Tuesday, 24. May 2016
04.08.2014
 
 

Ein neuer Kriegsschauplatz: Geht es jetzt im Südkaukasus los?

Peter Orzechowski

Ein Krieg zwischen der untergehenden Supermacht USA und dem aufstrebenden Konkurrenten Russland rückt immer näher. Neben der immer explosiveren Situation an der ukrainisch-russischen Grenze wird nun auch ein zweiter, schon lange am Glimmen gehaltener Brandherd entfacht – an Russlands Südgrenze.

 

Das Außenministerium von Aserbaidschan meldet, dass in den letzten Tagen an der Trennlinie zwischen Bergkarabach und Aserbaidschan zwölf Soldaten der aserbaidschanischen Armee ums Leben gekommen seien. Die nicht anerkannte Republik Bergkarabach kontert, dass die aserbaidschanischen Streitkräfte die vereinbarte Waffenruhe in der zurückliegenden Woche rund 1500 Mal verletzt hatten. Aber worum geht es da wirklich?

 

Die hauptsächlich von Armeniern bewohnte völkerrechtlich zu Aserbaidschan gehörende Region Bergkarabach hatte sich im September 1991 für unabhängig erklärt. Darauf kam es zu bewaffneten Auseinandersetzungen mit geschätzt 30 000 Toten. Die Karabach-Armenier wurden von armenischen Diasporen in aller Welt unterstützt, während Aserbaidschan mit Gewalt

versuchte, die Abspaltung der Region zu verhindern. Am 12. Mai 1994 trat ein Waffenstillstandsabkommen in Kraft. Aserbaidschan verlor seine Kontrolle über Bergkarabach sowie vollständig bzw. teilweise über sieben benachbarte Kreise.

 

Die NATO versucht, Armenien zu gewinnen


Springen wir für einen Augenblick von der Gegenwart zurück zum 1. April 2014. Spiegel online veröffentlicht ein vertrauliches Papier, in dem von NATO-Armeeübungen mit Staaten wie Moldawien, Aserbaidschan und Armenien berichtet wird. Der so genannte Partnerschaftsausschuss habe Ende März 2014 einen Katalog mit »praktischen Maßnahmen zur Förderung der Beziehungen« mit diesen Ländern verabschiedet. Unter anderem sollen die Länder die Fähigkeit zur Zusammenarbeit ihrer Armeen mit denen der Allianz steigern.

 

Dazu gehören gemeinsame Übungen und Ausbildungen. Auch sollen die drei Staaten ermuntert werden, sich an so genannten Smart-Defence-Projekten der NATO zu beteiligen. Dabei geht es um die Beschaffung von Rüstungsgütern und die Zusammenlegung und Spezialisierung militärischer Fähigkeiten mit dem Ziel, diese effizienter zu nutzen. Ein Beispiel für erfolgreiche Smart Defence ist die von den NATO-Staaten gemeinsam organisierte Überwachung des baltischen Luftraums.

 

Für jedes der drei Länder sind individuelle Hilfsmaßnahmen geplant. In Moldawien soll die Sichtbarkeit der NATO verstärkt werden. Auch die Teilnahme der Republik Moldau an der schnellen Eingreiftruppe der Allianz, der so genannten NATO Response Force, steht zur Debatte. Mit Aserbaidschan ist vor allem eine verstärkte Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Cyber- und Energiesicherheit angedacht, in Armenien soll die Ausbildung der Armee im Vordergrund stehen.

 

Versuch gescheitert?


Womit wir wieder in der Gegenwart sind: Der derzeitige Konflikt kann sich zu einer Auseinandersetzung zwischen dem NATO-Kooperationspartner Aserbaidschan und seinem Nachbarn Armenien ausweiten. Das Land ist eingekeilt zwischen den NATO-Freunden Georgien im Norden, Aserbaidschan im Osten, dem NATO-Mitglied Türkei im Westen und – geostrategisch wichtig – dem Iran im Süden. Es ist jedoch Mitglied der östlichen Verteidigungsgemeinschaft OVKS, und deren Satzung vom 20. Dezember 2011 macht eine Mitgliedschaft in einem anderen Bündnis – wie zum Beispiel der NATO – von der Zustimmung aller anderen Mitglieder der OVKS abhängig.

 

Die Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS) ist eine Art »Gegen-NATO«. »Aufgabe des Bündnisses ist die Gewährleistung der Sicherheit, Souveränität und territorialen Integrität der Mitgliedsstaaten«, heißt es in der Charta der OVKS. »Dies soll vornehmlich durch eine enge Zusammenarbeit in der Außenpolitik, in militärischen Angelegenheiten, in der Erforschung neuer militärischer Technologien sowie in der Bekämpfung grenzübergreifender Bedrohungen durch Terroristen und Extremisten erreicht werden.«

 

Zur OVKS gehören Russland, Weißrussland, Armenien, Kasachstan, Kirgistan und Tadschikistan. Russland unterhält in jeder dieser postsowjetischen Republiken Militärstützpunkte. Die NATO versucht – siehe den Spiegel-Bericht oben – Armenien aus dem OVKS-Bündnis herauszubrechen. Als nächste Stufe der Provokation gegenüber Russland?

 

Wie immer geht es um Öl, Gas und deren Transportwege


Armenien und seine beiden Nachbarn sind für die USA/NATO ebenso wie für die OVKS/Russland von herausragender strategischer Bedeutung. Wer über Georgien, Armenien und Aserbaidschan herrscht, kontrolliert den Korridor zwischen den Öl- und Gas-reichen Ländern des Kaspischen Beckens und dem Schwarzen Meer und damit weiter nach Europa.

 

Obamas außenpolitischer Berater und geopolitischer Vordenker Zbigniew Brzeziński hat schon vor 15 Jahren in seinem Buch Die einzige Weltmacht geschrieben: »Vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion war das Kaspische Meer… ein nahezu rein russisches Gewässer gewesen.« Als Aserbaidschan, Kasachstan und Turkmenistan unabhängig wurden, »konnte Russland nicht mehr selbstverständlich von der alleinigen Verfügungsgewalt über diese Bodenschätze ausgehen«.

 

»Mit der Unabhängigkeit der zentralasiatischen Staaten«, schreibt Brzeziński weiter, »hatte sich Russlands südöstliche Grenze an einigen Stellen um mehr als 1000 Meilen nach Norden verschoben. Die neuen Staaten verfügten über riesige Mineral- und Erdölvorkommen, die ausländische Interessenten anlocken mussten… Für die Russen muss das Gespenst eines möglichen Konflikts mit den islamischen Staaten entlang der gesamten Südflanke Russlands (die zusammen mit der Türkei, dem Iran und Pakistan mehr als 300 Millionen Menschen aufbieten) Anlass zu ernster Besorgnis sein«.

 

Brzezińskis Sohn Mark, der für eine amerikanische Anwaltskanzlei im Erdöl- und Erdgasgeschäft im Kaspischen Becken tätig ist, schrieb dazu in einem Artikel in der Washington Post vom 18. Mai 1999: »Kontrollierte Russland Aserbaidschan, könnte es … die russische Kontrolle der erdölreichen zentralasiatischen Staaten verstärken … und auch die russische Vorherrschaft über andere Kaukasusstaaten, vor allem Armenien und Georgien. Seine Lage macht Aserbaidschan zu einem lebenswichtigen Verkehrskorridor, der den Zugang zum Kaspischen Becken und nach Zentralasien kontrolliert.«

 

Was für Russland gilt, gilt auch für die USA. Denn von Baku (Aserbaidschan) am Kaspischen Meer verläuft eine Pipeline über georgisches Gebiet bis in das türkische Ceyhan und von dort in die westliche Welt. Frank Nienhuysen verweist in der Süddeutschen Zeitung vom 27. April 2006 auf einen weiteren Faktor: »Aserbaidschan teilt mit Iran eine etwa 600 Kilometer lange Grenze und ist – mit Blick auf den Öl- und Gasreichtum – für Washington somit ein strategischer Brückenkopf in einer höchst unruhigen Region.«

 

Der Kampf um den Südkaukasus


»Der Südkaukasus wird der strategische Kreuzungsweg des 21. Jahrhunderts sein«, heißt es in einer Studie des kanadischen Centre for Research on Globalization. »Er bildet die Drehscheibe und Landbrücke zwischen Westeuropa/der atlantischen Welt und Ostasien, dem eurasischen Kernraum und dem Indischen Ozean, der Levante und Afrika.« Die Staaten des Südkaukasus sind daher für die beiden geopolitischen Kontrahenten USA und Russland von enormer Bedeutung.

 

Eine Erfahrung davon konnte die Welt bereits im August 2008 machen: Der Fünf-Tage-Krieg zwischen Russland und Georgien war ein erster Hinweis darauf, dass der Kampf um diese Region sehr schnell in eine militärische Auseinandersetzung eskalieren kann. Damals erzwang der russische Militäreinsatz die Abtrennung von Abchasien und Südossetien von Georgien, aber nicht die Loslösung des Landes von der NATO. Seit der Ukraine-Krise steht sogar der Beitritt Georgiens in das westliche Bündnis wieder auf der Tagesordnung. Ein künftiger amerikanisch-russischer Waffengang kann sich jederzeit an diesem Schauplatz entzünden.

 

In diesem »eurasischen Balkan« (Brzeziński) könnten Scharmützel an den Grenzen sofort Russland/OVKS und USA/NATO aktivieren und zu einem Schlagabtausch zwischen den Machtblöcken führen. Was ein derartiger Dritter Weltkrieg für Deutschland bedeutet, habe ich ausführlich in meinem neuen Buch Der Dritte Weltkrieg – Schlachtfeld Europa beschrieben.

 

Noch wissen wir nicht, wie weit dieser gegenwärtige, zunächst regionale Konflikt im Südkaukasus eskaliert. Aber wir sollten uns bewusst sein, dass er das Potenzial zu einem großen Brandherd hat.

 

 

 

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Leser-Kommentare (8) zu diesem Artikel

06.08.2014 | 19:59

Elvira Haberlach

ich denke, Herr Seyin, wiesen sie überhaupt nicht was Aserbaidschan ist, und wie und wer lebt in Aserbaidschan. Aserbaidschan ist ein tolerantes Land und lauter leben dort friedlich mit einander. Hören sie auf zu provozieren.


05.08.2014 | 17:23

Bernhard

Schon wieder eine billige armenische Propaganda und noch dazu unter ausgedachten tuerkischen namen. fur info, in Azerbaijan leben friedlich verschiedene Nationen mit verschiedene Glaubenssatz. Doet gibts unter Moschees, auch zahlreiche Kirchen, Sinogogis usw. Und gibts kein Hass zwischen Bevölkerung. SIe, Herr Seyein sind der Kriegs Provokateur.


05.08.2014 | 08:41

h.seyin

Dass solche Streitigkeiten aufkommen, ist nicht normal. Bald wird auch der azerbaidschanische Führer zum Hitler, Tyrann, Diktator, Despoten oder zu sonst was erklärt. Wenn Karabach sowieso schon von Armeniern bevölkert wird.... Öl und Gasvorkommen würden -wenigstens zum Teil- in irgendeiner Weise den Armeniern zufließen.... Amerika und Co. steckt in tiefen Schwierigkeiten, und wird noch mehr an Macht einbüßen, sobald die von Russland und China angekündigte "Weltbank 2"...

Dass solche Streitigkeiten aufkommen, ist nicht normal. Bald wird auch der azerbaidschanische Führer zum Hitler, Tyrann, Diktator, Despoten oder zu sonst was erklärt. Wenn Karabach sowieso schon von Armeniern bevölkert wird.... Öl und Gasvorkommen würden -wenigstens zum Teil- in irgendeiner Weise den Armeniern zufließen.... Amerika und Co. steckt in tiefen Schwierigkeiten, und wird noch mehr an Macht einbüßen, sobald die von Russland und China angekündigte "Weltbank 2" steht. Und wenn dann auch der Dollar als globale Reservewährung ausgedient hat, kann sich die Welt auf friedlichere Zeiten freuen.... das einzige, worauf ich mich freue.


04.08.2014 | 22:27

Bernhard

Es ist war. Auf Presse soll nur waheit kommen. Verstehe nich warum soll Azerbaijan sein Land Armenien schenken? Ausserdem Azerbaijan ist Öl und Gas reiches Land. Warum Europea damit spielen? Über @Karabach kenne ich andere Geschichte, als von Autor in Artikel steht.


04.08.2014 | 22:03

Zuschauer

Letzte Nacht habe ich von dem Namen Bergkarabach geträumt, und heute erscheint es in den News... beängstigend.


04.08.2014 | 20:55

Elvira Haberlach

Meine Damen und Herren, mit dieser Bericht über den Karabach-Konflikt bin ich sehr Entauscht in die Richtigkeit des Autors Herrn Orzechowski. Vor dem Gespräch an die Region von Karabach, wäre nicht schädlich mit Karabach Geschichte vertraut zu machen. Aus Gründen der Übersichtlichkeit mochte ich der Autor des Artikels erinnern, dass die Armenier in den Kaukasus im 18 Jahrhundert von russische Zar Peter I , um die Stärkung die Grenzen seines Reiches von der osmanischen...

Meine Damen und Herren, mit dieser Bericht über den Karabach-Konflikt bin ich sehr Entauscht in die Richtigkeit des Autors Herrn Orzechowski. Vor dem Gespräch an die Region von Karabach, wäre nicht schädlich mit Karabach Geschichte vertraut zu machen. Aus Gründen der Übersichtlichkeit mochte ich der Autor des Artikels erinnern, dass die Armenier in den Kaukasus im 18 Jahrhundert von russische Zar Peter I , um die Stärkung die Grenzen seines Reiches von der osmanischen Invasionen eingesidelt wurden. Mit den Jahren begannen Armenier, sich in südlichen Aserbaidschan und in ganzen Kaukases, mit Hilfe von russischen Behörden , eingesidellt. Diese Strategie wurde bis Ende der achtziger und Beginn der Perestroika , Aserbaidschans Wunsch, sich von der russischen kaiserlichen Macht zu befreien, und dann die vollständige Besetzung der Karabach war. Zu Zeit russischen Regierung , unter dem Nahmen und mit unterstutzung von Armenie, hat Karabach zum Milliter Stutz Punkt gemacht. Augenblick verletzt Armenische Arme in Karabach verletzt aserbaidschanischen Territoriums, und ignoriert seine Voreinbahrte Internationale Verpflichtung das vereinbarten Waffenstillstand-Regime. Wäre schön, Ihr zuverlässiger Presseberichte waheit berichtet.

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