Friday, 27. May 2016
20.02.2016
 
 

»Soll das ein Witz sein?« – Russland reagiert auf Ankaras Anschuldigung, man mache gemeinsame Sache mit dem IS

Redaktion

In Syrien und den Nachbarländern wüten die Terroristen. Viele Länder bemühen sich, ihren Kampf gegen den Islamischen Staat aufeinander abzustimmen. Und was macht die Türkei? Ankara erhebt Vorwürfe, die, so sagt Moskau, wie ein schlechter Witz daherkommen.

 

An den türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoğlu gewandt, fragte Maria Sacharowa, Sprecherin des russischen Außenministeriums: »Meinen Sie das ernst, oder ist das Ihre Art von Humor? Sollte es als Witz gemeint gewesen sein, dann denke ich, dass zum aktuellen Zeitpunkt alle – und insbesondere die Türkei – sich nicht mit Ironie oder Sarkasmus abgeben sollten, sondern vielmehr mit konkreten Handlungen, mit denen man dem Terrorismus entgegentritt. Ich glaube, das ist es auch, was das türkische Volk von Ihnen erwartet.«

 

»Die Aussagen türkischer Offizieller, dass Russland insgeheim den IS unterstützt, sind völlig inakzeptabel«, fügte Sacharowa auf der Pressekonferenz am Donnerstag hinzu. Wenige Tage zuvor hatte der türkische Premier Moskau beschuldigt, sich »wie eine Terrororganisation« zu verhalten. Er verglich den Kampf Russlands gegen den Terror in Syrien mit der IS-Offensive in der Region.

 

»Russland und andere Terrororganisationen – an allererster Stelle der Islamische Staat in Syrien – sind für zahllose Menschenrechtsverstöße verantwortlich«, erklärte Davutoğlu bei einem Kurzbesuch in der Ukraine. Er fügte hinzu: »Wenn Russland sich weiterhin wie eine Terrororganisation aufführt und Zivilisten zur Flucht zwingt, werden wir eine ausgesprochen deutliche Antwort geben.«

 

Die Vorwürfe aus Ankara seien erneut nichts als Lügen, erklärte Moskau und sagte, man bedaure, dass man seine Kräfte nicht zum Kampf gegen die Dschihadisten-Milizen bündeln könne, weil die Türkei versuche, den Kampf Russlands gegen Terror zu torpedieren. »Der Terror in der Region nimmt zu, und wir sollten wirklich die Reihen schließen, um dieses Böse zu bekämpfen. Stattdessen beobachten wir merkwürdige und sogar unangemessene Aussagen der türkischen Führung, die unglücklicherweise ihre Rhetorik auch noch verstärkt«, sagte Sacharowa.

 

Am Montag hatten nach Berichten der Vereinten Nationen nicht identifizierte Raketen medizinische Einrichtungen und Schulen in Syrien zerstört. Ankara verkündete umgehend, für die »barbarischen Angriffe auf Zivilisten« sei niemand anderes verantwortlich als »Russland und Terrorgruppen«.

 

Das russische Verteidigungsministerium wies die Vorwürfe als völlig grundlos zurück. Ankara führe einen »aggressiven Informationsfeldzug« gegen Russland, weil man verhindern wolle, die Kontrolle über den Norden und Nordwesten Syriens zu verlieren. Dort hätten die türkischen Behörden in den vergangenen Jahren wie »absolute Herrscher« regiert.

 

Auch der tödliche Anschlag, der am Mittwoch in Ankara stattfand, floss in die Anschuldigungen gegen Moskau mit ein. Die Türkei gibt nicht nur kurdischen Milizen die Schuld am Angriff, sondern warnte auch Moskau, nicht die Kurden zu unterstützen, die den IS in Syrien erfolgreich bekämpfen.

 

»Ich möchte Russland, das der syrischen Kurdenmiliz YPG Luftunterstützung gibt, warnen, diese Terrorgruppe nicht gegen die unschuldige Bevölkerung Syriens und der Türkei einzusetzen«, sagte Davutoğlu am Donnerstag Reuters zufolge. »Russland hat den gestrigen Angriff verurteilt, aber das reicht nicht aus. Alle, die Terrororganisationen für ihre Zwecke einsetzen wollen, sollen wissen, dass diese Terrorspielchen wie ein Bumerang zurückkehren und sie zuerst treffen werden«, so der türkische Premier weiter.

 

Buthaina Shaaban, politische Beraterin des syrischen Präsidenten, erklärte gegenüber RT, Mainstream-Medien und Politiker würden derzeit zahllose unbegründete Behauptungen über den Anti-Terror-Feldzug Russlands und Syriens in die Welt setzen.

 

»Was die syrische Armee in Zusammenarbeit mit der russischen Luftwaffe unternimmt, ist, den Terrorismus in Syrien zu bekämpfen«, sagte sie. »Und wir hoffen, dass sich andere Länder anschließen werden, denn dieser Terrorismus ist eine Bedrohung für die gesamte Menschheit.«

 

Die Kurdengruppen werden im Norden Syriens von den USA bei ihrem Kampf gegen den IS unterstützt. Unter den Bodentruppen, die in der Region gegen Dschihadisten kämpfen, zählen die Kurden zu den schlagkräftigsten, aber Ankara betrachtet sie als Terroristen.

 

Man werde sowohl in Syrien als auch im Irak Vergeltung für den Anschlag von Ankara üben, sagte Davutoğlu und kündigte weitere Luftangriffe gegen Kurden an. Das gelte auch für Stützpunkte der PKK im Norden Iraks und gegen YPG-Stellungen im Norden Syriens. Er erwarte von den NATO-Verbündeten Unterstützung in diesem Kampf.

 

Vehement fordert die Türkei ihre westlichen Partner zudem auf, entlang der türkisch-syrischen Grenze ein Überflugverbot durchzusetzen.

 

Die Region ist in erster Linie von Kurden bewohnt. Ankara behauptet, diese Maßnahme würde dazu beitragen, den Bürgerkrieg in Syrien zu beenden und eine Verschlimmerung der Flüchtlingskrise in Europa zu verhindern.

 

Ein derartiges Flugverbot könne in Syrien zu »Libyen-ähnlichen Zuständen« führen, warnte hingegen die Sprecherin des russischen Außenministeriums. »Die Völkergemeinschaft hat ein derartiges Konzept bereits ausprobiert. Wie erfolgreich das war, lässt sich auch weit außerhalb Libyens beobachten – nämlich in Europa. Und schon bald auch außerhalb Europas«, so Sacharowa.

 

Es sei eine »gute Geschäftsstrategie«, immer schön Russland an allem die Schuld zu geben, sagte Sacharowa. Indem man Moskau als Aggressor hinstelle, könne man sich Haushaltsgelder sichern, um gegen die angebliche Bedrohung vorgehen zu können.

 

»Laut den Daten für 2017 enthält der Haushalt des US-Außenministeriums ungefähr eine Milliarde Dollar für den Zweck, gegen die vermeintliche Aggression Russlands vorzugehen. Die Ukraine wird sich darüber möglicherweise gefreut und mit weiteren finanziellen Zuwendungen gerechnet haben. Aber von dieser Summe werden nur 42 Millionen Dollar abgestellt, um Kiews militärische Bedürfnisse abzudecken«, sagte Sacharowa.

 

 

 

 

 

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