Saturday, 1. October 2016
27.12.2015
 
 

Die Apokalypse kommt – Prophezeiungen als Propaganda

Peter Orzechowski

Schon bald wird es zur finalen Schlacht zwischen den wahrhaft Gläubigen und den Ungläubigen kommen. Der Prophet wird wiederkehren und damit das Ende der Welt einläuten. An diese Prophezeiung einer Apokalypse glauben die IS-Terroristen – genauso wie die christlichen Fundamentalisten, die maßgeblichen Einfluss auf die US-Politik haben. Der Glaube an die letzten Tage der Menschheit ist auch die wirksamste Waffe der IS- und der US-Propaganda.

 

»Die letzte Stunde wird nicht eintreffen, bis die Römer in al-A'maq oder Dabiq eintreffen, und ein Heer bestehend aus den besten Leuten der Erde in jenen Tagen wird ihnen von Medina aus entgegeneilen«, heißt es in der Prophezeiung des Propheten Mohammed, Hadith genannt.

 

Mohammed soll nicht nur den Ort – das nordsyrische Städtchen Dabiq –, sondern auch den genauen Ablauf der apokalyptischen Schlacht, genannt »al-Malhama al-Kubra«, beschrieben haben. Ein Drittel der Muslime werde beim Kampf gegen die Römer, die in der IS-Ideologie stellvertretend für die Ungläubigen stehen, fliehen, ein weiteres Drittel werde getötet, und das letzte Drittel der Muslime werde schließlich siegen.

Die Feinde der Muslime, so beschrieb es der islamische Prophet angeblich, würden in einer Allianz antreten. »Sie werden sich gegen euch unter 80 Flaggen vereinen, und unter jeder Flagge sind 12 000 (Männer)«, heißt es in einer überlieferten Aussage.

 

Im religiösen Weltbild des IS steht also fest: Es wird in Syrien, genauer in Dabiq, zur finalen Schlacht kommen. Die Gegenseite wird eine Koalition sein. Und am Ende werden die islamischen Kämpfer siegreich sein.

 

Der erste Teil der muslimischen Prophezeiung ist also erfüllt: Der militärischen Anti-IS-Koalition gehören derzeit 15 Länder an. Bald werden weitere Nationen hinzukommen, darunter auch Deutschland.

 

Die wachsende Militärkoalition, eventuell auch der Einsatz von Bodentruppen europäischer Staaten und der USA, ist für den IS daher nicht nur eine Eventualität oder gar Befürchtung. Sie ist aus dschihadistischer Sicht dringend notwendig und bereits vor 1400 Jahren prophezeit worden.

 

Der Glaube an die Endzeit in den USA

 

In den USA haben die christlichen Fundamentalisten seit der Präsidentschaft von George W. Bush, der selbst einer evangelikal-christlichen Erweckungsbewegung angehört, millionenfachen Zulauf erhalten. Sie sind die am schnellsten wachsende religiöse Gruppe in Amerika. Ihre Anhängerschaft wird auf knapp 100 Millionen geschätzt. Das wäre fast ein Drittel der US-Bevölkerung.

 

William F. Engdahl schreibt in seinem Buch Amerikas heiliger Krieg: » Ihre Organisationen haben systematisch die verschiedenen Bereiche der amerikanischen Streitkräfte, des Kongresses, der Regierung und ihrer Verwaltung unterwandert … Besonders starken Einfluss haben die fundamentalistischen Kirchen traditionell in den ärmeren Bundesstaaten des amerikanischen Südens, des sogenannten Bibelgürtels … Der Kern des Bibelgürtels erstreckt sich von Virginia über Alabama, North und South Carolina, Georgia, Mississippi und Louisiana bis nach Texas und Oklahoma … Er überschneidet sich gerade mit den Gebieten, aus denen die überwältigende Mehrheit der Rekruten der amerikanischen Streitkräfte, eine Freiwilligenarmee, stammen.«

 

Engdahl berichtet in seinem Buch von einem privaten Gespräch zwischen Bush und Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac am Vorabend der amerikanischen Invasion in den Irak im Jahr 2003. Bush habe erklärt, er sehe die biblischen Geschöpfe Gog und Magog im Nahmittelosten am Werk und ihnen müsse unbedingt Einhalt geboten werden.

 

Im Buch Genesis und beim Propheten Ezechiel werde prophezeit – so Bush –, dass sie aus dem Norden kommen und Israel zerstören würden, bis man sie davon abhalte. Und in der Offenbarung werde diese Prophezeiung des Alten Testaments wieder aufgegriffen:

»Wenn die tausend Jahre vollendet sind, wird der Satan wieder aus seinem Gefängnis freigelassen werden. Er wird ausziehen, um die Völker an den vier Ecken der Erde, den Gog und den Magog, zu verführen und sie zusammenholen für den Kampf; sie sind so zahlreich wie die Sandkörner am Meer. Sie schwärmten aus über die weite Erde und umzingelten das Lager der Heiligen und Gottes geliebte Stadt. Aber Feuer fiel vom Himmel und verzehrte sie.«

Bush sei überzeugt, dass nun die Zeit dieses Kampfes angebrochen sei, und soll weiter zu Chirac gesagt haben: »Diese Konfrontation ist von Gott gewollt, der diesen Konflikt benutzen will, um die Feinde seines Volkes auszulöschen, ehe ein neues Zeitalter beginnt.«

 

Prophezeiung als Propaganda

 

Die Prophetenaussagen zur alles entscheidenden Endschlacht werden nicht erst seit Kurzem vom IS in seiner Propaganda gebraucht und mystifiziert. Schon Abu Mussab al-Sarkawi, der 2006 getötete Anführer des irakischen Al-Qaida-Ablegers, aus dem der IS maßgeblich entstanden ist, soll sich darauf berufen haben. »Die Fackel wurde im Irak entzündet, und ihre Hitze wird stärker werden … bis sie die Kreuzritterarmeen in Dabiq verbrennt«, heißt es in einer Warnung des Terroristen.

 

Heute – fast zehn Jahre später – inszeniert der IS diese Endzeitmythologie in den Medien. Das englischsprachige IS-Onlinepropagandamagazin, von dem bereits zwölf Ausgaben veröffentlicht wurden, beispielsweise trägt den Namen Dabiq. Und auch in einigen Propagandavideos tauchen immer wieder Anspielungen auf die Endschlacht auf. Unter anderem in einem Clip vom November 2014, in dem die Enthauptung des amerikanischen Entwicklungshelfers Peter (Abdul-Rahman) Kassig zu sehen ist. »Hier sind wir, beerdigen den ersten amerikanischen Kreuzritter in Dabiq«, sagt der maskierte IS-Mörder in dem Video. »Warten sehnsüchtig auf das Eintreffen vom Rest eurer Armeen!«

 

In den USA übernimmt die Propaganda die finanziell bestens ausgestattete Organisation Military Ministry. Dieser Ableger der internationalen Missionsbewegung Campus Crusade for Christ verfügt über Finanzmittel von fast 500 Millionen Dollar jährlich, unterhält Niederlassungen in allen wichtigen amerikanischen Stützpunkten und veranstaltet Bibelkurse im Ausland.

 

Military Ministry verbreitet innerhalb des US-Militärs einen Kreuzzugsfanatismus. Unter Verweis auf bestimmte Bibelstellen sei Töten im Kampf »als Gottes Diener, ein Engel des Zorns« erlaubt, um »diejenigen zu bestrafen, die Böses tun«. Führende Vertreter von Military Ministry bezeichneten wiederholt Soldaten öffentlich als »von der Regierung besoldete Missionare für Christus«.

 

Aber der Glaube an Armageddon, die alles entscheidende Schlacht am Ende der Tage, ist in den USA längst »mainstream«. Mehr als die Hälfte der US-Amerikaner ist nach neuesten Umfragen im wörtlichen (!) Sinn davon überzeugt, dass die Johannesoffenbarung sich erfüllen wird. Seit mehr als zwei Jahrzehnten verbreiten die »elektronischen TV-Kirchen« oder Bücher wie Hal Lindseys Bestseller Late Great Planet Earth (1970) das endzeitliche Gedankengut der maßgeblichen Fanatiker.

 

Etwa ein Viertel der US-Bevölkerung kauft apokalyptische Bücher dieser Art, und mehr als jeder dritte denkt laut einer Time-Umfrage regelmäßig über das Ende der Welt nach. Säkulare und seit geraumer Zeit auch explizit »christliche« Kampfspiele am Computer greifen die Entscheidungsschlacht zwischen Licht und Finsternis auf.

 

Äußerst massenwirksam ist das bislang 14 Bände umfassende Romanwerk Left Behind (deutsch: »Finale«) über die letzten Jahre der Menschheit, das bereits eine Auflage von 40 Millionen (!) erreicht hat. Mittlerweile wird es auch in Form von Computerspielen umgesetzt.

 

 

 

 

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