Tuesday, 30. August 2016
29.10.2015
 
 

Der verheimlichte Krieg – warum schweigen die Medien über den Jemen?

Peter Orzechowski

Der Krieg in Syrien bestimmt die Schlagzeilen. Obwohl fast in seiner Nachbarschaft ein Krieg tobt, der viel brutaler und menschenverachtender ist. Bei dem die Zivilbevölkerung gnadenlos bombardiert wird. Durch den neue Flüchtlingsströme entstehen. Aber die westlichen Medien schweigen diesen Eroberungskrieg einfach tot.


Iranische, syrische und russische Nachrichtenagenturen melden seit gestern: In Sa'ada, einer Stadt im Nordwesten des Jemen nahe der Grenze zu Saudi-Arabien flog die saudische Luftwaffe Angriffe, bei denen auch ein Krankenhaus der Hilfsorganisation »Ärzte ohne Grenzen« zerstört wurde. 500 Milizionäre des Islamischen Staates seien via Türkei in die jemenitische Hauptstadt Aden (de jure ist es immer noch Sanaa) geflogen worden.

Die russische Nachrichtenagentur Sputnik schreibt: »Nachrichtendienstlichen Angaben zufolge landeten die Flugzeuge in Aden. Zwei davon gehörten den Turkish Airlines, ein Flugzeug war aus Katar und noch eines aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE).

 

Sie brachten etwa 500 IS-Terroristen aus Syrien, die sich vor russischen Luftangriffen retten wollten«, zitiert Sputnik den syrischen Brigadegeneral Ali Mayhub. »Die Extremisten wurden von Offizieren der saudischen Koalition in Empfang genommen … Die IS-Leute sollen an einer Bodenoperation der Koalition teilnehmen, die in den jüngsten Kämpfen gegen die Huthi-Milizen erhebliche Verluste hinnehmen musste.« Unsere Mainstream-Medien schweigen nicht nur diese Vorfälle tot, sondern den gesamten Jemen-Krieg.

 

Einen Krieg, in dem laut Aussagen der Anthropologin Martha Mundy (siehe Voltaire Netzwerk vom 9. Oktober 2015) »weit mehr systematische Verstöße gegen die Genfer Konvention begangen wurden, als in jedem anderen Krieg, den die westlichen Mächte in letzter Zeit gegen die arabische Welt (Irak, Syrien, Libyen und Gaza) unterstützt haben«.


Mundy benennt die Verstöße der letzten sechs Monate: Blockade auf Lebensmittel und Brennstoffe und auf humanitäre Hilfslieferungen (selbst durch die UN), Bombardierung von Zivilisten und historischen, schulischen, religiösen und medizinischen Zielen, Zerstörung der Infrastruktur vom Verkehrsnetz bis zu Strom und Wasser, Einsatz von verbotenen Waffen. Das Land mit seinen über 20 Millionen Menschen habe nach Mundy keine wirksame Luftverteidigung und sei daher so verwundbar durch Bombardierungen aus der Luft wie Gaza.


Mundy: »Mit ihrem Schweigen und der Unterstützung für die Bombardierungen durch die Koalition akzeptiert die internationale Gemeinde die Abschaffung jedes rechtlichen Bezugsrahmens für den Kriegsfall.«

Der Krieg um das Nadelöhr


Worum geht es in dem seit 26. März tobenden Krieg in und um Jemen?
Das Land hat enorme strategische Bedeutung, denn es kontrolliert die Meerenge von Bab al Mandab, jenes Nadelöhr, durch das die internationalen Tanker und Containerschiffe navigieren müssen, wenn sie aus dem Indischen Ozean ins Rote Meer und weiter über den Suez-Kanal ins Mittelmeer gelangen wollen.

 

Jemen liegt am Südrand der arabischen Halbinsel und hat zwei Nachbarn: Oman und Saudi-Arabien. Beide Anrainer im Norden sind Verbündete der USA in der Region und die Saudis betrachten Jemen als ihren Hinterhof.


Der Volksgruppe der schiitischen Huthis, die im Norden Jemens beheimatet ist und in den vergangenen Jahren mit Vehemenz gegen die Regierung von Abed Rabbo Mansur Hadi vorging, gelang es im Herbst 2014 Hadi zu stürzen und die Macht in der Hauptstadt Sanaa zu übernehmen. Hadi wurde in den Jahren zuvor von Saudi-Arabien unterstützt.

 

Die Huthis demütigten die hochgerüstete Saudi-Armee in mehreren kleinen Kriegen, nach denen saudische Medien begannen, Iran zu beschuldigen, die Huthis mit Waffen und Geld zu versorgen. In Jemen agiert aber auch ein Ableger von al-Qaida. Er soll mehrere Ortschaften kontrollieren und gilt als besonders radikal und gewaltbereit. Die USA fliegen seit Jahren Drohnenangriffe auf deren Angehörige.

Durch den Krieg hat etwa eine Million Jemeniten ihr Zuhause verloren. Und es wird noch schlimmer. Fars zitiert Quellen aus Djibouti: »Von 100 Schiffen mit Hilfsgütern für das jemenitische Volk kommen nur zehn bei der armen arabischen Nation an. Die Fracht der anderen wird an afrikanische und arabische Händler verkauft. Die Beamten fälschen Dokumente und behaupten, die Hilfslieferungen seien auf dem Weg nach Jemen, wo die Schiffe in den Häfen von Aden und Al-Hudaida entladen würden. Tatsächlich jedoch landen die Hilfsgüter in Häfen in Afrika und Arabien.«


Wie Fars berichtet, hätten Hilfskomitees zufolge 173 Schiffe mit Hilfslieferungen jemenitische Häfen erreicht. Quellen in Aden berichten dagegen gerade einmal von vier Schiffen, die dort eingelaufen seien, drei davon mit Lebensmitteln an Bord.


Anfang Mai berichtete Human Rights Watch (HRW) unter Berufung auf seriöse Quellen über den Einsatz verbotener Streubomben durch die saudische Luftwaffe. Am 31. Mai meldete HRW erneut, dass im Gouvernement Sa’da im Norden des Landes Zivilisten zu Schaden kamen, als Streubomben verwendet wurden. HRW-Mitarbeiter Ole Solvang erklärte: »Diese Waffen können nicht zwischen militärischen und zivilen Zielen unterscheiden. Ihre nicht explodierten Submunitionen bedrohen noch lange nach Ende der Kämpfe Zivilisten und insbesondere Kinder.«

Noch einmal gefragt also: Warum schweigen die westlichen (Mainstream-) Medien über diesen brutalen Vernichtungskrieg?

 

Vielleicht soll vertuscht werden, dass unsere Verbündeten Saudi-Arabien und die Golf-Emirate einen Eroberungskrieg führen, um sich das sogenannte »leere Viertel«, die Sandwüste Rub al-Chali, und seine sagenhaften unerschlossenen Mengen an Öl und Gas zu sichern. Außerdem ist dieser Krieg Teil der groß angelegten Strategie, die Schiiten und ihre iranische Schutzmacht überall in der arabischen Welt zu bekriegen.

 

 

 

 

 

 

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Leser-Kommentare (38) zu diesem Artikel

31.10.2015 | 16:29

Markus

Was wird verheimlicht?...

Was wird verheimlicht? http://www.n-tv.de/politik/Deutschland-liefert-Kampfpanzer-nach-Katar-article16196906.html http://www.spiegel.de/politik/ausland/jemen-krankenhaus-von-aerzte-ohne-grenzen-bombardiert-a-1059873.html http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-10/jemen-krieg-flucht http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-10/jemen-sanaa-krieg-aden-regierungssitz http://www.morgenpost.de/politik/article206008589/Jemen-auf-dem-Weg-zum-zweiten-Syrien.html http://www.n-tv.de/politik/Amnesty-prangert-Kriegsverbrechen-an-article16087381.html Nur ein paar links die die Google News suche unter dem stichwort jemen bringt


30.10.2015 | 13:50

matthewprayer

2. versuch meines Kommentars zu diesem Thema, beim ersten Versuch gestern wurde mir einfach kein Bestätigungslink geschickt! Ich frage mich warum? Habe ich damit vielleicht ins Schwarze getroffen? Kommentar : Vielleicht ist einer der Nebengründe dass die meisten Medien nicht über den Krieg in Jemen berichten, weil dort evtl. in ihrer Auswirkung abgestufte Neutronenbomben zum Einsatz gekommen sind. Seht euch mal folgendes an, ( beim ersten unbedingt mal die Erleuterung darunter...

2. versuch meines Kommentars zu diesem Thema, beim ersten Versuch gestern wurde mir einfach kein Bestätigungslink geschickt! Ich frage mich warum? Habe ich damit vielleicht ins Schwarze getroffen? Kommentar : Vielleicht ist einer der Nebengründe dass die meisten Medien nicht über den Krieg in Jemen berichten, weil dort evtl. in ihrer Auswirkung abgestufte Neutronenbomben zum Einsatz gekommen sind. Seht euch mal folgendes an, ( beim ersten unbedingt mal die Erleuterung darunter komplett lesen! ) https://www.facebook.com/Anonymous.Kollektiv/videos/916542481725546/# und der zweite hierhttps://www.youtube.com/watch?v=Vu8GDJzyKx4 man beachte hier beim zweiten nur einmal die lang anhaltenden Explosionsgeräusche. Vergleiche mit Aufnahmen von Tests mit abgestuften Atomwaffen ( kann man auch Netz finden ) zeigen deutlich sehr ähnliche Struckturen! Gruß Matthewprayer


30.10.2015 | 12:54

Putinversteher

@Basil X..., Werter User, ich hoffe, die Zeit straft uns Lügen und Ihre Achtung vor Menschen, die in ihrer Quantität und religiöser Mentalität den Menschen gegenüber jegliche Hemmschwellen verlieren, zu denen sie ja "geflohen" sind um Hilfe zu erwarten, sind berechtigt... denn was wir nun erleben, ist nichts weiteres, als eine auf islamische Art der Missionierung. 2005 sind in den USA Vertreter von ettlichen Islamischen Ländern zusammengekommen und haben allen Ernstes,...

@Basil X..., Werter User, ich hoffe, die Zeit straft uns Lügen und Ihre Achtung vor Menschen, die in ihrer Quantität und religiöser Mentalität den Menschen gegenüber jegliche Hemmschwellen verlieren, zu denen sie ja "geflohen" sind um Hilfe zu erwarten, sind berechtigt... denn was wir nun erleben, ist nichts weiteres, als eine auf islamische Art der Missionierung. 2005 sind in den USA Vertreter von ettlichen Islamischen Ländern zusammengekommen und haben allen Ernstes, nach einer erstellten Statistik, den USA mitgeteilt dass sie in ca 30 Jahren Moslemisch werden... Das gleiche gilt für Europa und eine Missionierung im Namen des Islam wird bekanntlich durch das Schwert vollzogen, (siehe den Weg Mohammeds), ich glaube daher nicht, dass ich von mir selbst erwarten werde, dieser Sache etwas "Menschen-ACHTENDES" entgegensetzen werde, denn meine Achtung kann nur erlangen, der mich auch achtet!


30.10.2015 | 12:43

Basil X

Wer so menschenverachtend schreibt wie DU, bekommt meine volle Aufmerksamkeit.Ich lasse diesen Menschen nicht einfach das letzte Wort.


30.10.2015 | 12:17

Scharfrichter

@ Basil X

"Du aber hast anscheinend ein Problem mit Menschen, die nicht blauäugig und blond sind!!!"

Nein, habe ich absolut nicht, aber jemand, der auf eine derart dämliche und abgegriffene Behauptung zurückgreifen muss, zeigt damit recht deutlich, was für ein intelligenzbefreiter Wichtel er ist. Sie brauchen etwas, was ich Ihnen nicht geben kann und will: Aufmerksamkeit. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg.


30.10.2015 | 11:44

Basil X

Der_Interessierte @ottonormal, Die Legende von deutschen Waffenlieferungen in Kriegsgebiete ist zwar immer gut, um für Empörung zu sorgen, hat jedoch einen kleinen Haken: Sie stimmt hinten und vorne nicht. Deutschland hat an Länder wie Somalia, Rwanda, Angola, Äthopien den Sudan oder Jemen bis heute nicht einmal ein Luftgewehr geliefert. Da Du dich so gut auskennst, warum schreibst Du nicht an wen Deutschland Waffen liefert??? Sind immerhin die 3 größten Lieferanten der Welt....

Der_Interessierte @ottonormal, Die Legende von deutschen Waffenlieferungen in Kriegsgebiete ist zwar immer gut, um für Empörung zu sorgen, hat jedoch einen kleinen Haken: Sie stimmt hinten und vorne nicht. Deutschland hat an Länder wie Somalia, Rwanda, Angola, Äthopien den Sudan oder Jemen bis heute nicht einmal ein Luftgewehr geliefert. Da Du dich so gut auskennst, warum schreibst Du nicht an wen Deutschland Waffen liefert??? Sind immerhin die 3 größten Lieferanten der Welt. Irgendjemand muß sie ja haben.

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