Thursday, 23. February 2012
07.01.2012
 

Vorbereitungen auf Atomschlag gegen Iran: »Keine Option ist vom Tisch« (1)

Prof. Michel Chossudovsky

Weitgehend unbeachtet von amerikanischen Medien ist Präsident Barack Obama am 16. Dezember privat  und hinter verschlossenen Türen mit dem israelischen Verteidigungsminister Ehud Barak zusammengetroffen. Das Treffen fand am Stadtrand von Washington im Hotel Gaylord in National Harbor im US-Bundesstaat Maryland im Rahmen einer Tagung der amerikanischen Union zur Reform des Judaismus (URJ) statt. Die Bedeutung dieses zeitlich passenden privaten Treffens darf keinesfalls unterschätzt werden. Berichte legen nahe, dass auf dem Treffen zwischen Barack und Barak vor allem über einen amerikanisch-israelischen Angriff auf den Iran gesprochen wurde.

In der israelischen Tageszeitung Haaretz erklärte der politische Analyst Amir Oren, auf diesem Treffen sei Israel möglicherweise »grünes Licht« für einen offenen Krieg gegen den Iran gegeben worden:

»Möglicherweise wird dieses halbstündige Gespräch vom vergangenen Freitag zwischen US-Präsident Barack Obama und Verteidigungsminister Ehud Barak im Hotel Gaylord in National Harbor in Maryland in die israelische Geschichte als der Moment eingehen, in dem Barack O. E. Barak grünes Lichtzum Guten oder Schlechtenfür einen Angriff auf den Iran gegeben hat … Geht es hier möglicherweise um eine Art Rückblende und Wiederholung des Treffens zwischen Verteidigungsminister Ariel Scharon und dem amerikanischen Außenminister Alexander Haig im Mai 1982, das in Israel fälschlicherweise den Eindruck erweckte, als hätten die USA dem Angriffskrieg gegen den Libanon zugestimmt? …« (»No sign U.S. has given Israel green light to strike Iran« – Haaretz Daily Newspaper | Israel News)

Nach diesem privaten Treffen versicherte Obama in seiner Rede vor der halbjährlichen Vollversammlung der URJ, »die Zusammenarbeit zwischen unseren Streitkräften [und Geheimdiensten] war noch nie so eng«. Der Präsident unterstrich, der Iran »stellt eine Bedrohung der Sicherheit Israels, der Vereinigten Staaten und der Welt insgesamt dar … Und deshalb ist unsere Politik absolut eindeutig: Wir sind entschlossen, zu verhindern, dass der Iran in den Besitz von Atomwaffen kommt. Und darum haben wir die bisher umfassendsten und härtesten Sanktionen

gegen das iranische Regime beschlossen Und deshalb können Sie versichert sein, dass wir keine Option ausschließen.« (Eine schriftliche Fassung und ein Video der Rede Obamas auf dem URJ-Treffen vom 16. Dezember 2011 finden Sie hier, Hervorhebungen vom Verfasser)

 

Droht ein »koordinierter« amerikanisch-israelischer Angriff auf den Iran?

 

In den vergangenen Wochen waren die amerikanischen Boulevardmedien mit Erklärungen [der amerikanischen Außenministerin] Hillary Clinton und Verteidigungsminister Leon Panettas vollgepflastert, alle Optionen stünden offen. Aber Panetta gab auch zu verstehen, Israel solle nicht im Alleingang gegen den Iran vorgehen und betonte, »jede israelische Militäroperation gegen den Iran muss mit den USA angesprochen sein und darf nur mit deren Zustimmung erfolgen«. (Panettas Erklärung im Saban-Zentrum vom 2. Dezember, zitiert nach: »U.S. Defense Secretary: Iran could get nuclear bomb within a year« – in: Haaretz, 11. Dezember 2011., Hervorhebungen vom Verfasser)

 

Die Gefahr eines Atomkriegs gegen den Iran

Die Erklärung, man ließe sich alle Optionen offen, deutet darauf hin, dass die USA nicht nur einen Angriff auf den Iran ins Auge fassen, sondern dass bei diesem Angriff auch taktische bunkerbrechende Atomwaffen, deren Sprengkraft zwischen einem Drittel und dem Sechsfachen der Hiroshima-Bombe [etwa 13 Kilotonnen TNT] beträgt, eingesetzt werden könnten. Mit zynischer Ironie wird der Einsatz dieser »humanitären«, »friedensschaffenden« Atombomben, die nach Auffassung im Sold des Pentagon stehender Wissenschaftler »für die in der näheren Umgebung lebenden Zivilisten harmlos sind«, gegen den Iran als Vergeltung und Strafe für sein nicht existentes Atomwaffenprogramm in Erwägung gezogen.

 

Während der Iran nicht über Atomwaffen verfügt, sind – was nur selten erwähnt wird – in fünf Staaten, die offiziell nicht als »Atommächte« gelten, nämlich in Deutschland [man vermutete zum Beispiel, dass etwa 20 Bomben auf dem Fliegerhorst Büchel beim Jagdbombergeschwader 33 gelagert sind], Belgien, den Niederlanden, Italien und der Türkei – auf verschiedenen Stützpunkten sind amerikanische taktische Atomwaffen stationiert. Dieses Atomwaffenarsenal ist für den Einsatz gegen den Iran vorgesehen.

 

Die Lagerung und der Einsatz taktischer Atomwaffen vom Typ B61 (Mod 11) sind für Ziele im Nahen und Mittleren Osten gedacht. In Übereinstimmung mit den »NATO-Angriffsplänen« könnten diese bunkerbrechenden Atomwaffen »gegen Ziele in Russland oder Länder im Nahen und Mittleren Osten wie Syrien und den Iran« eingesetzt werden (zitiert nach National Resources Defense Council, Nuclear Weapons in Europe, Februar 2005, Hervorhebungen vom Verfasser).

 

Während diese heimlichen Atommächte gelegentlich Teheran vorwerfen, Atomwaffen zu entwickeln, ohne dafür allerdings stichhaltige Beweise vorzulegen, verfügen sie selbst über die Möglichkeiten zum Abschuss nuklearer Gefechtsköpfe auf den Iran, Syrien und Russland (siehe dazu Michel Chossudovsky, »Europe’s Five ›Undeclared Nuclear Weapons States‹«, in: Global Research, 12. Februar 2010).

 

Israelische Atomwaffen sind gegen den Iran gerichtet, es existiert eine gemeinsame amerikanisch-israelische »Koordination« des Atomwaffeneinsatzes. Im Gegensatz zum Iran stellt Israel tatsächlich eine Gefahr für die weltweite Sicherheit dar. Israel verfügt über 100 bis 200 strategische nukleare Gefechtsköpfe, die sich gegen den Iran richten. Bereits 2003 bestätigten Washington und Tel Aviv, dass sie »bei der Entwicklung von aus amerikanischer Produktion stammenden Harpoon-Marschflugkörpern mit nuklear bestückbaren Gefechtsköpfen für die U-Boote der Dolphin-Klasse der israelischen Marine zusammenarbeiten«. (The Observer, 12. Oktober 2003)

 

Der russische General Leonid Ivashov schrieb dazu:

»Militär- und politische Kreise in Israel haben in aller Offenheit seit Oktober 2006 über die Möglichkeit eines nuklearen Raketenangriffs auf den Iran nachgedacht. Damals wurde diese Möglichkeit sofort von Präsident G. Bush unterstützt. Heute [2007] wird sie in Form einerUnumgänglichkeiteines Angriffs mit Atomwaffen vorgebracht. Die Öffentlichkeit soll glauben gemacht werden, dass eine solche Möglichkeit nichts Schreckliches aufweist, sondern ein Atomschlag im Gegenteil durchaus machbar ist. Angeblich gebe es keinen anderen Weg, den Iran zu ›stoppen‹.« (General Leonid Ivashov, »Iran Must Get Ready to Repel a Nuclear Attack«, in: Global Research, Januar 2007, Hervorhebungen vom Verfasser)

Interessanterweise hatte der amerikanische Vizepräsident Dick Cheney bereits zu Beginn der zweiten Amtszeit Bushs unverhohlen darauf hingewiesen, dass der Iran aus Sicht der USA »ganz oben auf der Liste« der Schurkenstaaten stehe, und Israel sozusagen »die Bombardierung für uns übernehmen« würde, ohne dass sich die USA militärisch beteiligen oder dazu Druck auf Israel ausüben müssten.

In diesem Zusammenhang hat der amerikanische Historiker und politische Kenner Michael Carmichael auf die Integration und Koordination der militärischen Entscheidungsprozesse zwischen den USA und Israel in Bezug auf den Einsatz von Atomwaffen hingewiesen:

 

»Anstelle eines direkten amerikanischen Atomschlages gegenharte Zieleist Israel die Aufgabe übertragen worden, ein koordiniertes Bündel nuklearer Angriffe auf die kerntechnischen Anlagen in den iranischen Städten Natanz, Isfahan und Arak durchzuführen.« (Michael Carmichael, in: Global Research, Januar 2007)

 

»Alle Option stehen offen«: Was bedeutet das im Zusammenhang mit militärischen Planungen? Die Regeln und Richtlinien der amerikanischen Streitkräfte, die den Einsatz von Atomwaffen betreffen, wurden »liberalisiert«, das heißt im Vergleich zu den Bestimmungen, die in der Zeit des Kalten Krieges galten, dereguliert. Die Entscheidung, gegen Iran taktische Nuklearwaffen einzusetzen, liegt nicht länger in den Händen des Oberkommandierenden, also in diesem Falle Präsident Barack Obamas, sondern ist eine rein militärische Entscheidung. Entsprechend dieser neuen Doktrin sollen das Kommando, die Kontrolle und die Koordination (CCC) hinsichtlich des Einsatzes von Atomwaffen »flexibel« erfolgen, und den Regionalkommandeuren die Entscheidung überlassen werden, ob und wann Kernwaffen zum Einsatz kommen.

 

Diese neue Nukleardoktrin (DJNO, Doktrin für gemeinsame nukleare Operationen) vom März 2005, die in Washington auch als Joint Publication 3-12 bekannt ist, fordert, man müsse »konventionelle und nukleare Angriffe« einem vereinigten und »zusammengefassten« Kommando und entsprechender Kontrolle (C2) unterstellen. In diesem Dokument werden Kriegsplanungen im Wesentlichen als die Leitung von Entscheidungsprozessen dargestellt, bei denen es darum geht, militärische und strategische Ziele mithilfe unterschiedlicher Instrumente zu erreichen, wobei der als Folge auftretende Verlust an Menschenleben nur eine untergeordnete Rolle spielt.

 

Das bedeutet nichts anderes, als dass im Falle eines Angriffs auf den Iran taktische Kernwaffen integraler Bestandteil des Waffenarsenals sein werden.

 

Vom Standpunkt militärischer Entscheidungsfindungsprozesse aus bedeutet das Konzept »Alle Optionen sind offen«, dass das Militär die Entscheidung über den »effizientesten Einsatz von Gewalt« treffen wird. In diesem Zusammenhang gehören nukleare und konventionelle Waffen, wie es das Pentagon nennt, zum »Werkzugkasten«, aus dem sich dann die Kommandeure die Mittel aussuchen können, die sie unter den jeweiligen Bedingungen ihres Kriegsschauplatzes für geboten halten. (Siehe dazu auch Michel Chossudovsky, »Is the Bush Administration Planning a Nuclear Holocaust?«, in: Global Research, 22. Februar 2006)

 

»Sobald die Entscheidung für den Beginn einer militärischen Operation einmal gefallen ist (zum Beispiel: Luftangriffe gegen den Iran), haben die Kommandeure des jeweiligen Kriegsschauplatzes einen erheblichen Ermessensspielraum. Dies bedeutet praktisch, dass, sobald die grundsätzliche Entscheidung des Präsidenten gefallen ist, USSTRATCOM in Absprache mit den Kommandeuren vor Ort über die Ziele und die zum Einsatz kommenden Waffen entscheiden kann. Gelagerte taktische Atomwaffen werden nun als integraler Bestandteil des Waffenarsenals auf dem Schlachtfeld angesehen. Mit anderen Worten: Atomwaffen sind nunmehr normaler Bestandteil des ›Werkzeugkoffers‹, auf  die man auf einem konventionellen Kriegsschauplatz zurückgreifen kann.« (Michel Chossudovsky, »Targeting Iran, Is the US Administration Planning a Nuclear Holocaust«, in: Global Research, Februar 2006, Hervorhebungen vom Verfasser)

 

 

 

Fortsetzung im zweiten Teil...

 

 

 


 

 

 

Interesse an mehr Hintergrundinformationen?

 

Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen der Macht – und erfahren Sie, was die Massenmedien Ihnen verschweigen!

 

Lesen Sie weitere brisante Informationen im neuen KOPP Exklusiv. KOPP Exklusiv wird grundsätzlich nicht an die Presse verschickt und dient ausschließlich zu Ihrer persönlichen Information. Jede Ausgabe ist gründlich recherchiert, im Klartext geschrieben und setzt Maßstäbe für einen kritischen Informationsdienst, der nur unter ausgewählten Lesern zirkuliert und nur im Abonnement zu beziehen ist.

 

In der aktuellen Ausgabe finden sie unabhängige Hintergrundinformationen unter anderem zu folgenden Themen:

  • Welche Geldanlagen beim Euro-Crash noch sicher sind
  • Fettiges Gold: 350 Euro für 500 Gramm Butter
  • Meeresfrüchte mit DNA-Barcode
  • EU fordert Kühlschrankkontrollen und andere Absurditäten

 

 

Das alles und viele weitere Kurzberichte im neuen KOPP Exklusiv, fordern Sie noch heute Ihr Probeabonnement an!

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

Weltkrieg? Wie westliche Mächte und Medien in Russland die nächste Revolution inszenieren

Redaktion

Russland und der Welt stehen gefährliche Zeiten bevor. Die schweren Umwälzungen, die nach dem sogenannten »Arabischen Frühling« funktionierende Länder wie Ägypten, Tunesien und Libyen inzwischen völlig destabilisiert haben, könnten jetzt bald auch Moskau ereilen. Die Massenproteste der letzten Wochen, vor allem in der Hauptstadt und in Sankt  mehr …

Syrien: Wie westliche Medien einen Dritten Weltkrieg entfachen

Eva Herman

Ein unverantwortliches Kapitel der Pressegeschichte wird derzeit von fast allen deutschen und internationalen Medien über Syrien geschrieben. Es ist ein Kapitel mit politischen Auswirkungen, mit weltpolitischen Dimensionen. Es sind ganz ähnliche Mechanismen, wie jene, die bereits den Irak-krieg und den Libyenkrieg auslösten und nun auch den Iran  mehr …

Droht Dritter Weltkrieg? Russlands Präsident Medwedew warnt in TV-Ansprache vor dringenden Nuklear-Gefahren.

Redaktion

Der russische Präsident Dmitri Medwedew hat sich letzte Woche in einer sehr ernsten Fernsehansprache zum Thema Raketenabwehr an die russische Bevölkerung gewandt. Am 23. November gab Medwedew Befehle bekannt, die er offenbar bereits an das Militär erlassen hat. Seine Rede ist ein beunruhigendes Zeugnis über die tatsächlich drohende Gefahr für die  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Syrien: Wie westliche Medien einen Dritten Weltkrieg entfachen

Eva Herman

Ein unverantwortliches Kapitel der Pressegeschichte wird derzeit von fast allen deutschen und internationalen Medien über Syrien geschrieben. Es ist ein Kapitel mit politischen Auswirkungen, mit weltpolitischen Dimensionen. Es sind ganz ähnliche Mechanismen, wie jene, die bereits den Irak-krieg und den Libyenkrieg auslösten und nun auch den Iran  mehr …

Merkels Märchenstunde: So belügt die Bundesregierung die Bevölkerung

Udo Ulfkotte

Die Bundeskanzlerin hat die deutschen Medien dazu aufgefordert, die Bevölkerung nicht über die wahre Lage und über den bevorstehenden Crash zu unterrichten. Das ist unstrittig und wurde mittlerweile sogar von Systemmedien am Rande erwähnt. Eine nachfolgende Generation wird uns allerdings einmal fragen, warum die Bevölkerung die daraus reultierende  mehr …

Droht Dritter Weltkrieg? Russlands Präsident Medwedew warnt in TV-Ansprache vor dringenden Nuklear-Gefahren.

Redaktion

Der russische Präsident Dmitri Medwedew hat sich letzte Woche in einer sehr ernsten Fernsehansprache zum Thema Raketenabwehr an die russische Bevölkerung gewandt. Am 23. November gab Medwedew Befehle bekannt, die er offenbar bereits an das Militär erlassen hat. Seine Rede ist ein beunruhigendes Zeugnis über die tatsächlich drohende Gefahr für die  mehr …

Weltkrieg? Wie westliche Mächte und Medien in Russland die nächste Revolution inszenieren

Redaktion

Russland und der Welt stehen gefährliche Zeiten bevor. Die schweren Umwälzungen, die nach dem sogenannten »Arabischen Frühling« funktionierende Länder wie Ägypten, Tunesien und Libyen inzwischen völlig destabilisiert haben, könnten jetzt bald auch Moskau ereilen. Die Massenproteste der letzten Wochen, vor allem in der Hauptstadt und in Sankt  mehr …

Russland und China halten gemeinsame Militärmanöver ab

F. William Engdahl

Seit dem Ende des Kalten Krieges Anfang der 1990er-Jahre war es das unausgesprochene Ziel der US-Außenpolitik, jedwede engere wirtschaftliche und vor allem militärische Kooperation zwischen den großen Staaten auf dem eurasischen Kontinente zu verhindern – das galt vor allem für Russland und China. Die Ironie der Geschichte: Gerade wegen der  mehr …

Aktuelle Videos

  • Webster Tarpley: Mubaraks Sturz aufgrund seines Ungehorsams gegenüber Kriegszielen von USA und Israel gegen den Iran
  • Ex-Botschafter Israels ermuntert Deutschland zu mehr Selbstbewusstsein

Werbung

Newsletter – Jetzt kostenlos anfordern

E-Mail-Adresse

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.