Thursday, 23. October 2014
11.10.2013
 
 

Jagd auf Silk-Road-Nutzer und Bitcoin-Vermögen verschärft sich

Redaktion

Behörden in Großbritannien, Schweden und den USA haben im Zusammenhang mit der Internetseite Silk Road, über die strafbare Dienstleistungen abgewickelt wurden, acht weitere Personen festgenommen. Gleichzeitig wurde auch die Suche nach Millionen von Dollar in Form von Bitcoins, einer von Internetnutzern verwendeten virtuellen Währung, intensiviert.

Die britische, erst 2013 ins Leben gerufene National Crime Agency (NCA), manchmal auch als »britisches FBI« bezeichnet, ließ am vergangenen Dienstag ihre Muskeln spielen, als sie vier mutmaßliche Drogenhändler verhaftete, die »anonyme« Dienstleistungen der Internetseite Silk

Road, die auch als »Amazon.com des illegalen Drogenhandels« bekannt ist, nutzten. Der Leiter der NCA, Keith Bristow, richtete eine deutliche Warnung an alle, die das Internet zum Drogenhandel nutzen wollten: »Diese jüngsten Verhaftungen sind erst der Anfang. Es werden noch viele weitere folgen.«

 

Die Ermittler versprachen auch, sich intensiver mit Bitcoins, der virtuellen Internetwährung, die auch von Silk-Road-Nutzern zum An- und Verkauf illegaler Güter und Dienstleistungen benutzt wurde, befassen zu wollen. Die NCA erklärte, man habe bereits Bitcoin-Guthaben im Wert von mehreren Millionen britischer Pfund beschlagnahmt.

Die amerikanische Bundespolizei FBI hat Berichten zufolge bei Razzien in der vergangenen Woche Bitcoin-Guthaben im Wert von 3,6 Mio. Dollar beschlagnahmt, sucht aber noch nach weiteren 600 000 Bitcoins im Wert von 80 Mio. Dollar, die der mutmaßliche Silk-Road-Gründer Ross Ulbricht im Zuge seiner Drogengeschäfte angehäuft haben soll, wie die britische Tageszeitung The Guardian berichtet.

 

Nachdem zunächst angenommen wurde, Ulbrichts Aktivitäten hätten zur Entdeckung des Standorts der Silk-Road-Server geführt, kursieren nun in Hackerkreisen vermehrt Gerüchte, nach denen sich die Regierung selbst über das Anonymisier-Netz Tor in die Server gehackt und dann ein Programm eingesetzt habe, das es ihr ermöglichte, den Standort der Silk-Road-Server über das ganz normale Internet zu ermitteln. Es bleibt nun abzuwarten, wie das FBI mit den beschlagnahmten Bitcoin-Vermögen umgehen wird.

 

»Bitcoins stehen noch am Anfang ihrer Entwicklung. Es würde mich daher wundern, wenn die Regierung bereits über ausgearbeitete Konzepte verfügt, wie man mit beschlagnahmten digitalen Währungen verfahren soll«, sagte Jean-Jacques Cabou, Partner der internationalen Rechtsanwaltskanzlei Perkins Coie gegenüber dem Internetmagazin Wired.


Darüber hinaus weiß niemand genau, was der Begriff der »Beschlagnahmung« im Zusammenhang mit Bitcoins genau bedeutet. Das FBI erklärte dazu nur, man habe das Geld aus einer »elektronischen Geldbörse« von einer Silk-Road-Internetseite »heruntergeladen«. Wie auch immer, je länger das FBI das virtuelle Geld unangetastet lässt, desto mehr wird es an Wert weiter zunehmen und desto schwieriger wird es werden, damit umzugehen, meinte Cabou weiter: »Es geht hier um sehr viel Geld… an das sie mit Sicherheit herankommen wollen.«

 

Der 29-jährige Ulbricht wurde in der vergangenen Woche verhaftet, als er gerade in einer öffentlichen Bibliothek in San Francisco im Internet surfte. Bei einem Gerichtstermin am Freitag erklärte Ulbrichts Anwalt, sein Klient weise alle gegen ihn vorgebrachten Anschuldigungen zurück. Behördenvertreter sagten demgegenüber, Ulbricht habe Silk Road unter dem Decknamen »Dread Pirate Roberts« betrieben.

 

Diese jüngsten Verhaftungen zeigen das Ausmaß des international koordinierten harten Vorgehens, das in der letzten Woche drastische Formen annahm, als das FBI beim Sitz des Internetportals Silk Road, das als der größte Internet-Handelsplatz für Drogen gilt, eine Razzia vornahm.

 

In der südschwedischen, am Öresund gelegenen Hafenstadt Helsingborg wurden zwei Männer aufgrund des Verdachts, über Silk Road mit Cannabis gehandelt zu haben, verhaftet. Und amerikanische Strafverfolgungsbehörden erhoben gegen ein Ehepaar aus Bellevue im US-Bundesstaat Washington Anklage, wobei einer der Ehepartner zu dem führenden einen Prozent der Topverkäufer auf der Internetseite zählte. »Stephen L. Sadler wird vorgeworfen, Kokain, Heroin, N-Methylamphetamine (das berüchtigte ›Crystal‹) über Silk Road verkauft… und bei seinen illegalen Geschäften die amerikanische Post als wichtigsten Zustelldienst missbraucht zu haben«, meldete die Zeitung Bellevue Reporter. Aus den Verkaufsunterlagen der vergangenen vier Monate gehe hervor, so heißt es in der Klageschrift, dass Sadler unter dem Nutzernamen »Nod« mehr als 2,6 Kilogramm Kokain, fast 600 Gramm Heroin und 105 Gramm N-Methylamphetamine verkauft habe.

 

Das Internetportal Silk Road wurde nach Behördenangaben aber noch zu weiteren Straftaten genutzt. Das FBI geht davon aus, dass in den zweieinhalb Jahren, in denen Silk Road bisher betrieben wurde, einige Tausend Personen das Internetportal dazu benutzten, illegale Drogen zu verkaufen und zu kaufen, sich gefälschte Dokumente zu verschaffen und sogar Morde in Auftrag zu geben. Der Gesamtwert der gehandelten »Dienstleistungen« überschreite den Wert von 1,2 Mrd. Dollar, erklärte das FBI.


Die britischen Behörden erklärten unterdessen, die jüngsten Verhaftungen seien erst der Anfang eines härteren Vorgehens gegen die im Verborgenen agierende Internetkriminalität. »Dies ist nur der Beginn eines breit angelegten Vorgehens der NCA gegen die ›dunklen‹ oder ›tief verborgenen‹ Regionen des Internets und die Kriminellen, die dort agieren«, meinte Andy Archibald, Chef der National Cyber Crime Unit, in einer Stellungnahme. »In diesen kriminellen Bereichen des Internets werden nicht nur Drogen gehandelt. Dort findet Betrug statt, man diskutiert dort über Menschenhandel und Schmuggel; es werden Bilder kinderpornografischen Inhalts ausgetauscht und es wird mit Schusswaffen gehandelt«, sagte er weiter.

 

NCA-Chef Bristow warnte Internetnutzer davor, davon auszugehen, mithilfe von Programmiertricks ihre Aktivitäten verbergen zu können. »Das unsichtbare Internet ist nicht wirklich unsichtbar, und die vermeintliche Anonymität existiert nicht wirklich. Wir wissen, wer Sie sind, was Sie tun und wir werden euch auch erwischen«, fügte er hinzu. Bristow enthüllte, dass sich die NCA vorrangig mit der versteckten und anonymisierten Internetnutzung befasse. Allein 4000 Mitarbeiter der Behörden sind damit beschäftigt, strafbaren Internetaktivitäten nachzugehen.

 

In einer eidesstattlichen Erklärung des FBI, die in San Francisco vorgelegt wurde, heißt es, man habe auf den Silk-Road-Servern 957 079 Nutzerkonten gefunden. Etwa 30 Prozent dieser Nutzer wohnten in den USA, die zweithöchste Nutzerzahl stammte aus Großbritannien. Das FBI gab aber nicht bekannt, wie viele Nutzer genau aus Großbritannien stammten.

 

 

 


 

 

 

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