Wednesday, 24. August 2016
13.01.2016
 
 

Der Terroranschlag von Istanbul – Vorwand für Erdoğans Krieg?

Peter Orzechowski

Millionen von Touristen aus aller Welt haben sie schon bestaunt: die Hagia Sophia und die Blaue Moschee von Istanbul. Genau zwischen diesen beiden wichtigsten Attraktionen der Türkei bebte gestern Morgen der Boden. Die Bombenexplosion war so gewaltig, dass sogar die Altstadt der türkischen Metropole erschüttert wurde wie bei einem Erdbeben. Wer waren die Täter? Und wer hat einen Nutzen von diesem Anschlag?

 

Der Selbstmordattentäter hatte in der Nähe einer Straßenbahnhaltestelle auf dem Sultanahmet-Platz, unweit der berühmten Blauen Moschee, in unmittelbarer Nähe des ägyptischen Obelisken auf dem Gelände eines antiken Hippodroms genau dann die Bombe gezündet, als eine Touristengruppe dort eingetroffen war. Er riss mit sich zehn Touristen, darunter neun deutsche, in den Tod und verletzte mehr als 15 weitere, darunter auch Norweger und Peruaner.

 

Eine Reporterin von CNN Türk berichtete von schockierten Touristen, die nach der Explosion auf dem Pflaster gesessen hätten. Augenzeugen hätten gesagt, sie hätten einen Feuerball aufsteigen gesehen. Die Explosion war noch in einigen Kilometern Entfernung zu hören.

 

Seltsame türkische Reaktionen

 

Nach dem Anschlag verhängte die Regierung eine Nachrichtensperre. Zur Begründung teilte die Medienaufsicht RTÜK mit, ein solcher Schritt sei laut Gesetz möglich, wenn er der »nationalen Sicherheit« diene. Eine Reporterin der Nachrichtenagentur dpa wurde von Polizisten daran gehindert, in der Umgebung des Anschlagsortes Fotos zu machen. Sie berichtete vor Ort von zahlreichen Polizisten und Rettungskräften.

 

Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu berief den türkischen Innenminister und die Chefs der Sicherheitsbehörden in eine Krisensitzung ein. Zuvor teilte er der Presse mit, die türkische Regierung habe bereits einen 28-jährigen Syrer als Täter identifiziert. Es soll sich um ein Mitglied der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) handeln.

 

»Es ist bewiesen, dass die Explosion von einem Selbstmordattentäter aus Syrien, Geburtsjahr 1988, begangen wurde. Am Tatort wurden einzelne seiner Körperteile gefunden«, sagte der Vizeministerpräsident Numan Kurtulmuş noch am Unglückstag in Ankara.

 

Wer hat den Nutzen?

 

Für den Türkeiexperten Udo Steinbach wäre der IS der Nutznießer des Anschlags. Gegenüber FOCUS Online sagte er: »Dieser Anschlag richtet sich gegen die Regierung und soll das ökonomische Fundament der Region, den Tourismus, schädigen.«

 

Steinbach weiter: »Sollte es sich wirklich um einen Anschlag des IS handeln, wird das für die Türkei sehr peinlich.« Denn die türkische Regierung habe nach Einschätzung westlicher Diplomaten islamistische Gruppen in Syrien in der Hoffnung unterstützt, dass diese mit ihren Kämpfern das Ende des verhassten Regimes des syrischen Staatschefs Baschar al-Assad beschleunigen könnten. Der Anschlag zeige, dass sich der IS nun möglicherweise gegen seinen Mentor wende.

 

Genau aus diesem Grund müssen Zweifel aufkommen: Warum sollte der IS ausgerechnet gegen einen seiner Hauptförderer losschlagen und ihn auch noch schädigen? Der IS hat im abgelaufenen Jahr mehrere Anschläge in der Türkei verübt, sich dabei aber vornehmlich auf kurdische Ziele konzentriert.

 

Außenminister Frank-Walter Steinmeier riet inzwischen Bundesbürgern, die sich derzeit in der Türkei oder in Istanbul befänden, Menschenansammlungen auch auf öffentlichen Plätzen und vor touristischen Attraktionen, insbesondere in größeren Städten, und Verkehrsmittel des öffentlichen Personennah- und -fernverkehrs vorläufig zu meiden.

 

Auch erste Stornierungen von Türkeireisen wurden bereits gemeldet. Das heißt, nach den finanzkräftigen Russen fällt den Türken auch noch die zahlenmäßig größte Touristengruppe, die Deutschen, weg.

 

Damit scheint die Türkei selbst als Auftraggeber des Bombenanschlags auszuscheiden. Oder doch nicht? Bayerns Europaministerin Beate Merk, die heute in die Türkei reist, sagte: »Dieser Terrorakt hat zum Ziel, die Türkei zu destabilisieren und die Bevölkerung zu verunsichern. Gleichzeitig richtet er sich gegen die gesamte westliche Welt, da der Anschlagsort an einem beliebten Touristenziel bewusst gewählt wurde und zahlreiche Ausländer zu den Opfern und Verletzten zählen.«

 

Soll der Anschlag den Westen hinter der Türkei einreihen? Die CSU-Ministerin sagte gestern weiter: »Dass auch Deutsche betroffen sind, macht einmal mehr deutlich, dass Deutschland im Fadenkreuz des Terrorismus ist. Wir brauchen weiter ein entschlossenes Vorgehen gegen jegliche Art von Terrorismus im engen internationalen Schulterschluss.«

 

Dieser enge internationale Schulterschluss hat ja bereits, wie ich hier auf Kopp Online berichtete, seltsame Schritte eingeleitet, die nur auf den ersten Blick mit der Bekämpfung des IS zu tun haben. So etwa die Entsendung deutscher AWACS-Aufklärungs-Boeings in die Türkei, obwohl der IS über keinerlei Flugzeuge verfügt.

 

Reihen wir den gestrigen Bombenanschlag in Istanbul in diesen Zusammenhang ein, dann ist durchaus denkbar, dass Erdoğan nun die Erlaubnis des Westens bekommt, gegen Syrien loszuschlagen und dabei auch Putin in die Schranken zu weisen.

 

Wenn sich diese Entwicklung in den nächsten Tagen und Wochen bewahrheiten sollte, dann dürften die hinreichend bekannten Drahtzieher des IS Auftraggeber des Istanbuler Anschlags sein. Und das sind die USA und die Türkei.

 

Wie gesagt: Wir müssen nur die nächsten Tage und Wochen aufmerksam beobachten.

 

 

 

 

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