Wednesday, 28. September 2016
17.02.2012
 
 

44 US-Militärstützpunkte um Iran: Wann kommt es zum Angriff?

Dr. Paul Craig Roberts

Washington hat bereits umfangreiche Vorbereitungen für einen Militärschlag gegen den Iran in die Wege geleitet. In der amerikanischen Hauptstadt munkelt man, die Regierung habe ihre bisher längsten Kriege – im Irak und in Afghanistan – abgebrochen, um die dadurch freiwerdenden Kräfte gegen den Iran einsetzen zu können. Zwei US-Flotten wurden zusammen mit Kriegsschiffen der NATO in den Persischen Golf verlegt. In den Washington nahestehenden Erdölemiraten und den amerikanischen Marionettenstaaten des Nahen und Mittleren Ostens wurden massiv Raketenabschussbasen und Raketen stationiert. Amerikanische Truppen wurden nach Israel und Kuwait verlegt.

Washington hat Israel ein kostspieliges Raketenabwehrsystem geschenkt, das vom amerikanischen Steuerzahler bezahlt wird. Dieses Geld wurde für Israel ausgegeben, während gleichzeitig Millionen von Amerikanern, die keinerlei staatliche Unterstützung genießen, ihre Häuser und Wohnungen verloren haben. Niemand geht davon aus, dass der Iran Israel angreift, es sei denn

in Vergeltung eines israelischen Angriffs auf den Iran. Daher soll dieses Raketenabwehrsystem offensichtlich dazu dienen, Israel nach einem israelischen Angriff auf den Iran vor einem iranischen Vergeltungsschlag zu schützen.

 

Juan Cole hat in seinem Internet-Blog eine Karte veröffentlicht, auf der die 44 amerikanischen Militärstützpunkte verzeichnet sind, die den Iran einkreisen.

 

Neben diesen massiven militärischen Vorbereitungen darf die Kriegspropaganda gegen den Iran nicht vergessen werden, die seit 1979 anhält, nachdem die amerikanische Marionette, Schah Mohammad Reza Pahlavi von Persien, damals von der iranischen Revolution gestürzt worden war. Der Iran ist eingekreist, aber die Propaganda aus Washington und Israel stellt den Iran als einen bedrohlichen Aggressor dar. Tatsächlich sind die Regierungen in Washington und Tel Aviv die wirklichen Aggressoren, die dem Iran ständig mit einem Militärschlag drohen.

 

Neokonservative Kriegstreiber wie David Goldman vergleichen den iranischen Präsidenten mit Hitler und behaupten, nur ein Krieg könne ihn stoppen.

 

Führende amerikanische Militärvertreter versuchen den Eindruck zu verbreiten, ein israelischer Angriff auf den Iran sei bereits beschlossene Sache. Am 2. Februar berichtete die Washington Post, nach Ansicht von US-Verteidigungsminister Leon Panetta werde Israel den Iran in zwei oder vier Monaten angreifen.

 

Am gleichen Tag berichtete Gareth Porter, der Chef des amerikanischen Vereinigten Generalstabs General Martin Dempsey habe die israelische Regierung informiert, die USA beteiligten sich nur dann an einem israelischen Angriff gegen den Iran, wenn Washington den Angriff im Vorfeld gebilligt habe.

 

Porter interpretiert Dempseys Warnung als einen deutlichen Schritt Präsident Obamas, der einen Angriff verhindern wolle, der Washington in einen regionalen Konflikt mit dem Iran hineinziehen könnte. Man kann Dempseys Äußerung aber auch ganz anders verstehen: Der General wollte Israel deutlich machen, dass Obama einen Angriff auf den Iran solange verschieben will, bis die Meinungsumfragen zeigen, dass er die Präsidentschaftswahlen verlieren würde. [Ein Krieg könnte dann vielleicht seine Wiederwahl retten,] da patriotisch gesonnene Wähler einem Präsidenten, der sich im Krieg befindet, im Allgemeinen ihre Unterstützung nicht versagen.

 

Am 5. Februar dementierte Präsident Obama die Warnungen Dempseys gegenüber Israel und erklärte, er zöge mit der israelischen Regierung an einem Strang. Obama beschwört die Einigkeit mit der israelischen Regierung, obwohl er gegenüber dem Fernsehsender NBC erklärt hatte, es gebe »keine Hinweise darauf, dass der Iran die Absicht habe oder über die Fähigkeiten und Kapazitäten verfüge [, die USA anzugreifen]«. Mit diesem Vorgehen, im Gleichschritt mit Israel zu marschieren und gleichzeitig eine »diplomatische Beilegung« zu fordern, versuchte Obama den Spagat, den Wünschen der israelischen Lobby und der demokratischen Friedensgruppen gleichermaßen zu entsprechen, um seine Chancen für eine Wiederwahl zu verbessern.

 

Wie ich bereits an anderer Stelle geschrieben habe, ist dieses Frühjahr [aus Sicht der Kriegstreiber] die beste Zeit für einen Angriff auf den Iran, da die Möglichkeit besteht, dass Russland aufgrund der dortigen Präsidentschaftswahlen im März selbst in Turbulenzen gerät. Die russische Opposition gegen Putin wird von Washington finanziert und durch Erklärungen der amerikanischen Regierung, vor allem von Außenministerin Hillary Clinton, ermutigt. Ob nun Putin gleich gewinnt oder es zu einem zweiten Wahlgang kommen wird, die Finanzhilfe aus Washington wird schon dafür sorgen, dass Zehntausende von Russen in den Straßen demonstrieren werden. Schließlich hat das Geld aus Washington auch die »Grüne Revolution« [im Iran] ermöglicht, um Proteste gegen den Ausgang der dortigen Präsidentschaftswahlen zu schüren.

 

Am 4. Februar berichtete die früher einmal als links geltende britische Tageszeitung The Guardian im Vorfeld der russischen Wahlen von Demonstrationen von etwa 120.000 Putingegnern in Moskau, die »faire Wahlen« gefordert hätten. Mit anderen Worten versuchen die Handlanger Washingtons bereits jetzt die Überzeugung zu zementieren, ein Wahlsieg Putins im März könne nur manipuliert sein. Aber für Obama lässt das Frühjahr noch keinen sicheren Schluss darauf zu, ob seine Wiederwahl durch einen republikanischen Kandidaten gefährdet wäre. Um seine Wiederwahl abzusichern, wäre ein zu frühzeitiger Kriegsausbruch keine Hilfe, zumal er von einem deutlichen Anstieg der Erdölpreise begleitet würde.

 

Die Bereitschaft von Menschen überall auf der Welt, sich eher zu willfährigen Werkzeugen Washingtons degradieren zu lassen, als sich als loyale und selbstbewusste Bürger ihrer jeweiligen Länder zu erweisen, ist einer der Hauptgründe dafür, dass der Westen immer noch in der Lage ist, die heutige Welt zu beherrschen. Es scheint immer noch ausländische Staats- und Regierungschefs im Überfluss zu geben, die lieber die Gelder und Gefälligkeiten Washingtons annehmen, als sich für die legitimen und ureigensten Interessen ihrer Länder einzusetzen.

 

Schon Karl Marx erklärte, Geld verwandele alles andere in eine Ware, die gekauft und verkauft werden könnte. Alle anderen Werte würden vernichtet: Ehre, Integrität, Wahrheit, Gerechtigkeit, Loyalität und selbst Blutsverwandtschaft. Es bleibt nichts außer schmutziger Gewinnsucht. Geld und die Gier danach hat allerdings mit Sicherheit den früheren britischen Premierminister in eine politische Ware verwandelt.

 

Vor vielen Jahren wurde mir die Macht des Geldes vor Augen geführt. Mein Doktorvater wurde unter der Präsidentschaft Nixons zum Abteilungsleiter für internationale Sicherheitspolitik im Verteidigungsministerium berufen. Er fragte mich, ob ich nach Vietnam gehen würde, um dort die Abwicklung der Hilfsprogramme zu übernehmen. Ich fühlte mich zwar geschmeichelt, dass er mir die Charakterstärke zutraute, der Korruption zu widerstehen, die normalerweise die guten Absichten von Hilfsprogrammen ins Gegenteil verkehrt, aber ich lehnte ab.

 

Dieses Gespräch werde ich nie vergessen. Warren Nutter war eine intelligente und integre Persönlichkeit. Unabhängig davon, ob der Krieg notwendig war oder nicht, war er überzeugt, dass die amerikanische Bevölkerung durch Täuschung und Irreführung in diesen Krieg hineingezogen worden war. Er vertrat die Ansicht, eine Demokratie könne Täuschungen dieser Art nicht verkraften und lehnte Regierungsvertreter ab, die das amerikanische Volk hintergangen hatten. Nach seiner Auffassung müsse eine demokratische Regierung auf Überzeugungsarbeit und nicht auf Tricks und Irreführungen setzen, denn dann wären die Folgen nicht demokratisch legitimiert.

 

Aus seiner Sicht befanden wir uns im Krieg und hatten die Südvietnamesen mit hineingezogen. Daher stünden wir ihnen gegenüber in der Pflicht. Versagten wir hier, würde sich das negativ auf Verpflichtungen auswirken, die wir gegenüber anderen Ländern im Rahmen unserer Politik eingegangen waren, den Einfluss der Sowjetunion einzudämmen. Anders als die schwer zu fassende »Bedrohung durch Terror« stellte die Sowjetunion unzweifelhaft eine »wirkliche Bedrohung« dar. Diejenigen, die in der Zeit nach dem Untergang der Sowjetunion aufgewachsen sind, können die Zeit des Kalten Krieges nicht verstehen.

 

Im Verlauf unseres Gesprächs fragte ich, wie es Washington gelänge, so viele andere Regierungen auf seine Seite zu ziehen und seinem Willen folgen zu lassen? »Geld«, antwortete er.

 

»Sie meinen Entwicklungshilfe?«, fragte ich nach.

 

»Nein«, entgegnete er, »große Mengen Geldes. Wir kaufen die führenden Politiker.«

 

Er lehnte diese Praxis ab, aber er konnte nichts dagegen unternehmen.

 

Schon die antiken Römer versuchten, führende Persönlichkeiten aus dem gegnerischen Lager oder potenzielle Bedrohungen durch Korruption zu kaufen und zu kontrollieren. In seinem Buch The Rule of Empires bezeichnet Timothy H. Parsons die Römer als »geschickte Vertreter einer Machtausübung, die auf indirekte Beeinflussung (›Soft Power‹)« setzt. Rom zog es vor, die Besiegten und potenziellen Feinde durch »halbautonome, von Rom abhängige Könige regieren zu lassen, die vom Senat euphemistisch als ›Freunde des römischen Volkes‹ bezeichnet wurden. Die Römer unterstützten Machthaber, die zur Zusammenarbeit bereit waren, mit direkten Zuwendungen in Form von Münzen oder Sachleistungen dabei, an der Macht zu bleiben. Die Annahme dieser Zuwendung galt als Zeichen für die Bereitschaft des jeweiligen Regenten, sich der Befehlsgewalt des Imperiums zu unterwerfen, und sie verstanden jede Missachtung ihres Willens als offenes Aufbegehren. Zugleich behielten sie sich vor, jederzeit in Nachfolgeauseinandersetzungen einzugreifen, um einen missliebigen Marionettenherrscher zu ersetzen.«

 

Auch Washington herrscht auf diese Weise. Und diese Machtausübung über andere Länder ist der Grund, warum es keinen wirklichen »ägyptischen Frühling« gibt, sondern die in Misskredit geratene Marionette Husni Mubarak lediglich durch eine Militärdiktatur ersetzt wurde und europäische Vasallenstaaten der USA die Kriege Washingtons im Nahen und Mittleren Osten, Nordafrika und Zentralasien, in denen es um die amerikanische Vorherrschaft geht, auskämpfen.

 

Die »gemeinnützige« amerikanische Organisation National Endowment for Democracy (NED) finanziert Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die sich dann in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einmischen. Es ist der Tätigkeit dieser NGOs zu verdanken, dass die frühere Sowjetrepublik Georgien sowie die baltischen Staaten und die osteuropäischen Länder dem Macht- und Einflussbereich der USA einverleibt wurden.

 

Und weil viele Russen ihre sowjetische Vergangenheit zutiefst ablehnen und verabscheuen, ist auch Russland durch die Machenschaften Washingtons beeinflussbar.

 

Solange der Dollar die Welt beherrscht, werden auch die USA ihre dominierende Rolle behalten.

 

Als Rom seinen Silberdinar durch Bleizugaben entwertete, schwand seine Macht, Gefügigkeit zu kaufen. Wenn [der jetzige Chef der amerikanischen Notenbank Federal Reserve] Ben Bernanke die Kaufkraft des Dollar durch seine unbegrenzte Geldvermehrung vernichtet, wird auch die Macht der USA dahinschmelzen.

 

 


 

 

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