Wednesday, 29. June 2016
26.04.2013
 
 

Die Twitter-Nachricht, die die Wall Street erschütterte: 200 Mrd. Dollar Verlust wegen Falschmeldung

Redaktion

Eine einzelne gefälschte Nachricht des Internetdienstes Twitter, über den sich kurze Mitteilungen verschicken lassen, hat am Dienstag dieser Woche Milliardenwerte vernichtet. Damit rückt ein potenzielles »trojanisches Pferd« in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, das Hacker offenbar immer leichter manipulieren können.

Ein Bild sagt vielleicht mehr als tausend Worte, aber eine einzige gefälschte Twitter-Nachricht kann innerhalb weniger Sekunden zu massiven Verlusten auf den Finanzmärkten führen.

Diese Lektion musste man am Dienstag dieser Woche auf kostspielige Weise lernen, als eine Twitter- Nachricht um 13:08 Uhr Ortszeit die Runde machte, die scheinbar von der Nachrichtenagentur Associated Press verbreitet wurde und besagte, im Weißen Haus hätten sich zwei Explosionen ereignet und Präsident Obama sei verletzt worden.

 

Zwar versuchten Mitarbeiter von AP innerhalb weniger Minuten, den Schaden zu begrenzen, und die Agentur stellte rasch klar, es habe sich um eine Falschmeldung gehandelt. Aber der Schaden war bereits eingetreten: Der Dow-Jones-Industrial-Average-Index fiel in nur wenigen Minuten um 145 Punkte (oder ein Prozent).

 

Auch andere Märkte reagierten massiv auf die gefälschte Twitter-Meldung: Indizes wie S&P 500, der NASDAQ und der Preis für Rohöl brachen um ein Prozent ein. Allein der Absturz des S&P 500 vernichtete etwa 136,5 Mrd. Dollar, meldete die Nachrichtenagentur Reuters. Und die Zeitung USA Today berichtet, auf den allgemeinen Märkten habe es Wertverluste in Höhe von fast 200 Mrd. Dollar gegeben. Gleichzeitig wurden die Zinsen für zehnjährige amerikanische Staatsanleihen um vier Basispunkte gesenkt, und der CBOE Volatility Index – der so genannte »Besorgnis«- Index – stieg um zehn Prozent an.

 

Experten zufolge wurden die Reaktionen und Folgewirkungen auf diese gezielt gefälschte Nachricht, die ausgerechnet auch noch in der Woche nach den tragischen Ereignissen in Boston verbreitet wurde, durch eine neue Computersoftware verstärkt, die in der Lage ist, die Mitteilungen in den sozialen Internetnetzwerken und  diensten zu »lesen« und daraufhin entsprechende Kauf- und Verkaufsaufträge zu platzieren.

 

Die etwa zwei Minuten anhaltenden Panikverkäufe ließen den Dow-Jones-Index von 14.700 auf 14.554 Punkte fallen. Um 13.13 Uhr, also etwa fünf Minuten nach Bekanntwerden der Falschmeldung, hatten sich die Märkte wieder weitgehend erholt. Trotz dieses kurzen Durcheinanders schloss der Dow beim Läuten der Schlussglocke mit einem Plus von 1,05 Prozent oder 152,29 Punkten mit einem Schlussstand von 14.719,46.

 

Die amerikanische Börsenaufsicht, die Securities and Exchange Commission (SEC), erklärte, sie untersuche die Handelsaktivitäten, die zur Zeit der Verbreitung der Twitter-Meldung getätigt worden seien. Erst vor Kurzem hatte die Börsenaufsicht den Unternehmen die Genehmigung erteilt, wichtige börsenrelevante Informationen wie Quartalszahlen über soziale Netzwerke und Medien wie Twitter und Facebook zu verbreiten.

 

Die Computerprogramme, die in der Lage sind, die Kurzmitteilungen der verschiedenen Internetdienste zu »verstehen«, sind »unglaublich komplex«, sagte Eric Pritchett, Vorstandsmitglied von Potamus Trading, einem Brokerhaus, das sich auf den elektronischen Handel spezialisiert hat, gegenüber dem Wall Street Journal (WSJ). Ein Programm, das »die Twitter-Meldungen liest und die Formulierung ›Explosionen‹ erkennt, ist auch in der Lage, die Nachricht zu verstehen, die besagt, das Konto sei ›gehackt‹ worden«, fuhr er fort.

 

Vertreter der Börsenaufsicht SEC sagten, es sei noch zu früh, um zu erkennen, ob es sich bei der gezielten Falschmeldung um ein Betrugsmanöver von Personen gehandelt habe, die aus der daraufhin ausbrechenden Panik Profit schlagen wollten, die Vermutungen einiger Experten gehen allerdings in diese Richtung. »Man stelle sich eine Situation vor, in der die Kenntnis einer solchen Nachricht die Märkte einbrechen lassen kann«, sagte Giovanni Vigna, Mitbegründer und Cheftechnikexperte des Sicherheitsunternehmens Lastline gegenüber dem WSJ. »Man könnte dann bei einem niedrigen Preis einsteigen und wenn die Märkte sich wieder erholen, mit Gewinn verkaufen.« Die sieben Minuten, die verstrichen waren, bevor die Märkte erkannten, dass sie Opfer einer gezielten Falschmeldung geworden waren, hätten ausgereicht, um möglichen Tätern einen immensen Gewinn zu bescheren.

 

»Normale Händler sind in der Regel nicht flexibel und schnell genug, um von einem derartigen Einbruch zu profitieren, aber sieben Minuten sind in der Welt des computergesteuerten Hochfrequenzhandels, bei dem Wertpapiere in Sekundenbruchteilen den Besitzer wechseln, eine Ewigkeit«, hieß es in dem Internetnachrichtenportal Quartz. »Entsprechende Computerprogramme für einen automatisierten Handel könnten mit Sicherheit Index-Fonds gekauft haben, als die Werte den Tiefpunkt erreichten, und hätten dann Profite eingestrichen, als die Märkte erkannten, dass es sich bei der angeblichen AP-Twitter-Nachricht um eine Ente handelte.«

 

Dieser Zwischenfall beleuchtet einmal mehr eine Schwachstelle in der Art und Weise, wie die Wall Street ihre Geschäfte abwickelt, wo die Kenntnis bestimmter Informationen manchmal einen Unterschied von Millionen und sogar Milliarden Dollar ausmachen kann. Daher scheuen viele Investoren vor einer genauen, aber auch zeitaufwendigeren Klärung der Fakten zurück und verlassen sich bei der Informationsbeschaffung weitgehend auf die unkontrollierten sozialen Netzwerke und Dienste. »In vieler Hinsicht ist Twitter der neueste Nachrichtenkanal der Wall Street. Die Investoren gehen immer mehr dazu über, bei der Einschätzung und Bewertung der minütlich einlaufenden Meldungen auf die sozialen Medien zu vertrauen«, erklärte Jack Albin, Leiter der Investmentabteilung der Privatbank BMO in einem E-Mail-Kommentar gegenüber MarketWatch. »Wir müssen uns klar machen, dass es sich bei Twitter nur um einen sozialen Mitteilungsdienst und eine ungefilterte Informationsquelle handelt.«

 

Eine Hackergruppe, die sich selbst »Syrische Elektronische Armee« nennt, übernahm in ihrem eigenen Twitter-Konto die Verantwortung für das Hacken des AP-Twitter-Kontos. Das FBI hat in dieser Angelegenheit Ermittlungen aufgenommen, sagte die FBI-Sprecherin Jenny Shearer in Washington, ging aber nicht auf Nachfragen zu weiteren Einzelheiten ein.

 

 

 


 

 

 

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