Monday, 27. June 2016
16.12.2015
 
 

Der Krieg der Flotten – Bahnt sich ein Konflikt USA-China auf See an?

Peter Orzechowski

China will offenbar die US-Marinepräsenz in den Meeren vor seinen Küsten nicht länger hinnehmen. In einer spektakulären Aktion hat ein chinesisches U-Boot einen amerikanischen Flugzeugträger ins Visier genommen. Bahnt sich da ein größerer Konflikt an?

 

 

Vor der Küste Japans hat ein chinesisches U-Boot einen Angriff mit Cruise Missiles auf den Flugzeugträger USS Ronald Reagan simuliert, berichtet The Washington Free Beacon. Der

Nachrichtensender CNN zitiert einen Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums: »Das war keine kurze Begegnung.«


Demnach soll das Jagd-U-Boot der Kilo-Klasse die USS Ronald Reagan mehr als einen halben Tag lang verfolgt und ins Visier genommen haben. Der Vorfall soll sich bereits am 24. Oktober ereignet haben. Von chinesischer Seite gab es bislang keine Bestätigung.

 

Der geheime chinesisch-amerikanische Kriegstest begann schon am 12. November 2007. Da war ein chinesisches U-Boot mitten in der aircraft carrier strike group des Flugzeugträgers USS Kitty Hawk aufgetaucht, ohne vorher von den Amerikanern entdeckt zu werden.

 

US-Flugzeugträger (etwa 5000 Mann Besatzung) werden immer von zahlreichen Begleitschiffen geschützt und abgeschirmt, den so genannten aircraft carrier strike groups. Sie erfassen normalerweise jedes feindliche Schiff, das sich der Gruppe nähert.

 

Als an jenem 12. November jedoch das dieselelektrisch betriebene Angriffs-U-Boot der Song-Klasse der Marine der Volksrepublik China auf der Wasseroberfläche erschien, war es so nahe, dass es ohne Probleme seine anti-ship cruise missiles (Reichweite 22 Seemeilen) auf den Flugzeugträger hätte abschießen können.

 

Laut hochrangigen NATO-Offizieren hatte dieses Ereignis die US-Navy völlig konsterniert. Man hatte einfach nicht erwartet, dass die chinesische U-Boot-Flotte einen so hohen Grad an Raffinesse erreicht hat und solch eine Bedrohung damit darstellt.

 

Ein NATO-Offizier sagte, der Effekt war so wie »der Schock des ersten russischen Sputnik Satelliten« der 1957 von der Sowjetunion als erstes Land in den Weltraum geschossen wurde und damit den Wettlauf im All auslöste.

 

Militäranalysten glaubten damals, Peking wollte den Amerikanern und dem Westen die Botschaft schicken, es sei bereit, Eindringlinge, die in ihren Gewässern aufkreuzen, abschrecken zu können. Die Botschaft der Aktion Ende Oktober dieses Jahres ist weitaus ernster.

 

Sie lautet: Wir können eure Flaggschiffe, die Flugzeugträger mit ihrem Wert von jeweils mehr als zehn Milliarden Dollar, unentdeckt angreifen und versenken. Lyle J. Goldstein, ein Experte des US Naval War College, schrieb dazu am Sonntag in National Interest, dass in einem chinesischen Militärjournal kürzlich die verschiedenen Wege diskutiert wurden, wie man amerikanische Flugzeugträger versenken könne.

 

Die U-Boot-Flotte der chinesischen Marine befindet sich derzeit im Brennpunkt der Marinemodernisierung und besteht bereits zur Hälfte aus Booten moderner Bauart. 13 dieselgetriebene U-Boote der Song-Klasse sollen derzeit im Dienst stehen.

 

Ihre wichtigste Fähigkeit besteht darin, dass sie im getauchten Zustand Marschflugkörper zur Bekämpfung von Seezielen abfeuern können.

 

Die insgesamt zehn U-Boote der russischen Kilo-Klasse sind ebenfalls mit Seezielflugkörpern ausgestattet.

 

Daneben hat die chinesische Marine noch weitere U-Boote anderer Klassen, darunter auch Atom-Unterseeboote, die Interkontinentalraketen abschießen können.

 

In diesem Jahr hatte es immer wieder Provokationen und kleine Zwischenfälle im Südchinesischen Meer gegeben. China hatte zuletzt seine militärische Präsenz in der umstrittenen Region ausgebaut. Das Land beansprucht weite Teile der Region für sich, auch Gebiete vor den Küsten von Nachbarländern.

 

Die USA haben Ende Oktober eins ihrer Kriegsschiffe ins Südchinesische Meer entsendet. Der Zerstörer USS Lassen kreuzte in rund zwölf Seemeilen Entfernung zu den künstlichen Inseln, die China derzeit in dem Meer aufschüttet.

 

Die Warnung vor dem großen Krieg


Der französische Wirtschaftsexperte Jean-François Susbielle (China-USA. Der programmierte Krieg), der deutsche Fernost-Experte Friedbert Pflüger, William Engdahl (China in Gefahr), Avery Goldstein (September/Oktober-Ausgabe 2013 von Foreign Affairs) und andere warnen vor einem möglichen Krieg in nächster Zukunft, »solange China im Vergleich zu den USA relativ schwach bleibt« (Goldstein).

 

Derzeit habe die USA einen riesigen qualitativen Vorsprung bei den konventionellen Streitkräften und dies steigere die Versuchung. Washington habe gerade in letzter Zeit mehrfach betont, dass es Japan und die Philippinen gegenüber China verteidigen werde. »Fast sicher«, schreibt Goldstein, werde die Konfrontation auf See beginnen und auch die Luftwaffe mit einbeziehen. Angriffsziele wären die chinesische Marine und ihre Einrichtungen, Radaranlagen und Raketenbasen.

 

Bereits Mitte Dezember 2013 sagte ein Team von Verteidigungsexperten in einer Anhörung dem House Armed Services Committee im US-Repräsentantenhaus, dass sich die USA auf einen Krieg gegen China vorbereiten sollten.

 

China strebe ehrgeizig den Großmachtstatus an, zudem könnten die Spannungen in Asien nicht mehr geleugnet werden. Das Pentagon müsse die Seeflotten aufrüsten sowie einige zusätzliche U-Boote zur Verfügung stellen.

 

»Chinas Führung strebt ehrgeizig den Status einer Großmacht an«, sagte Seth Cropsey vom Hudson Institute in Washington DC. »Die USA nehmen diese Möglichkeit nicht so ernst, wie sie es sollten.«

 

Um dieser Bedrohung zu begegnen, bräuchten die USA einen genauen Kriegsplan und müssten neue Militäranlagen entwickeln, so Cropsey weiter.

 

Chinas ehemaliger Botschafter bei den Vereinten Nationen Sha Zukang sagte am 9. Dezember 2013 gegenüber der taiwanesischen China Times, dass der territoriale Konflikt zwischen China und Japan auch die USA und Südkorea involvieren und somit zum Dritten Weltkrieg führen könne, »der größer wäre als der Zweite Weltkrieg«.

 

 

 

 

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