Friday, 29. July 2016
18.03.2016
 
 

Nordkorea – eine erste Schlacht im Krieg gegen China?

Peter Orzechowski

Diktatoren sind schon oft in der Geschichte für die geopolitischen Ziele der Weltmächte benutzt worden. Nordkoreas Despot Kim Jong-un könnte für die USA die Rolle des Kriegstreibers übernehmen – um China zu schwächen.

 

»Kim Jong-un hat befohlen, in Kürze einen Atomsprengkopf zu testen und weitere ballistische Raketen für nukleare Sprengköpfe zu starten, um die Fähigkeit des Landes zu Atomangriffen zu erhöhen«, meldet die amtliche Nachrichtenagentur KCNA. Der Machthaber habe dem Bericht zufolge »Order an die zuständigen Behörden gegeben, die vorsorgliche Vorbereitung der Details« der Atomexplosion und der Raketentests durchzuführen.

 

Das kommunistische Regime droht zudem mit einem präventiven Atomschlag gegen Südkorea und die USA und reagiert damit auf den Beginn mehrwöchiger Frühjahrsübungen der südkoreanischen und US-amerikanischen Streitkräfte in der Region. Nach Angaben des südkoreanischen Verteidigungsministeriums nehmen »an den größten Übungen aller Zeiten« 300 000 südkoreanische und mehr als 17 000 US-Soldaten teil.

 

Außer dem atomgetriebenen US-Flugzeugträger »John C. Stennis« sind ein Atom-U-Boot und der Tarnkappenbomber »B-2 Spirit« zu den Übungen nach Südkorea verlegt worden. Die Manöver verfolgen das Ziel, den sogenannten Kriegsoperationsplan »OPLAN 5015« anzuwenden, der Raketenschläge gegen die nordkoreanische Regierung und deren Raketen- und Nuklearwaffenarsenale im Falle eines Krieges auf der koreanischen Halbinsel vorsieht.

 

Hat Nordkorea die Wasserstoffbombe?


Die Lage auf der koreanischen Halbinsel hatte sich nach dem am 6. Januar durchgeführten vierten Atomtest Nordkoreas sowie dem Satellitenstart mittels Trägerrakete am 7. Februar verschärft. Eine solche Rakete könnte Atomschläge in bis zu 12 000 Kilometern Entfernung ausführen. Kurz darauf hatte die Washington Post berichtet, Pjöngjang könne eigenen Angaben zufolge mit einem einzigen Wasserstoffbomben-Schlag ganz Manhattan vernichten.

 

»Wenn diese H-Bombe auf einer interkontinentalen ballistischen Rakete installiert und auf Manhattan in New York gefeuert wird, sterben dort alle Menschen auf einmal und die Stadt wird zu Asche«, zitiert die Zeitung den nordkoreanischen Nuklearwissenschaftler Cho Hyong Il.

 

Die in Nordkorea entwickelte H-Bombe sei »unvergleichbar tödlicher« als die, die die UdSSR noch 1961 getestet hatte. Diese sowjetische Bombe konnte Brandverletzungen dritten Grades im Umkreis von bis zu 100 Kilometern verursachen, die Druckwellen würden Fenster im Umkreis von 1000 Kilometern ausschlagen.

 

»Wenn die amerikanischen Imperialisten sich auch nur einen minimalen militärischen Leichtsinn erlauben und unsere nationale Würde und Souveränität angreifen, würde sich unsere Republik die Chance nicht entgehen lassen, mit einem gnadenlosen, aber gerechten Schlag das Land (USA – Anm. d. Red.) aus der Welt zu schaffen«, so die Washington Post weiter.

 

Ob Nordkorea tatsächlich eine Wasserstoffbombe getestet hat, ist vorläufig unklar. Westliche Experten bezweifeln, dass das Land die technischen Möglichkeiten dazu hat. Allerdings haben drei Generationen der Kim-Familie über 20 Jahre hinweg ein Atomwaffenprogramm mit jetzt vier Atomtests verfolgt. Nordkorea arbeitet intensiv an der Weiterentwicklung seines Atomarsenals und an der Miniaturisierung der Sprengköpfe.

 

»Wir sollten nicht davon ausgehen, dass sie wieder und wieder nur die gleiche Bombe testen«, warnt ein US-Atomwaffenexperte. Ebenfalls seit Jahrzehnten arbeitet das Land an Raketen mit immer größeren Reichweiten und an immer mobileren Abschussrampen, weiß die New York Times. Im vergangenen Dezember demonstrierte Nordkorea den Abschuss einer großen Rakete von einem U-Boot.

 

Thermonukleare Wasserstoffbomben sind etwa 100 Mal stärker als herkömmliche Atombomben. Wenn Nordkorea sich tatsächlich die Technologie zum Bau von Wasserstoffbomben angeeignet haben sollte, wäre dies eine dramatische Entwicklung und Eskalation. Amerikanische, südkoreanische und japanische Messstationen verzeichneten in der fraglichen nordkoreanischen Region allerdings nur ein Beben der Stärke 5,1 auf der Richterskala.

 

Sie schätzten die Kraft der unterirdischen Explosion auf etwa sechs Kilotonnen TNT – weniger als beim vorangegangenen Atomtest des Regimes im Jahr 2012. In Washington, Seoul und Tokio bezweifelt man daher, dass Pjöngjang tatsächlich eine Wasserstoffbombe getestet hat.

 

Wie auch immer. In jedem Fall handelt es sich um Nordkoreas vierten Atomwaffentest. Pjöngjang verstößt damit gegen ein innerkoreanisches Abkommen vom vergangenen August und gegen mehrere UN-Resolutionen, die dem Land Raketen- und Atomtests verbieten.

 

Entsprechend deutlich fielen die Reaktionen aller regionalen Akteure aus: US-Außenminister John Kerry sprach von einem »hochprovokativen Akt«.

 

China sei nicht über das nordkoreanische Vorhaben informiert gewesen und lehne Pjöngjangs Vorgehen nachdrücklich ab, hieß es aus Peking: »China beharrt auf seiner Position, dass die koreanische Halbinsel denuklearisiert sein sollte, um Frieden und Stabilität in Nordostasien zu erhalten.«

 

»Nordkoreas jüngster Atomwaffentest bedeutet eine schwerwiegende Bedrohung unserer Sicherheit, und wir können das absolut nicht hinnehmen«, erklärte Japans Regierungschef Shinzōo Abe. »Moskau ist extrem beunruhigt über Informationen, dass Nordkorea eine Wasserstoffbombe getestet hat«, erklärte Kreml-Sprecher Dimitri Peskow.

 

Südkoreas nationaler Sicherheitsberater Cho Tae Yong gab sich kampfbereit: »Unser Militär ist in Alarmbereitschaft. Sollte Nordkorea provozieren, wird es hart dafür bestraft werden.« Der UN-Sicherheitsrat verurteilte den Test in einer Dringlichkeitssitzung einstimmig und kündigte rasche Schritte an: Washington, Seoul und Tokio arbeiten an einer neuen Resolution, die sie gemeinsam vorlegen wollen.

 

Pekings Angst vor Nordkoreas Zusammenbruch


Pjöngjangs Atomtest – egal ob einer Wasserstoffbombe oder »nur« einer »normalen« Atombombe – kam zu einem gut gewählten Zeitpunkt: Weil sich im Südchinesischenn Meer der Konflikt zwischen China und den USA zuspitzt, sind Peking die Hände gebunden. Es kann jetzt kaum gegen seinen unberechenbaren nordkoreanischen Klienten vorgehen.

 

Dennoch richten sich natürlich alle Augen auf Peking, das Nordkorea mit Energie, Lebensmitteln und anderen Dingen am Leben erhält. Ob Sanktionen der USA oder der UN gegen Nordkorea etwas bewirken, hängt darum von China ab. Aber offenbar ist Pekings Einfluss auf Pjöngjang begrenzt. Die Beziehungen zwischen beiden scheinen ohnehin gespannt zu sein: Kim Jong-un ist seit vier Jahren im Amt, hat aber Peking noch nicht besucht.

 

Ein Kollaps Nordkoreas würde nicht nur die koreanische Halbinsel völlig verändern – die Wiedervereinigung Koreas wäre dann vermutlich unvermeidbar –, sondern auch die Konstellation aller Mächte der Region: China, USA, Korea, Japan, Russland.

 

Außerdem würde sich der Einfluss der südkoreanischen Schutzmacht USA vermutlich ausdehnen – ein klarer Erfolg für die USA. Zudem muss China für den Fall einer Krise Nordkoreas mit Millionen nordkoreanischen Hungerflüchtlingen rechnen – auch das ein wichtiger Faktor zur Destabilisierung Chinas. Beobachtern zufolge wird in Peking auch folgende Überlegung angestellt: Südkorea ist schon lange einer der größten Investoren in China. Käme es zur koreanischen Wiedervereinigung, würde das für China wichtige südkoreanische Investitionskapital auf Jahrzehnte im Norden der koreanischen Halbinsel gebunden.

 

Bis zu 100 nordkoreanische Atomwaffen

 

Wenig spricht also dafür, dass Peking so schnell am koreanischen Status quo rütteln lässt. Aber bleiben kann er auch nicht. Denn Nordkorea wird immer gefährlicher. Seit 2003 habe Pjöngjang zehn bis 16 eher primitive Atomwaffen gebaut, schätzt die New York Times. Bis Ende dieses Jahres könnten es 20 werden. Wenn Nordkoreas Atomprogramm unbeschränkt bliebe, könne das Land bis 2020 über bis zu 100 Atomwaffen verfügen, berichtet The Economist mit Verweis auf eine aktuelle Schätzung.

 

Fast noch größere Gefahr weit über die Region hinaus enthält die Möglichkeit, dass Nordkorea Atomwaffen oder Know-how verkauft.

 

Pakistan und der Iran haben schon vom Atom-Know-how der Nordkoreaner und von deren Forschungsstätten profitiert, erinnert die Pariser Tageszeitung Le Figaro: »Der junge Diktator Kim Jong-un könnte sehr wohl in der Lage sein, sein einziges Exportprodukt an den Islamischen Staat (IS) zu verkaufen, oder an andere Terrorgruppen, die eine Atomwaffe bezahlen können.«

 

Ähnlich sieht es die New York Times: »Je mehr Bomben und Raketen Nordkorea produziert, desto wahrscheinlicher wird es, dass es diese Waffen verkauft, um die Fremdwährungsgelder zu verdienen, die es so verzweifelt braucht.«

 

Beobachten wir hier gerade, wie ein Kriegsgrund gegen Nordkorea aufgebaut wird? Die Lage auf der Halbinsel spitzt sich weiter zu, und es würde nicht überraschen, wenn in Kürze ein neuer Brandherd entsteht – diesmal vor Pekings Haustür.

 

 


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