Montag, 5. Dezember 2016
28.02.2011
 
 

Gaddafi ist seit langem auf anhaltenden Krieg vorbereitet

Redaktion

Muammar al-Gaddafi war als einziger arabischer Machthaber auf die kommende Flut von Unruhen, die den Mittleren Osten und Nordafrika überschwemmten, sehr gut vorbereitet und hatte frühzeitig entsprechende Ressourcen in ständiger Bereitschaft gehalten, um seinen Sturz zu verhindern. Mit ihrer Hilfe konnte er den Ansturm bisher wirksam zurückschlagen.

 

In den letzten beiden Jahren hatte er seine 70.000 Soldaten umfassenden regulären Streitkräfte durch häufige, unangekündigte persönliche Inspektionen auf Trab gehalten. Bei jeder dieser Inspektionen veranlasste er die überraschende Entlassung von Kommandeuren und ihren Ersatz durch ihm loyal ergebene Offiziere, die in geheime Ausbildungslager geschickt wurden. Ständig wurden Soldaten in andere Einheiten versetzt, um zu verhindern, dass sich Soldaten eines Stammes gegen in verschwören könnten. Gaddafi besetzte seine Eliteeinheiten wie Spezialkommandos, die Luftwaffe, die Marine und den militärischen Geheimdienst mit Angehörigen seines Stammes, die sein ausdrückliches Vertrauen besitzen.

Im Allgemeinen schätzte er die Loyalität der gemeinen Soldaten höher als die der Offiziere ein, was ihn zu seiner zweiten Vorsichtsmaßnahme brachte. Er schuf eine geheime zusätzliche Parallel-Armee, die praktisch die gleiche Größe wie die normale Armee aufweist und in drei Milizen unterteilt ist. Wären westliche Geheimdienste aufmerksamer gewesen, hätten sie die überraschende Entdeckung gemacht, dass sich diese Nebenarmee am Vorbild der revolutionären Volksmiliz orientierte, die Gaddafi in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts aufgebaut hatte, als er eng in die Aktivitäten von Terrororganisationen des Nahen und Mittleren Ostens oder mit islamistischem Hintergrund verwickelt war.

 

Gadaffis geheime ausländische Söldnerlegion

Die größte dieser Nebenarmeen ist die libysche Volksrevolutionäre Armee, die aus etwa 55.000 Soldaten aus den Stämmen und Clans besteht, die loyal zu ihm stehen. Sie wird von seinem Sohn Mutassim Gaddafi kommandiert, den er in aller Stille 2007 zu seinem Nachfolger ernannte, während dem Westen gegenüber der Eindruck vermittelt wurde, sein ältester Sohn Saif al-Islam, der als intellektueller und eher der städtischen Kultur verhaftet gilt, solle sein Erbe antreten. Während die ursprünglichen Volksmilizen Gaddafis die Revolutionskomitees, die politischen Körperschaften, die in Gaddafis Libyen die Rolle von Parteien übernehmen und die Grundlage seiner Regierung bilden, schützen sollten, haben sich die modernen Abbilder in letzter Zeit in bestens ausgebildete Militäreinheiten verwandelt, die mit besseren und modernen Waffen ausgestattet sind als die regulären Streitkräfte.

In seiner Rede am 22. Februar erklärte Gaddafi, er besitze keine Titel, kein Amt oder einen Thron, den er aufgeben könnte. Westliche Beobachter hielten dies für einen klugen Schachzug, um Rücktrittsforderungen oder einen Machtverzicht zurückweisen zu können. Aber für die Libyer, von denen sich die meisten an keine andere Regierungsform erinnern können, ergibt seine Äußerung einen anderen Sinn. Seine Revolutionskomitees und seine revolutionäre Volksarmee sind so aufgebaut, dass für seinen Sturz erst das gesamte revolutionäre Gebäude abgerissen werden müsste. Straßenproteste, das Anzünden von Gebäuden und selbst die Besetzung von Militärbasen durch Aufständische kratzen nur an der Oberfläche dieser sorgfältig durchkonstruierten politischen Festung. Um Gaddafi zu entmachten, müsste die Volksrevolutionäre Armee aufgelöst werden – und die ist noch voll intakt.

Aber es gibt noch weitere »Schutztruppen«, auf die sich der libysche Machthaber verlassen kann. Er baute eine Einheit auf, die sich im Kern aus den Überresten der libyschen Panafrikanischen Legion zusammensetzt, die er in den 80er Jahren ins Leben gerufen hatte und deren Söldner, Nachrichtenberichten zufolge, in dieser Woche für Massaker an Gaddafi-Gegner verantwortlich sind. Diese Kräfte, die aus Söldnern aus dem Sudan, Ägypten, Tunesien, Mai, dem Tschad und anderen westafrikanischen Ländern bestehen, erinnern an die französische Fremdenlegion aus der Kolonialzeit. Diese Kämpfer sind durch britische, deutsche, serbische und französische Söldner-Offiziere gut ausgebildet worden; vor allem letztere verfügen über reichhaltige Kampferfahrung in der Sahara.

 

Ein robustes und loyales militärisches Unterstützungssystem

Ein zweite Gruppe von Söldnern – im Wesentlichen aus Serbien, Bosnien, Albanien und dem russischen Kaukasus – werden als Kampfpiloten und Hubschrauber-Mannschaften eingesetzt, bedienen elektronische Systeme und kommandieren Sonderkommandos, zu denen auch Marineinfanteristen gehören, die für verdeckte Mordmissionen eingesetzt werden. Bei den beiden Piloten, die am Montag, dem 21. Februar, mit ihren Kampfflugzeugen der libyschen Luftwaffe vom Typ Mirage nach Malta desertierten, handelt es sich um serbische Söldner. Sie befürchteten, wenn sie den Befehlen Mutassims folgten und Angriffe gegen Gaddafi-feindliche Demonstranten flögen, könnten sie vor dem Kriegsverbrecher-Tribunal in Den Haag landen und zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt werden. Die anderen etwa 80 ausländischen Kampfpiloten besaßen diese Skrupel nicht und folgten den Befehlen des Gaddafi-Sohnes.

Am Donnerstagabend, dem 24. Februar, erlitt der libysche Machthaber einen schweren Rückschlag, als sich die meisten seiner Luftwaffen-Kommandeure gegen ihn wandten und sich seinen Gegnern anschlossen.

Die paramilitärischen Kräfte gehorchen dem Kommando von vier Libyern, von denen alle zu rücksichtslosem Vorgehen fähig sind: Dies sind der Oberkommandierende Oberst Muammar al-Gaddafi, sein Sohn Mutassim, der die Einheiten in und um die Hauptstadt Tripolis befehligt, sein Schwager Abdullah Senussi, Chef des Frontabschnitts Kyrenaica sowie Gaddafis enger Vertrauter und Cousin Ahmed Gaddaf al-Dam, Geheimdienstchef und Problemlöser vor Ort, wenn etwa das militärische Schutzsystem einzubrechen droht. Aufgrund der Loyalität einflussreicher Kreise, die das Gaddafi-Regime unterstützen, sind auch weite Teile der regulären Armee vorsichtig darauf bedacht, ihre Loyalität zu wahren. Sie fürchten, sollte Gaddafi siegreich aus dieser Krise hervorgehen, werde er gegen die illoyalen Truppenteile mit der gleichen Rücksichtslosigkeit wie gegen die Demonstranten in den Straßen und andere Gegner vorgehen. Aufgrund dieser schier unerschütterlichen militärischen Infrastruktur bewerten informierte westliche Beobachter mit nachrichtendienstlichem oder militärischem Hintergrund, die Lage Gaddafis als ernst, aber keineswegs als hoffnungslos.

 

Quelle: DEBKA

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