Dienstag, 27. Juni 2017
21.04.2016
 
 

Riesenbomber gegen IS – US-Air Force holt die Keule raus

Peter Orzechowski

Bei ihren Luftangriffen auf die Dschihadisten-Miliz IS in Syrien und im Irak hat die US-Luftwaffe erstmals den schweren Langstreckenbomber B-52 eingesetzt. Die Maschinen fliegen nach US-Armeeangaben ausschließlich »Präzisionsangriffe«. B-52 gegen Terroristen? Was zunächst wie ein militärischer Fehlgriff aussieht, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als bewusste Taktik.

 

 

»Big Ugly Fat Fucker« nennen die amerikanischen Piloten den schweren strategischen Langstreckenbomber. Die offizielle Bezeichnung lautet »Stratofortress« (Stratosphärenfestung). Der Bomber bildet seit 1952 die Basis der amerikanischen Fernfliegerkräfte. Er kann bis zu 31,5 Tonnen Bombenlast tragen – konventionelle, hochpräzise sowie Nuklear-Waffen.

 

In der kollektiven Erinnerung sind die Flächenbombardements der B-52 im Vietnamkrieg, als die B-52 zu einem Symbol des Machtanspruchs der USA im Kalten Krieg wurde. Von 1965 bis 1973 flogen die Bomber über 126 000 Einsätze, bis zu 3.150 pro Monat.

 

Auch bei dem Krieg gegen Saddam Hussein Anfang 1991 (Desert Storm) bestand die Aufgabe der insgesamt 75 eingesetzten B-52 vor allem darin, die gegnerischen Bodentruppen durch andauerndes Flächenbombardement zu zermürben. Insgesamt flogen die Bomber etwa 1600 Einsätze. Sie unternahmen drei Prozent aller Lufteinsätze dieses Krieges, warfen aber 30 Prozent der gesamten Bombenmasse ab. Ich erinnere mich noch gut an ein Gespräch mit einem US-Soldaten, der bei Desert Storm mitkämpfte. Er erzählte, dass die psychologische Wirkung der B-52 auf die irakischen Soldaten noch weit effektiver war als die Bombardements selbst. Viele hätten sich beim Auftauchen der Bomber in Panik den vorrückenden amerikanischen Truppen ergeben.

 

B-52 als Propagandamittel

 

Jetzt also soll der legendäre Bomber die IS-Kämpfer das Fürchten lehren – nicht durch Flächenbombardements, sondern durch seine Präzisionswaffen. Im Zeitalter des globalen Informationskriegs, der immer neue Symbolbilder braucht, ist der Einsatz der gefürchteten B-52 sicherlich in erster Linie als Propagandamittel zu sehen. Zu sehr hatten Putins Bomber zuletzt die Schlagzeilen dominiert.

 

Die B-52 sind aber auch ein Hinweis darauf, dass von einem Rückzug der Amerikaner aus dem Nahen Osten, über den im weltweiten Netz bereits spekuliert wurde, keine Rede sein kann. Mag auch Obama noch so kriegsmüde sein, der militärisch-industrielle Komplex denkt gar nicht daran, das größte Öllager der Welt aufzugeben. Die Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton übrigens auch nicht.

 

Dazu passen auch jüngste Berichte darüber, dass die USA verschiedene Kampfgruppen in Syrien weiter unterstützen. Nach offizieller Aussage handelt es sich bei vielen Einsätzen um »Militärberater«. Die NATO hat erklärt, dass die »Ausbildung« von Armeen im Nahen Osten künftig Teil ihres Geschäftsmodells ist. Dazu will die NATO mit dem Golf-Kooperationsrat (GCC) zusammenarbeiten. Dem GCC gehören Bahrain, Saudi-Arabien, Kuwait, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) an.

 

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg hatte am 6. April – drei Tage vor der Stationierung der B-52 in Kuwait – am Atlantic Council in Washington, D.C. gesagt:

»Vor wenigen Wochen kam der Generalsekretär des GCC in das NATO-Hauptquartier. Das GCC ist dabei, seine Fähigkeiten zur Führung von multinationalen Truppen zu erweitern. Die NATO hingegen hat Erfahrung in der Schaffung und Erhaltung von militärischen Strukturen. Diese Expertise können wir teilen. Wir untersuchen, wie wir in den Bereichen Terrorbekämpfung, Energie, Cyber-Verteidigung und Schifffahrtssicherheit kooperieren können.«

Stoltenberg weiter:

»Mein Ziel ist es, die Kooperation mit dem GCC voranzutreiben. Die neue regionale Kooperationsstelle der NATO in Kuwait bietet uns die Möglichkeit, unsere Partnerschaften zu verstärken. Die Stelle wird im Mittelpunkt der gemeinsamen Arbeit von NATO und GCC stehen (…) Das König-Abdullah-Operationszentrum in Jordanien ist eine weitere Plattform für die Zusammenarbeit. Es entspricht NATO-Standards und hier werden die irakischen Offiziere trainiert (…) Überall in der Region sagen mir die Staatsführer, dass sie mehr mit der NATO kooperieren wollen.«

Der Einsatz der B-52 in Syrien und im Irak soll also auch an die GCC-Verbündeten das klare Signal senden: Wir kämpfen weiter, und das mit aller Macht.

 

Beim nächsten NATO-Treffen im Juni will Stoltenberg durchsetzen, dass das Bündnis in Zukunft seine Aufgabe darin sehe, Europa und die USA auch außerhalb des eigenen Territoriums zu verteidigen. Die Ausweitung der NATO solle mit der Ausbildung und Unterstützung von lokalen Militäreinheiten beginnen. Stoltenberg nannte ausdrücklich Afghanistan als Blaupause. Hier sei es der NATO gelungen, die afghanische Armee zu einer schlagkräftigen und technologisch gut ausgerüsteten Einheit aufzubauen.

 

NATO-Einsatz im Nahen Osten

 

Stoltenberg sagte vor wenigen Wochen in Washington auch:

»Ich begrüße die von den USA angeführte globale Anti-IS-Koalition. Um unser Territorium zu schützen, müssen wir bereit sein, über unsere Grenzen hinaus aktiv zu werden. Das hat verschiedene Komponenten: Um den IS zu besiegen, müssen wir Gewalt einsetzen. Militärische Aktionen sind essenziell, wenn wir den IS seiner Hochburgen im Irak und Syrien berauben wollen. Doch Stabilität schaffen bedeutet auch, dass wir unsere Kräfte dazu nutzen müssen, andere zu trainieren, damit diese kämpfen. Langfristig ist es nachhaltiger, lokale Kräfte dazu zu befähigen, ihre Länder zu schützen, als große Truppenverbände aus unseren Reihen auszusenden (…) Wir müssen mit regionalen Partnern kooperieren.«

Nach Rückzug aus Nahost klingt das nicht. Im Gegenteil. Stoltenberg sagte weiter:

»Die NATO muss den Irak stärker unterstützen. Ein stabiler Irak ist der Schlüssel im Kampf gegen den IS. Vergangene Woche hat die NATO damit begonnen, irakische Offiziere in Jordanien zu trainieren (…). Mein Vorschlag ist, dass wir unsere Kooperation mit regionalen Partnern auf ein neues Level tragen müssen, weil diese die Region am besten kennen.«

Die NATO werde sich noch eine lange Zeit mit dem IS und diversen Terrorgruppen beschäftigen müssen. Dazu meinte Stoltenberg:

»Die Herausforderungen des Nahen Ostens und Nordafrikas stellen eine direkte Bedrohung für die transatlantische Sicherheit dar – für unsere gemeinsamen Werte und für unsere gemeinsamen Interessen. Wir müssen unsere Verteidigung stärken und müssen auch unsere Partner stark machen. Die Bedrohung durch den IS und durch andere Terrororganisationen wird uns noch für eine lange Zeit beschäftigen. Deshalb müssen wir all unsere Werkzeuge zum Einsatz bringen. Die NATO ist in diesem Zusammenhang ein starkes Werkzeug, in das all unsere Nationen große Investitionen getätigt haben.«

Der jetzige Einsatz der B-52 ist ein Symbol der »starken Werkzeuge«, über die die NATO verfügt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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