Mittwoch, 26. April 2017
31.03.2016
 
 

IS-Dokument beweist: Türkei in Antiquitätenhandel verwickelt

Redaktion

Die Dschihadisten vom »Islamischen Staat« (IS) betreiben einen lukrativen Handel mit geplünderten Antiquitäten. Der Handel erfolgt entlang derselben Routen, auf denen auch Öl und Waffen fließen – also über die Türkei. Das geht aus Dokumenten hervor, die einer Gruppe RT-Journalisten vorliegen. Es sind dieselben Journalisten, die kürzlich Details zum illegalen Ölschmuggel enthüllten, den der IS über die Türkei betreibt.

 

Syrien ist ein Land, das einmal sehr reich an Kulturschätzen war. Aber jetzt wird es massiv ausgeplündert. Offizielle Zahlen liegen nicht vor, aber es steht außer Frage, dass einiges aus dem Weltkulturerbe verschwunden ist, seit sich die radikalen Islamisten im Zuge des blutigen Bürgerkriegs in der Region festsetzen konnten.

Neben dem Ölschmuggel betreibt der IS auch einen lukrativen Antiquitätenhandel, um seine verheerenden Aktivitäten finanzieren zu können. Dem Vorgehen der Organisation sind einzigartige historische Stätten wie die in Palmyra zum Opfer gefallen. Artefakte, von denen einige viele Tausend Euro wert sind, tauchen in Antiquitätenmärkten von Osteuropa bis in die USA auf.

 

Nachdem RT bereits exklusiv Einzelheiten zum Ölschmuggel des »Islamischen Staats« aufgedeckt hat, liegen dem Sender nun weitere Beweise vor. Sie zeigen, wie die Dschihadisten auf dem Schwarzmarkt für Beutekunst agieren und wie sie ihre Waren über die Türkei in die Welt hinausbringen.

 

Der kurdischen Miliz YPG ist ein Dokument in die Hände gefallen, das sie einer Gruppe von RT-Journalisten übergeben hat. Dieses Dokument zeigt, dass das »Ministerium für Bodenschätze«, mit dessen Hilfe der IS seine Ölgeschäfte abwickelt, eine »Abteilung für Artefakte« genannte Unterabteilung hat.

 

»Eines der neuen Dokumente ist ein Schreiben, das denselben Briefkopf vom IS-Ministerium für Bodenschätze trägt wie die Rechnung für einen Ölverkauf, die wir beim letzten Mal diskutiert haben«, sagte eine Reporterin. Aus Sicherheitsgründen wurden ihr Name und ihr Gesicht unkenntlich gemacht. Der Briefkopf ähnelt demjenigen, der auf Öl-Rechnungen gefunden worden war, die kurdische Soldaten aus ehemaligen Unterkünften von IS-Kämpfern geborgen hatten. Der Briefkopf ist in der oberen rechten Ecke des neuen Dokuments zu finden.

 

Das Schreiben ist offenbar an Grenzposten gerichtet. Die »Brüder an der Grenze« werden gebeten, einen türkischen Antiquitätenverkäufer nach Syrien hineinzulassen. Sein Vorhaben sei zu beiderseitigem Nutzen. In dem Schreiben heißt es:

»An den für die Grenze zuständigen Bruder: Bitte hilf Bruder Hussein Hania Sarira und dem Mann aus der Türkei bei der Weiterreise durch deinen Posten. Der Artefaktenhändler wird mit uns im Amt für Artefakte im Ministerium für Bodenschätze zusammenarbeiten. Möge Allah Dich segnen, Dein Dich liebender Bruder Abu Wafa At-Tunisi.«

Die RT-Reporter waren zu Dreharbeiten in der Stadt Schadadi in der syrischen Provinz Hasaka, als sie auf archäologisch bedeutsame Bruchstücke stießen, Fragmente diverser Tontöpfe. Als YPG-Einheiten im Sommer 2015 Schadadi von den Dschihadisten befreiten, blieben die Stücke in einem Tunnel zurück, durch den IS-Kämpfer geflohen waren.

 

Niemand weiß, wo diese Objekte ursprünglich herkommen. Aber die kurdischen Kämpfer fanden auch eine alte Landkarte auf Französisch, die möglicherweise noch aus Kolonialzeiten stammt und die Ausgrabungsstätten zeigt.

 

Das Schreiben wirft nicht nur ein Schlaglicht auf die Art und Weise, wie der IS Geld verdient, es stützt auch frühere Verdachtsmomente, denen zufolge der IS über dieselbe Route, über die, wie der RT-Gruppe berichtet wurde, früher Waffen und Vorräte flossen, Artefakte verkauft werden – direkt unter der Nase Ankaras.

 

Dass die türkischen Kontrollen lasch sind und die türkische Seite nicht aktiv wird, erzählt auch ein junger Kämpfer in einem Video, das RT von der YPG zur Verfügung gestellt wurde. Der Mann wurde von kurdischen Einheiten in der Grenzstadt Tel Abjad gefangengenommen. Die Stadt lag vorher auf dem Handelsweg zwischen Türkei und ISIS.

 

»Man schickte mich zum Dienst nach Tel Abjad an der türkischen Grenze. Manchmal wechselten wir auch auf die türkische Seite und dienten dort. Wir sahen die türkische Armee passieren, aber es gab nie in irgendeiner Form Konflikte zwischen uns«, sagte der Milizionär Abu Ajub Al-Ansari.

Das Vorrücken der Kurden hat die Kommunikationskanäle zwischen IS und türkischen Sicherheitsdiensten gestört


Der gefangengenommene Terrorist gestand ein, dass der Verlust von Tel Abjad für den IS und seine Handelswege einen schweren Rückschlag darstellt. Auch die direkten Verbindungen mit Vertretern der türkischen Sicherheitsdienste seien dadurch gestört worden.

 

»Als die Kurdenmiliz Tel Abjad eroberte, gingen die Verbindungen verloren und die ausländischen Kämpfer kamen nicht mehr ins Land«, gab der Islamistenkämpfer zu Protokoll. »Die Kommunikationskanäle zu den türkischen Sicherheitsdiensten gingen verloren, wir konnten nur noch über Zivilisten oder Spione kommunizieren.« Auch finanziell war es für die Terrorgruppe ein harter Schlag, da eine ihrer Haupteinnahmequellen – der Ölschmuggel – stark in Mitleidenschaft gezogen wurde.

 

»Auch die Warenlieferungen aus der Türkei sind weggefallen, denn die kurdischen YPG-Kämpfer haben die Straße durch Tel Abjad blockiert. Die Tanklastwagen können ebenfalls nicht mehr durch die Region fahren. Das hat die Organisation in eine schwierige finanzielle Lage gebracht«, erklärte der gefangengenommene Milizionär den YPG-Kämpfern.

 

Die Unterlagen der Dschihadisten zeigen, dass der IS sehr professionell Buch über sein Ölgeschäft führt und unter anderem den Namen des Fahrers festhält, die Art von Fahrzeug, das Gewicht des Lasters (voll und leer), den vereinbarten Preis und die Rechnungsnummer.

 

Einheimische, die vom IS gezwungen worden waren, in der Ölbranche zu arbeiten, hatten RT zuvor erklärt: »Das gewonnene Öl wurde zu einer Raffinerie geliefert, wo es zu Benzin, Erdgas und anderen Petroleumprodukten verarbeitet wurde. Anschließend wurde das raffinierte Produkt verkauft.«

 

»Wir vom IS wissen, dass wir finanziell vom Öl abhängig sind«

 

»Mittelsmänner kamen aus Rakka und Aleppo, um das Öl einzusammeln. Oftmals war dabei von der Türkei die Rede«, so die Augenzeugen. In dem Video, das die Kurden von dem gefangenen IS-Kämpfer gedreht haben, werden noch weitere Einzelheiten über das Öl-Geschäft des IS enthüllt, darunter auch, welche Löhne die Terroristen zahlen.

 

»Wir vom IS wissen, dass wir finanziell vom Öl abhängig sind«, so der Mann. »Früher hieß es, wir würden nur an zivile Käufer verkaufen, aber die könnten niemals die erforderlichen Mengen abnehmen. Unsere Löhne reichen von 50 bis 100 Dollar, abhängig davon, ob man verheiratet ist. Ich bin verheiratet und habe ein kleines Kind, deshalb bekam ich 135 Dollar. Als die Ölversorgung über Tel Abjad durchtrennt wurde, begannen die Probleme.«

 

Seit RT mit seinen Enthüllungen an die Öffentlichkeit geht, sieht sich die Türkei einem steten Strom von Fragen ausgesetzt. Experten und einflussreiche Politiker fordern Erklärungen von Ankara, was den »sehr überzeugenden Bericht« angeht, der eine Verbindung zwischen dem türkischen Staat und den Terroristen herstellt.

 

 

 

 

.

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

Der »Bürgerkrieg« in Syrien ist ein abgekartetes Spiel des Westens und der Türkei, um Syrien zu destabilisieren

Heinrich Wohlmeyer

Professor Heinrich Wohlmeyer ist in seinem Heimatland Österreich hoch angesehen und gehört zur Familie des ehemaligen Bundeskanzlers Julius Raab. Wohlmeyer ist Jurist und Agrarexperte. Er blickt auf 20 Jahre Erfahrung als Industriemanager und Regionalentwickler zurück. Den folgenden Brief schrieb er jetzt an Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ), der  mehr …

Brisante Dokumente: Die Türkei liefert dem IS viele neue Rekruten

Redaktion

Eine RT-Filmcrew konnte im Norden Syriens Dokumente des Islamischen Staats (IS) einsehen, die von fliehenden Terroristen zurückgelassen und von Kurden gefunden wurden. Die Dokumente liefern erstaunliche Einsichten in die mutmaßlichen Geschäftsverbindungen zwischen der Terrorgruppe und der Türkei.  mehr …

Nicolas Sarkozy: »Jeder, der sagt, die Türkei sei ein europäisches Land, will den Tod der EU«

Birgit Stöger

Der ehemalige französische Präsident Nicolas Sarkozy übt in einem exklusiven Interview mit dem Sender  iTele harsche Kritik am Türkei-EU-Deal. Ankara habe keinen Platz in der Europäischen Union. Beide sprächen historisch wie ökonomisch und kulturell unterschiedliche Sprachen.  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Willy Wimmer: Die USA vergiften das Klima in Europa

Willy Wimmer

Bei den ganzen Hiobsbotschaften, die in diesen Tagen das Ergebnis der von Deutschland mitgetragenen Politik im globalen Maßstab sind, könnte man über eine im Ergebnis verheerende Nachricht fast hinweglesen. Dennoch hat es das in sich, was man heute in den Tageszeitungen lesen kann.  mehr …

Video: »Wir sehen die totale Zerstörung links-grüner Ideologie«

Markus Gärtner

KOPP Aktuell - Gespräch mit dem Buchautor und Journalisten Oliver Janich.  mehr …

Entzaubertes Versprechen: »Analphabeten, die keinen Busfahrplan lesen können«

Birgit Stöger

Deutschland wird von »hoch qualifizierten Flüchtlingen« aus Syrien, Afghanistan und dem Irak geflutet. Von der Bundesregierung, von Wohlfahrts-Funktionären und den Mainstream-Medien als »bunte Win-Win-Situation« dem Bundesbürger über Monate verkauft, entzaubert sich nun das vollmundige Versprechen: Das Heer von vorwiegend jungen männlichen  mehr …

Brisante Dokumente: Die Türkei liefert dem IS viele neue Rekruten

Redaktion

Eine RT-Filmcrew konnte im Norden Syriens Dokumente des Islamischen Staats (IS) einsehen, die von fliehenden Terroristen zurückgelassen und von Kurden gefunden wurden. Die Dokumente liefern erstaunliche Einsichten in die mutmaßlichen Geschäftsverbindungen zwischen der Terrorgruppe und der Türkei.  mehr …

Werbung

Ich war ein Salafist

Das erste Buch eines Insiders aus der Salafisten-Szene

Worum geht es? Der Autor begleitete den Salafisten-Prediger Pierre Vogel auf der Pilgerfahrt nach Mekka und war die rechte Hand des Islamisten-Führers Sven Lau: Dominic Musa Schmitz konvertierte als 17-Jähriger zum Islam und war tief in den Zirkeln der deutschen Salafisten-Szene verankert. Mit professioneller Propaganda warb er neue Anhänger, einige seiner Brüder kämpften für den »Islamischen Staat«. Doch als er seinen besten Freund, einen Nicht-Muslim, im Namen Allahs verstoßen muss, beginnt er sich Fragen zu stellen. Kann ein Glaube mit so vielen Dogmen richtig sein?

mehr ...

Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

Inside IS – 10 Tage im »Islamischen Staat«

Beim Barte des Propheten: Auf den Spuren eines unbequemen Wahrheitssuchers

»Wer zugibt, dass er feige ist, der hat Mut. Der Politiker Jürgen Tödenhöfer hat diese mutige Feigheit jetzt auf 280 Seiten beschrieben. In einem Buch, welches man unbedingt lesen sollte - auch wenn man nicht seiner Meinung ist.Im Dezember 2014 ist es soweit: Todenhöfer reist unter abenteuerlichen Umständen aus der Türkei in das IS-Gebiet ein. Er hat einen Schutzbrief der IS-Führung, der ihm in den kommenden Tagen ganz sicher das Leben retten wird. Denn sein britischstämmiger Fahrer des IS, der sein Gesicht und seine Hakennase stets vor Todenhöfers Blicken gut zu verhüllen sucht und mehr als einmal ausrastet, hat mehr als nur ein dunkles Geheimnis.

mehr ...

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Die Weltbeherrscher

Kriege ohne Kriegserklärung

Unzählige Male intervenierten US-Truppen oder amerikanische Geheimdienste im Ausland, allein im 19. Jahrhundert über hundertmal. Die meisten dieser Unternehmungen dienten dem gebetsmühlenhaft vorgetragenen »Schutz amerikanischer Interessen und Bürger«. Über zahlreiche Operationen wie die Ermordung unliebsamer Politiker, die Verminung ausländischer Häfen und sogar die jahrelange Bombardierung von Staaten wie etwa Laos wurde Geheimhaltung bewahrt. Diese Lücken füllt Armin Wertz in dieser ersten vollständigen Chronik aller US-amerikanischen Operationen in aller Welt.

mehr ...

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.