Sunday, 21. September 2014
22.08.2013
 
 

CIA räumt offiziell maßgebliche Beteiligung am Sturz Mossadeghs 1953 im Iran ein

Redaktion

Im August 1953 wurde der demokratisch gewählte, nationalistische Ministerpräsident des Iran, Mohammad Mossadegh, durch einen Putsch des Militärs gestürzt. 60 Jahre später haben die USA Dokumente freigegeben, aus denen in Einzelnen hervorgeht, wie die gemeinsame Geheimdienstoperation der CIA in Zusammenarbeit mit dem britischen MI6 unter dem Namen »Operation TPAJAX« (»TP« steht für die Tudeh-Partei und »AJAX«, man glaubt es kaum, ist tatsächlich eine Anspielung auf den bekannten Allzweckreiniger) den Schah wieder an die Macht brachte.

»Die amerikanische und britische Beteiligung an dem Sturz Mossadeghs war lange Zeit Allgemeinwissen, aber die heutigen Veröffentlichungen enthalten das erste offizielle Anerkenntnis der CIA, dass der Geheimdienst an den Planungen und an der Durchführung des Putsches beteiligt war«, erklärte das amerikanischen National Security Archive auf seiner Internetseite.

 

Die entsprechende Veröffentlichung, die aufgrund des Gesetzes zur Informationsfreiheit (Freedom of Information Act, FOIA) erfolgte, war in mancher Hinsicht eine Überraschung, da man bisher davon ausgegangen war, dass das meiste Material und der Großteil der Aufzeichnungen im Zusammenhang mit dem Putsch von 1953 von der CIA vernichtet worden seien, berichtet das Archiv. Als Begründung für die angebliche Vernichtung hatte die CIA damals angeführt, die »Safes waren zu voll«.

 

Die jetzt enthüllten und freigegebenen Dokumente beziehen sich auf die Operation TPAJAX der CIA, bei der man versuchte, über die Bestechung iranischer Politiker, hochrangige Offiziere der Armee und der Sicherheitskräfte und eine massive gegen Mossadegh gerichtete Propagandakampagne, die mit dazu beitragen sollte, 1953 eine allgemeine Revolte anzustacheln, einen Regimewechsel herbeizuführen.

 

Unter den freigegebenen Dokumenten befinden sich verschiedene Beispiele für die CIA-Propaganda, in denen der regierende Ministerpräsident Mossadegh massiv verunglimpft wurde. »Diese Propagandaschriften werfen dem Ministerpräsidenten vor, er spiele sich als ›Retter des Iran‹ auf und behaupten, tatsächlich habe er einen umfangreichen Spionageapparat aufgebaut, den er praktisch für jeden Bereich der Gesellschaft, von der Armee über Zeitungen bis hin zu politischen und religiösen Führungspersönlichkeiten, speziell geschult habe«, schreibt das Archiv weiter. »Die Verfasser zeichnen ein hetzerisches Bild seiner angeblichen Bündnisse mit dem ›mörderischen Kaschgai Khan‹ und den Bolschewiken und fragen dann: ›Willst Du so den Iran retten, Mossadegh? Wir wissen, was Du wirklich retten willst. Du willst die Diktatur Mossadeghs im Iran sichern!‹«

 

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Iran von Großbritannien unabhängig, und im April 1951 wählten die Iraner demokratisch den Vorsitzenden der Nationalen Front, Dr. Mohammad Mossadegh, zum Ministerpräsidenten. Mossadegh setzte rasch die Verstaatlichung der iranischen Erdölindustrie durch, die in den Händen der Anglo-Iranian Oil Company (des Vorläufers der heutigen BP) lag, und gründete die National Iranian Oil Company (NIOC). Damit war der Konflikt mit Großbritannien und den USA offen ausgebrochen.

 

Der britische Geheimdienst MI6 schloss sich dann mit der CIA zusammen und arbeitete einen Plan für einen Putsch aus, der dann im August 1953 in die Tat umgesetzt wurde, Mossadegh stürzte und den Schah wieder an die Macht brachte. Der erste Versuch schlug allerdings fehl, nachdem Mossadegh von der Verschwörung Wind bekommen hatte. Aber die amerikanischen und britischen Agenten im Iran improvisierten einen zweiten Versuch, vereinigten die monarchistischen Pro-Schah-Kräfte und organisierten u.a. über Teile der islamischen Geistlichkeit am 19. August 1953 Massendemonstrationen, die umgehend vom Militär und der Polizei unterstützt wurden. Mossadeghs Haus wurde nach einer längeren Belagerung, u.a. unter Beteiligung von Panzern, von den Putschisten zerstört.

 

Mossadegh wurde abgesetzt, und an seine Stelle trat der iranische General Fazlollah Zahedi, der vom MI6 und der CIA extra für diese Funktion ausgesucht worden war. Mossadegh wurde später zum Tode verurteilt, aber der Schah wagte nicht, das Urteil zu vollziehen. 1967 starb Mossadegh auf seinem Anwesen in der Nähe Teherans.

 

Die diktatorische prowestliche Herrschaft des Schahs dauerte 27 Jahre und endete mit der Islamischen Revolution von 1979, die dem heutigen Iran, in dem antiamerikanische Einstellungen immer noch sehr deutlich spürbar sind, den Weg bereitete. Der Putsch von 1953 belastet die iranisch-amerikanischen Beziehungen immer noch erheblich.

 

Die freigegebenen Dokumente stammen aus einem Zwischenbericht mit der Überschrift »Der Kampf für den Iran«, der Mitte der 1970er Jahre von einem CIA-Historiker erstellt wurde. Dieser Historiker schreibt: »[D]er Militärputsch, der zum Sturz Mossadeghs und seiner Nationalen Front führte, wurde unter Leitung der CIA als Teil der amerikanischen Außenpolitik durchgeführt.« In dem Bericht heißt es, das amerikanische Establishment habe befürchtet, der Iran könnte sich »einer sowjetischen Aggression öffnen«. Deshalb habe man mit der Operation TPAJAX begonnen, die schließlich zum amerikanischen Teil der gemeinsamen amerikanisch-britischen »Operation AJAX« wurde, die den Schah an die Macht brachte.

 

Die »Aggression«, die der CIA-Historiker erwähnt, bezieht sich wahrscheinlich auf die sowjetische Intervention im Iran während des Zweiten Weltkriegs. Damals gestattete ein 1940 unterzeichneter Vertrag zwischen dem Iran und der Sowjetunion es Moskau, im Falle einer Bedrohung der Grenzen der Sowjetunion im Iran militärische Maßnahmen zu ergreifen. Im Zweiten Weltkrieg besetzte die Sowjetunion unter Berufung auf diesen Vertrag zwischen 1941 und 1945 Teile des Iran.

 

In der thematischen Einführung auf der Internetseite des National Security Archive heißt es weiter, man begrüße zwar »die Entscheidung der CIA, dieses Material zugänglich zu machen. Aber die heutigen Veröffentlichungen zeigen deutlich, dass diese Unterlagen bereits vor vielen Jahren gefahrlos hätten freigegeben werden können, ohne das Risiko einzugehen, dass dadurch die nationale Sicherheit gefährdet werde«.

 

Mindestens zwei amerikanische Präsidenten – Bill Clinton und Barack Obama – haben öffentlich die Beteiligung der USA an dem Putsch im Iran eingeräumt, während die Geheimdienste ein Eingeständnis einer direkten Beteiligung bisher immer vermieden hatten. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion verkündete die CIA eine »neue Politik der Offenheit« und verpflichtete sich, einige Dokumente zu verdeckten Operationen während des Kalten Krieges freizugeben. Auch der Putsch im Iran sollte dazu gehören. Drei aufeinander folgende CIA-Direktoren – Robert M. Gates, R. James Woolsey und John M. Deutch – versprachen, entsprechende Dokumente zu veröffentlichen. Aber es blieb dann bei der Ankündigung.

 

Der stellvertretende Direktor des Archivs, Malcolm Byrne, appellierte an die amerikanischen Geheimdienste, »die verbleibenden Aufzeichnungen für den Zeitraum des Putsches vollständig freizugeben«. »Es lassen sich keine vernünftigen Gründe mehr vorbringen, Geheimnisse über eine solch wichtige Periode unserer jüngsten Geschichte zu bewahren. Die grundlegenden Tatsachen sind jedem Schulkind im Iran bekannt. Die Einzelheiten zu unterdrücken, verzerrt nur die Geschichte und fördert bei allen Beteiligten die Mythenbildung«, sagte er.

 

 

 

 


 

 

 

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