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Ist Washington bei der Durchsetzung seiner Pläne erfolgreich, wird Libyen ein weiterer amerikanischer Marionettenstaat. Durch die Luftangriffe der USA und der NATO-Marionetten Washingtons wurde der Großteil der Städte, Gemeinden und der Infrastruktur zerstört. Amerikanische und europäische Unternehmen können sich jetzt beim Wiederaufbau Libyens, der auch aus amerikanischen Steuermitteln finanziert werden wird, eine goldene Nase verdienen. Der Grundbesitz und andere Eigentumswerte werden sorgfältig neu verteilt, um so eine neue von
Washington handverlesene herrschende Klasse zu schaffen. Damit würde Libyen fest unter amerikanischer Knute stehen.
Nach der Eroberung Libyens wird AFRICOM [das 2007 unter Präsident Bush eingerichtete Oberkommando für die US-amerikanischen Militäroperationen in Afrika] damit beginnen, gegen andere afrikanische Länder vorzugehen, in denen China in die Energie- und Rohstoffwirtschaft investiert hat. Obama entsandte bereits amerikanische Soldaten unter dem Vorwand nach Zentralafrika, die sogenannte »Widerstandsarmee des Herrn« (LRA), eine kleinere Rebellenorganisation, zu zerschlagen, die gegen den auf Lebenszeit herrschenden dortigen Diktator kämpft. Der republikanische Mehrheitsführer des Repräsentantenhauses John Boehner begrüßte diese Aussicht auf einen neuen Krieg mit der Erklärung, die Entsendung amerikanischer Truppen nach Zentralafrika »diene den nationalen amerikanischen außen- und sicherheitspolitischen Interessen«.
Der republikanische Senator James Inhofe fügte noch mit einem moraltriefenden Wortschwall hinzu, der Einsatz rette »ugandische Kinder«; eine Anteilnahme, die der Senator gegenüber libyschen, palästinensischen, irakischen, afghanischen oder pakistanischen Kindern gegenüber bisher vermissen ließ.
Washington will wieder beim großen Spiel um die Macht an vorderster Stelle mitmischen und sieht dabei besonders China als Konkurrenten. Während China in Afrika investiert und als Geschenk auch Infrastrukturprojekte mitbringt, entsendet Washington Soldaten, bombardiert und errichtet Militärstützpunkte. Früher oder später wird sich die aggressive Haltung Washingtons gegenüber China und Russland bitter an uns allen rächen.
Woher soll das Geld kommen, mit dem Washington sein afrikanisches Empire finanzieren will? Wohl kaum vom libyschen Erdöl – der Löwenanteil wurde bereits den Franzosen und Engländern versprochen, weil sie diesem jüngsten unverhohlenen Aggressionskrieg Washingtons Rückendeckung gaben. Aber diese imperialen Ambitionen lassen sich auch nicht aus den Steuereinnahmen einer zusammenbrechenden amerikanischen Wirtschaft finanzieren, deren Arbeitslosigkeit, wenn sie korrekt berechnet wird, jetzt bei 23 Prozent liegt. Angesichts der extremen Höhe des Haushaltsdefizits kann das Geld eigentlich nur aus der Druckerpresse kommen.
Washington hat die Gelddruckmaschinen bereits so auf Fahrt gebracht, dass der städtische Verbraucherpreisindex (CPI-U) gegenüber dem Vorjahreswert (Ende September 2010) um 3,9 Prozent, der Verbraucherpreisindex für städtische Arbeitnehmer und Büroangestellte (CPI-W) um aufs Jahr gerechnete 4,4 Prozent und der Produzentenpreisindex ebenfalls aufs Jahr gerechnet um 6,9 Prozent anstiegen.
Der Statistikexperte John Williams (www.shadowstats.com) hat bewiesen, dass die offiziellen Inflationsberechnungen manipuliert sind, um die davon abhängigen Anpassungen der Höhe der Sozialleistungen so gering wie möglich zu halten, damit noch genug Geld für die Kriege Washingtons übrigbleibt. Eine korrekt berechnete Inflationsrate läge in den USA derzeit bei 11,5 Prozent.
Welche Zinsen können Sparer bekommen, ohne damit ein hohes Risiko bei griechischen
Staatsanleihen einzugehen? Amerikanische Banken zahlen derzeit 0,5 Prozent auf von der amerikanischen Bundeseinlagenversicherung FDIC abgesicherte Spareinlagen. Auf kurzfristige amerikanische Staatsanleihen spezialisierte Anlagefonds zahlen praktisch keine Zinsen mehr.
Aus den offiziellen Statistiken der amerikanischen Regierung lässt sich also ableiten, dass die amerikanischen Sparer jährlich zwischen 3,9 und 4,4 Prozent ihres Sparkapitals verlieren. Legt man die von John Williams berechnete tatsächliche Inflationsrate zugrunde, verlieren sie sogar 11,5 Prozent ihrer aufgelaufenen Rücklagen.
Da amerikanische Rentner in der Regel keine Zinsen auf ihre Einlagen erhalten, müssen sie auf ihr Kapital zurückgreifen. Angesichts der negativen Zinsen (also eines realen Kaufkraftverlustes) für ihre Einlagen und der inflationsbedingten Senkung aller Renten, die sie erhalten, wird die Überlebensfähigkeit selbst der vorsichtigsten und sparsamsten Rentner in Frage gestellt, sobald alle Rücklagen oder andere Vermögenswerte einmal aufgebraucht sind.
Mit Ausnahme der von Washington so sehr begünstigten Superreichen – jenen ein Prozent der Bevölkerung, die praktisch alle Einkommensverbesserungen der vergangenen Jahre eingestrichen haben – wird der Rest der amerikanischen Bevölkerung selbst sehen müssen, wie er zurechtkommt. Seit Ausbruch der Finanzkrise im Dezember 2007 wurde nichts für sie unternommen. Bush und Obama, Republikaner und Demokraten, haben sich gleichermaßen darauf konzentriert, das eine Prozent zu retten und haben den 99 Prozent der restlichen Bevölkerung zynisch und beleidigend ihre Verachtung und Missachtung gezeigt.
Endlich haben einige Amerikaner, wenn auch noch nicht genug, begriffen, dass sie der Fähnchen schwenkende Hurra-Patriotismus auf dem Abfallhaufen der Geschichte landen lässt. Sie wollen nicht kampflos untergehen und besetzen die Straßen. Die Bewegung »Occupy Wall Street« breitet sich aus. Wie wird das weitere Schicksal dieser Bewegung aussehen?
Werden der Schnee und die Kälte des Winters die Proteste zum Erliegen bringen oder werden sie einfach in öffentliche Gebäude ausweichen? Wie lange werden die Behörden vor Ort, so unterwürfig sie gegenüber Washington sind, die offensichtliche Botschaft [dieser Bewegung] tolerieren, dass die Bevölkerung keinerlei Vertrauen mehr in die Regierung hat?
Wenn die Proteste anhalten, und vor allem, wenn sie wachsen und keineswegs an Zahl abnehmen, werden die Behörden damit beginnen, die Protestbewegung mit Polizeiprovokateuren zu unterwandern, die zum Beispiel auf Polizisten schießen könnten. Dies lieferte dann den Vorwand, die Protestaktionen gewaltsam abzubrechen und die »Überlebenden« als »Terroristen« oder »extremistische politische Aktivisten« zu verhaften und sie in eines der extra für den Fall innerer
Unruhen gebauten Internierungslager zu bringen, die für 385 Millionen Dollar von dem Unternehmen Halliburton, dessen Vorstandschef Cheney lange Jahre war, errichtet wurden.
Der amerikanische Polizeistaat wird sich dann in einem weiteren Schritt in den amerikanischen Konzentrationslager-Staat verwandeln.
In der Zwischenzeit werden die Konservativen – gefangen in ihrer Rückwärtsgewandheit und Uneinsichtigkeit – weiter den Untergang des Landes aufgrund homosexueller Eheschließungen, Abtreibung und der »liberalen Medien« beklagen. Liberale Organisationen wie [die amerikanische Bürgerrechtsunion] ACLU, die sich für Bürgerrechte einsetzen, werden unverdrossen das Recht einer Frau auf Abtreibung hochhalten und dies mit der amerikanischen Verfassung begründen. Amnesty International wird Washington dabei unterstützen, das nächste Ziel eines Militärschlages zu dämonisieren und weiterhin die Augen vor den Kriegsverbrechen Präsident Obamas verschließen.
Wenn wir uns vor Augen führen, was sich Israel ungestraft herausnehmen konnte, weil es sich den Schutz der USA erkauft hat – seine Kriegsverbrechen, die Ermordung von Kindern, die Zwangsräumung und Vertreibung von Palästinensern aus ihren angestammten Häusern und Wohnungen unter völliger Missachtung des Völkerrechts, die Zerstörung ihrer Häuser etwa durch Bulldozer und das Roden palästinensischer Olivenhaine, um auf diese Weise neuen Raum für die Ansiedlung fanatischer »Siedler« zu schaffen, die mörderischen Invasionen in den Libanon und den Gaza-Streifen, das Abschlachten von Zivilisten – müssen wir zu den Schluss kommen, das Washington, das Israel diese Untaten ermöglichte, mit noch weitaus Schlimmerem davonkommen könnte.
In den bisher nur wenigen Jahren des 21. Jahrhunderts hat Washington die Prinzipien der amerikanischen Verfassung, der Gewaltenteilung, des Völkerrechts und die Verantwortlichkeit von Regierungen in den Staub getreten und auch das allerletzte moralische Prinzip geopfert, um eine scheinbar absolute Vormachtstellung in der Welt einzunehmen. Diese ehrgeizigen Ziele versucht Washington zu erreichen, während es gleichzeitig die Wall Street, das Zentrum rücksichtsloser Gier, von allen Regulierungen befreite und es den kurzfristigen Interessen der Wall Street ermöglichte, die amerikanische Wirtschaft zugrunde zu richten, auch wenn sie damit die wirtschaftliche Grundlage des amerikanischen Griffs nach der Weltmacht vernichtete.
Werden die USA im wirtschaftlichen Chaos versinken, bevor sie die Welt beherrschen?
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