Saturday, 20. December 2014
16.10.2011
 
 

Pakistan und das »Haqqani-Netzwerk«: Die jüngste, inszenierte Bedrohung Amerikas und das Ende der Geschichte

Dr. Paul Craig Roberts

Haben Sie schon einmal von den Haqqanis gehört? Ich kann es mir kaum vorstellen. Ähnlich wie das Al-Qaida-Netzwerk, von dem vor dem 11. September noch keiner gehört hatte, tauchte das »Haqqani-Netzwerk« genau zur richtigen Zeit aus der Versenkung auf, um den nächsten Krieg Amerikas zu rechtfertigen – gegen Pakistan.

Mit der Behauptung Präsident Obamas, der Al-Qaida-Anführer Osama bin Laden sei zur Strecke gebracht worden, ging der Bedrohung durch dieses altgediente Schreckgespenst die Luft aus. Eine Terrororganisation, die ihren Anführer unbewaffnet und schutzlos zurücklässt und ihn damit zum leichten Ziel eines Mordanschlags macht, wirkt nicht länger furchterregend. Es wird Zeit für ein neues, noch bedrohlicheres Schreckgespenst, das dem »Krieg gegen den Terror« neue Nahrung geben soll.

Und so wurden die Haqqanis jetzt zum erklärten »Staatsfeind Nr. 1« der Vereinigten Staaten. Im Gegensatz zu al Qaida, das niemals einem bestimmten Land oder einer bestimmten Region zugeordnet wurde, handelt es sich nach Aussagen des Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs der USA, Admiral Michael Mullen, beim Haqqani-Netzwerk um einen »veritablen Arm« des

pakistanischen Geheimdienstes Inter-Service Intelligence (ISI). Washington behauptet, der ISI habe seinem Haqqani-Netzwerk befohlen, die amerikanische Botschaft in der afghanischen Hauptstadt am 13. September anzugreifen. Das Gleiche gelte auch für den Angriff auf den amerikanischen Militärstützpunkt in der Provinz Wardak am 10. September.

Der republikanische Senator Lindsey Graham, der dem Streitkräfteausschuss angehört und den schärfsten Kriegsbefürwortern zuzurechnen ist, erklärte, alle Optionen lägen auf dem Tisch, und versicherte dem Verteidigungsministerium, dass ein amerikanisches militärisches Vorgehen gegenüber Pakistan auf breite überparteiliche Unterstützung bauen könne.

Da bereits jetzt viele pakistanische Zivilisten durch amerikanische Drohnenangriffe getötet worden sind und die pakistanische Armee auf Druck aus Washington zur Jagd auf al Qaida praktisch in ganz Pakistan gedrängt wurde, wobei im Verlauf der Aktion einige zehntausende Menschen vertrieben worden waren, muss Senator Graham noch etwas größeres im Sinn gehabt haben.

Auch die pakistanische Regierung ist dieser Ansicht. Der pakistanische Ministerpräsident Yousaf Raza Gilani rief seinen Außenminister von Gesprächen in Washington zurück und berief eine Sondersitzung seiner Regierung ein, um über die Gefahr einer amerikanischen Invasion zu diskutieren.

In der Zwischenzeit war Washington auf der Suche nach weiteren Gründen, um der neuen Bedrohung durch die Haqqanis zusätzliches Gewicht zu verleihen und so einen Grund für einen Krieg gegen Pakistan zu haben: Pakistan verfüge über Nuklearwaffen, die politische Lage sei instabil und die Atomwaffen könnten in falsche Hände fallen. Darüber hinaus könnten die USA in Afghanistan nur dann militärisch gewinnen, wenn sie die sicheren Zufluchtsorte für die afghanischen Terroristen in Pakistan ausgeschaltet hätten usw. usw.

Washington versuchte schon seit Längerem, Pakistan zu einem militärischen Vorgehen gegen seine eigene Bevölkerung in der paschtunischen Provinz Nord-Waziristan [an der Westgrenze zu Afghanistan] zu zwingen. Pakistan hat dieser Forderung bisher aus gutem Grund nicht nachgegeben. Die angebliche neue Bedrohung durch die Haqqanis als Vorwand für eine Invasion könnte der Versuch Washingtons sein, den pakistanischen Widerstand gegen einen Angriff auf Nord-Waziristan zu brechen. Es könnte sich aber auch, wie einige einflussreiche pakistanische Politiker sagen und die Regierung fürchtet, um eine Inszenierung Washingtons handeln, ein militärisches Vorgehen gegen ein weiteres moslemisches Land zu rechtfertigen.

Nun trägt die pakistanische Regierung an dieser Situation eine deutliche Mitschuld, hat sie sich doch jahrelang als dienstbare amerikanische Marionette erwiesen. Die Pakistaner ließen zu, dass die USA ihre Regierung aufkauften, das Militär aufrüsteten und ausbildeten und sich eine enge »Zusammenarbeit« zwischen der CIA und den pakistanischen Diensten entwickelte. Eine Regierung, die so von Washingtons Gnaden abhängig ist, konnte sich kaum wehren, als die USA dann begannen, die pakistanische Souveränität auszuhöhlen, indem Drohnen oder Sondereinheiten eingesetzt wurden, um gegen angebliche Al-Qaida-Mitglieder vorzugehen. Aber in den meisten Fällen handelte es sich bei den Opfern um Frauen, Kinder und Bauern. Nachdem es Washington nach zehn Jahren immer noch nicht gelungen war, eine relativ geringe Zahl von Taliban-Kämpfern auszuschalten, schiebt es nun Pakistan die Schuld für sein Scheitern zu, so wie es schon die angebliche iranische Unterstützung des irakischen Widerstandes gegen die amerikanischen Besatzungstruppen für den langwierigen Krieg gegen das irakische Volk verantwortlich machte.

Nach Auffassung einiger kenntnisreicher und erfahrene Experten, von denen man allerdings in den etablierten Medien niemals etwas hören wird, arbeiten der amerikanische militärisch-sicherheitspolitische Komplex und seine Handlanger aus dem neokonservativen Lager auf einen Dritten Weltkrieg hin, um Russland und China zuvorzukommen. Aufgrund der kommunistischen Unterdrückung fühlt sich ein erheblicher Anteil der russischen Bevölkerung der amerikanischen Denkungsart verpflichtet. Diese Russen vertrauen Washington mehr als Putin. Und die Chinesen sind derzeit zu sehr damit beschäftigt, sich mit den Problemen und Gefahren raschen wirtschaftlichen Wachstums herumzuschlagen, als dass sie in der Lage wären, sich auf einen Krieg vorzubereiten und stellen keine wirkliche Bedrohung dar.

Aber Krieg ist das Lebenselixier der Profite des militärisch-sicherheitspolitischen Komplexes und ist noch immer die bevorzugte Methode der Neokonservativen, ihr Ziel einer amerikanischen Weltherrschaft zu verwirklichen.

Pakistan grenzt zugleich an China und an einige Nachfolgestaaten früherer sowjetischer Teilrepubliken, in denen die USA heute über Militärstützpunkte an der russischen Grenze verfügen. Eine amerikanische Invasion in Pakistan mit anschließender Besetzung dürfte Russland und Pakistan aus ihrem schlaftrunkenen Zustand reißen. Da beide Länder über Kernwaffen verfügen, könnten die Profitgier des militärisch-sicherheitspolitischen Komplexes und die Weltherrschaftsfantasien der Neokonservativen letztlich zur Auslöschung der gesamten Menschheit führen.

Die Patrioten und Superpatrioten, die sich den politischen Zielen des militärisch-sicherheitspolitischen Komplexes und den Fähnchen schwingenden Neokonservativen verschrieben haben, befördern die »Götterdämmerung« und andere Endzeitvorstellungen noch, die von den auf ihre Entrückung hoffenden Evangelikalen herbeigesehnt werden, weil sie überzeugt sind, dann in den Himmel entrückt zu werden, während alle andere auf der Erde sterben müssen.

Das ist nun wirklich ein ganz anderes Ergebnis, als es sich Präsident Reagan vom Ende des Kalten Krieges erhofft hatte.

 

 


 

 

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