Freitag, 2. Dezember 2016
29.12.2015
 
 

Schurkenstaat Türkei – der wichtigste Verbündete des Westens

Peter Orzechowski

Haben Sie sich auch schon gefragt, warum ein Staat mit einer »Schurken«-Regierung – wie es vermutlich George W. Bush genannt hätte – von allen westlichen Ländern hofiert wird, als wäre er das Paradies für Demokratie und Menschenrechte? Oder um es anders zu sagen: Warum kriecht der Westen vor dem Despoten Erdoğan? Die Antwort: Weil er sich bereit erklärt hat, die Drecksarbeit zu übernehmen. Und die lautet: Russland in den Krieg zu ziehen.

 

Dazu einige Fakten: Ein selbsternannter Führer der Krimtataren behauptete gestern gegenüber der Moskauer Nachrichtenagentur TASS, dass die türkische Regierung die Krim-Blockade unterstütze. Zudem soll sie eine Guerilla-Truppe unterstützen, die Sabotageaktionen auf der Halbinsel durchführen soll. Im Jahr 2016 wolle der Führer der Krimtataren zusammen mit den ukrainischen Streitkräften die Krim zurückerobern.

»Während sich die Kiewer Regierung noch am Kopf kratzt, unterstützen uns die Türken bereits«, so Lenur Islymanow, der selbsternannte Führer der militanten Krimtataren. Er soll bereits finanzielle Unterstützung von türkischer Seite erhalten haben und diese bald in die ukrainischen Kräfte eingegliedert werden. »Mehr als 100 Mann haben sich uns bereits angeschlossen«, so Islymanow in einem Interview weiter.

 

Auch das Contra-Magazin berichtete jüngst von der Beteiligung der türkischen Extremistenorganisation »Graue Wölfe« an der Krim-Blockade. Die Organisation gilt als gewaltbereit und auch in Deutschland werden die Aktivitäten von den Landesverfassungsschutzämtern mit Sorge beobachtet.

 

Sputnik News berichtet gleichzeitig, das türkische Verteidigungsministerium habe militärische Hilfe für die Krim-Blockade versprochen. Es rüste ein in der Ukraine aufgestelltes Freiwilligen-Bataillon aus.

 

Fazit 1: Die Türkei wirkt bei der Zuspitzung der Lage in der Ukraine kräftig mit.

 

Fazit 2: Ungeachtet der Luftangriffe reißt der Erdölschmuggel aus Syrien offenbar nicht ab. Um russischen Bomben auszuweichen, haben die IS-Terroristen einen neuen Transportweg gefunden und schicken nun riesige Tankkolonnen via Irak in die Türkei.

 

»Um sich den russischen Luftangriffen zu entziehen, finden die Terroristen neue Schmuggelwege für das Rohöl«, teilte General Sergei Rudskoj vom Moskauer Generalstab mit. Eine neue Trasse führe aus der syrischen Provinz Deir ez-Zor über die Grenzorte Guna und Tell Sfuk Richtung Mosul und Zakho im Irak. Trotz des großen Umwegs bleibe die Türkei die Zielstation, sagte der General.

 

Nach seinen Worten tarnen die Terroristen einen Teil ihrer Ölwagen als übliche Lkw. Der russische Aufklärungsdienst habe an der türkisch-irakischen Grenze fast 12 000 Tankwagen und Laster registriert. Als Beweis zeigte Rudskoj anwesenden Journalisten Satellitenbilder.

 

Gleichzeitig veröffentlichte Sputnik Türkiye ein Interview mit dem Türken Mahmut Gazi Tatar, einem Mitglied des IS, nachdem dieser von den Kurdenmilizen in Syrien gefangen genommen worden war. »Während unseres Trainings erzählte uns unser Betreuer, Abu Talkha, dass die Gruppe Erdöl an die Türkei verkaufe und mit türkischem Geld all ihre finanziellen Schwierigkeiten gelöst habe. Die Tankwagen mit Rohöl, Heizöl und Benzin fahren tagtäglich in die Türkei.« An dem Ölschmuggel seien mehrere Unternehmer beteiligt, sagte Tatar. Namen wollte er jedoch nicht nennen. Der Ölhandel sei die wichtigste Einnahmequelle des IS. Im Gegenzug bekomme die Terrororganisation aus der Türkei und aus arabischen Staaten Lebensmittel.

 

Der IS erwirtschafte mit dem Ölhandel bis zu 40 Millionen US-Dollar monatlich, sagte ebenfalls am Wochenende der für den Kampf gegen Terrorfinanzierung zuständige Staatssekretär im US-Finanzministerium, Adam Szubin, im Königlichen Institut für Internationale Beziehungen in London.

 

Fazit 3: Die Türkei unterstützt weiter den IS und sabotiert damit Russlands Anstrengungen, die Terrormiliz zu zerschlagen.

 

Fazit 4: Diesen Schauplatz habe ich ausführlich in meinem neuen Buch Der direkte Weg in den Dritten Weltkrieg beschrieben. Kurz zusammengefasst geht es um den Südkaukasus. Hier will die Türkei – ganz im Sinne der NATO – die traditionelle Vormachtstellung Russlands in der Region beenden. Seit einem Jahr versucht die Türkei durch gemeinsame Militärübungen mit Georgien und Aserbaidschan, den russischen Verbündeten Armenien zu isolieren.

 

Vom 31. Mai bis zum 10. Juni 2015 führten türkische, georgische und aserbaidschanische Militäreinheiten in der Osttürkei unter dem Namen »Kaukasischer Adler« umfassende Manöver durch.

 

Einige Tage zuvor, am 25. Mai, hat Baku taktische Militärübungen mit der Türkei in Aserbaidschan abgehalten. Diese Übungen sind nur einige wenige von jenen zahlreichen, die 2015 abgehalten wurden.

 

Im Jahr 2010 hatten Aserbaidschan und die Türkei eine offizielle strategische Partnerschaft begründet, die unter anderem einen militärischen Beistandspakt umfasst, sobald eines der Länder in einen ernsten militärischen Konflikt involviert wird. Konkrete Anwendung würde dieser im Falle eines erneuten Ausbruchs des Krieges um die von Armenien okkupierte Region Bergkarabach finden.

 

Seit der 2010 verkündeten strategischen Partnerschaft erhöhte die Türkei ihre Militärlieferungen nach Aserbaidschan. Gemeinsam begann man mit der Herstellung von Artilleriewaffen. Einen weiteren Wandel im Niveau des Einflusses Ankaras auf den Südkaukasus bemerkten Militäranalysten, als erstmals im Jahr 2012 georgische Truppen im großen Stil begannen, sich türkisch-aserbaidschanischen Kriegsspielen anzuschließen.

 

Um diese Entwicklung auch für die Zukunft zu zementieren, unterzeichneten die Verteidigungsminister der drei Länder im Jahr 2014 mehrere Abkommen, die regelten, dass künftig zwei Mal im Jahr trilaterale Treffen und noch mehr Militärübungen abgehalten werden. Für Baku kreiert die Bindung an Ankara einen militärischen Gürtel, untermauert durch zahlreiche Militärabkommen.

 

Für Ankara bedeutet die militärische Partnerschaft mit Aserbaidschan und Georgien, das russische Gewicht im Südkaukasus zu schwächen und den beiden Ländern Waffen aus der türkischen Rüstungsindustrie zu verkaufen.

 

Für Armenien, das aktuell ernsthafte wirtschaftliche Unwägbarkeiten, verbunden mit einer Periode politischer Instabilität, durchlebt, stellen die Militärübungen seiner drei Nachbarstaaten ein geopolitisches Problem dar. Die Türkei, Georgien und Aserbaidschan tangieren einen Großteil der Grenzen Armeniens. Von der Türkei und Aserbaidschan eingeklammert, die aus historischen und politischen Gründen Jerewan gegenüber nicht unbedingt wohlgesonnen sind, sind Armeniens operationelle Möglichkeiten auf die Grenzen von Georgien und den Iran beschränkt.

 

Die neue Welle militärischer Übungen korrespondiert mit dem Wandel der militärischen Balance zwischen Armenien und Aserbaidschan. Immer wieder ausbrechende kleine Scharmützel an der Front zwischen den Konfliktparteien führten immer wieder zu erheblichen Verlusten auf armenischer Seite.

 

Im Mai 2015 war die westliche Enklave Nachitschewan, die an der südwestlichen Grenze Armeniens liegt, Gastgeberland einer gemeinsamen taktischen Übung zwischen türkischen und aserbaidschanischen Militäreinheiten. Für Armenien schafft diese Entwicklung die Gefahr eines Zweifrontenangriffs durch Aserbaidschan. Im Fall der Fälle, sollte es zu einem umfassenden Konflikt ausarten, in den womöglich sogar Russland involviert wäre, würde die Türkei intervenieren. Und damit wäre auch die NATO mit eingebunden.

 

»Der Südkaukasus wird der strategische Kreuzungsweg des 21. Jahrhunderts sein«, fasst eine Studie des kanadischen Centre for Research on Globalization die Problematik zusammen.

 

»Er bildet die Drehscheibe und Landbrücke zwischen Westeuropa/der atlantischen Welt und Ostasien, dem eurasischen Kernraum und dem Indischen Ozean, der Levante und Afrika.« Die Staaten des Südkaukasus sind daher für die beiden geopolitischen Kontrahenten USA und Russland von enormer Bedeutung.

 

Fazit: Aus geostrategischer Sicht ist die Türkei ein unverzichtbarer Agent Provocateur für USA und NATO, der Russland an verschiedenen Fronten reizen oder sogar in Kampfhandlungen verstricken kann. Und daher kann sich der Despot aus Ankara alles erlauben.

 

 

 

 

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