Altpapier: Das ehemalige Nachrichtenmagazin »Spiegel« enthüllt sich selbst
Redaktion
Immerhin 50 Mitarbeiter hat die Redaktion des Spiegel darauf angesetzt, die von Wikileaks neu veröffentlichten Dokumente zu sichten. Mit großem Werbeaufwand werden nun angebliche Sensationen »enthüllt«. Am Beispiel einer »Türkei-Enthüllung« kann allerdings auch ein Laie schnell erkennen, dass für die Mitarbeiter des ehemaligen Nachrichtenmagazins Spiegel teilweise völlig neu zu sein scheint, was gebildete Buchleser schon seit Jahren wissen.

Nicht nur in Deutschland gibt es unter Europäern seit Jahren schon eine wachsende Zahl von Menschen, die aus verschiedenen Gründen gegen einen EU-Beitritt der Türkei sind. Man kann zur Türkei stehen, wie man will, sollte allerdings die Fakten kennen. Deutsche Qualitätsmedien haben diese Fakten in den vergangenen Jahren oftmals schlicht nicht hören wollen. Im Jahre 2003 erschien von Kopp-Autor Udo Ulfkotte der inzwischen vergriffene Bestseller Der Krieg in unseren Städten, in dem der Autor über die radikal-islamistische türkische Regierung und ihre Bodentruppen in deutschen Ballungsgebieten berichtete. In den führenden Islam-Verbänden und bei Islam-Gesprächen im Kanzleramt sitzen demnach keineswegs smarte und weltoffene Islam-Vertreter, sondern häufig Mitglieder der radikal islamistischen Muslimbruderschaft.
Während deutsche Journalisten sich flächendeckend über den Inhalt der Ulfkotte-Veröffentlichungen amüsierten, weil dieser durchweg auf dem Autor zugespielten Geheimunterlagen beruhte, hatte die Veröffentlichung für Ulfkotte ungeahnte Folgen: sechs Hausdurchsuchungen wegen des »Verdachts
auf Geheimnisverrat«. Ulfkotte hatte in Krieg in unseren Städten wie auch im Folgeband Heiliger Krieg in Europa – Wie die radikale Muslimbruderschaft unsere Gesellschaft bedroht die Netzwerke eines islamischen Geheimbundes enthüllt, dem auch der türkische Ministerpräsident Erdogan angehört. Und zwar mit Geheimpapieren, die denen von Wikileaks in nichts nachstehen. Auf vielen hundert Seiten wurde da vor mehr als einem halben Jahrzehnt von Kopp-Autor Ulfkotte dargestellt, welche Verwandten Erdogans in Deutschland und anderen europäischen Staaten welche Funktionen bei der Unterwanderung Europas eingenommen haben und das abendländische Europa mittelfristig zerstören wollen.
Mehr als 100.000 Leser der vorgenannten Bücher werden nun ins Staunen kommen, denn für das ehemalige Nachrichtenmagazin Spiegel sind das alles dank Wikileaks nun »Enthüllungen«, die den Spiegel-Lesern jetzt mit großem Werbeaufwand als angebliche »Neuigkeiten« verkauft werden. Da schreibt der Spiegel allen Ernstes unter Berufung auf Wikileaks: »Viele Spitzenkräfte der Regierungspartei AKP seien Mitglieder einer muslimischen Bruderschaft …« Und er berichtet im gleichen »Enthüllungsartikel«: »Diplomaten der Vereinigten Staaten haben tiefe Zweifel an der Verlässlichkeit der Türkei. Geheime oder vertrauliche Depeschen der US-Botschaft in Ankara, die WikiLeaks enthüllt hat und die dem Spiegel vorliegen, beschreiben islamistische Tendenzen in der Regierung des Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan.«
Wie schön, dass nach sechs Hausdurchsuchungen und einem Kübel Häme und Spott seitens deutscher »Qualitätsjournalisten« nun dank Wikileaks auch der Spiegel endlich entdeckt, was intelligente Buchleser schon vor mehr als einem halben Jahrzehnt erfahren haben. Vielleicht sollten die Leser das zum Anlass dafür nehmen, den Spiegel zum Altpapier zu legen und stattdessen wieder einmal ein gutes Buch in die Hand zu nehmen. Im Zweifelsfall ist man da als Leser wohl doch eher informiert. Das ehemalige Nachrichtenmagazin Spiegel wird nun wohl auch nicht umhin kommen, vor dem Hintergrund der Faktenlage seine Leser künftig über die Gefahren eines Türkei-EU-Beitritts zu informieren. Zumindest dann, wenn man das Wochenheftchen künftig noch ernst nehmen soll.
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