Sunday, 29. May 2016
19.12.2013
 
 

Augenzeugenberichte über Massaker in der syrischen Stadt Adra: »Abgeschlachtet wie die Schafe«

Redaktion

Überlebende Flüchtlinge berichten immer neue grausame Einzelheiten über das Massaker, das islamistische Rebellenkämpfer in der etwa 20 Kilometer nördlich Damaskus gelegenen Stadt Adra anrichteten. Mindestens 80 Menschen verloren dabei ihr Leben.

 

Die Einwohner, die aus Adra fliehen konnten, nennen die Kämpfer, die gegenwärtig die Stadt kontrollieren, nur »die Enthaupter«. In Adra leben etwa 20 000 Menschen. Die Stadt wurde in der vergangenen Woche von Rebellen der radikalislamischen Al-Nusra-Front und der »Armee des Islam« (Dschaisch al-Islam), in der sich 43 Rebellengruppen zusammengeschlossen haben, nach

heftigen Kämpfen mit Regierungstruppen eingenommen. Die Eroberung der Stadt wurde von Massenhinrichtungen von Zivilisten begleitet.

 

RussiaToday Arabic ist es gelungen, mit einigen der Augenzeugen der Grausamkeiten zu sprechen. Die meisten von ihnen sind aus der Stadt geflohen und mussten Angehörige und Freunde zurücklassen. Daher äußerten sie sich nur nach Zusicherung ihrer Anonymität, um die Sicherheit der Zurückgelassenen und ihrer selbst nicht zu gefährden. Ein Einwohner berichtete, ihm sei die Flucht »unter einem Kugelhagel« gelungen. Später nahm er Kontakt mit Kollegen auf, die ihm berichteten, dass und wie die Hinrichtungen an der Zivilbevölkerung von den extremistischen Militanten durchgeführt wurden. »Sie hatten Listen von Regierungsangestellten bei sich«, erzählte er. »Das bedeutet, sie hatten die Hinrichtungen bereits im Vorfeld geplant und wussten genau, wer für die Regierung tätig war. Sie gingen einfach zu der auf der Liste angegebenen Adresse, zwangen die Leute gewaltsam, mit ihnen zu kommen, und stellten sie vor ein so genanntes ›Scharia-Gericht‹. Ich glaube, so nannten sie das. Dann verurteilten sie sie zum Tode durch Enthaupten.«

 

Ein Frau, die ihr Gesicht vor der Kamera verbarg, berichtete RussiaToday von den Enthauptungen, die sie mit ansehen musste: »Überall wurden Menschen abgeschlachtet. Der Älteste war gerade einmal 20 Jahre alt. Auch er wurde brutal getötet. Sie waren alle noch Kinder. Ich habe es mit eigenen Augen mit angesehen. Sie töteten 14 Menschen mit ihren Macheten. Ich weiß nicht, ob es sich bei den Hingerichteten um Alawiten handelte. Ich weiß auch nicht, weswegen sie sterben mussten. Sie haben sie einfach beim Schopf gepackt und wie Schafe abgeschlachtet.«

 

Berichten zufolge kamen bisher mindestens 80 Zivilisten bei dem Massaker ums Leben. Die Zahl dürfte aber noch anwachsen, da die bisherigen Informationen, die aus Adra durchsickerten, eher dürftig sind. Die Stadt wurde inzwischen von regulären syrischen Streitkräften eingekesselt, die versuchen, die Extremisten aus der Stadt zu vertreiben. »Aus der Zivilbevölkerung haben wir erfahren, dass in den ersten Stunden des Angriffs sämtliche Arbeiter einer Bäckerei in Adra hingerichtet und verbrannt wurden. Ganze Familien wurden massakriert. Wir haben keine verlässlichen Schätzungen über die Zahl [der Getöteten], da wir die Stadt gegenwärtig nicht betreten können, aber wir gehen davon aus, dass die Opferzahlen hoch sind«, erklärte Kinda Shimat, der syrische Minister für soziale Angelegenheiten, gegenüber RussiaToday.


Auch andere Augenzeugen berichteten über ihre Erlebnisse, so dass immer weitere Einzelheiten über die Hinrichtungen ans Licht kommen. »Sie haben alle Personen, die sich im Polizeirevier Adra Ummalia aufhielten, ermordet«, erzählte ein Flüchtling aus der Stadt gegenüber RussiaToday. »Und sie töteten auch alle Menschen im Adra-Ummalia-Krankenhaus, wo meine Schwester arbeitet. Sie blieb nur am Leben, weil sie an diesem Tag nicht zur Arbeit ging. Gegenwärtig halten sich etwa 200 Personen in dem Polizeirevier auf. Es handelt sich überwiegend um Zivilisten. Die Rebellen verstecken sich unter ihnen und benutzen sie als menschliche Schutzschilde, um Luftangriffe der Armee auf das Polizeirevier zu verhindern.«

 

Diese Ereignisse in Adra sind ein weiterer Beleg für die Wende, die sich innerhalb der syrischen Rebelleneinheiten, die in der letzten Zeit immer stärker von radikal-islamistischen Kräften dominiert werden, vollzogen hat, berichtete Michel Chossudovsky, Direktor des Zentrums für Erforschung der Globalisierung (Centre for research on Globalization). »Die so genannten ›moderaten‹ Oppositionskräfte sind aus militärischer Sicht praktisch bedeutungslos. Die einzigen militärischen Kräfte, die noch über finanzielle Mittel und Waffen verfügen, sind die Islamisten und hier insbesondere die Al-Nusra-Front. Es sind vor allem deren Rebellenbrigaden, die die Grausamkeiten verüben. Es kommt vor allem deswegen zu diesen Spaltungen innerhalb der Rebellen, weil Teile der Opposition erkennen, dass diese Terrorbrigaden gar nichts mit der so genannten Oppositionsbewegung zu tun haben.«

 

Das Massaker in Adra und die jüngsten Bombardierungen in Aleppo zeigen die Eskalation der Gewalt in dem vom Krieg verheerten Land vor den unter Vermittlung der Vereinten Nationen (UN) geplanten, aber immer wieder verschobenen Friedensgesprächen zum Syrienkonflikt, die nun am 22. Januar in Genf stattfinden sollen. Am Montag rief UN-Generalsekretär Ban Ki-moon zu einem Waffenstillstand vor den Gesprächen auf. »Die Feindseligkeiten sollten eingestellt werden, bevor wir uns in Genf zu einem politischen Dialog zu Syrien zusammensetzen«, sagte er. Mehr als 100 000 Menschen sind nach UN-Angaben seit Ausbruch des nun schon drei Jahre andauernden Bürgerkriegs bereits ums Leben gekommen.

 

 

 


 

 

 

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