Thursday, 28. July 2016
16.02.2011
 
 

Ägypten: Washingtons verdeckte nachrichtendienstliche Operation

Prof. Michel Chossudovsky

Obamas Ägypten-Gesandter Frank G. Wisner II gehört zu einer bekannten CIA-Familie. Er ist der Sohn eines der berüchtigsten Spione, des bereits verstorbenen Frank Gardiner Wisner (1900-1965), der federführend den von der CIA unterstützten Putsch betrieb, der 1953 zum Sturz der iranischen Regierung von Mohammed Mossadegh führte.

Am 31. Januar traf ein geheimnisvoller amerikanischer Gesandter, der frühere amerikanische Diplomat Frank G. Wisner, auf dem Höhepunkt der Proteste zu Gesprächen mit Hosni Mubarak in Kairo ein. Frank G. und Hosni sind seit Anfang der 80er-Jahre des letzten Jahrhunderts, als Frank G. Wisner amerikanischer Botschafter in Ägypten war, eng befreundet.

Auf dem Höhepunkt des Golfkrieges spielte Wisner als Botschafter in den Verhandlungen, die dann zu der Vereinbarung von 1991 führten, eine Schlüsselrolle. In dieser Vereinbarung sagte Ägypten nicht nur zu, sich am Krieg gegen den Irak zu beteiligen, sondern stimmte darüber hinaus einem ganzen Paket makroökonomischer Reformen unter Federführung des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu, die verheerende Folgen nach sich zogen. Die Vereinbarung von 1991 wurde von Washington diktiert und über die amerikanische Botschaft in Kairo umgesetzt.

Frank G. Wisner wurde auf ausdrückliches Drängen von Präsident Obama nach Ägypten entsandt, um »über eine Lösung in Bezug auf die Protestbewegung zu verhandeln«.

Seine Gespräche mit dem ägyptischen Präsidenten dienten der Vorbereitung der Rede Mubaraks am Dienstag, dem 1. Februar, in der Mubarak bestätigte, er werde vor den für den Herbst 2011 geplanten Neuwahlen nicht zurücktreten. In einer öffentlichen Erklärung bestätigte Wisner, dass Mubarak im Amt bleiben sollte. Seine Aufgabe bestand darin, Mubarak aufzufordern, nicht zurückzutreten. Das Weiße Haus erklärte anschließend, diese Aussage reflektiere nicht die amerikanische Politik und stelle eine private Meinungsäußerung dar.

Die Gespräche zwischen Wisner und Mubarak hinter verschlossenen Türen verfolgten nachrichtendienstliche Ziele. Washington hatte keineswegs die Absicht, auf eine Lösung im Sinne der Protestbewegung hinzuarbeiten. Die Priorität lag auf einem Regimewechsel. Wisner sollte Mubarak instruieren, nicht zurückzutreten, was dann eine Atmosphäre des sozialen Chaos und der Unsicherheit schüren würde, ganz zu schweigen von der bewusst in Kauf genommenen Destabilisierung des ägyptischen Finanzsystems, mit der als Folge der Kapitalflucht zu rechnen ist, die sich in Höhe einiger Milliarden Dollar bewegen dürfte.

Frank G. Wisner II. ist beileibe kein amerikanischer Durchschnittsdiplomat. Er entstammt einer bekannten CIA-Familie und ist der Sohn eines der berüchtigsten Spione, des schon verstorbenen Frank Gardiner Wisner (1900-1965). Wisner Senior leitete während des Zweiten Weltkriegs das OSS (Office of Strategic Services) in Südosteuropa. In der Nachkriegszeit war er für zahlreiche geheimdienstliche Operationen verantwortlich, die in vieler Hinsicht die Vorgehensweise der CIA geprägt haben. Zu seinen Verantwortungsbereichen gehörten unter anderem Propaganda, Sabotage und Medien-Desinformation. Er entwickelte und leitete das Projekt Mockingbird (»Spottdrossel«), über das amerikanische wie ausländische Medien infiltriert werden sollten.

1952 wurde Wisner zum Leiter der Plan-Abteilung ernannt. [Der spätere CIA-Chef] Richard Helms war damals sein Operationsleiter. Wisner organisierte später die CIA-Unterstützung des Putsches gegen die iranische Regierung unter Mohammed Mossadegh. Mit dem Sturz Mossadeghs wurde der Weg dafür frei, Mohammed Reza Schah Pahlavi als Schah an die Macht zu bringen – als amerikanisches Marionettenregime.

 

Copyright © 2011 by Michel Chossudovsky, Global Research

 


 

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