Donnerstag, 24. August 2017
03.11.2014
 
 

Bespitzelung: Italienische Firma verkauft »globale Spyware an Polizei und Regierungen«

Redaktion

Google und Apple haben neue Verschlüsselungsmaßnahmen eingeführt, die ihren Nutzern ein höheres Maß an Sicherheit verschaffen soll. Doch diese Bemühungen wirken wie vergebliche Liebesmüh angesichts von Firmen wie Hacking Team, die Software anbieten, mit deren Hilfe Behörden die Verschlüsselung auf persönlichen Geräten umgehen können, wie The Intercept berichtet.

 

Für ein derartiges Programm mit dem Namen Remote Control System (»Fernsteuerungssystem«) ist nun das Handbuch im Internet veröffentlicht worden. »Erstmals veröffentlichen wir in voller Länge Handbücher, die die bekannte kommerzielle Überwachungssoftware Remote Control System des italienischen Unternehmens Hacking Team erklären«, schrieb The Intercept.

 

Hacking Team wirbt stolz damit, dass seine Software »Verschlüsselung aushebeln« kann.

 

»Dass sich Ihre Ziele bewegen, können Sie nicht verhindern. Aber wie können Sie vermeiden, ihnen ständig nachzujagen? Was Sie benötigen, ist ein Weg, die Verschlüsselung zu umgehen, aus sämtlichen Geräten relevante Daten zu sammeln und Ihre Ziele zu überwachen, ganz egal, wo diese sich aufhalten und sei es auch außerhalb Ihrer Überwachungsdomäne. Remote Control System bietet genau das«, heißt es in der Firmenbroschüre. Angeblich kann man mit der Software per Fernsteuerung Kameras einschalten, E-Mails öffnen, Skype-Telefonate mitschneiden, Tastatureingaben aufzeichnen und Passwörter sammeln.

 

In dem Handbuch wird erklärt, wie einfach es ist, ein Digitalgerät ins Visier zu nehmen – sei es über ein WLAN-Netzwerk, einen USB-Stick, ein Video oder einen E-Mail-Anhang. In Schritt-für-Schritt-Anleitungen lernt der Anwender, wie er Aktivitäten aufzeichnen und überwachen kann, ohne dabei Spuren zu hinterlassen.

 

Die Kunden von Hacking Team sitzen angeblich unter anderem in Äthiopien, Kasachstan, Saudi-Arabien, Mexiko und dem Oman. Auch die USA sind bekannte Nutzer der Software.

 

Hacking Team war auf Messen und Konferenzen des Heimatschutzes und hat Übungen für die Polizei durchgeführt. Eine trug den Titel »Cyberintelligence-Lösungen für Datenverschlüsselung«, wie The Intercept schreibt.

 

David Vincenzetti, CEO von Hacking Team und einer der Gründer, sagte 2011 dem italienischen Magazin L’Espresso: »Wir verkaufen Remote Control System an Einrichtungen in über 40 Ländern auf fünf Kontinenten.«


Hacking Team bezeichnet sein Produkt als »rechtmäßige Überwachungstechnologie« und verweist darauf, dass sämtliche Kunden staatliche Einrichtungen seien. Niemals würde man die Software an Firmen verkaufen, die auf internationalen »schwarzen Listen« stehen oder sich »schwerer Verstöße gegen die Menschenrechte« schuldig machen.

 

Das sieht Citizen Lab anders. Die Forschungsabteilung der Uni Toronto untersuchte die Kundenpolitik des italienischen Unternehmens und stellte fest, dass von den 21 ihr bekannten Kunden neun im 2012er Demokratieindex von The Economist als »autoritär« rangieren.

 

Firmen, die Spyware anbieten, ziehen ein immer größeres Interesse auf sich, aber ihre Namen sind zumeist eher unbekannt. Finfisher ist ein ähnliches Unternehmen, das Spähsoftware und Überwachungsprogramme anbietet, diese aber nach Aussage seines Mutterkonzerns Gamma International »ausschließlich Gesetzeshütern und Geheimdiensten« anbietet.

 

Finfisher ist in die Kritik geraten, weil es Geschäfte mit Ländern wie Bahrain und Äthiopien macht. Im September enthüllte Wikileaks, dass Regierungen Journalisten mithilfe von Schadware bespitzeln, die von Finfisher hergestellt wird.

 

 

 

.

Leser-Kommentare (4) zu diesem Artikel

04.11.2014 | 00:05

Ren

Die Leute, die sich den ganzen Wahnsinn, was ins Netz gestellt wird durchlesen müssen, werden bestimmt alle 2 Wochen ausgewechselt. Dann sind die nämlich kaputt. Ungefähr, wie mit den Ebola-Helfern in Afrika. War zudem abzuzeichnen, dass sowas passiert. Wenn Nord-Korea sowas machen kann, können unsere Länder das schon lange. Soll kein Lob sein, noch bin ich Stolz darauf, aber immerhin besser als bei den, schätze ich. Weiterhin sollte man nicht annehmen in einem freien Raum ohne...

Die Leute, die sich den ganzen Wahnsinn, was ins Netz gestellt wird durchlesen müssen, werden bestimmt alle 2 Wochen ausgewechselt. Dann sind die nämlich kaputt. Ungefähr, wie mit den Ebola-Helfern in Afrika. War zudem abzuzeichnen, dass sowas passiert. Wenn Nord-Korea sowas machen kann, können unsere Länder das schon lange. Soll kein Lob sein, noch bin ich Stolz darauf, aber immerhin besser als bei den, schätze ich. Weiterhin sollte man nicht annehmen in einem freien Raum ohne Beschränkung andere beschränken zu können. In dem Moment, wo ihr eure Geräte mit dem Internet, Bluetooth oder Infrarot verbindet, habt ihr euch bereits freiwillig jmd. anderem geöffnet. Selbst anhand eurer Kommentare kann man schon einleuchtende Profile über eine Person erstellen. Das gleiche gilt für cookies auf die so viele Firmen scharf sind. Maßgeschneiderte Werbung nur aufgrund der Tatsache was für Links ihr anklickt, wie lange ihr auf einer Seite verweilt, Wörter oder Hardware ihr benutzt. Wenn ihr also Angst habt preiszugeben wer ihr seid, gehört ihr hier nicht hin.


03.11.2014 | 23:47

Kalle

Warum so umständlich? Sehr mal in Windoof Rechnern nach Freigaben! Dort ist die Gesamte Haupt- (System) Platte für den "Remote-Zugriff" freigegeben! Versucht das mal zu ändern! Entweder dann ohne Erfolg, wenn mit, dann ohne Wondoof, denn dann verweigert das System seinen Dienst. Also ist das seit Jahren schon Gang und Gäbe, nur leider interessiert es kaum jemanden. Deshalb Daten IMMER auf andere Platten auslagern, mindestens ... Viele friedliche Grüße


03.11.2014 | 10:34

NochnBremer

Das hilft zwar auch nicht viel, aber jeder kann ja jede Menhe Datendreck erzeugen. Und total widersprüchliche Webseiten besuchen; (Kopp-Online: ab hier gelöscht, bitte konkrete Hinweise und keine Pauschalierungen)


03.11.2014 | 08:56

Livia

Wenn einmal etwas erfunden ist, wird es auch genutzt! Will man nicht, daß auch andere es bekommen, muß man den Erfinder einsperren und die Produkte so verkaufen, daß die Anderen nicht hinter die Herstellweise kommen können, wie es mit Bötcher (Porzellan) passiert ist. Das sollte jedem klar sein. Geheimnisse gehören nicht ins Netz und Geheimabsprachen sollten im Wald, möglichst in Badehose stattfinden. Aber moderne Kommunikationsmittel sind schön bequem und man kann auch noch...

Wenn einmal etwas erfunden ist, wird es auch genutzt! Will man nicht, daß auch andere es bekommen, muß man den Erfinder einsperren und die Produkte so verkaufen, daß die Anderen nicht hinter die Herstellweise kommen können, wie es mit Bötcher (Porzellan) passiert ist. Das sollte jedem klar sein. Geheimnisse gehören nicht ins Netz und Geheimabsprachen sollten im Wald, möglichst in Badehose stattfinden. Aber moderne Kommunikationsmittel sind schön bequem und man kann auch noch damit angeben, daß man sie besitzt. Und was das Prahlen betrifft haben sich viele Menschen noch nicht weit vom Affen entfernt - und das wissen die Datensammler!!!

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

ISIS unterweist Kämpfer darin, wie man der Überwachung durch die NSA entgehen kann

Redaktion

Die Terrormiliz Islamischer Staat hat Berichten zufolge vor Kurzem ein Handbuch veröffentlicht, in dem sie ihren Mitgliedern aufzeigt, wie sie es verhindern können, Einzelheiten über ihren Standort und andere Informationen zu enthüllen, wenn sie den Mikrobloggingdienst Twitter benutzen. Auf diese Weise hofft der IS, seine Kämpfer vor der  mehr …

Apple baut in 600 Millionen iPhones eine Überwachungs-Hintertür ein

Jonathan Benson

Bei der jüngsten Hackers-on-Planet-Earth-Konferenz (HOPE/X) in New York ließ ein erfahrener Hacker eine Bombe hinsichtlich der Privatsphäre bei Smartphones platzen. Jonathan Zdziarski, aktives Mitglied in der iPhone-Entwickler-Community, der an der Entwicklung der ersten iOS-»Jailbreak« beteiligt war, behauptet, Apple habe in das iPhone bewusst  mehr …

Snowden-Unterlagen enthüllen Trickkiste der GCHQ: Manipulation von Meinungsumfragen, Abschöpfen sozialer Netzwerke wie LinkedIn und YouTube

Redaktion

Die britische Spionagebehörde Government Communications Headquarters (GCHQ) hat zahlreiche abgefeimte Instrumente entwickelt, um das Internet zu überwachen und zu durchforsten und auch Falschinformationen zu verbreiten, falls dies sinnvoll erscheint, berichtete der Journalist und Snowden-Vertraute Glenn Greenwald, als er zahlreiche neue  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Die Politik der US-Regierung in der Ebola-Krise hat einen üblen Beigeschmack

Dr. Paul Craig Roberts

Die Regierung in Washington hat angekündigt, Tausende weitere amerikanische Soldaten nach Liberia zu entsenden. General Gary Volesky erklärte, die Soldaten würden Ebola »ausradieren«. Nach offizieller Darstellung werden Kampftruppen entsendet, um die für die Behandlung der Kranken erforderliche Infrastruktur aufzubauen.  mehr …

Und immer, wenn Du glaubst, es geht nicht mehr …

Udo Ulfkotte

Heute vor 25 Jahren haben Krebsärzte meinen Tod binnen drei Tagen vorausgesagt. Heute vor 25 Jahren hatte ich eine Not-Trauung. Heute feierte ich 25 Jahre nach dem Todesurteil meine Silberhochzeit. Dieses Stück ist meiner Frau gewidmet und allen, die glauben, es gehe nicht mehr weiter.  mehr …

Putins Botschaft an die westliche Elite: Die Zeit der Spielchen ist vorbei

Redaktion

Die meisten Menschen in der westlichen Welt haben vermutlich von der Rede des russischen Präsidenten Wladimir Putin auf der Waldai-Konferenz in Sotschi vor wenigen Tagen nichts mitbekommen, und leider dürfte es sich auch als zutreffend erweisen, dass diejenigen, die von der Rede gehört haben, keine Gelegenheit hatten, sie zu lesen, sodass ihnen  mehr …

Globale Geldpolitik: Kalter Krieg, oder totaler Krieg?

Markus Gärtner

Die Währungen der Welt geraten außer Rand und Band. Die Geldpolitik der Notenbanken, die Propaganda der Wall Street sowie Manipulation an den Finanzmärkten sorgen für Ausschläge, wie wir sie lange nicht mehr gesehen haben.  mehr …

Werbung

Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.