Sunday, 31. July 2016
06.05.2011
 
 

Das Weiße Haus in Erklärungsnot

Redaktion

Nur wenige Tage, nachdem der amerikanische Präsident Barack Obama triumphal den Tod Osama bin Ladens verkündet hatte, sieht sich das Weiße Haus einem ernsten Glaubwürdigkeitsproblem gegenüber: Es sind zahlreiche Fragen und Widersprüche dazu zu klären, wie und warum die amerikanischen Spezialkräfte Navy Seals den weltweit meistgesuchten Menschen am 2. Mai in seiner Unterkunft im pakistanischen Abottabad töteten. Neue Informationen, die im Widerspruch zu den ersten Meldungen stehen, stammen nicht nur von der eher zurückhaltenden pakistanischen Regierung, sondern auch von amerikanischen Regierungsvertretern.

Die abweichenden Enthüllungen als »substanzlose Geschichten« oder »Verschwörungstheorien« abzutun, reicht nicht aus – nicht in den USA, und schon gar nicht gegenüber arabischen und moslemischen Ländern, nachdem sich Washington schon gezwungen sah, Informationen zurückzunehmen, die der Terrorismusberater des Präsidenten, John Brennan, am Dienstag gegenüber den Medien verbreitet hatte. Verspätet wurde eingeräumt, dass bin Laden nicht bewaffnet war, als er getötet wurde, dass es nicht zu einem Schusswechsel in der Villa in Abattobad gekommen war und dass bin Ladens Frau nicht als menschlicher Schutzschild benutzt wurde.

Pakistanische Quellen stellen auch noch andere Teile der ursprünglichen amerikanischen Darstellung in Frage, und am Mittwoch, dem 4. Mai, erklärte die Tochter des getöteten Terroristen gegenüber dem Fernsehsender Al Arabija, ihr Vater sei zunächst lebend festgenommen und dann von amerikanischen Kräften erschossen worden – dies dürfte der amerikanischen Glaubwürdigkeit sehr geschadet haben.

Bereits zuvor konnte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney, angesichts immer zahlreicheren Forderungen nach einem Beweis dafür, dass Osama bin Laden wirklich tot sei, nur noch erklären: »Ich bin selbst verwirrt.« Und das ist kein Wunder. Am Montag hatte Obama in seiner ersten Erklärung zu der ganzen Operation gesagt: »Und in der vergangenen Woche entschied ich endgültig, dass wir über ausreichende Informationen verfügten, um tätig zu werden, und genehmigte diese Operation, um Osama bin Laden gefangen zu nehmen und ihn seiner Gerechtigkeit zuzuführen.« Sprach er da über eine gezielte Tötung?

Brennan erklärte später, während des Schusswechsels im Schlafzimmer des Terroristen sei bin Laden aufgefordert worden, sich zu ergeben, und sei dann erschossen worden, als er nicht reagiert habe. Ein weiterer Regierungssprecher erklärte, die Sondereinsatzkräfte seien darauf vorbereitet gewesen, bin Laden lebend festzunehmen.

Andere amerikanische Quellen berichten, der Schusswechsel sei unglaublich schnell abgelaufen. »Innerhalb eines Augenblicks«, sagte eine Quelle. Einer der führenden republikanischen Politiker, Mitt Romnes, erklärte: »Osama ist in ein Auge geschossen worden.« Die Aussage der Tochter Obamas widerspricht diesem Durcheinander amerikanischer Darstellungen. Auch wenn sie von den pakistanischen Behörden grünes Licht für ihr Al-Arabija-Fernsehinterview bekommen haben muss, kann man ihre Aussage nicht einfach beiseite wischen, denn sie war immerhin bei den Ereignissen anwesend und wurde sogar ins Bein geschossen, bevor sie in pakistanischen Gewahrsam genommen wurde. Nach ihrer Darstellung sieht es so aus, als hätten die amerikanischen Soldaten ihren Vater kaltblütig erschossen.

Die Reaktionen auf ihre Aussage werden sicher nicht dazu beitragen, die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen der Regierung Obama und moslemischen Herrschern wie dem saudischen König Abdullah, die bereits im Zusammenhang mit dem amerikanischen Eingreifen bei den Unruhen in Ägypten und dem Krieg in Libyen an ihre Belastungsgrenzen gestoßen sind, zu verbessern.

Führende pakistanische Politiker versuchen unbeholfen einen Spagat zwischen ihren Bemühungen, einerseits ihren Geheimdienst ISI vom amerikanischen Vorwurf zu befreien, die Anwesenheit des Al-Qaida-Führers verheimlicht zu haben, und andererseits der Empörung in der Bevölkerung entgegenzutreten, die glaubt, die Regierung habe Washington heimlich gewähren lassen und damit zum Verrat an einem führenden Moslem beigetragen sowie amerikanischen Kräften gestattet, die Souveränität Pakistans zu verletzen.

Journalisten gegenüber erklärte der pakistanische Außenminister Salman Baschir am Mittwoch, dem 4. Mai: »Wir haben bereits 2009 auf dieses Anwesen [in Abottabad] als ein mögliches Versteck hingewiesen«, nachdem man dort verdächtige terroristische Machenschaften beobachtet habe. Damals sei nicht bekannt gewesen, dass sich bin Laden dort aufgehalten habe, und es hätte immerhin Millionen anderer verdächtiger Möglichkeiten gegeben, fuhr er fort. Baschir kritisierte auch die Bemerkung des früheren CIA-Direktors Leon Panetta, man habe es als »lästig« abgelehnt, Islamabad im Vorfeld der Operation zu informieren.

Diese Darstellungen und Gegendarstellungen sind erst der Beginn eines »Krieges der Worte«, der sich zwischen der pakistanischen Regierung Zardari-Ghilani und der US-Regierung anbahnt. Islamabad hat dabei einen Vorteil: Einige der Bewohner der Villa in Abbotabad, darunter die verletzten Personen, die anwesend waren, als bin Laden getötet wurde, befinden sich in pakistanischem Gewahrsam, andere in Militärkrankenhäusern. Sie können jederzeit hervorgeholt werden, wenn es erforderlich scheint, arabische und moslemische Kritik am pakistanischen Verhalten zurückzuweisen und allen Versuchen entgegenzutreten, ihre Verbindungen zu den Taliban zu untergraben. Letztere haben bereits geschworen, Osama bin Ladens Tod in Pakistan, Afghanistan sowie anderen Ländern zu rächen.

Dieser verbal geführte Krieg wird die Glaubwürdigkeit des Weißen Hauses unter Obama weiter belasten.

 

Quelle: DEBKA

 

 


 

 

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