Freitag, 2. Dezember 2016
07.04.2011
 
 

»Unser Mann in Tripolis«: Von den USA und der NATO unterstützte islamische Terroristen schließen sich der libyschen Demokratiebewegung an

Prof. Michel Chossudovsky

Begriffe und Konzepte werden auf den Kopf gestellt: Die Militärallianz aus USA und NATO unterstützt eine Rebellion, an der auch islamische Terroristen beteiligt sind, und das im Namen des »Kriegs gegen den Terrorismus«.

Die libysche Opposition besteht aus sehr heterogenen Gruppierungen: Royalisten, Abtrünnige des Gaddafi-Regimes - darunter der frühere Justizminister und erst kürzlich Außenminister Mussa Kussa, Angehörige der libyschen Streitkräfte, der Nationalen Front für die Rettung Libyens (NFSL) und der Nationalen Konferenz für die libysche Opposition (NCLO), die als eine Art Dachorganisation agiert.

Kaum von westlichen Medien wahrgenommen wird, dass auch die Al-Jama’a al-Islamiyyah al-Muqatilah bi-Libya (Libysche Islamische Kampfgruppe, LIFG) integraler Bestandteil der libyschen Opposition ist.

Der Libysche Übergangsrat stellt kein klar definiertes Gebilde dar. Er setzt sich aus Repräsentanten der neu geschaffenen Ortsräte zusammen, die eingerichtet wurden, um das »alltägliche Leben in den befreiten Städten und Dörfern zu organisieren«. (Der Libysche Übergangsrat im Internet unter: The Council’s statement)

Die Kampfgruppen der Opposition bestehen zum größten Teil aus nichtausgebildeten zivilen Milizen, ehemaligen Angehörigen der libyschen Streitkräften und der gut ausgebildeten Libyschen Islamischen Kampfgruppe (LIFG).  Die LIFG ist mit Al-Kaida verbündet und steht im bewaffneten Aufstand an vorderster Front.

Das Al-Kaida-Netzwerk als Werkzeug der Intervention durch USA und NATO

Sowohl die LIFG als ganze, sowie auch ihre einzelnen Mitglieder werden vom UN-Sicherheitsrat als Terroristen eingestuft. Aus dem amerikanischen Finanzministerium heißt es: »Die Libysche Islamische Kampfgruppe bedroht durch ihren Einsatz von Gewalt und ihr ideologisches Bündnis mit Al-Kaida und anderen brutalen Terrororganisationen die weltweite Sicherheit und Stabilität.« (Treasury Designates UK-Based Individuals, Entities Financing Al Qaida -Affiliated Libyan Islamic Fighting Group - US Fed News Service, 8. Februar 2006)

Begriffe und Konzepte werden auf den Kopf gestellt. Sowohl Washington als auch die NATO, die behaupten, einen »Krieg gegen den Terrorismus« zu führen, unterstützen eine Demokratiebewegung, der auch Mitglieder einer Terrororganisation angehören. Es ist schon eine bittere Ironie, Washington und die Atlantische Allianz verstoßen gegen ihre eigenen Antiterrorgesetze und -Bestimmungen.

Darüber hinaus erfolgt die Unterstützung der Oppositionskräfte, zu der auch Terroristen gehören, im Rahmen der Doktrin »Schutzverpflichtung« (R2P, »Responsibility to Protect«) im Rahmen der Umsetzung der Resolution des UN-Sicherheitsrats 1973, was wiederum eine krasse Verletzung der UN-Sicherheitsrats-Resolution 1267 darstellt, in der die Al-Jama’a al-Islamiyyah al-Muqatilah bi-Libya (LIFG) als Terror-Organisation eingestuft wird. Der UN-Sicherheitsrat verstößt damit nicht nur gegen die UN-Charta, sondern auch gegen seine eigenen Resolutionen (The Al-Qaida and Taliban Sanctions Committee - 1267).

Es ist ausreichend dokumentiert, dass der »Islamische Dschihad« seit Beginn des sowjetisch- afghanischen Krieges verdeckt von der CIA unterstützt wurde (siehe dazu: Michel Chossudovsky, America's »War on Terrorism«, Global Research, Montreal, 2005). Der amerikanische Geheimdienst Central Intelligence Agency (CIA) benutzte dazu den pakistanischen Militärgeheimdienst Inter – Service Intelligence (ISI), der eine Schlüsselrolle bei der militärischen Ausbildung der Mudschaheddin spielte. Im Gegenzug wurde in die von der CIA unterstützten Guerilla-Ausbildung auch die Lehren des Islam eingebunden:

»Im März 1985 unterzeichnete Präsident Reagan die National Security Decision Directive 166, … [in der] verstärkte militärische Unterstützung für die Mudschaheddin genehmigt wurde. Darüber hinaus wurde deutlich gemacht, dass der geheime afghanische Krieg ein neues Ziel verfolgte: Die sowjetischen Truppen in Afghanistan sollten mithilfe verdeckter Operationen besiegt und zum Abzug gedrängt werden. Die neue verdeckte amerikanische Hilfe begann mit einem dramatischen Anstieg der Waffenlieferungen – bis zum Jahre 1987 stiegen die Lieferungen auf schließlich 65.000 Tonnen jährlich an,… sowie einen ›unaufhörlichen Strom‹ von Spezialisten der CIA und des Pentagons, die über die Hauptstraße in der Nähe der pakistanischen Stadt Rawalpindi in das geheime Hauptquartier des pakistanischen ISI unterwegs waren... Dort trafen die CIA-Spezialisten mit pakistanischen Geheimdienstoffizieren zusammen, um mit ihnen gemeinsam Operationen für die afghanischen Rebellen zu planen.« (Steve Coll, in: Washington Post, 19. Juli 1992)

 

Die historischen Wurzeln der Libyschen Islamischen Kampfgruppe (LIFG)

Die Libysche Islamische Kampfgruppe (LIFG), die Al-Jama’a al-Islamiyyah al-Muqatilah bi-Libya, wurde von libyschen Mudschaheddin-Veteranen des Krieges gegen die Sowjets in Afghanistan gegründet. Von Anfang an bis zu den frühen und mittleren 90er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde die Libysche Islamische Kampfgruppe (LIFG) von der CIA und dem britischen Geheimdienst MI-6 verdeckt geführt und benutzt. Seit 1995 war die LIFG aktiv an einem »Islamischen Dschihad«  gegen das säkulare libysche Regime beteiligt, was auch einen Mordanschlag auf Muammar al-Gaddafi 1969 einschloss.

»Der frühere MI-5-Mitarbeiter David Shayler enthüllte, während seiner Arbeit in der Libyen-Abteilung Mitte der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts hätten Mitarbeiter des britischen Geheimdienstes mit der Libyschen Islamischen Kampfgruppe (LIFG), die in Verbindung mit einem der engsten Stellvertreter Osama bin Ladens steht, zusammengearbeitet. Die LIFG wird in England heute als Terrorgruppe eingestuft. (Gerald A. Perreira, British Intelligence Worked with Al Qaeda to Kill Qaddafi, in: Global Research, 25. März 2011, Hervorhebungen vom Verfasser)

Auf die Sicherheitskräfte der libyschen Regierung, die Polizei und Militärangehörige wurden regelmäßig guerillaartige Terrorangriffe durchgeführt:

»Im September 1995 flammten in Bengasi heftige Auseinandersetzungen zwischen Gaddafis Sicherheitskräften und islamistischen Guerillas auf, wobei beide Seiten Dutzende Tote zu beklagen hatten. Nach wochenlangen intensiven Kämpfen trat die Libysche Islamische Kampfgruppe (LIFG) mit einem Kommuniqué erstmals an die Öffentlichkeit und bezeichnete die Regierung Gaddafi als ›ein abtrünniges Regime, das gegen den Glauben an den allmächtigen Gott‹ gefrevelt habe. Auf seinen Sturz hinzuwirken, sei die ›oberste Pflicht nach dem Gottesvertrauen selbst‹. Dieses und weitere Kommuniqués wurden von libyschen Afghanen herausgegeben, die in England politisches Asyl erhalten hatten… Die Beteiligung der britischen Regierung an der LIFG-Kampagne gegen Gaddafi wurde sehr kontrovers diskutiert. Von der nächsten großen Aktion der LIFG, einem gescheiterten Mordanschlag auf Gaddafi im Februar 1996, bei dem verschiedene seiner Leibwächter getötet worden waren, wurde später behauptet, sie sei vom britischen Geheimdienst mit 160.000 £ finanziert worden, berichtete der frühere MI-5-Offizier David Shayler. Shaylers Anschuldigungen wurden zwar noch nicht von unabhängiger Seite bestätigt, aber es ist klar, dass England es billigend in Kauf nahm, dass die LIFG auf britischem Territorium ein Zentrum für logistische Unterstützung und das Sammeln von Spenden einrichtete. Auf jeden Fall scheint die Finanzierung durch bin Laden weitaus größere Bedeutung zu haben. Einem Bericht zufolge erhielt die LIFG vom saudischen Terrordrahtzieher bis zu 50.000 Dollar für jeden ihrer militanten Kämpfer, die im Kampf getötet wurden.« [2005] (Zitiert nach: Peter Dale Scott, Who are the Libyan Freedom Fighters and Their Patrons?, in: Global Research, März 2011, Hervorhebungen vom Verfasser)

Es gibt widersprüchliche Berichte darüber, ob die LIFG zu Al-Kaida gehört oder als eine unabhängige dschihadistische Gruppe operiert. Ein Bericht behauptet, die LIFG habe sich 2007 Al-Kaida angeschlossen und später den Namen Al-Qaida des islamischen Maghreb (AQIM) angenommen. (Siehe: Webster Tarpley, The CIA’s Libya Rebels: The Same Terrorists who Killed US, NATO Troops in Iraq, in: Global Research, March 2011)

 

Kontinuität der Geheimdienstoperationen der USA und ihrer Verbündeten: Al-Kaida-Angehörige in Jugoslawien

Seitdem sowjetisch-afghanischen Krieg wurde das Al-Kaida-Netzwerk von der CIA für geheimdienstliche Operationen eingesetzt. Wie ein Dokument des amerikanischen Senats aus dem Jahre 1997 bestätigt, wurden Al-Kaida-Mitglieder von der Regierung Clinton als Versorgungskanal dazu benutzt, die bosnisch moslemische Armee Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts zu unterstützen. (Siehe dazu: US Senate, Republican Party Committee, Clinton-Approved Iranian Arms Transfers Help Turn Bosnia into Militant Islamic Base, 1998)

Wie ausführlich dokumentiert ist, hatte die Befreiungsarmee des Kosovo (UÇK), die von der NATO unterstützt wurde, intensive Verbindungen zu dem islamischen Terrornetzwerk aufgebaut. (US Senate, Republican Party Committee, The Clinton Administration Sets Course for NATO Intervention in Kosovo, 1998,; siehe dazu auch: Michel Chossudovsky, America's »War on Terrorism«, Global Research, Montreal, 2005).

In Jugoslawien wurde Al-Kaida im Zusammenhang mit dem »humanitären Krieg« der NATO für geheimdienstliche Operation benutzt. Terrororganisationen wurden verdeckt unterstützt und finanziert. Das militärische Eingreifen der NATO erfolgte zur Rettung der UÇK, die von Al-Kaida-Mitgliedern unterstützt wurde. (Dokumente des Parteivorstandes der Republikanischen Partei der USA zum  Kosovo, op cit):

»Einer der beunruhigendsten Aspekte der derzeitigen [Terror-]Krise [1998 im Kosovo] hängt damit zusammen, dass sie möglicherweise durch unsere eigene ungeschickte Außenpolitik in Bosnien und im Kosovo ausgelöst wurde. Entgegen allem gesunden Menschenverstand ertappen wir uns dabei, wie wir uns für moslemische Gruppen einsetzen, die von den selben islamisch-fundamentalistischen Terrorgruppen unterstützt werden, die in anderen Teilen der Welt unsere Todfeinde sind.« (Oberst Harry G. Summers, Bringing terrorists to justice, in: Washington Times, 8. Dezember 1998, Hervorhebungen vom Verfasser. Oberst a.D. Harry G. Summers (1932-1999) war Distinguished Fellow am Institut für Strategische Studien des U.S. Army War College in Carlisle im US-Bundesstaat Pennsylvania)

Ist Operation Odyssey Dawn in Libyen Teil einer geplanten Strategie der USA und der NATO? Wurde hier ein Aufstand unterstützt, an dem Terroristen beteiligt sind, um damit ein militärisches Eingreifen aus humanitären Gründen - nämlich um das Leben von Zivilisten zu retten - zu rechtfertigen?

So lautete schon die Rechtfertigung der NATO für das militärische Eingreifen in Bosnien und im Kosovo. Welche Lehren lassen sich daraus für Libyen ziehen?

 

Der frühere libysche Geheimdienstchef und »Doppelagent« Mussa Kussa läuft in England über

Die LIFG wurde nicht nur von der CIA und dem britischen Geheimdienst MI-6, sondern auch von Fraktionen innerhalb des libyschen Geheimdienstes unterstützt, an dessen Spitze der frühere Geheimdienstchef und Außenminister Mussa Kussa stand, der Ende März 2011 in Großbritannien überlief.

Im Oktober 2001 traf der libysche Geheimdienstchef Mussa Kussa mit dem amerikanischen Staatssekretär im Außenministerium William J. Burns zusammen. Die Begegnung zwischen Mussa Kussa und Burns waren von entscheidender Bedeutung. An den Treffen nahmen auch hochrangige Vertreter der CIA und des MI-6 teil, darunter Sir John Scarlett, der damals [Oktober 2001] den Gemeinsamen Geheimdienstausschuss (JIC) des Kabinetts leitete und direkt Premierminister Tony Blair Bericht erstattet. Der JIC überwacht im Auftrag der britischen Regierung die Festlegung der Prioritäten der nachrichtendienstlichen Tätigkeiten von MI-5, MI-6 und des Militärgeheimdienstes.

»Unser Mann in Tripolis« Mussa Kussa sollte als Doppelagent tätig werden. In Geheimtreffen mit Sir John Scarlett einigte man sich darauf, dass »ein britischer Agent in Tripolis kooperieren könnte«. (Libya defector Moussa Koussa was an MI6 double agent, in: Sunday Express, 3. April 2011)

Die Entwicklung der LIFG zu einer paramilitärischen Dschihadisten-Bewegung sowie ihre Einbeziehung in Gaddafi feindlich gegenüberstehende oppositionelle Kräfte stehen in einem direkten Zusammenhang zu der entscheidenden Rolle, die Doppelagent Mussa Kussa beim Aufbau bilateraler Beziehungen zur CIA und zum MI-6spielte.

In dieser Hinsicht trägt das Überlaufen Mussa Kussas Ende März alle Anzeichen einer sorgfältig inszenierten Operation. In einer ungewöhnlichen Wendung kam die Absprache mit der britischen Regierung über die Vermittlung eines früheren Führers der mit Al-Kaida verbundenen Libyschen Islamischen Kampfgruppe (LIFG) zustande, der heute mit einer Menschenrechtsorganisation in London zusammenarbeitet:

Noman Benotman, der mit dem Mussa Kussa befreundet ist, erklärte gegenüber der BBC, er habe mitgeholfen, den Abfall Kussas vom Gaddafi-Regime zu organisieren. Benotman gehörte früher zur Führung der Libyschen Islamischen Kampfgruppe, arbeitet jetzt aber für die Quilliam-Stiftung, eine Denkfabrik, die sich kritisch mit Extremismus auseinandersetzt.

Seiner Ansicht nach werde Kussa mit der britischen Regierung verhandeln und sei, was Informationen angehe, sehr kooperativ. Der BBC-Journalist Gordon Corera fügte hinzu, die britische Regierung stehe vor einem Dilemma, was die Behandlung von Kussa wegen dessen Vergangenheit als Chef des libyschen Geheimdienstes angehe. Benotman schilderte in der Sendung BBC Breakfast , wie er Kussa geholfen habe, auszusteigen und bemerkte, dass sie früher oft Rivalen gewesen seien. (BBC Breakfast , 1. April 2011, Hervorhebungen vom Verfasser)

Ironischerweise wurde Benotman als Mudschaheddin für den Kampf im sowjetisch-afghanischen Krieg rekrutiert und gehörte zu den Gründern der LIFG in Afghanistan. Gegenwärtig arbeitet Benotman als Senior Analyst für die Quilliam–Stiftung, wo er sich vorrangig mit Fragen der Bekämpfung von Extremismus beschäftigt. Zu seinen derzeitigen Arbeitsgebieten gehört es auch, »zu versuchen, Gesprächs- und Kontakmöglichkeiten zu aktiven und früheren Extremisten zu eröffnen, und Quilliam als Forum zu nutzen wo er seine intime Kenntnis über Al-Kaida und andere Dschihadisten-Gruppen mit einer breiteren Öffentlichkeit teilen kann«.

 

Das »Anti-Terror-Programm« der CIA in Libyen

Die bilateralen Verbindungen zwischen CIA und MI-6 einerseits und dem libyschen Geheimdienst andererseits verschafften westlichen Geheimdiensten seit Oktober 2001 über ihren proamerikanischen Ansprechpartner im von Mussa Kussa geleiteten libyschen Geheimdienst unmittelbaren Zugang und Einflussmöglichkeiten in Libyen. Diese Vereinbarung ermöglichte es westlichen Diensten, den libyschen Geheimdienst, der von einem MI-6 Doppelagenten gelenkt wurde, erfolgreich zu unterwandern.

In einem Bericht des amerikanischen Außenministeriums aus dem Jahr 2008 hieß es, die libysche Regierung »arbeitet bei der Bekämpfung des Terrorismus weiterhin mit den Vereinigten Staaten und der internationalen Gemeinschaft zusammen… Amerikanische Regierungsvertreter hoffen, die Anti-Terror-Unterstützung an Libyen im Haushaltsjahr 2010 und 2011 ausweiten zu können…« (Siehe dazu: Christopher M. Blanchard, Libya: Background and U.S. Relations, in: US Congress Research Service, 16. Juli 2010)

2009 richteten der libysche Geheimdienst und die CIA ein gemeinsames Anti-Terror-Programm ein, in dessen Rahmen libysche Geheimdienstler eine Antiterrorausbildung durch die CIA erhalten sollten. Dieses Programm war Teil einer Vereinbarung, die Mussa Kussa mit der CIA ausgehandelt hatte. Darüber hinaus war (zumindest theoretisch) beabsichtigt, die Libysche Islamische Kampfgruppe (LIFG) mit Unterstützung von CIA-Mitarbeitern aufzulösen. Hier tritt eine krasse Doppelbödigkeit des CIA-»Antiterrorprogramms« zu Tage: Die Gründung der LIFG in Afghanistan Anfang bis Mitte der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts war ja gerade Teil eines CIA-Projektes gewesen, innerhalb ihres Al-Kaida-Netzwerkes eine libysche Fraktion aufzubauen.

Ebenfalls 2009 verkündeten die inhaftierten Führer der Libyschen Islamischen Kampfgruppe (LIFG) in einer Vereinbarung mit libyschen Sicherheitsbeamten angeblich das Ende ihres bewaffneten Kampfes gegen das Gaddafi-Regime. (New jihad code threatens al Qaeda, CNN, November 2009)

Welche Bedeutung hatte das amerikanisch-libysche Anti-Terror-Programm aus Washingtoner Sicht? - Offiziell diente es dazu, die Namen der LIFG-Mitglieder zu ermitteln und die LIFG als Organisation aufzulösen. Tatsächlich aber verschaffte die von Amerika geleitete Operation in Libyen, zu der auch die Ausbildung libyscher Geheimdienstmitarbeiter unter Aufsicht der CIA gehört, dem amerikanischen Geheimdienst einen bequemen Deckmantel für nachrichtendienstliche Operationen innerhalb Libyens. Darüber hinaus ermöglicht es die Ausbildungsprogramme CIA, den libyschen Geheimdienst zu unterwandern und dort vertrauenswürdige Kontakte zu installieren.

Das Anti-Terror-Programm aus dem Jahr 2009 steht in direktem Zusammenhang zu den Aufständen im März 2011. Es ermöglichte es der CIA, zusammen mit dem britischen Geheimdienst MI-6, die LIFG schon im Vorfeld des bewaffneten Aufstands vom März 2011 verdeckt zu unterstützen. In den Medien wird die Ansicht vertreten, die LIFG sei aufgelöst worden (im Rahmen des von der CIA unterstützten Anti-Terror-Programms). Aber dafür gibt es keine Beweise. Im Gegenteil, die LIFG wird weiterhin in der am 24. März aktualisierten Terrorliste des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen aufgeführt:

QE.L.11.01. Name: LIBYAN ISLAMIC FIGHTING GROUP

Name (original script):

A.k.a.: LIFG F.k.a.: na Address: na Listed on: 6 Oct. 2001 (amended on 5 Mar. 2009)

 

Weitere Informationen: Am 21. Juni 2010 erfolgte eine Überprüfung entsprechend Resolution 1822 (2008) des UN-Sicherheitsrates. (Die LIFG erscheint auf Seite 70 des Berichtes) Nach den Bestimmungen des UN-Sicherheitsrates werden Terror-Organisationen, die sich aufgelöst haben, in einem entsprechenden Verfahren aus der Liste gestrichen. Die LIFG wurde nicht aus der Liste entfernt. Consolidated List established and maintained by the 1267 Committee with respect to Al-Qaida, Usama bin Laden, and the Taliban and other individuals, groups, undertakings and entities associated with them (Akutaliserte Fassung vom 24. März 2011).

 

Waffenlieferungen und verdeckte Unterstützung für die LIFG-Rebellen

Es gibt Anzeichen dafür, dass CIA und MI-6 weiterhin die Libysche Islamische Kampfgruppe (LIFG), die derzeit an vorderster Front des bewaffneten Aufstandes gegen das Gaddafi-Regime kämpft, verdeckt unterstützen.

Der libysche Rebellenführer Hakim al-Hasidi erklärte, Dschihadisten, die gegen die Soldaten der Allierten im Irak gekämpf hätten, stünden nun im Kampf gegen das Regime Muammar al-Gaddafis an vorderster Front…

Al-Hasisi pochte darauf, seine Kämpfer »sind Patrioten und gute Moslems, keine Terroristen«, fügte aber hinzu, »Mitglieder von Al-Kaida sind auch gute Moslems und kämpfen gegen die Invasoren«. (Libyan rebel commander admits his fighters have al-Qaeda links, in: Daily Telegraph, 25. März 2011, Hervorhebungen vom Verfasser)

Abdul Hakim al-Hasidi ist einer der Führer der LIFG, die ihre militärische Ausbildung in einem Guerilla-Lager in Afghanistan erhielten. Er leitet die Sicherheitsabteilung der Oppositionsgruppen in einer der von den Aufständischen gehaltenen Regionen und kommandiert etwa 1.000 Kämpfer. (Libyan rebels at pains to distance themselves from extremists, in: The Globe and Mail, 12. März 2011)

Die Koalition aus USA und NATO versorgt die Dschihadisten mit Waffen. Diese Waffen gelangen über Saudi-Arabien, das geschichtlich gesehen seit Beginn des sowjetisch-afghanischen Krieges verdeckt Al-Kaida unterstützt hat, an die LIFG. In Verbindung mit Washington und Brüssel versorgen die Saudis nun die Rebellen mit panzerbrechenden Waffen und Boden-Luft-Raketen.

 

Desinformation der Medien: Islamische Terroristen schließen sich der Demokratiebewegung »als Privatpersonen« an

Admiral James Stavridis, Oberkommandierender der NATO-Streitkräfte in Europa, räumte ein, amerikanische Geheimdienste hätten ein »Aufflackern« terroristischer Aktivitäten unter den Rebellengruppen beobachtet. Dies sei »sehr alarmierend«. Aber man setze sich nicht mit diesem »Aufflackern« auseinander. Die LIFG-Kämpfer bilden das Rückgrat des bewaffneten Aufstandes.

In westlichen Medien zeigte man sich ebenfalls besorgt, stellte aber in den Vordergrund, dass es sich bei den Dschihadisten um »frühere« Mitglieder der LIFG handele, die sich dem bewaffneten Kampf sozusagen als »Privatpersonen« und nicht als Mitglieder einer Terror-Organisation angeschlossen hätten. Benotman erklärte in einem Interview mit dem amerikanischen Fernsehsender CNN:

»›Dutzende frühere LIFG-Kämpfer haben sich jetzt den Bemühungen der Rebellen zum Sturz Gaddafis angeschlossen‹, aber, so betonte er, ›sie haben dies als Privatpersonen und nicht Gruppe getan, die Aktionen organisiert.

Einige westliche Anti-Terror-Experten befürchten, ein langwieriger Bürgerkrieg in Libyen könnte Al-Kaida Einflussmöglichkeiten und Aktionsraum eröffnen. Die Regierungen und die Nichtregierungsorganisationen müssen jetzt rasch handeln‹, erklärte Benotman, ›und in den von den Rebellen gehaltenen Regionen dabei helfen, ein Bildungswesen, ein Gesundheitswesen und demokratische Institutionen aufzubauen‹.« (Paul Cruickshank und Tim Lister, Libyan civil war: An opening for al Qaeda and jihad?, in: CNN, March 23, 2011)

Eine mit Al-Kaida in Verbindung stehende Terrororganisation soll die libysche Demokratiebewegung zu einem Ganzen zusammenbringen? Seit wann handeln Terroristen als »Privatpersonen«? Sowohl die LIFG als Organisation, als auch ihre einzelnen Mitglieder werden vom UN-Sicherheitsrat gemäß Resolution 1267 als Terroristen eingestuft. (The Al-Qaida and Taliban Sanctions Committee - 1267)

 

»Unser Mann in Tripolis«

Mussa Kussa war »unser Mann in Tripolis«. Die Umstände seines Überlaufens sowie seine Zusammenarbeit mit der CIA und dem MI-6 legen nahe, dass er seit zehn Jahren für Interessen der Amerikaner und ihrer Verbündeter tätig ist. Dies schließt auch die Planungen und Vorbereitungen des bewaffneten Aufstandes der Demokratiebewegung in Ostlibyen ein.

Der ehemalige libysche Geheimdienstchef Mussa Kussa war wesentlich daran beteiligt, der LIFG im Interesse seiner westlichen Geheimdienstpartner verdeckte Unterstützung zukommen zu lassen. Der frühere CIA-Direktor George Tenet erklärte in seiner 2007 erschienenen Autobiographie ein, ohne sich allerdings direkt auf »unseren Mann in Tripolis« zu beziehen, der »Abbau der Spannungen mit Libyen [war] einer der größeren Erfolge seiner Amtszeit, da sie zu einer Zusammenarbeit zweier Spionagedienste gegen Al-Kaida führte«. (zitiert nach: Intelligence Partnership between Qadhafi and the CIA on counter-terrorism, op cit)

Ohne Zweifel sind NATO und LIFG Bettgenossen. Das westliche Militärbündnis unterstützt eine Rebellion, die von islamischen Terroristen zusammengehalten wird, und das im Namen des »Kriegs gegen Terrorismus«.

Wer sind nun die Terroristen? Während der Islamische Dschihad von der amerikanischen Regierung als »Bedrohung der westlichen Zivilisation« präsentiert wird, stellen die gleichen islamischen Organisationen wie die Libysche Islamische Kampfgruppe (LIFG) in einer zynischen Verdrehung ein wichtiges Instrument amerikanischer militärgeheimdienstlicher Operationen in Zentralasien, dem Nahen und Mittleren Osten sowie Nordafrika und, nicht zu vergessen, auch in den moslemischen Republiken der früheren Sowjetunion dar.

 

 


 

 

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