Sunday, 25. September 2016
22.03.2016
 
 

Robert F. Kennedy: »USA schuld am islamischen Dschihad«

Peter Orzechowski

Es ist schon bemerkenswert, wenn einer gegen die USA und für die Araber schreibt, dessen Vater vor fast 50 Jahren von einem Palästinenser mit acht Pistolenschüssen niedergestreckt wurde. Robert Francis Kennedy, der Sohn des ermordeten Präsidentschaftsbewerbers Robert Kennedy, hat genau das getan, in einem sehr angesehenen Magazin namens »Politico«.

 

Kennedy erklärt in dem ausführlichen Essay, wie die US-Regierungen und Geheimdienste in vielen Ländern Staatsstreiche verübt und »islamistische Revolutionen« angezettelt haben, um Zugriff auf das Erdöl zu haben. Ganz bewusst hätten die Amerikaner die religiöse Komponente in die Konflikte getragen.

Der 4. Juni 1968 war ein Trauma, nicht nur für den damals 14-Jährigen, sondern für ganz Amerika: Sein Vater hatte gerade die demokratische Vorwahl in Kalifornien gewonnen. Man war sich sicher, dass der 42-jährige Bruder des 1963 ermordeten Präsidenten John F. Kennedy selbst Präsident werden konnte. »Wir können den Zwiespalt überwinden zwischen Schwarz und Weiß, den Armen und den Bessergestellten und unsere Differenzen zum Krieg in Vietnam«, hatte Kennedy in seiner Siegesrede im Hotel Ambassador in Los Angeles gesagt. Es war die Wahlkampfzentrale der Demokraten.

 

Nach der Ansprache will er zu einem Pressegespräch und geht durch die Hotelküche. Dort drängen sich rund 70 Wahlhelfer und Freunde um den Kandidaten. Mittlerweile ist es schon nach Mitternacht. Plötzlich stürzt der 24-jährige Sirhan Bishara Sirhan auf Kennedy zu.

 

Der Palästinenser, der 1956 mit seiner Familie in die USA eingewandert war, hat den rechten Arm ausgestreckt, in der Hand hält er eine Pistole. Es fallen mehrere Schüsse. Kennedy wird in Kopf und Schulter getroffen. Eine dritte Kugel streift die Stirn. Durch die Schüsse werden auch fünf weitere Personen verletzt. Kennedy wird mehrere Stunden am Gehirn operiert – ohne Erfolg. Rund 26 Stunden nach dem Attentat stirbt Kennedy am 6. Juni 1968 an den Folgen des Kopfschusses.

 

Sein Sohn, heute 62 Jahre alt, erzählt nun, fast 50 Jahre später, die Geschichte der Nahmittelost-Politik der USA in einer Weise, die in Deutschland als politisch nicht korrekt durchfallen würde und wohl nur von angeblichen Verschwörungs-Webseiten wie Kopp Online abgedruckt werden könnte.

 

Robert Kennedy jr. schreibt: »Während der 1950er-Jahre wiesen Präsident Eisenhower und die Dulles-Brüder – CIA-Chef Allen Dulles und Staatssekretär John Foster Dulles – sowjetische Vertragsvorschläge zurück, den Nahen Osten im Kalten Krieg als neutrale Zone zu belassen und Araber die arabische Welt regieren zu lassen.

 

Stattdessen lancierten sie einen heimlichen Krieg gegen arabischen Nationalismus – welchen Allen Dulles mit dem Kommunismus gleichsetzte –, vor allem, weil eine arabische Selbstverwaltung ein Entgegenkommen beim Öl gefährdete. Sie schleusten geheime amerikanische Militärunterstützung zu Tyrannen in Saudi-Arabien, Jordanien, dem Irak und in den Libanon, bevorzugt Marionetten mit konservativen dschihadistischen Ideologien, welche sie als wirksames Gegenmittel für den sowjetischen Marxismus betrachteten. Bei einem Treffen des Weißen Hauses zwischen dem Planungschef der CIA, Frank Wisner, und John Foster Dulles im September 1957 riet Eisenhower der Agentur: ›Wir sollten alles Mögliche tun, um den ›Heiligen Krieg‹“-Aspekt zu betonen.‹«

 

Die Machenschaften der Dienste und die Abkehr von den amerikanischen Werten hätten die Rolle der Weltmacht im Nahen Osten schwer beschädigt, so Kennedy – und sie vom möglichen Partner zum Feind gemacht: »Sie (die Araber, Anm. d. Verf.) hassen nicht ›unsere Freiheiten‹. Sie hassen, dass wir unsere Ideale in ihren eigenen Ländern betrogen haben – für Öl.«

 

Kennedy weiter: »Teils, weil mein Vater von einem Araber ermordet wurde, habe ich mich bemüht, die Auswirkungen der US-Politik in Nahost zu verstehen, insbesondere die Faktoren, die manchmal blutdurstige Reaktionen der islamischen Welt gegen unser Land antreiben.«

 

Dann kommt Kennedy zu Syrien und beleuchtet »die Saat des aktuellen Konflikts«: »Lange vor unserer Besetzung des Iraks 2003, die den sunnitischen Aufstand auslöste, der sich nun in den Islamischen Staat umgewandelt hat, nährte die CIA den gewalttätigen Dschihadismus als eine Waffe des Kalten Krieges und belud die amerikanisch-syrischen Beziehungen mit giftigem Ballast.

 

Das geschah nicht ohne Kontroversen zu Hause. Im Juli 1957, nach einem gescheiterten CIA-Coup in Syrien, verärgerte mein Onkel Sen. John F. Kennedy Eisenhowers Weißes Haus, die Führer beider politischer Parteien und unsere europäischen Verbündeten mit einer Meilenstein-Rede, die das Recht zur Selbstregierung in der arabischen Welt befürwortete und auch ein Ende der imperialistischen Einmischungen Amerikas in den arabischen Ländern.«

 

Diese Rede sei im Gedächtnis vieler Araber geblieben, so Kennedy jr., »als das klarste Statement des Idealismus, den sie von den USA erwarteten. Kennedys Rede war ein Appell, um Amerika an die hohen Werte zu erinnern, die unser Land in der Atlantik-Charta verfochten hatte; die formale Zusicherung, dass alle ehemaligen europäischen Kolonien nach dem Zweiten Weltkrieg das Recht zur Selbstbestimmung haben würden. Roosevelt hatte Winston Churchill und die anderen Anführer der Alliierten unter Druck gesetzt, die Atlantik-Charta zu unterschreiben, als Voraussetzung der US-Unterstützung im europäischen Krieg gegen den Faschismus.«

 

Dank der CIA sei die Atlantik-Charta torpediert worden. Kennedy schreibt: »1957 saß mein Großvater, Botschafter Joseph P. Kennedy, in einem geheimen Komitee, das damit beauftragt wurde, den Missstand der CIA im Nahen Osten zu untersuchen. Der sogenannte ›Bruce-Lovett-Bericht‹, den er mit unterzeichnete, beschrieb CIA-Komplotte in Jordanien, Syrien, dem Iran und Ägypten. Diese waren auf arabischen Straßen hinlänglich bekannt, jedoch nahezu ungehört von der amerikanischen Öffentlichkeit, die die Leugnung der Regierung für bare Münze nahm.

 

Der ›Bruce-Lovett-Bericht‹ zeigte auf, dass derlei Einmischungen im Gegensatz zu amerikanischen Werten standen und Amerikas internationale Führung und moralische Autorität ohne das Wissen des amerikanischen Volkes kompromittiert hatten.« Nach Kennedy machte der Bericht die CIA für den grassierenden Anti-Amerikanismus verantwortlich, der zu dieser Zeit in vielen Ländern der Welt entstand.

 

Nach vielen historischen Details kommt Kennedy in seinem bemerkenswerten Aufsatz zur Gegenwart: »Während wir uns auf den Aufstieg des Islamischen Staates konzentrieren und nach der Quelle der Grausamkeit suchen, die so viele unschuldige Leben in Paris und San Bernardino kostete, sollten wir vielleicht über die bequemen Erklärungen durch Religion und Ideologie hinausschauen.

 

Stattdessen sollten wir die komplexeren Begründungen durch Geschichte und Öl untersuchen – und erkennen, dass wir den anklagenden Finger oft auf uns selbst richten müssten.

 

Amerikas unrühmliche Vergangenheit von gewalttätigen Eingriffen in Syrien – von der nur wenige Amerikaner, jedoch viele Syrer wissen – hat einen fruchtbaren Nährboden für den islamistischen Dschihadismus hinterlassen, der nun jede wirkungsvolle Reaktion unserer Regierung auf die Herausforderung, die der IS darstellt, komplizierter macht.«

 

 

 

 

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