Sunday, 26. June 2016
28.11.2011
 
 

Endzeit: Der Weg zu Krieg und Wirtschaftszusammenbruch

Dr. Paul Craig Roberts

23. November 2011: Der Tag vor dem Erntedank-Feiertag sorgte für drei außerordentliche Nachrichten. Die eine betraf den Bericht über die Fernsehdebatte der republikanischen Präsidentschaftskandidaten. Die andere bezog sich auf die Erklärung des russischen Präsidenten zur Antwort seines Landes auf die Raketenbasen, mit denen Washington sein Land einkreise. Und die dritte Nachricht hat mit dem Scheitern einer deutschen Anleiheauktion zu tun. Und da die »Press«tituierten nicht über die wahre Bedeutung dieser Ereignisse informieren werden, versuche ich es einmal.

Mit Ausnahme Ron Pauls, der als einziger Kandidat beider Parteien dazu qualifiziert ist, Präsident der USA zu sein, sind die restlichen Kandidaten der Republikaner noch schlimmer als Obama, ein Präsident, der das Land hinter sich geschart hatte, dann aber der amerikanischen Bevölkerung Partikularinteressen opferte.

Kein anderer neugewählter Präsident, weder John F. Kennedy noch Ronald Reagan, lösten nach ihrer Wahl eine so starke Reaktion wie Barack Obama aus. Zu seiner Amtseinführung waren die Menschen in rekordverdächtigen Zahlen angereist und hielten der Kälte stand, um mitzuerleben, wie er seinen Amtseid ablegte. Die großen Straßen waren bis in einige Kilometer Entfernung vom Kapitol mit Menschen überfüllt, die die Amtseinführung nur auf riesigen Leinwänden mitverfolgen konnten.

Obama hatte die Wähler überzeugt, dass er die Kriege beenden, die Rechtsbeugungen der amerikanischen Regierung stoppen, die illegalen Folterungen beenden, das Foltergefängnis in Guantanamo auflösen und sich den wirklichen Bedürfnissen der amerikanischen Bevölkerung

zuwenden würde, anstatt die Taschen des militärisch-sicherheitspolitischen Komplexes mit dem Geld der Steuerzahler zu füllen.

Aber einmal im Amt nahm Obama die Kriege von Bush, Cheney und den Neokonservativen wieder auf und weitete sie aus.

Er erklärte die Angriffe des Bush-Regimes auf die amerikanische Verfassung für rechtens. Er überließ der Wall Street die Gestaltung der amerikanischen Wirtschaftspolitik, er sprach das Bush-Regime von seinen Verbrechen los und bürdete dem amerikanischen Volk massive finanzielle Lasten auf, um das wirtschaftliche Wohlergehen der Superreichen zu garantieren.

Man könnte jetzt meinen, ein solcher völlig gescheiterter Präsident wäre leicht zu besiegen. Aber angesichts dieser historischen Chance stellte die Republikanische Partei den Wählern die absolut dümmste und widerlichste Kandidatenschar vor, die Amerika jemals gesehen hat. Die einzige rühmliche Ausnahme bildet Ron Paul, der aber nicht die Unterstützung der Parteifunktionäre genießt.

Bei der öffentlichen »Debatte« der Präsidentschaftskandidaten entlarvten sich – wieder mit Ausnahme Ron Pauls – die anderen Kandidaten als eine Sammlung ungebildeter Kriegshetzer, die sich für einen Polizeistaat einsetzen. Gingrich und Cain erklärten, die Moslems »wollen uns alle umbringen« und »wir alle werden bis zu unserem Lebensende in Gefahr schweben«.

Bachmann meinte, der amerikanische Marionettenstaat Pakistan stelle »weit mehr als eine existenzielle Bedrohung dar«. Bachmann hat wohl keine Vorstellung davon, was »mehr als eine existenzielle Bedrohung« bedeuten könnte. Aber es klingt aus dem Munde einer Kandidatin, die zuvor noch behauptet hatte, die lange aufgelöste Sowjetunion bedrohe noch heute die USA, wie eine gewichtige, fast intellektuelle Bemerkung.

Aber zum Leidwesen der Amerikaner und der übrigen Welt mangelt es der amerikanischen Wählerschaft zu sehr an Intelligenz und wirklichem Verständnis ihrer misslichen Lage als Bewohner eines Polizeistaates, als dass sie Ron Paul – gemeinsam mit dem Abgeordneten Dennis Kucinich der letzte Verteidiger der amerikanischen Verfassung – wählen würden. Dennoch könnte es einen Silberstreif der Hoffnung am Horizont geben, würde tatsächlich einer dieser republikanischen Schwachköpfe zum Präsidenten der »einzigen Supermacht der Welt« gewählt werden. Wenn die übrige Welt erkannt hat, dass nun ein kriegstoller Idiot seinen oder ihren Finger auf den Atomknopf legt, wird die übrige Welt dem Schrecken in Washington ein Ende bereiten, bevor er das Leben auf der Erde auslöscht.

Jeder empfindende und denkende Amerikaner, der sich über die Diskussionsrunde der republikanischen Präsidentschaftskandidaten informiert hat, muss sich mit Herannahen des landesweiten Feiertags die Frage stellen, für was man da eigentlich dankbar sein soll.

Die russische Regierung, die es vorzieht, ihre Ressourcen für die Wirtschaft und nicht für das Militär einzusetzen, ist zu dem Entschluss gekommen, dass sie im Namen des Friedens zu hohe Risiken eingegangen ist. Am Tag vor dem Erntedankfest erklärte der russische Präsident Dmitrij Medwedew in einer vom Fernsehen übertragenen Rede an die russische Bevölkerung, sollte Washington damit fortfahren, Russland weiter mit seinen geplanten Raketenbasen einzukreisen, werde Russland darauf mit neuen Nuklearraketen antworten, die sich gegen die amerikanischen Basen und europäische Hauptstädte richteten.

Der russische Präsident sagte weiter, die russische Regierung habe Washington um völkerrechtlich bindende Garantien gebeten, dass die amerikanischen Raketenbasen keine Bedrohung Russlands darstellten, aber Washington habe sich geweigert, diese Garantien zu geben. Medwedews Stellungnahme ist bestürzend. Was meint er damit, »wenn Washington damit fortfährt«? Die amerikanischen Raketen und Radarstellungen sind bereits gebaut. Russland ist bereits eingekreist. Ist Medwedew sich erst jetzt dieser Tatsache bewusst geworden?

Die zögerliche russische und chinesische Reaktion auf das aggressive Vorgehen Washingtons kann nur im Lichte der Erfahrungen der beiden Länder mit dem Kommunismus verstanden werden. Russen und Chinesen waren unter dem Kommunismus extremen Leiden ausgesetzt, und der denkende Teil dieser beiden Völker betrachtete Amerika als politisches Vorbild. Diese Selbsttäuschung prägt noch immer die Mentalität fortschrittlicher Denker in Russland und China. Es könnte für beide Länder katastrophale Folgen haben, dass ihre Bürger freundschaftliche Gefühle gegenüber Amerika hegen.

Die Überzeugung, Washington sei vertrauenswürdig, durchzieht sogar die russische Regierung, die scheinbar, so könnte man Medwedew verstehen, einer »völkerrechtlich bindenden Garantie« aus Washington vertrauen würde. Aber warum sollte angesichts der massiven Lügen, die im 21. Jahrhundert von Washington verbreitet wurden – »Massenvernichtungswaffen«, »Al-Qaida-Verbindungen«, »iranische Kernwaffen« –,  noch irgendjemand »völkerrechtlich bindenden Garantien« Washingtons vertrauen? Eine solche Garantie hat keinerlei Bedeutung. Sie wäre nur eine weitere arglistige Täuschung im Streben Washingtons nach Weltherrschaft.

Der Tag vor dem Erntedankfest wies aber noch eine weitere außerordentliche Entwicklung auf – Deutschland gelang es nicht, auf einer Auktion für seine Staatsanleihen Käufer zu finden, ein besorgniserregendes Ereignis.

Warum fand Deutschland, das einzige Land der Eurozone mit finanzieller Rechtschaffenheit, für seine zehnjährigen Anleihen 35 Prozent weniger Käufer als angenommen? Deutschland hat keine Schuldenprobleme, und es wird von der EU und auch amerikanischen Behörden fest damit gerechnet, dass seine Volkswirtschaft den Löwenanteil des Rettungspaketes für die in Schieflage geratenen EU-Mitgliedsstaaten übernimmt.

Ich gehe davon aus, dass dieses Scheitern der Auktion deutscher Regierungsanleihen von den USA, EU-Behörden, insbesondere der Europäischen Zentralbank EZB, sowie Privatbanken inszeniert wurde, um Deutschland dafür zu bestrafen, dass es nicht zulassen will, dass die EZB die Staatsschulden der EU-Mitglieder aufkauft.

Die deutsche Regierung versucht, die Prinzipien zu verteidigen, für die es damals bereit war, seine eigene Währung aufzugeben und sich der EU-Währungsunion anzuschließen. Weil Deutschland  darauf besteht, dass die damals geschlossenen Verträge auch eingehalten werden, steht es der EZB im Weg, die sich wie die amerikanische Notenbank Federal Reserve aufführt und die Schulden der Mitgliedsstaaten durch grenzenlose Liquidität refinanzieren will.

Seit ihren Anfängen war die EU eine Verschwörung gegen Deutschland. Wenn Deutschland in der EU verbleibt, wird es untergehen. Es wird seine politische und wirtschaftliche Souveränität verlieren, und die deutsche Wirtschaft wird ausgeblutet, um die EU-Mitglieder, die hauspolitischen Irrsinn betrieben haben, zu retten.

Wenn sich schon die Griechen dieser Tyrannei nicht unterwerfen wollen, warum sollten es dann die Deutschen tun?

 

 


 

 

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