Friday, 29. July 2016
28.02.2016
 
 

Trump klopft ans Weiße Haus

Peter Orzechowski

Dienstagnacht finden in 15 US-Bundesstaaten Vorwahlen statt. Sollte Donald Trump auch nach diesem »Super Tuesday« die republikanischen Bewerber anführen, dann wird es unruhig werden in Washington.

 

Viele Demokraten hoffen insgeheim, dass sich Trump bei den Vorwahlen der Republikaner durchsetzen wird. Niemand, so die Annahme, sei von Hillary Clinton oder Bernie Sanders in einer Präsidentschaftswahl so einfach zu schlagen wie der sprunghafte Hitzkopf Trump mit seinen radikalen Positionen.

Ein gefährlicher Standpunkt. Denn den Multimilliardär aus New York hatten auch viele in seiner eigenen Partei unterschätzt. Aber er hat sich mit Begeisterung in den Vorwahlkampf geworfen. Er hat seine Basis mobilisiert. Und seither pöbelt er, polarisiert – und gewinnt.

 

Das Enfant terrible des Washingtoner Establishments

 

Wegen seines bisherigen Erfolgs ist das politische Establishment in Washington unruhig geworden. Bei den Republikanern kursieren sogar – glaubt man der Webseite infowars – Gerüchte, dass auf Trump ein Attentat geplant sei. Was die herrschende Politclique so beunruhigt, ist, dass der New Yorker Populist offenbar genau die Stimmung der US-Bürger trifft.

 

Da kündigt er in einer Rede an, die Wahrheit über 9/11 zu verraten, sollte er Präsident werden. In einer anderen sagte er, er wolle das umstrittene Gefangenenlager Guantanamo auf keinen Fall schließen, sondern »mit vielen bösen Jungs da draußen auffüllen«. Mit seiner Forderung: »Macht die Grenzen dicht für Moslems!« hat er wütenden Protest ausgelöst.

 

Trump dürfte gewusst haben, dass diese Forderung rechtlich chancenlos ist. Die Washington Post lässt eine ganze Reihe von Staatsrechtlern und Juristen begründen, dass Verträge, Verfassung und geltendes Recht völlig dagegen sprächen.

 

Mit seiner Forderung hat er auch seine republikanischen Mitbewerber – die Trumps Vorschlag entrüstet ablehnten – in die Ecke gedrängt. Seine Kritiker – auch die aus der eigenen Partei – klingen auf einmal wie Barack Obama oder Hillary Clinton.

 

Trumps Popularität, schrieb Paul Waldman in The Week, gründe sich darauf, dass er sich als jemand darstelle, der authentisch sei, an den man glauben könne. So ganz anders als der kühle, professorale Barack Obama. Ein echter Anführer, roh und emotional. Trump sei der endgültige Gegenentwurf zum etablierten Politiker. Als Außenseiter kann er Dinge sagen, die sich kein Amtierender erlauben kann.

 

Die Wochenzeitung Atlantic hat darauf hingewiesen, dass Trump echte Fans hat und keine Anhänger. Wie in einem Stadion fühlten sie sich wohl bei ihm, warm geborgen in seiner Wut und seinem Furor. Endlich spreche mal jemand aus, was eigentlich los sei, niemand traue sich das sonst. Und bestens unterhalten fühle man sich auch noch.

 

»Klar kann er nicht alles machen, was er ankündigt. Aber bei Gott, er sagt es wenigstens« – so zitiert Politico einen dieser Fans. Der Hass auf Washington ist gewaltig. Washington als Metapher für Stillstand, für Abstiegsängste, für zu viel fremdes Geld im Wahlkampf und zu viel liberale Veränderung im Land.

 

Warum Trump so erfolgreich ist

 

Die New York Times erklärt den Erfolg des Donald Trump damit, dass er die weißen Mittel- und Unterschichten Amerikas anspreche. Sie fühlen sich abgeschnitten vom tatsächlichen wirtschaftlichen Erfolg der USA.

 

Sie sehen, dass die Weißen in den USA gegenüber Latinos, Schwarzen und Asiaten schon bald in der Minderheit sind. Das Fazit der Zeitung: Je kleiner das Einkommen und je weniger gebildet, desto eher pro Trump.

 

Trump spricht aber auch das Unbehagen vieler Bürger an: Die Mainstream-Medien geißelt er immer mal wieder. Journalisten bezeichnet er als »Abschaum«. Dafür nutzt er Twitter wie kein zweiter Kandidat. Seine Kampagnen und Slogans entfalten eine spontane Wucht. Sie sind unberechenbar und können jede Sekunde einschlagen.

 

Quotenstarke Sendungen nutzt Trump – selbst Reality-TV-Star (The Apprentice) – wie keiner seiner Mitbewerber. Bestes Beispiel hierfür waren die Townhall-Interviews von CNN, in denen die republikanischen Kandidaten die Chance bekamen, auch einmal abseits von politischen Thesen zu punkten.

 

Auf die Frage, welche Musik sie gerne hören, antworteten Kandidaten wie Jeb Bush (inzwischen ausgestiegen) mit der Countryband Zac Brown Band, während sich der jüngste Bewerber, Marco Rubio, mit elektronischer Musik (David Guetta) bei potenziellen jungen Wählern beliebt zu machen versuchte. Donald Trump dagegen erzählt eine Geschichte, gibt den Zuschauern eine Minute Insider-Klatsch. Er müsse mal was klarstellen über seinen Freund Michael Jackson, sagte Trump.

 

Die Ehe mit Lisa Marie Presley sei kein Fake gewesen, nach seiner Hochzeit hätten sie eine Woche im Trump Tower verbracht, ohne aus dem Hotelzimmer zu kommen. Und dann kommt gleich noch eine Lektion von Trump, dem Erfolgs-Coach: Die unzähligen Gesichtsoperationen hätten Jackson ruiniert, denn er habe dadurch sein Selbstbewusstsein verloren – »und wer sein Selbstbewusstsein verliert, verliert am Ende auch sein Talent«.

 

Zufällig oder spontan ist das freilich nicht, schreibt McKay Coppins, politischer Reporter von Buzzfeed, in seinem Buch The Wilderness. Er weist nach, wie viele Jahre lang Trump seine Kampagne vorbereitet hat. Welche feinmaschigen Netzwerke von Sendern und Blogs er gewoben, wie geschickt er sein Geld eingesetzt hat.

 

Ein Deutscher im Weißen Haus?

 

Trumps Großvater Friedrich wanderte 1885 im Alter von 16 Jahren von Kallstadt, einer kleinen pfälzischen Weinstadt zwischen Mannheim und Kaiserslautern, in die USA aus. Er war gelernter Herrenfrisör, begriff aber schnell, wo die größten Chancen lagen. Er folgte den Goldsuchern nach Seattle, später in den Klondike. Trump selbst suchte aber nicht nach Gold, sondern verdiente an den Goldsuchern – er eröffnete Restaurants, in denen er sie mit Alkohol und Essen versorgte und ihnen durch »Privatzimmer für Frauen« Zugang zu Prostituierten verschaffte.

 

Friedrichs Sohn Fred, Donalds Vater, errichtete vor und nach dem Zweiten Weltkrieg von der Regierung subventionierte Häuser für die Mittelschicht. Er verstand, was die Menschen suchten, und bot ihnen etwas Besonderes. In New Yorker Vierteln wie Queens oder Brooklyn war das etwa ein zusätzlicher begehbarer Schrank, ungewöhnliche Ziegelverkleidungen und andere Extras.

 

Als Donald einstieg, waren die Subventionen ausgelaufen, also wandte er sich einer kleineren, wohlhabenderen Zielgruppe zu. Mit Luxusimmobilien erfüllte er die teuren und extravaganten Wünsche dieser Klientel. Wie jetzt im Wahlkampf beruhte Trumps Erfolg als Immobilienunternehmer darauf, dass er ständig den Markt analysiert und seine persönliche Marke ausbaut. Sein Name steht in den USA für Erfolg, und das trotz vier Insolvenzen – die Banken wollten danach nicht das »Trump« von den Gebäuden nehmen, weil sie an Wert verloren hätten.

 

 

 

 

 

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