Wednesday, 17. September 2014
22.09.2011
 
 

Hohe Inflation führt zu starken Spannungen in der Gesellschaft und zur Verfolgung von Minderheiten … und es gibt bei uns eine hohe versteckte Inflation

Redaktion

John Maynard Keynes, der Vater des Konzepts staatlicher Konjunkturprogramme, sagte einmal über die Inflation:

 

»Mit diesen Mitteln kann sich eine Regierung insgeheim und unbeobachtet des Reichtums der Bevölkerung bemächtigen, und nicht einer von einer Millionen Menschen wird den Dieb entdecken.«

Der Chef der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed), Ben Bernanke, räumte am 16. Juli 2008 ebenfalls ein, dass die Inflation eine Besteuerung des amerikanischen Volkes darstelle:

 


Das Drucken von Geld (und die damit zwangsläufig verbundene Ausweitung der Geldmenge) erzeugen Inflation.

 

Aber die »quantitative Lockerung« (»Quantitative Easing«, zum Beispiel durch eine Niedrigzinspolitik oder den Ankauf von Staatsanleihen durch die Zentralbank, bedeutet eine Ausweitung der Geldmenge) kommt nur den großen Finanzunternehmen der Wall Street und sonst niemandem zugute (siehe dazu auch: Bloomberg, Zerohedge und AIER. Aber wir können uns unseren Weg aus der Schuldenkrise nicht mit Inflation erkaufen. Tatsächlich wusste Bernanke bereits 1988, dass die Politik der »quantitativen Lockerung« nicht funktioniert.

(Kriege führen ebenfalls zu Inflation, und wir führen seit zehn Jahren eine ganze Reihe schier endloser Kriege.)

 

Eine Scheindebatte: Konjunkturprogramme vs. Sparpolitik

Ich habe bereits wiederholt darauf hingewiesen, dass die immer wiederkehrende Auseinandersetzung zwischen keynesianischen Konjunkturprogrammen und Ausgabenkürzungen  zur Schuldensenkungeine Scheindebatte ist. In Wirklichkeit geht es darum, entweder eine Politik zu betreiben, die der amerikanischen Bevölkerung nützt oder aber an einer Politik festzuhalten, die einfach nur den Reichtum in Richtung des reichsten Prozents der Bevölkerung umverteilt.

Konjunkturprogramme könnten greifen … wenn sie dem amerikanischen Volk und der Allgemeinheit und nicht den »Geldsäcken« der Wall Street zugutekommen.

 

Inflation führt zu sozialen Spannungen und Unterdrückung… und bei uns gibt es eine hohe versteckte Inflation

Der führende Stratege und Vordenker der französischen Bank Société Générale, Dylan Grice, schrieb in diesem Zusammenhang:

»Indem die Regierung Staatsanleihen an sich selber ausgibt, scheint sie wundersamer Weise die Staatseinnahmen zu erhöhen, ohne jemand anderen zu belasten. Aus diesem Grund wird dieser Mechanismus möglicherweise überall auf der Welt im ganzen Finanzsystem angewendet. Aber ›kostenloses‹ Geld gibt es nicht und kann es nicht geben. Und da es keine Regierung oder sonst irgendetwas oder irgendjemanden geben kann, die oder der Einkommen ›kostenfrei‹ erzielen kann, sagt uns die einfache Logik, dass irgendjemand irgendwo [und irgendwann] bezahlen muss.«

 

Aber wer? Und hier setzt die ausgeklügelte Unredlichkeit ein, denn die Antwort lautet, dies weiß niemand. Wenn das Gelddrucken auf den Produktmärkten Inflation erzeugt, müssen die Verbraucher in diesem Produktmarkt bezahlen. Und wenn die Ausweitung der Geldmenge auf dem Anlagemarkt für Inflation sorgt, müssen diejenigen, die die zu diesem höheren Preis angebotenen Anlagen kaufen, den Preis bezahlen. Landet die erhöhte Liquidität auf den Anlagemärkten, weiß man natürlich weniger darüber, wer letztlich für diese Freigebigkeit der Regierung aufkommen muss, denn in diesem Fall setzt die Erhöhung der Liquidität über ein schier grenzenloses Schneeballsystem, und nichts anderes ist das weltweite Finanzsystem, eine ganz eigene Dynamik in Gang. Diejenigen, die diese Liquidität »kostenlos« bereitstellen, werden die Späteinsteiger in die von diesem Gelddrucken aufgeblähte Wertpapier-Blase oder Investment-Masche sein.

 

Entscheidend aber ist, dass wir nicht wissen können, wer die Rechnung zahlen wird, sondern nur, dass irgendjemand bezahlen muss. Daher haben die Regierungen ihre Einnahmen erhöht, ohne zu wissen, wer diese Last einmal zu bewältigen hat, und natürlich ohne es diesen Betroffenen zu sagen. Verglichen damit sind eindeutige Steuererhöhungen »ehrlich«, zumindest aber transparent. Man weiß, wer die Umsatzsteuer oder die Einkommensteuer erhöht hat, wenn sie erhöht wurden, wann sie fällig sind und wie viel man zu bezahlen hat. Im Gegensatz dazu sickert die Belastung durch die erhöhte Liquidität lautlos in die Wirtschaft ein und trifft wahllos, aber unvermeidlich unbekannte und ahnungslose Opfer.

Die wirtschaftlichen Härten dieser heimlichen Steuererhebung stellen reale und einschneidende Belastungen dar. Aber niemand weiß, aus welcher Richtung sie kommen; der Feind ist praktisch unsichtbar. Auf diese Weise entstehen in Phasen hoher Inflation in Gesellschaften starke soziale Spannungen, wobei jede gesellschaftliche Gruppe die anderen für ihre Misere verantwortlich macht. Die Inflationskrise im antiken Rom im dritten nachchristlichen Jahrhundert fiel mit den berüchtigten Christenverfolgungen Diokletians zusammen. Die Verschlechterung der Lebenslagen im mittelalterlichen Europa erfolgte zeitgleich mit dem Ansteigen der Hexenprozesse. Und in Folge der hohen Hyperinflation in Zentraleuropa nach dem Ersten Weltkrieg machten ganze Gesellschaften ihre jüdischen Mitbürger dafür verantwortlich. Und erst vor Kurzem wurden nach dem historisch betrachtet moderaten Wertverlust bei Technologiewerten und der Krise des amerikanischen Immobilienmarktes bisher scheinbar unangreifbare Vorstandschefs  und »gierige Banker« Ziel heftiger [öffentlicher] Attacken.

Vielleicht denken jetzt einige, was hat das mit uns zu tun? Sicher denken einige, es sei doch eine klare Tatsache, dass es keine Inflation gibt. Das bestreite ich. Um den Grund meiner Kritik zu verstehen, muss man darüber nachdenken, was unter »Inflation« vor dem Hintergrund des eben Gesagten eigentlich zu verstehen ist. Ich weiß, dass Ökonomen Inflation als Veränderung der Preise eines Warenkorbes verstehen, aus der sich der so genannte Verbraucherpreisindex (VPI) errechnet. Aber wenn man bedenkt, dass der VPI nur eine der vielen möglichen Bestimmungsorte der »brownschen Bewegung« [Wärmebewegung von Teilchen in Flüssigkeiten und Gasen] des Geldes ist, wenn es einmal aus der Druckerpresse entlassen wurde, warum sollte der VPI dann der alles entscheidende Maßstab sein? Warum sollte man andere Ziele [des Geldes] wie Anlagemärkte vernachlässigen? Wirkt sich ein Verfall der Vermögenswerte (oder Blasen, wie sie meistens genannt werden) nicht verzerrender und wirtschaftlich hemmender aus als eine Güterpreisinflation?

Meiner Ansicht nach konzentrieren sie sich in ihrer Bewertung der Inflation nicht deshalb so stark auf die Güterpreise, weil man sich der relativen Bedeutung der einen Inflationsart gegenüber einer anderen bewusst wäre, sondern einfach deshalb, weil der Inflationsmaßstab VPI einfacher zu messen und zu erkennen ist. Mit diesem Vorgehen erinnern sie an den bekannten Autofahrer, der eines Abends seine Schlüssel verlor und dann beobachtet wurde, wie er unter einer Straßenlaterne nach ihnen suchte. Auf die Frage seiner Frau, warum er denn gerade dort suche, wo er sie doch wahrscheinlich nicht früher verloren habe, antwortete er: »Hier sind sie aber leichter zu finden.«

Wir wissen, dass das Einkommen einer Person nur auf Kosten einer anderen Person zustande kommen kann. Und uns ist auch bekannt, dass die Erhöhung der Liquidität höhere Einnahmen der öffentlichen Hand nach sich zieht. Daher wissen wir auch, dass die Erhöhung der Liquidität eine Steuer sein muss. Wir wissen auch, dass der Umfang dieser Steuer – die Inflationsrate – verlässlich anhand des Anstiegs des Wachstums der Geldbasis gemessen werden kann. Aber da wir nicht wissen, wann und in welche Märkte das neue Geld fließen wird, ist uns auch klar, dass wir uns nicht auf Inflationsmessungen für diese Märkte verlassen können, um zu erkennen, wie hoch die »Inflationsrate« ausfällt. Daher bleibt uns als einziger verlässlicher Maßstab der Inflation die Ausweitung der Geldbasis. Für diejenigen, die behaupten, es gäbe keine Inflation, hier nun die folgende Abbildung:

Jetzt werden vermutlich die höflicheren Ökonomen unter denen, die diesen Artikel noch immer weiterlesen, etwa denken: »Was für einen bescheuerten Unsinn schreibt er denn da! Wenn eine Depression oder Rezession herrscht, und man in einer Volkswirtschaft Deflation befürchtet, was zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung werden kann, besteht der einzig richtige Weg darin, Inflation herbeizuführen, um Arbeitsplätze zu retten.«

Auf diesen Einwand antworte ich, jeder vernünftige Mensch will, dass Arbeitsplätze geschaffen werden. Diejenigen, die sich für Inflation oder Konjunkturprogramme einsetzen, tun das, weil die vorherrschende Logik, die auch als »theoretische Makroökonomie« bekannt ist, dies lehrt. Aber genau dieses mit schweren erkenntnistheoretischen Schwächen behaftete Denkgebäude hat uns doch überhaupt in diese Lage gebracht! Das makroökonomische Wissensgebäude vertritt so etwas nicht –  man könnte es zutreffender einen Missklang von Glaubenssätzen nennen. Die Instrumente  und Maßstäbe, die diese Ideologie den Politikern als Grundlage vorschlägt – VPI, Wachstumspfade, Produktionslücken, inflationsstabile Arbeitslosigkeit, Haushaltsdefizit, Verhältnis von Verschuldung zum BIP – sind konzeptionell so schwammig, ganz zu schweigen von den Bewertungsfehlern, dass man sie als völlig bedeutungslos ansehen muss. Es ist eine Tatsache, dass die Kapitäne unserer Schiffe über keine verlässlichen Maßstäbe verfügen. Sie verstehen nicht, was letztlich passiert, wenn sie diesen Hebel betätigen oder jenen Knopf drücken. Sie glauben nur, dass sie es wissen. Eingelullt von ihrem eingebildeten Wissen und ihrer vermeintlichen Kompetenz ist es das unzurechnungsfähige Vorgehen der Makroökonomen, das uns in die heutige Lage gebracht hat.

 

****

Aber Gesellschaften gründen sich auch auf Vertrauen, und es existieren genauso stabile evolutionäre Grundlagen für Ehrlichkeit und Rechtschaffenheit. Ich kenne ehrliche Ökonomen, ehrliche Investoren, ehrliche Journalisten und sogar – nach einem großen Seufzer – auch ehrliche Banker. Es herrscht eine große Nachfrage nach Ehrlichkeit und Rechtschaffenheit. Es gibt eine Nachfrage nach ehrlichen Brokern, Fondsmanagern, Rechtsanwälten, Zahnärzten, Ärzten, Klempnern und anderen. Und es gibt eine Nachfrage nach einer ehrlichen Währung.

 

 


 

 

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