
Berichten zufolge hat der amerikanische Erdölkonzern Exxon Mobil, der von Vietnam die Erschließungs- und Förderrechte erworben hatte, beträchtliche Erdgasvorkommen vor der vietnamesischen Küste im Südchinesischen Meer entdeckt.
»Der amerikanische Erdölkonzern Exxon Mobil meldete in einer Pressemitteilung, er habe ›potentiell beträchtliche‹ Erdgasvorkommen vor der vietnamesischen Küste entdeckt: ›Wir können bestätigen, dass das Unternehmen ExxonMobil Exploration and Production Vietnam Ltd. bei seiner zweiten Probebohrung vor der Stadt Da Nang im August 2011 auf Kohlenwasserstoffe gestoßen ist.« (siehe dazu John C.K. Daly, Apocalypse Redux? U.S. Natural Gas Find off Vietnam Could Raise Tensions with China, in Oilprice.com )
In diesem Zusammenhang ist von großer Bedeutung, dass sich diese vorgelagerte Erdgasreserven zwischen der nordvietnamesischen Küste und der chinesischen Insel Hainan in einer Meeresregion
befinden, die zwischen Vietnam und China umstritten ist (siehe Karte unten). Das umstrittene Gebiet besteht aus den Abschnitten 117, 118 und 119, die sich nach Angaben von Hanoi in der von Vietnam nach internationalem Seerecht beanspruchten 370 Kilometer (oder 200 Seemeilen) umfassenden ausschließlichen Wirtschaftszone (auch »wirtschaftliche Sondernutzungszonen« genannt) befinden. (siehe dazu: John C.K. Daly: ebenda.)
Kurz nach dem Exxon-Mobil-Bericht über die Entdeckung reagierte China am 31. Oktober mit der an ausländische Unternehmen gerichteten Warnung, nicht in Regionen »tätig zu werden«, die auch von China beansprucht werden (siehe dazu: China again warns foreign oil firms on South China Sea exploration, in: Reuters, 31. Oktober 2011):
»Wir hoffen, dass sich keine ausländischen Unternehmen in den umstrittenen Gewässern an der Erschließung und Förderung der Erdöl- und Erdgasvorkommen beteiligen, antwortete [der Sprecher des chinesischen Außenministeriums] Hong [Lei] auf die Frage, ob China Exxon auffordern werde, seine Erdöl- und Erdgasverträge mit Vietnam aufzukündigen. Dabei erwähnte er Exxon Mobile namentlich nicht ausdrücklich.
Exxon Mobile hatte von der vietnamesischen Regierung Lizenzen für die Erschließung und Ausbeutung der Abschnitte 117, 118 und 119, die sich vor der Küste Da Nangs befinden, erworben. Diese Abschnitte befinden sich nach Angaben Vietnams in der von Vietnam nach internationalem Seerecht beanspruchten 370 Kilometer (oder 200 Seemeilen) umfassenden ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ), wie die Financial Times in der vergangenen Woche berichtete.
Aber diese Abschnitte gehören auch zu den Regionen des Südchinesischen Meeres, auf die vor allem China, aber auch Brunei, Malaysia, die Philippinen und Taiwan weitgehende Ansprüche erheben. In diesem Teil des Meeres und unter den Spratly-Inseln sowie anderen Atollen sollen sich umfangreiche Erdöl- und Erdgasvorkommen befinden, und die Region gilt darüber hinaus noch als sehr fischreich.
Eine der weitverbreitetsten chinesischen Tageszeitungen, die Global Times, warnte in der vergangenen Woche, Staaten, die sich an den Territorialstreitigkeiten in diesen Gewässern beteiligten, sollten sich ›geistig schon einmal auf das Donnern von Kanonen‹ vorbereiten, wenn sie sich weiter mit China anlegen wollen. Exxon Mobil hatte vor der vietnamesischen Küste umfangreiche Erdgasvorkommen entdeckt.« (siehe dazu: ExxonMobil finds significant gas off Vietnam, in: Energy Delta Institute, 27. Oktober 2011)
Aber hier geht es nicht um einen Streit zwischen Vietnam und China. Vietnam ist kein eigenständiger Akteur. Die Regierung in Hanoi vertritt stellvertretend westliche Erdölinteressen, die chinesischen Interessen in der Region entgegenlaufen. Daher muss man diesen Konflikt zwischen amerikanischen und chinesischen Erdöl- und Erdgasinteressen in den größeren geopolitischen Zusammenhang einordnen.
Dieser sich abzeichnende Zusammenstoß zwischen Washington und Beijing steht in engem Zusammenhang mit dem übergeordneten Streit um Erdölvorkommen im Mittleren Osten und in Zentralasien, wo China wichtige Interessen an Erdöl- und Erdgasvorkommen, aber auch Pipelinerouten aufgebaut hat.
Das Südchinesische Meer ist eine Region potenzieller militärischer Konfrontationen. Es gehört zum Einsatz- und Operationsgebiet der Siebten amerikanischen Flotte, die, eine bittere Ironie, während des Vietnamkriegs eine wichtige Rolle spielte.
Nach dem Vietnamkrieg wurde Vietnam praktisch zu einem Klientelstaat westlicher und japanischer Wirtschaftsinteressen.
Im Juli dieses Jahres veranstaltete die amerikanische Kriegsmarine zusammen mit Japan und Australien umfangreiche Manöver im Südchinesischen Meer und bewegte sich dabei in Meeresregionen, die an die umstrittenen Abschnitte grenzen, für die jetzt die Erschließungs- und Förderkonzessionen erteilt wurden. Auf dieses Manöver folgten im August gemeinsame amerikanisch-vietnamesische Marineübungen, die in Beijing als mehr oder weniger unverhüllte Drohungen gegenüber China gewertet wurden.

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