihen führen – und das wiederum hätte eine ganze Reihe gravierender negativer Folgen für die amerikanische Wirtschaft.

 

Insbesondere droht dann der Zusammenbruch des Derivate-Kasinos mit seinem gegenwärtigen Umfang von einer Billiarde Dollar, das die Wall Street bisher immer so behutsam ausbalancierte. Allerdings lautet die traurige Wahrheit, dass wir vor einem Haufen brisanter Probleme stehen, unabhängig davon, welchen Weg die Federal Reserve einschlägt.

 

Hält die Fed an ihrer Politik des ungebremsten Gelddruckens fest, wird die gigantische Finanzblase, an der sich die Wall Street derzeit noch erfreut, unvermeidlich platzen, und dann wären wir möglicherweise mit einer noch schwereren Finanzkrise als 2008 konfrontiert.

 

Die Folgen wären absolut verheerend. Sieht hier irgendjemand innerhalb des jetzigen Systems einen einfachen Ausweg aus diesem Dilemma? Wenn Sie einen solchen kennen, lassen Sie es uns doch einfach wissen.

 

 

 

 

 


 

 

 

Interesse an mehr Hintergrundinformationen?

 

Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen der Macht – und erfahren Sie, was die Massenmedien Ihnen verschweigen!

 

Lesen Sie weitere brisante Informationen im neuen KOPP Exklusiv. KOPP Exklusiv wird grundsätzlich nicht an die Presse verschickt und dient ausschließlich zu Ihrer persönlichen Information. Jede Ausgabe ist gründlich recherchiert, im Klartext geschrieben und setzt Maßstäbe für einen kritischen Informationsdienst, der nur unter ausgewählten Lesern zirkuliert und nur im Abonnement zu beziehen ist.

 

In der aktuellen Ausgabe finden sie unabhängige Hintergrundinformationen unter anderem zu folgenden Themen:

 

  • Deutschland: Der Griff in die Kasse
  • Blackout an Weihnachten? Vorbereitungen für den
    großen Ernstfall
  • Terror gegen Normalbürger: Grüne Jugend, Rote Hilfe
  • Deutschland: Immer mehr Kirchenschändungen

 

 

Das alles und viele weitere Kurzberichte im neuen KOPP Exklusiv, fordern Sie noch heute Ihr Probeabonnement an!

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

15 Anzeichen dafür, dass wir kurz vor dem heftigen Platzen einer wirklich massiven Aktienblase stehen

Michael Snyder

Der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Bob Shiller, der dieses Jahr zusammen mit Lars Peter Hansen und Eugene Fama mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet wurde, erklärte: »Genau so sehen Blasen aus.« Er sei über den »Aufschwung auf dem amerikanischen Aktienmarkt sehr beunruhigt«. Aber man muss kein Nobelpreisträger  mehr …

Sparkasse warnt vor Enteignung: Der Super-Crash

Redaktion

Die nächsten Vorboten des gigantischen Crashs treffen ein. Jetzt warnt sogar schon die Sparkasse davor, dass »deutsche Sparer dauerhaft enteignet werden«. Lassen wir den Sparkassen- und Giroverbands-Präsidenten zu Wort kommen.  mehr …

»Finsteres Bündnis« 2.0: Die US-Notenbank Federal Reserve, Wall Street und die Geldwäsche von Drogengeldern

Tom Burghardt

In der Hochphase der spekulativen Finanzblase, die den Steuerzahler Billionen von Dollar kostete und Millionen von Menschen praktisch den Boden unter den Füßen wegriss, veröffentlichten die auf Aktienstrategie spezialisierten Citigroup-Analysten Ajay Kapur, Niall Macleod und Narendra Singh im Oktober 2005 unter der Überschrift Plutonomie: der Kauf  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Countdown für den Crash: Jetzt plündern sie die Rentenkasse

Redaktion

Die neue schwarz-rote Bundesregierung verpulvert die am besten gefüllte Kasse des Landes, die Rentenreserven der Deutschen. Doch noch ahnen die meisten offenkundig nicht, was da gerade passiert.  mehr …

Computerspiele ausspioniert: Nichts ist sicher

Redaktion

Spielen Ihre Kinder, Enkel oder Sie selbst am Computer, im Internet? Auch hier macht der Geheimdienst nicht Halt, wie sich nach Berichten des Guardian herausstellt. Rollenspiele könnten belegen, welche Interessen Sie oder andere Spieler verfolgen.  mehr …

15 Anzeichen dafür, dass wir kurz vor dem heftigen Platzen einer wirklich massiven Aktienblase stehen

Michael Snyder

Der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Bob Shiller, der dieses Jahr zusammen mit Lars Peter Hansen und Eugene Fama mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet wurde, erklärte: »Genau so sehen Blasen aus.« Er sei über den »Aufschwung auf dem amerikanischen Aktienmarkt sehr beunruhigt«. Aber man muss kein Nobelpreisträger  mehr …

Christen werden bei lebendigem Leibe verbrannt, enthauptet, gekreuzigt, zu Tode gequält und in Metall-Frachtcontainern eingesperrt

Michael Snyder

Die »zukünftigen Christenverfolgungen« sind bereits im Gange – jetzt und hier. Warum schweigen dann die Leitmedien in den USA dieses Phänomen praktisch völlig tot? Wenn einige Politiker irgendwo auf der Welt ungewollt Homosexuelle oder Muslime beleidigen, wird sofort darüber berichtet. Aber nur wenige Amerikaner sind sich bewusst, dass gegenwärtig  mehr …

Werbung

Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.