
Dazu teilt uns der leichtgläubige Schmidle mit: »Es war niemals geplant, ihn einzusperren oder festzunehmen – diese Entscheidung wurde nicht in Sekundenbruchteilen vor Ort getroffen. ›Niemand wollte, dass Gefangene gemacht werden‹, erklärte der Offizier für Spezialeinsätze mir gegenüber.«
Und warum warfen die SEAL-Soldaten bin Ladens Körper in das Meer, anstatt der skeptischen Weltöffentlichkeit diesen Beweis vorzulegen?
Auch hier wird keine wirkliche Erklärung angeführt, nur etwas in dem Sinn, dass die Spezialeinheit SEALS das Gleiche schon mit anderen Opfern gemacht habe. Schmidle schreibt dazu: »Die
SEALS hatten die ganze Zeit schon geplant, bin Ladens Leiche im Meer zu versenken – eine unverblümte Art und Weise, dem Mythos bin Laden ein Ende zu bereiten.« Aber bevor sie das taten, hielten die USA Rücksprache mit einem nicht identifizierten saudischen Geheimdienstmitarbeiter, der ihren Plan angeblich guthieß.
Ich kann da nur sagen: »Also wirklich.«
Nach all‘ den Lügen und Machenschaften, die Seymour Hershs New Yorker im Zusammenhang mit der amerikanischen Regierung enthüllte, kann man sich gut vorstellen, welchem Druck der New Yorker möglicherweise ausgesetzt war, dieses Ammenmärchen. Aber das wirklich Außerordentliche bezieht sich auf die wirkliche Geschichte, die Schmidle und der New Yorker hätten recherchieren können.
Unmittelbar nach der angeblichen Ermordung Bin Ladens durch das amerikanische SEALS-Spezialkommando interviewte das pakistanische Fernsehen den direkten Nachbarn von bin Ladens angeblichem Anwesen und Zufluchtsort. Jemand hatte das Video mit einer englischen Übersetzung versehen, die unten im Bild mitlief. Nach dieser Übersetzung erklärte der Nachbar, ein Herr Bashir, er habe die ganze Operation vom Dach seines Hauses aus beobachtet. Drei Hubschrauber seien beteiligt gewesen, von denen aber nur einer gelandet sei. Etwa ein Dutzend Männer seien herausgesprungen und hätten sich Zugang zum Haus verschafft. Sie seien nach kurzer Zeit wieder herausgekommen und seien an Bord des Hubschraubers gestiegen. Als der Hubschrauber abhob, sei er plötzlich explodiert, und alle Insassen seien ums Leben gekommen. Herr Bashir berichtete weiter, in der ganzen Umgebung seien Körper und Körperteile verstreut gewesen.
Die amerikanische Regierung räumt ein, einen Hubschrauber bei dem Einsatz verloren zu haben, behauptete aber, niemand sei verletzt worden. Aber wenn keine weiteren Landungen mehr erfolgten und, wie Herr Bashir berichtet, alle Insassen des einen Hubschraubers starben, gab es offensichtlich keine Leiche mehr, die man im Meer versenken konnte.
Eine ernstzunehmende Untersuchung würde sich zunächst dem Interview mit Herrn Bashir widmen. Gab die englische Übersetzung wirklich das wieder, was er tatsächlich gesagt hatte? Ich war bisher nicht in der Lage, das Interview mit der englischen Übersetzung im Internet zu finden, aber ich vermute, dass es sich bei diesem Video hier um das Interview handelt, das ich gesehen habe.
Sicherlich findet sich ein qualifizierter Übersetzer, der uns sagen kann, was Herr Bashir sagt. Wenn es sich bei der englischen Übersetzung, die ich damals gesehen habe, nicht um einen Betrug handelt, werden wir hier mit einer Schilderung konfrontiert, die sich völlig von der unterscheidet, die uns die Regierung aufgetischt hat und die nun von Schmidle noch einmal wiederholt wurde.
Wenn die englische Übersetzung von dem Interview mit Herrn Bashir zutrifft, müsste man doch wohl annehmen können, dass seitens der amerikanischen Nachrichtenmedien und amerikanischer Nachrichtendienstausschüsse einiges Interesse daran bestünde, Herrn Bashir und seine Nachbarn zu befragen, von denen viele im pakistanischen Fernsehen interviewt wurden und dort erklärten, sie
hätten ihr ganzes Leben in Abbottabad verbracht und seien absolut sicher, dass Osama bin Laden nicht mitten unter ihnen gelebt habe.
Schmidle beschreibt ausführlich die Bewaffnung der SEALS-Sondereinheit, auch wenn aus seiner Darstellung eigentlich hervorgeht, dass gar keine Waffen notwendig gewesen wären, da bin Laden als »unbewaffnet« und »ungeschützt« beschrieben wird. Der »völlig überraschte« bin Laden habe den Anflug der Hubschrauber nicht gehört oder/und auch nicht mitbekommen, als das Sonderkommando die Treppen heraufstürmte. Zusätzlich zu seiner tödlichen Erkrankung, von der die meisten Experten annehmen, dass sie bin Laden bereits vor zehn Jahren das Leben kostete, muss bin Laden auch noch taub gewesen sein, da die Nachbarn berichteten, der Lärm der Hubschrauber sei »stark« gewesen.
Wenn Pakistaner vor Ort in Abbottabad die Ereignisse ganz anders schildern, als sie uns dann aus zweiter und dritter Hand von unbekannten Funktionären gegenüber amerikanischen Journalisten, die niemals in Abbottabad gewesen sind, dargestellt werden, sollte sich nicht dann einmal jemand mit dieser Angelegenheit auseinandersetzen, der dazu qualifiziert ist?
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