Friday, 30. September 2016
30.10.2012
 
 

»Romnografie«: Wo liegt der Persische Golf? – ein peinlicher Schnitzer

Prof. Michel Chossudovsky

»Syrien ist der einzige Verbündete des Iran in der arabischen Welt. Es ist Irans Zugang zum Meer. Über Syrien werden die [iranischen] Waffen für die Hisbollah im Libanon geschmuggelt, die natürlich unseren Verbündeten Israel bedrohen. Aus diesen Gründen genießt es für uns hohe Priorität, Syrien dabei zu helfen, Assad zu stürzen.«

Der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney in der Fernsehdebatte am 23. Oktober 2012

Die Islamische Republik  Iran verfügt über eine lang ausgedehnte Küste zum Persischen Golf, dem Golf von Oman und dem Arabischen Meer. Der Iran ist ein Verbündeter Syriens, besitzt aber keine gemeinsame Grenze mit Syrien. Iranische Güter, die über Land durch Syrien hindurch ans

Mittelmeer transportiert werden sollen, müssten den Irak (der immer noch von den USA militärisch besetzt ist) und/oder die Türkei, einen Verbündeten der USA und eine NATO-Hochburg, durchqueren.

 

Ein peinlicher Schnitzer, Setzen: mangelhaft. Dabei besitzt Romney einen akademischen Abschluss der Harvard-Universität – so viel zu amerikanischen Universitätsstandards.

 

Betrachten wir aber die ganze Angelegenheit etwas genauer

Wie würde sich die gravierende Unkenntnis Mitt Romneys auswirken, wenn er tatsächlich zum amerikanischen Präsidenten gewählt und damit Oberkommandierender der Streitkräfte der Vereinigten Staaten würde? Man fühlt sich sofort daran erinnert, dass George W. Bush noch auf dem Höhepunkt seines Präsidentschaftswahlkampfs im Jahr 2000 die Taliban für eine »Rockgruppe« hielt:

»Als ein Journalist der Zeitschrift Glamour Bush nach seiner Einschätzung der Taliban fragte, zuckte Bush irritiert mit den Schultern. Der Journalist musste noch weiter helfend eingreifen (›Es geht um Diskriminierung gegenüber Frauen in Afghanistan‹), bis bei Bush endlich der Groschen fiel: Die Taliban in Afghanistan, natürlich! Repressalien. Ich dachte, Sie sprechen über irgendeine Rockgruppe.

Dies Beispiel zeigt, wie gut informiert der mögliche nächste Präsident der USA über die Welt ›da draußen‹ ist. [Und das betrifft] selbst wichtige aktuelle Entwicklungen, über die jeder, der für sich in Anspruch nimmt, über ein Mindestmaß an Bildung und Kultur zu verfügen, Bescheid weiß; Entwicklungen, mit denen er sich, sollte er denn gewählt werden, wird auseinandersetzen müssen.« (Moscow News, Juli 2000.)

Der kommende Präsident der USA wird grundlegende Entscheidungen politischer, strategischer und militärischer Natur im Zusammenhang mit dem Iran zu treffen haben, die ein Mindestmaß an geografischen und geopolitischen Kenntnissen voraussetzen. Oder sollen wichtige Entscheidungen von den Erdölkonzernen und der Wall Street getroffen werden, die dann dem Weißen Haus über eine handverlesene Schar hochrangiger Regierungsvertreter und Berater des Präsidenten übermittelt werden, die sich in allererster Linie den dominierenden Wirtschaftsinteressen verpflichtet fühlen?

 

Amerikanische Präsidenten sind von Scharen von »Ivy League«-Beratern umgeben Absolventen der acht Elite-Universitäten der USA wie etwa Harvard, Yale, Princeton, Columbia, die sie darüber unterrichten, wo die Feinde Amerikas geografisch verortet sind. Aber was geschieht, wenn der Präsident und Oberkommandierende der Streitkräfte die Substanz dieser Lage- und Hintergrundberichte nicht zu erfassen vermag?

 

Wenn der jeweilige Präsident nicht selbst über geopolitische und insbesondere geografische Kenntnisse etwa zu Wasserstraßen verfügt, wird es aller Wahrscheinlichkeit nach zu »militärischen Fehleinschätzungen« mit allen ihren Konsequenzen kommen.

 

Beim Persischen Golf handelt es sich um eine Wasserstraße mit strategischer Bedeutung insbesondere für die amerikanische militärische Befehls- und Kontrollgewalt (Command and Control, C2). Das Arabische Meer und der Persische Golf sind extrem militarisiert. Die Fünfte US-Flotte operiert vom Flottenstützpunkt Manama im Golfstaat Bahrain aus, und das amerikanische Zentralkommando (USCENTCOM), eines der sechs Regionalkommandozentren, der so genannten »Unified Combatant Commands«, der amerikanischen Streitkräfte, hat sein Hauptquartier in Katar. Die USA und ihre Verbündeten unterhalten verschiedene Marinestützpunkte in direkter Nachbarschaft der iranischen Hoheitsgewässer.

 

Die geografischen und geostrategischen Tatsachen müssen jemandem, der sich um das höchste Staatsamt bewirbt, sicherlich vertraut sein, zumal das Amt des Präsidenten auch die Funktion des Oberbefehlshabers aller Streitkräfte umfasst und damit auch Entscheidungen im Zusammenhang mit der amerikanischen Kriegsmarine einschließt.

 

Durch den Persischen Golf wird ein Großteil des Erdöls des Mittleren Ostens transportiert. Fast 17 Millionen Barrel Erdöl (etwa 2,7 Mrd. Liter) werden täglich mit Tankern durch die Straße von Hormus vom Persischen Golf ins Arabische Meer und den Indischen Ozean verschifft.

 

Es geht hier nicht in erster Linie um die mangelhaften geografischen Kenntnisse Romneys, vielmehr wird der amerikanische Präsident und Oberbefehlshaber Entscheidungen zum Einsatz der amerikanischen Kriegsmarine treffen müssen.

 

Wir müssen also sicher sein, dass die Ahnungslosigkeit und Unfähigkeit des Präsidenten in außenpolitischen Angelegenheiten nicht dazu benutzt werden, einen von den USA und der NATO angeführten regionalen Krieg auszulösen, der sich zu einem Flächenbrand in der Region vom östlichen Mittelmeer bis zum Persischen Golf ausweiten könnte.

 

Um geopolitische Zusammenhänge zu verstehen, muss man sich in Geografie auskennen.

 

Wenn der Iran angeblich von Land umschlossen ist, dann benötigt er, nach Ansicht Romneys, auch keine Kriegsmarine. Und wenn er keine Marine besitzt, kann er auch für die amerikanische Seemacht im Mittleren Osten und hinsichtlich der Wasserwege Asiens keine »Bedrohung« darstellen.

 

Hallo Romney,

der Iran besitzt nicht nur eine ausgedehnte Küste entlang des Persischen Golfes und des Arabischen Meeres, sondern auch eine beeindruckende Flotte aus Zerstörern, Fregatten und Unterseebooten. In den letzten Jahren hat er seine Seemacht als Reaktion auf amerikanische Drohungen mit russischer Hilfe ausgebaut. Zudem wurde die gesamte Küste militarisiert.

 

 

 

 


 

 

 

 

 

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