Monday, 25. July 2016
22.06.2011
 
 

Schwindendes Wachstum der Konsumausgaben: scheitert China?

Mike Shedlock

Sowohl China als auch die USA sind verzweifelt um einen Anstieg der Konsumausgaben bemüht. Stattdessen gerät die chinesische Wirtschaft immer mehr aus dem Gleichgewicht.

China ist in zunehmendem Maße von festen Kapitalanlagen abhängig, doch es mangelt an wirtschaftlich durchführbaren Projekten. Damit nicht genug: China ist mit einer wachsenden Immobilienblase konfrontiert, die schon bald platzen wird.

 

Rückläufige Konsumausgaben in China

Im Haiyang-Zhuangshi-Co.-Baumarkt in Peking ist der Verkauf von Farbe und Aluminium-Fensterrahmen rückläufig, ein Anzeichen dafür, dass die Bedeutung der Konsumausgaben in China schwindet – was der Regierung einen Strich durch die Rechnung macht.

»Die besten Tage scheinen vorüber zu sein«, sagt der 42-jährige Besitzer Hu Mengbin, dessen Tageseinnahmen innerhalb eines Jahres von 4.000 Yuan auf rund 3.000 Yuan (463 Dollar) gefallen sind, nachdem China verstärkte Maßnahmen zur Eindämmung der Häuserpreise ergriffen hatte. »Von 2006 bis 2008, als der Immobilienmarkt überhitzt war, konnten wir schnellen Gewinn machen.«

Hus Verluste unterstreichen das Dilemma für Premier Wen Jiabao: Seine Kampagne zur Inflationsbekämpfung untergräbt die Bestrebungen, die Verbraucher in der zweitgrößten

Volkswirtschaft der Welt zu einer stärkeren Antriebskraft zu machen. Wenn es nicht gelingt, die Abhängigkeit von Exporten und Investitionsausgaben zu verringern, so ist das Land zunehmend anfällig für Schwankungen der externen Nachfrage, es droht der Zyklus von Boom und Pleite der Vermögenswerte.

 

Die offiziellen Daten aus dieser Woche zeigten einen Rückgang des Anstiegs im Einzelhandel auf 16,9 Prozent im Mai, ein Wert, der unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre liegt und durch rasant steigende Lebensmittelpreise in die Höhe getrieben wird. Dagegen stiegen in den ersten fünf Monaten die Ausgaben für feste Kapitalanlagen wie Fabriken und Immobilien um 26 Prozent, ausgenommen Haushalte auf dem Land, der schnellste Anstieg seit fast einem Jahr.

Analysten bei der Londoner Forschungsgruppe Capital Economics schätzen, dass der private Verbrauch im vergangenen Jahr möglicherweise auf bis zu 34 Prozent des BIP gesunken ist, der niedrigste Wert, seit China seine Wirtschaft vor über dreißig Jahren den Marktmechanismen geöffnet hat. Nach den Berechnungen von Capital Economics lag dieser Anteil noch vor zehn Jahren bei 46 Prozent.

»Genau zu dem Zeitpunkt, wo man bei der chinesischen Regierung und an anderen Stellen darauf hofft, dass die chinesischen Verbraucher vortreten, bleiben sie den Läden fern«, sagt Mark Williams Ökonom bei Capital Economics in London und ehemaliger China-Berater beim US-Finanzministerium. »Der Trend der letzten Jahre weist unaufhörlich nach unten.«

Der Verbrauch müsste um drei Prozentpunkte schneller wachsen als das BIP, um innerhalb von fünf Jahren den Wert von 40 Prozent zu erreichen, so Michael Pettis, Finanzprofessor an der Universität Peking.

»Erforderlich wären die höchsten je verzeichneten Konsumraten«, so Pettis. »Kurzfristig werden wir keine große Veränderung sehen.«

 

Wie China genauso abstürzen könnte wie Japan

Bis 1990 war Japan die erfolgreichste große Volkswirtschaft der Welt. Kaum jemand sagte damals vorher, was in den folgenden Jahrzehnten geschehen würde. Heute blickt man mit noch weit mehr Ehrfurcht auf die Errungenschaften in China. Ist es vorstellbar, dass dieser Koloss erfahren könnte, dass spektakulärer Erfolg ein Vorbote eines überraschenden Scheiterns ist? Die Antwort lautet: Ja.

Premier Wen Jiabao selbst hat die Wirtschaft als »instabil, unausgewogen, unkoordiniert und letztendlich nicht aufrechtzuerhalten« beschrieben. Was dies bedeutet, ist mir bei Diskussionen über den 12. Fünfjahresplan beim China Development Forum 2011 im vergangenen März in Peking bewusst geworden. Dieser neue Plan fordert eine schnelle Veränderung von Tempo und Struktur des Wirtschaftswachstums. Insbesondere das Wachstum wird Prognosen zufolge auf lediglich sieben Prozent jährlich schrumpfen. Wichtiger noch: Man erwartet, dass sich das wirtschaftliche Gleichgewicht wieder von Investitionen in Richtung Verbrauch und, teilweise deswegen, von Produktion in Richtung Dienstleistungen verschiebt.

Die Frage ist, ob sich diese Veränderungen reibungslos handhaben lassen. Michael Pettis von der Guanghua School of Management an der Universität Peking hält dies nicht für möglich. Sein Argument beruht auf der Ansicht, dass in dem investmentgesteuerten Wachstumsmodell die Beschneidung der Haushaltseinkommen dadurch eine zentrale Rolle spielt, dass sie die Investitionen subventioniert. Diese Beschneidung aufzugeben – eine notwendige Vorbedingung für ein schnelleres Konsumwachstum – bedeutet das Risiko einer drastischen Verlangsamung des Outputs und eine noch größere Verlangsamung der Investitionen. Das Wachstum beruht ebenso auf der subventionierten Kapazitätsausweitung wie darauf, dass das Angebot mit der Nachfrage Schritt hält. Es wird zu einem plötzlichen Einbruch kommen.

Die Investitionen sind in der Tat stärker gestiegen als das BIP. Von 2000 bis 2010 lag der Anstieg der festen Kapitalanlagen im Durchschnitt bei 13,3 Prozent, während der Zuwachs des privaten Konsums durchschnittlich 7,8 Prozent betrug. Im gleichen Zeitraum brach der Anteil des privaten Konsums am BIP von 46 Prozent jährlich auf 34 Prozent ein, während der Anteil der festen Kapitalanlagen von 34 auf 46 Prozent stieg.

Wenn sich dieses Wachstumsmuster umkehren soll, wie von der Regierung gewünscht, so muss der Anstieg der Investitionen geringer ausfallen als der des BIP. Dazu kam es in den 1990er-Jahren in Japan, mit schlimmen Folgen. Die von Prof. Pettis vorgetragene These besagt, dass jede erzwungene Investitionsstrategie in einem solchen plötzlichen Einbruch enden wird. Es fragt sich nur, wann.

 

Pessimistisch über China

Die festen Kapitalanlagen in China werden irgendwann einbrechen. Wenn es dazu kommt, wird Chinas riesige Immobilienblase mit in den Abgrund gerissen. An den Banken wird es zu gigantischen Verlusten kommen.

Diese Welle wird auch die Warenpreise erfassen, wovon wiederum Australien und Kanada betroffen sein werden.

Machen Sie sich auf weitere Unruhe gefasst.

Interessanterweise steigt die Unruhe in China bereits. Weitere Einzelheiten unter Wave of Violent Protests, Rioting, Bombings Hits China; Expect More Riots When China’s Credit Bublle Pops, Exposing Mountains of Fraud.

 

Ich sehe keinen Grund zum Optimismus, weder für China noch für den Yuan.

 

 


 

 

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