Sunday, 31. July 2016
17.03.2012
 
 

Die »Mutter aller Bomben« für den Angriff auf den Iran

Michel Chossudovsky und Finian Cunningham

Der stellvertretende Operationschef der amerikanischen Air Force, Generalleutnant Herbert Carlisle, erklärte vollmundig, der stärkste konventionelle Sprengkopf – die bunkerbrechende Bombe mit einer Sprengkraft von 13.600 Kilogramm TNT – sei bestens für einen Militärschlag gegen den Iran geeignet. Diese leichtfertige und oberflächliche Aussage über eine Massenvernichtungswaffe erfolgte in der gleichen Woche, in der der amerikanische Präsident Barack Obama sich gegen »leichtfertiges Gerede« über einen Krieg im Persischen Golf aussprach.

»Der Massive Ordnance Penetrator [MOP, deutsch etwa: »Schwerer Bomben-Eindringkörper«, Gewicht: 13,6 Tonnen] ist eine großartige Waffe«, erklärte Carlisle, die Bombe werde wahrscheinlich bei einem von Washington befohlenen Angriff auf den Iran zum Einsatz kommen.

Der MOP, der auch als »Mutter aller Bomben« bezeichnet wird, soll bis zu 60 Meter dicken Stahlbeton durchschlagen können, bevor dann der starke Sprengkopf detoniert. Er gilt als die stärkste konventionelle, nichtnukleare Waffe im amerikanischen Arsenal. Was ihre Zerstörungskraft angeht, so kann man mit Fug und Recht behaupten, dass es sich um den fürchterlichsten Sprengkörper der ganzen Reihe extrem schwerer Bomben handelt, die vom Pentagon in den letzten zehn Jahren entwickelt wurden.

»Eine bunkerbrechende Bombe mit einer Sprengkraft von 13.600 Kilogramm TNT, die entwickelt wurde, um vor ihrer Explosion an die 60 Meter Stahlbeton durchschlagen zu können, ist eine ›hervorragend geeignete Waffe‹, die von den amerikanischen Streitkräften eingesetzt werden könnte, sollte es im Streit um das iranische Atomprogramm zu einem militärischen Schlagabtausch kommen, erklärte ein Luftwaffengeneral am Dienstag.

Das Pentagon hat damit begonnen, die militärischen Optionen auszuarbeiten, sollten die Sanktionen und die diplomatischen Bemühungen den Iran nicht davon abhalten, Atomwaffen zu bauen. Verteidigungsminister Leon Panetta erklärte am Dienstag in einem Interview mit dem National Journal, man habe mit den Planungen bereits vor geraumer Zeit begonnen.

Im Pentagon bediente man sich dieser aggressiven Rhetorik, obwohl sich Präsident Barack Obama in der gleichen Woche gegen dieses ›leichtfertige Gerede‹ und waffenklirrendes ›Getöse‹ im Zusammenhang mit einem möglichen militärischen Vorgehen ausgesprochen und hervorgehoben hatte, es gebe noch Spielraum und Chancen für eine diplomatische Beilegung.

Carlisle erklärte darüber hinaus vor der Credit Suisse-McAleese-Sicherheitskonferenz [in Arlington im US-Bundesstaat Virginia am 8. März], im Falle eines militärischen Konflikts mit Syrien oder dem Iran könnte eine neue militärische operationelle Vorgehensweise der USA zum Tragen kommen, die durch eine neue taktische Denkweise des Pentagon, die so genannte Air-Sea-Battle, geprägt sei. Bei dieser neuen Vorgehensweise setzt man auf die Vorteile stark vernetzter und aufeinander abgestimmter Streitkräfte. Die neue Taktik, so Carlisle, lege das Schwergewicht darauf, gleichzeitig in vielen unterschiedlichen Bereichen (Luftraum, Meer, aber auch Weltraum und Cyberspace [kybernetischer Raum oder Datenraum]) zu operieren, während man gleichzeitig Informationen aus verschiedensten Quellen wie Satelliten oder  Mess- und Aufzeichnungsgeräte von Tarnkappenflugzeugen und Drohnen vernetzt und aufeinander abgestimmt verarbeite.

›Hier geht es um einsatzfähige weltraumgestützte Systeme, Cyberspace-Systeme und um Systeme der fünften Generation, die vom Radar nicht erfasst werden können‹, sagte er weiter. ›Alle diese Systeme werden im Rahmen dieser operationellen Planungen in die Überlegungen einbezogen‹, ergänzte Carlisle und wies darauf hin, dass Syrien und der Iran ihre Verteidigungsmöglichkeiten erheblich ausgebaut hätten, um mögliche Angreifer auf Distanz zu halten. Air-Sea-Battle sei genau deshalb entwickelt worden, um darauf zu reagieren.

Carlisle fuhr fort, der Cyberspace könnte zu einem [wichtigen] Faktor werden, sollte es zu einem [militärischen] Konflikt mit diesen beiden Ländern kommen. ›Die ganze Führung hat erklärt, keine Option sei vom Tisch, wenn es darum gehe, was eingesetzt werden könnte‹, meinte er.« (Reuters, 9. März 2012)

Bereits 2009 hatte Michel Chossudovsky in einem Artikel in Global Research auf die Entwicklung und den möglichen Einsatz von MOPs hingewiesen:

 

»Die mit einer Sprengkraft von 9.750 Kilogramm TNT ausgestattete ›Monsterwaffe‹ mit dem Spitznamen ›Mutter aller Bomben‹ spielt im konventionellen amerikanischen Waffenarsenal eine wichtige Rolle. Die GBU-43/B oder Massive Ordnance Air Blast (MOAB) wurde als die ›stärkste nichtnukleare Waffe‹ mit der höchsten Wirksamkeit eingestuft, die jemals für das amerikanische konventionelle Waffenarsenal entwickelt worden war. Die MOAB wurde 2003 Anfang März getestet, bevor sie in die Kriegsregion Irak verlegt wurde. Berichten aus amerikanischen Militärkreisen zufolge hatte der Vereinigte Generalstab die Regierung Saddam Husseins vorab darüber in Kenntnis gesetzt, dass die ›Mutter aller Bomben‹ gegen den Irak eingesetzt werden sollte. (Es kursieren unbestätigte Berichte über den tatsächlichen Einsatz der MOAB im Irak.)

Das amerikanische Verteidigungsministerium bestätigte im Oktober 2009, es beabsichtige, die ›Mutter aller Bomben‹ (MOAB) im Iran einzusetzen. Die MOAB eigne sich ›ideal für den Einsatz gegen die tief unterirdisch verborgenen Nukleareinrichtungen etwa in Natanz oder Ghom im Iran‹ (Jonathan Karl, ›Is the U.S. Preparing to Bomb Iran?‹, in: ABC News, 9. Oktober 2009). Angesichts der gewaltigen Sprengkraft ist allerdings damit zu rechnen, dass ein Einsatz zu extrem hohen Verlusten unter der Zivilbevölkerung führen würde. Schließlich handelt es sich um eine konventionelle ›Killermaschine‹, die bei ihrer Explosion sogar einen einer Atombombe ähnlichen Atompilz hervorruft.

Im Oktober 2009 wurde die Beschaffung von vier MOABs zum stolzen Preis von 58,4 Millionen Dollar netto (14,6 Millionen für jede einzelne Bombe) beschlossen. In diesem Preis sind die Kosten für die Entwicklung und den Test der MOAB-Bomben durch B-2-Tarnkappenbomber eingeschlossen (a.a.O.). Diese Anschaffung steht in direktem Zusammenhang zu den Kriegsvorbereitungen gegen den Iran. Ein Beleg dafür findet sich in dem 93-seitigen ›Memorandum zur Neuprogrammierung‹, das die folgenden Vorgaben und Anweisungen enthält:

›Das Ministerium verweist auf den dringenden operationellen Bedarf an  einsatzbereiten [bunkerbrechenden Waffen], um gegen massiv geschützte und tief im Untergrund versteckte Ziele an Örtlichkeiten mit einem hohen Bedrohungsgrad vorgehen zu können. Die MOP [›Mutter aller Bomben‹] ist bestens dafür geeignet, diesen dringenden operationellen Bedarf zu decken.‹ Weiter heißt es, diese Forderung werde auch von den [US-Regionalkommandos] Pacific Command, (das für Nordkorea verantwortlich ist) und Central Command (in dessen Zuständigkeitsgebiet der Iran fällt) unterstützt. (ABC News,  a.a.O., Hervorhebungen vom Verfasser.) Den gesamten Text des Memorandums finden Sie hier

Das Pentagon plant die umfassende und ausgedehnte Zerstörung der iranischen Infrastruktur und nimmt im Rahmen des kombinierten Einsatzes taktischer Atomwaffen und dieser monströsen konventionellen Bomben mit ihren atompilzähnlichen Erscheinungen, zu denen die MOAB und die noch größere GBU-57-A/B oder der Massive Ordnance Penetrator (MOP), der noch eine höhere Sprengkraft als die MOAB aufweist, gehören, den Tod zahlloser Zivilisten in Kauf.

Der MOP wird dabei als »eine starke neue Bombe« bezeichnet, die »direkt für den Angriff auf die unterirdischen Nukleareinrichtungen des Irans und Nordkoreas gedacht ist. Diese riesige Bombe überragt mit ihrer Länge von mehr als sechs Metern noch elf Schulter an Schulter stehende Menschen.« [siehe Bild unten] (siehe Edwin Black, »Super Bunker-Buster Bombs Fast-Tracked for Possible Use Against Iran and North Korea Nuclear Programs, in: Cutting Edge, 21. September 2009).

Hier handelt es sich um Massenvernichtungswaffen im strikten Sinne des Wortes. Die unschwer zu erkennenden Ziele hinter der MOAB und dem MOP, wie sich auch aus dem amerikanischen Spitznamen [»Mutter aller Bomben«] ablesen lässt, sind »massive Zerstörung auf breiter Ebene« und hohe Verluste und Opfer unter der Zivilbevölkerung, um so Angst und Verzweiflung zu verbreiten. (Siehe dazu auch: »Towards a World War III Scenario? The Role of Israel in Triggering an Attack on Iran, Part II The Military Road Map«, in: Global Research, 13. August 2010.)

 

 


 

 

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