Wednesday, 29. June 2016
10.11.2011
 
 

Gefälschte Geheimdienstinformationen sollen Krieg gegen Iran legitimieren

Prof. Michel Chossudovsky

Im November 2005 veröffentlichte die New York Times einen Bericht von William J. Broad und David E. Sanger mit der Überschrift USA stützen ihre Beweise für die tatsächlichen Ziele des iranischen Nuklearprogramms auf Computer. Die von Washington erhobenen Vorwürfe, auf die sich die New York Times bezog, stützten sich auf Dokumente, die »sich auf einem iranischen Computer befanden, der von einem Unbekannten im Jahr 2004 gestohlen und dann amerikanischen Nachrichtendiensten übergeben worden war«.

Zu diesen Dokumenten gehörte »eine Reihe von Plänen und Zeichnungen einer Rakete mit Wiedereintrittskörpern«, die angeblich mit vom Iran hergestellten nuklearen Gefechtsköpfen bestückt werden könnte (siehe dazu Gareth Porter, »Exclusive Report: Evidence of Iran Nuclear Weapons Program May Be Fraudulent«, in: Global Research, 18. November 2010, Hervorhebungen vom Verfasser):

 

»Mitte Juli bestellten hochrangige amerikanische Geheimdienstoffiziere führende Vertreter der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA auf das Dach eines Hochhauses in Wien mit Blick über die Donau und informierten die IAEA-Vertreter über den Inhalt des angeblich gestohlenen iranischen Notebooks.

Die Amerikaner machten Computerbildschirme an und breiteten auf einem Konferenztisch eine Auswahl der mehr als tausend Seiten umfassenden Computersimulationen und Experimentberichte aus, die nach Angaben der anwesenden etwa sechs europäischen und amerikanischen Teilnehmer des Treffens die langandauernden Arbeiten an der Konstruktion nuklearer Gefechtsköpfe zeigten.

Wie die Amerikaner von Anfang an einräumten, bewiesen diese Dokumente nicht, dass der Iran bereits über eine Atombombe verfüge. Sie hielten sie aber für die bisher deutlichsten Beweise dafür, dass der Iran entgegen seine Beteuerungen, sein Atomprogramm diene nur friedlichen Zwecken, daran arbeite, einen kompakten Gefechtskopf zu entwickeln, der auf seine Schabab-Rakete passe, deren Reichweite Israel und andere Länder des Nahen und Mittleren Ostens einschließe.« (William J. Broad und David E. Sanger, »Relying on Computer, U.S. Seeks to Prove Iran's Nuclear Aims«, in: New York Times, 13. November 2005, Hervorhebungen vom Verfasser)

 

Diese »Geheimdokumente« wurden dann vom amerikanischen Außenministerium umgehend an die Internationale Atomenergiebehörde IAEA übergeben, um zu beweisen, dass der Iran Nuklearwaffen entwickle.

Die Authentizität dieser Dokumente wurde verschiedentlich bestritten, und erst vor Kurzem bestätigte ein Artikel des investigativen Journalisten Gareth Porter zweifelsfrei, dass die Dokumente auf dem mysteriösen Notebook eine Fälschung darstellen. Die Zeichnungen in den Dokumenten stehen in keinem Zusammenhang mit den Schahab-Raketen, sondern beziehen sich auf ein veraltetes nordkoreanisches Raketensystem, was vom Iran bereits Mitte der 70er-Jahre ausgemustert wurde.

Ein dummer und peinlicher Schnitzer! Die Zeichnungen, die Vertreter des US-Außenministeriums vorlegten, bezogen sich auf den falschen Gefechtskopf:

 

»Im Jahr 2005 […] legte der im US-Außenministerium für Abrüstungsfragen und internationale Sicherheit zuständige Staatssekretär Robert Joseph in einem Vortrag die Dokumente zum angeblichen iranischen Kernwaffenprogramm führenden IEAE-Vertretern in Wien vor. Auf der Leinwand zeigte er Auszüge aus den Dokumenten und hob besonders eine Reihe technischer Zeichnungen oder schematischer Darstellungen hervor, die 18 unterschiedliche Verankerungs- und Befestigungsmöglichkeiten einer nichtgenannten Nutzlast in dem Wiedereintrittskörper oder ›Gefechtskopf‹ der iranischen Mittelstreckenrakete Schabab-3 zeigten.

Aber als die IAEA-Analysten die Dokumenten genauer untersuchen konnten, stellten sie fest, dass sich die Zeichnungen und Darstellungen auf einen Wiedereintrittskörper bezogen, von dem sie wussten, dass das iranische Militär ihn bereits zugunsten eines neuen, verbesserten Designs aufgegeben hatten. Die Gefechtsköpfe in den Zeichnungen wiesen die vertraute Narrenkappe der ursprünglich nordkoreanischen No-dong-Rakete auf, die der Iran Mitte der 90er-Jahre erworben hatte. […]

Die Dokumente in dem Notebook hatten die überarbeiteten Entwicklungsstudien der falschen Wiedereintrittskörper beschrieben […].« (Gareth Porter, a.a.O.)

 

Wer steckte hinter dieser Manipulation der »Geheiminformationen«? Gareth vermutet als Urheber dieser Fälschungen zum angeblichen Nuklearwaffenprogramm des Iran den israelischen Geheimdienst Mossad:

 

»Möglicherweise wird die Herkunft der Notebook-Dokumente niemals schlüssig nachgewiesen werden können, aber die vorhandenen Hinweise weisen in Richtung Israel als Urheber. Bereits 1955 versuchte der Leiter der Abteilung Forschungs- und Bewertungsabteilung des israelischen Militärgeheimdienstes, Yaakov Amidror, erfolglos die Amerikaner davon zu überzeugen, dass der Iran an Atomwaffen arbeite. Und in den Jahren 2003–2004 wurden die Berichte des Mossad zum iranischen Atomprogramm von hochrangigen amerikanischen CIA-Vertretern als Versuch gewertet, die Regierung Bush zu einem Militärschlag gegen iranische Nukleareinrichtungen zu drängen, wie israelische Quellen berichten, die von einer proisraelischen Nachrichtenagentur zitiert wurden.« (Gareth Porter, ebenda)

 

 

Lügen und Manipulationen als Begründung von Kriegsplänen

Diese Notebook-Dokumente spielten bei der Untermauerung der amerikanischen Position im US-Sicherheitsrat eine entscheidende Rolle.

Wir haben es hier mit einem klaren Fall von gefälschten Geheimdienstinformationen zu tun, der fatal an die Vorgehensweise des damaligen amerikanischen Außenministers Colin Powell im Februar 2003 im Zusammenhang mit den angeblichen irakischen Massenvernichtungswaffen erinnert. Die gefälschten Geheimdienstinformationen dienten damals der Rechtfertigung der Irak-Invasion im März 2003.

 

»Die Beweise, oder vielmehr ihr Fehlen, sprechen für sich selbst. In den Monaten vor dem Irak-Einmarsch hatte die Regierung Bush sowohl dem Kongress als auch den Vereinten Nationen Hunderte Seiten an Geheimdienstinformationen vorgelegt, die beweisen sollten, dass der irakische Präsident Saddam Hussein tonnenweise über chemische und biologische Waffen verfüge und zudem ein Kernwaffenprogramm vorantreibe.

Diese Geheimdienstinformationen, die von der CIA und dem Militärgeheimdienst DIA, einer Behörde des Verteidigungsministeriums, die ausländische Geheimdienstinformationen für das Pentagon auswertet, gesammelt worden waren, wurden von der Regierung Bush dazu benutzt, die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass der Irak eine Bedrohung der weltweiten Sicherheit darstelle.« (siehe dazu: Jason Leopold, »Powell Denies Intelligence Failure In Buildup To War, But Evidence Doesn’t Hold Up«, in: Global Research, 10. Juni 2003)

 

 


 

 

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