Saturday, 1. November 2014
28.03.2013
 
 

E-Mail des Hackers Guccifer dokumentiert Verbindung des früheren britischen Premierministers Tony Blair zu den berüchtigten Zusammenkünften in Bohemian Grove

Redaktion

Die Teilnahme an den »Klausurtagungen« auf dem elf Quadratkilometer großen Gelände Bohemian Grove (20601 Bohemian Avenue in der Nähe der kalifornischen Region Monte Rio im Landkreis Sonoma), die dem exklusiven »Bohemian Club« gehört, sollte für den früheren britischen Premierminister Tony Blair doch eigentlich Priorität haben.

Dies schreibt Andrew Knight, Vorstandsmitglied des Rupert Murdoch gehörenden Mediengiganten News Corp., in einer E-Mail an den früheren amerikanischen Außenminister General Colin Powell. Diese E-Mail liegt der Redaktion von Russia Today vor.

 

Der bekannte, aber bisher noch nicht identifizierte Computerhacker Guccifer übermittelte dem TV-Sender Russia Today eine ganze Reihe persönlicher E-Mails, die die mutmaßliche private Korrespondenz einiger der weltweit einflussreichsten Personen enthalten, die auf diese Weise der Weltöffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Diese Aktion des Hackers richtet sich wieder einmal gegen den früheren US-Außenminister Colin Powell. Diesmal geht es in den Mitteilungen vor allem um ein Thema, das sonst selten diskutiert wird und zwar um die jährlichen »Klausurtreffen« im Bohemian Grove.

 

Guccifer hatte sich bereits zuvor damit gerühmt, das Facebook-Konto General Powells gehackt zu haben. Man war dabei auf angebliche sensitive E-Mails gestoßen, die er an den früheren Präsidenten George W. Bush geschickt hatte. Darüber hinaus hatte der Hacker E-Mails mitgehen lassen, die Powell im Zusammenhang mit den Terroranschlägen und der Ermordung des amerikanischen Botschafters in Libyen 2012 in Bengasi an die ehemalige US-Außenministerin Hillary Clinton verschickt hatte. In den letzten E-Mails, die Guccifer an Russia Today weitergegeben hatte, sind auch E-Mails enthalten, die Powell in den letzten Jahren von seinem AOL-Konto aus verschickt haben soll.

 

Einige Dutzend E-Mails, die an Russia Today weitergeleitet wurden, werfen oberflächlich betrachtet möglicherweise etwas Licht auf die persönlichen Gewohnheiten General Powells. In einer Mail vom 21. März 2012 bittet Andrew Night von News Corp. General Powell, mit Blair über die Vorbereitungen für die Zusammenkunft in Bohemian Grove im selben Jahr zu reden. Im sagenumwobenen Bohemian Grove versammeln sich alljährlich die Reichen und Einflussreichen. Diese Treffen finden seit Jahrzehnten unter großer Verschwiegenheit und Geheimhaltung statt. Diese Geheimnistuerei hat dazu geführt, dass über diese Versammlungen viele Berichte und Bücher veröffentlicht wurden und Journalisten wie beispielsweise Alex Shoumatoff von Vanity Fair 2008 sogar verhaftet wurde, als er versuchte, sich Zutritt zum Gelände zu verschaffen.

 

Nach Angaben der Sonoma County Free Press gehörten alle republikanischen Präsidenten seit 1923, aber auch führende Vertreter des Rüstungssektors, der Bankenwelt und die Vorstandschefs der weltgrößten Unternehmen zu den Teilnehmern in Bohemian Grove. Die amerikanische Satire-Zeitschrift Spy Magazine vermutete auch Millionäre und Milliardäre von Unternehmen wie IBM und der Bank of America sowie führende Politiker aus Washington und dem Ausland auf der Gästeliste. Und als es Philip Weiss vom Spy Magazine 1989 gelang, sich in das illustre Treffen einzuschleichen, berichtete er, dass sich die Teilnehmer an einem Eulenschrein versammelten, der als eine aufrecht stehende »etwas mehr als zwölf Meter hohe moosbedeckte Statue aus Stein und Stahl« beschrieben wurde.

Weiss fügte hinzu, am sogenannten »Middle Weekend« – das in der Mitte des zweiwöchigen Treffens liegt und den umtriebigsten Teil der Zusammenkunft bildet – habe er an die 2.200 ausschließlich männliche Gäste auf dem Gelände gezählt. Im vergangenen Jahr nun sollte Powell dafür sorgen, dass Blair unbedingt an diesem Teil der Zusammenkunft teilnahm. »Könnten Sie Tony in aller Freundschaft, aber mit Festigkeit klarmachen, dass das »Middle Weekend« für Sie absoluten Vorrang gegenüber allen anderen Verpflichtungen besitzt?!«, schrieb Knight in den letzten E-Mails, welche Russia Today zugespielt wurden. »Die bisher fehlende Zusage deutet daraufhin, dass Tony seine Prioritäten noch nicht richtig festgelegt hat.«

 

Zu dieser E-Mail gehört ein Anhang im PDF-Format - der der Redaktion von Russia Today bisher nicht vorliegt -, der einige eher ausweichende Antworten Blairs an George Shultz enthalten soll. Shultz gehört seit langem zu Elite Washingtons und arbeitete als Außenminister Ende der 1980er-Jahre zur gleichen Zeit unter Präsident Reagan, als General Powell Nationaler Sicherheitsberater war. Shultz gehört seit Jahrzehnten zu den regelmäßigen Teilnehmern der Treffen in Bohemian Grove.

 

In den zugespielten E-Mails schreibt Knight an Powell: »Ich werde das gleiche auch Henry vorschlagen«, womit angedeutet wird, dass Knight unbedingt sicherstellen wollte, dass auch Henry Kissinger, der unter den Präsidenten Richard Nixon und Henry Ford Außenminister und zuvor ebenfalls Nationaler Sicherheitsberater (1969-75) war, an dem Treffen im vergangenen Jahr teilnahm.

 

Verschiedene Berichte im Internet bringen Powell, Shultz, Knight und Kissinger mit Bohemian Grove in Verbindung. Über Blairs Teilnahme an den Treffen gab es bisher nur Gerüchte. So besuchte Blair 2006 in dem entsprechenden Zeitraum San Francisco, wo er mit Shultz zu einem Essen zusammentraf. Die kalifornische Metropole liegt weniger als 160 Kilometer von dem eingezäunten und bewachten Anwesen entfernt.

 

»Gerüchten zufolge soll Blair an dem ausschließlich von Männern besuchten Treffen teilgenommen haben und wäre damit in die Fußstapfen von John Major und Prinz Philip getreten«, berichtete die britische Tageszeitung Daily Mail damals. »Wie es heißt, hielten sich auf der Party von Shultz viele Gäste auf, die den Grove verlassen hatten, um Blair zu treffen.«

 

Die Zeitung San Francisco Chronicle berichte ebenfalls, in jenem Sommer habe Blair unbestätigten Berichten zufolge an der Zusammenkunft teilgenommen, die seit langer Zeit ins Visier von Verschwörungstheoretikern geraten ist. Das hängt im Wesentlichen damit zusammen, dass es sich hier um ein Treffen hochrangiger, einflussreicher Persönlichkeiten handelt. Die Veranstaltung wird strikt von der Öffentlichkeit abgeschirmt und die Teilnehmer verpflichten sich zu strenger Verschwiegenheit und Vertraulichkeit, gerade gegenüber den Medien.


»Etwas mehr als einen Kilometer von uns entfernt halten sich Millionäre und Milliardäre auf, die die Welt kontrollieren, die die Zentralbanken kontrollieren und Atomwaffen bauen. Das hier ist sozusagen ihr Sommerlager«, erklärte der Soziologieprofessor Peter Phillips von der Staatlichen Universität Sonoma 2011 gegenüber Russia Today. »Wir wissen mit Sicherheit, dass sich Richard Nixon und Ronald Reagan hier aufgehalten und miteinander darüber diskutiert haben, wer als Präsidentschaftskandidat antreten solle, und sie haben dann eine Absprache getroffen.« Die Washington Post berichtete sogar, 1942 habe in Bohemian Grove das Planungstreffen für das Manhattan-Projekt [den Bau der ersten Atombombe] stattgefunden, auf dem letztendlich die Entscheidung für den Bau der Atombombe gefallen sei.

 

Die Teilnehmerlisten bleiben unter Verschluss, und nur eine Bestätigung durch Powell oder Blair könnte die Frage beantworten, ob es dem Vier-Sterne-General gelungen war, den früheren Premierminister 2012 zur Teilnahme an dem Treffen zu bewegen.

 

Seine E-Mail an Russia Today unterschrieb Guccifer mit »illuminati free world«.

 

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