Saturday, 2. July 2016
29.04.2012
 
 

Lange geplant: War Libyen-Einsatz Beginn des Dritten Weltkriegs?

Prof. Michel Chossudovsky

Der Krieg gegen Libyen begann wenige Tage nach der Katastrophe von Fukushima. Er war Teil umfassender militärischer US-Planungen im Nahen und Mittleren Osten und Zentralasiens. Den wenigsten dürfte bekannt sein, dass ein kompromissloser Krieg gegen das Gaddafi-Regime  bereits mehr als 20 Jahre lang von den Strategieplanern des Pentagon angedacht worden war. Wie passt der Krieg gegen Libyen in die breitangelegten Militärplanungen der USA und der NATO? Und welche Rolle spielt der Plan des immer noch möglichen Einsatzes von Kernwaffen?

Bis vor Kurzem ließen sich folgende drei Konfliktgebiete für die USA unterscheiden: Afghanistan und Pakistan (der sogenannte AfPak-Krieg), der Irak und Palästina. Zu den genannten Kriegsschauplätzen ist ein vierter in Nordafrika hinzu gekommen. Diese Entwicklung birgt die Gefahr einer militärischen Eskalation in einem geografisch enorm ausgedehnten Gebiet.

Diese vier Kriegsschauplätze stehen in einem inneren Zusammenhang. Sie sind Teil einer großangelegten Konfliktregion, die sich von Nordafrika über den Nahen und Mittleren Osten unter Einschluss eines großen Teils des Mittelmeerraums erstreckt und Afghanistan und Nord-Pakistan einschließt, die im Osten an China angrenzen. Entfaltet sich hier ein Szenario für einen Dritten Weltkrieg? Wurde über den Einsatz von Kernwaffen in Nordafrika nachgedacht?

Was die Nukleardoktrin angeht, so lässt sich die Vorstellung eines von den USA geführten oder unterstützten präemptiven Nuklearschlags auf einige Länder oder so genannte »Schurkenstaaten«,

zu denen auch Libyen gerechnet wird, anwenden. Ein Präemptivschlag ist sozusagen eine »antizipierende Selbstverteidigung«; im Unterschied zum Präventivkrieg muss bei einem Präemptivschlag keine vorherige Aggression stattgefunden haben oder nachweisbar bevorstehen.

 

Ein kompromissloser Krieg gegen das Gaddafi-Regime wurde bereits mehr als 20 Jahre lang von den Strategieplanern des Pentagons angedacht. Darüber hinaus war Libyen das erste Land, das für einen Präemptivschlag unter Einsatz taktischer Nuklearwaffen vorgesehen war.

Der Plan der Regierung Clinton, Libyen nuklear anzugreifen, kam in aller Offenheit auf einer Pressekonferenz des US-Verteidigungsministeriums im Jahr 1996 zur Sprache: Die Luftwaffe würde die bunkerbrechende Atombombe B61 Modell 11 gegen die vermuteten libyschen in unterirdischen Bunkern befindlichen Chemiewaffenfabriken bei Tarhunah einsetzen, wenn der Präsident entscheidet, dass die Fabrik zerstört werden müsse: »Wir können Tarhunah nicht mit konventionellen Waffen ausschalten«, erklärte der Staatssekretär im Verteidigungsministerium Harold P. Smith gegenüber Associated Press. Die B61-11 wäre »die Waffe der Wahl«, sagte er gegenüber Jane’s Defence Weekly.

In einer Erklärung vor dem Senatsausschuss für auswärtige Angelegenheiten hatte Clintons Verteidigungsminister William Perry bestätigt, dass »sich die USA gegenüber Ländern [wie zum Beispiel Libyen], die über chemische und biologische Waffen verfügen, den Einsatz von Kernwaffen offenhalten«.

Das Verteidigungsministerium suchte nach einer kurzfristigen Möglichkeit, die B61-11 in einem wirklichen Land zu »testen«, und dieses Land sollte Libyen sein: »Noch bevor die B61-11 produziert wurde, war Libyen als potenzielles Ziel auserkoren worden.«

Als sich dieser Plan zur Bombardierung Libyens aus dem Jahr 1996 nicht umsetzen ließ, wurde das Land dennoch nicht von der »schwarzen Liste« möglicher Ziele gestrichen: Bis zum heutigen Tag bleibt Libyen potenzielles Ziel eines präemptiven (»defensiven«) Nuklearschlags. Wie William Arkin Anfang 2002 enthüllte, »hatte die Regierung Bush in einem Geheimpapier … das Pentagon angewiesen, Eingreifpläne für den Einsatz von Kernwaffen gegen mindestens sieben Länder auszuarbeiten. Zu diesen Ländern gehörten neben Russland und der Achse des Bösen – dem Irak, dem Iran und Nordkorea – auch China, Libyen und Syrien.«

 

Operation Odyssey Dawn – Nuklearwaffen gegen Libyen?

Wie real ist diese Gefahr? Wurde das Vorhaben, Libyen mit Nuklearwaffen anzugreifen, endgültig zu den Akten gelegt oder wird Libyen immer noch als potenzielles Ziel eines nuklearen Angriffs in Betracht gezogen? Die Luftangriffe auf Libyen begannen am 19. März 2011. Amerika setzte dazu seinen fledermausartig geformten Tarnkappenbomber B-2 Spirit ein, der vom Luftwaffenstützpunkt Whiteman im US-Bundesstaat Missouri aus startete. Der als »tödlich und effektiv« beschriebene B-2 wurde für »humanitäre Kriegsführung« eingesetzt.

Knapp zwei Wochen nach Beginn der Kampfhandlungen kündigte das Pentagon Tests der Atombombe B61-11 an, bei denen die gleichen Tarnkappenbomber vom Typ B-2 zum Einsatz kommen sollten, die seit Beginn des Kriegs in Libyen im Rahmen der Operation Odyssey Dawn eingesetzt wurden. Der Tarnkappenbomber B-2 Spirit ist von der amerikanischen Luftwaffe als das »Trägerflugzeug« der Atombombe B61-11 ausgewählt worden. Diese zeitlich so trefflich passenden Tests betrafen die eingebaute Ausrüstung und die Funktionalität der Waffenkomponenten der B61-11. Die Tests wurden von B-2-Bombern durchgeführt, die vom gleichen Luftwaffenstützpunkt aus starteten,  von dem aus auch die Luftangriffe der B-2 in Libyen erfolgten.

Steht der Zeitpunkt dieser Tests in irgendeinem Zusammenhang zur zeitlichen Abfolge der Luftangriffe auf Libyen? Das Global Strike Command der amerikanischen Luftwaffe (AFG- SC), das für den der Luftwaffe unterstellten Teil der US-Atomstreitkräfte zuständig ist, war sowohl für den JTA-Funktionstest (Joint Test Assembly) als auch für den Einsatz der drei Tarnkappenbomber vom Typ B-2 Spirit am 19. März in Libyen im Rahmen der Operation Odyssey Dawn verantwortlich. Sowohl der Einsatz der B-2-Bomber auf dem libyschen Kriegsschauplatz als auch die Ausrüstungsfunktionstests der B61-11 wurden vom Luftwaffenstützpunkt Whiteman aus koordiniert.

 

Amerikas langer Krieg: die weltweiten Militärpläne

Die USA haben ein militärisches Abenteuer, einen »langen Krieg«, begonnen, der die Zukunft der gesamten Menschheit gefährdet. Die ersten beiden Kapitel dieses Buches setzen sich mit dem »Todes- und Zerstörungskult« auseinander, der dieser weltweiten militärischen Agenda zugrunde liegt.

Die Massenvernichtungswaffen der USA und der NATO werden oft als »Friedensinstrumente« dargestellt. Miniatombomben, hier speziell die Mini-Nukes (Kernwaffen mit einer Sprengkraft von unter fünf Kilotonnen TNT-Äquivalent) sollen für die »sich in der Nähe aufhaltende Zivilbevölkerung harmlos« sein. Präemptive Nuklearschläge werden als »humanitäre Maßnahmen« bezeichnet.

Nuklearkrieg ist zu einem milliardenschweren Geschäft geworden, mit dem sich die Vertragsunternehmen des amerikanischen Verteidigungsministeriums die Taschen füllen. Es besteht die Gefahr der »Privatisierung des Atomkriegs«. Die amerikanische Nukleardoktrin steht in einem engen Zusammenhang mit »Amerikas Krieg gegen den Terror« und der angeblichen Bedrohung durch al-Qaida, die in einer bitteren Ironie als kommende Kernwaffenmacht gesehen wird. Die Regierung Obama behauptet, islamische Terroristen bereiteten Anschläge auf amerikanische Städte vor. Die Weiterverbreitung von Kernwaffen wird stillschweigend mit »Nuklearterrorismus« gleichgesetzt.

Die Nukleardoktrin Obamas betont besonders die Gefahr des »Nuklearterrorismus« und der angeblichen Pläne al-Qaidas, Kernwaffen zu entwickeln und einzusetzen.

Der »weltweite Krieg gegen den Terrorismus« macht die Jagd auf Terroristen mit den modernsten Waffensystemen erforderlich. Die amerikanische Außenpolitik hält mit fast religiöser Inbrunst am Konzept eines präemptiven Kreuzzugs gegen das Böse fest, der von den wirklichen Motiven der Militäraktionen ablenken soll. Nach dem verinnerlichten Selbstverständnis der Amerikaner rechtfertigen die Anschläge vom 11. September 2001 das kriegerische Vorgehen gegen und die Eroberung und Besetzung von »Bösewichten und bösen Mächten«.

Der weltweite Krieg gegen den Terror wird als »Kampf der Kulturen«, als Krieg zwischen rivalisierenden Werten und Religionen dargestellt, während es sich in Wirklichkeit um einen regelrechten Eroberungskrieg handelt, der von strategischen und wirtschaftlichen Zielen bestimmt wird. Die Lügen im Zusammenhang mit den Ereignissen vom 11. September sind bekannt und gut dokumentiert. Die Bereitschaft der amerikanischen Bevölkerung, diesen Kreuzzug gegen das Böse zu akzeptieren, gründet sich nicht auf ein auf Vernunft beruhendes Verständnis oder eine Analyse der Tatsachen.

Die »amerikanische Inquisition« will die Einflusssphäre der Vereinigten Staaten ausweiten. Militärisches Eingreifen wird als Teil eines internationalen Vorgehens gegen »islamische Terroristen« gerechtfertigt. Aber seine wirklichen Absichten, die in den Medien nie erwähnt werden, sind territoriale Eroberungen und die Kontrolle strategischer Rohstoffe. In einer bitteren Ironie werden diese Eroberungspläne im Rahmen des weltweiten Kriegs gegen den Terrorismus oft durch die verdeckte Unterstützung islamischer paramilitärischer Verbände instrumentalisiert, die dann dazu eingesetzt werden, unliebsame Regierungen zu destabilisieren und westliche Standards der »Regierungsführung« und »Demokratie« durchzusetzen.

 

 

Auszüge aus dem neu erschienenen Buch Das Szenario eines Dritten Weltkriegs von Michel Chossudovsky

 

 


 

 

 

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