Dienstag, 27. Juni 2017
01.10.2012
 
 

Lauter sprechen: US-Strafverfolgungsbehörden verwenden russische Software, um Millionen von Stimmen zu speichern

Redaktion

Mit dem Gebrauch von Orwellschen Programmen wie TrapWire hat die US-Regierung bereits ihre Absicht bewiesen, alles Böse sehen zu wollen. Nun kann sie auch noch alles Böse hören, nachdem Strafverfolgungsbehörden ein Instrument einführten, welches sie in die Lage versetzt, Stimmen innerhalb von Sekunden zu speichern, zu analysieren und zu identifizieren.

»VoiceGrid Nation« ist ein System, das fortgeschrittene Algorithmen verwendet, um die Identität von Stimmen zu vergleichen. In die USA eingeführt durch das russische Speech Technology Center, verspricht es der Polizei, den Bundesbehörden und anderen Strafverfolgungsbehörden die Fähigkeit, riesige Datenbanken mit mehreren Millionen Stimmen anlegen zu können.

Wenn die Autoritäten einen für sie verdächtigen Anruf abhören, wird die Aufnahme in das VoiceGrid-Programm eingespeist, welches (wahrscheinlich) brummt und surrt und irgendeine Übereinstimmung herausspuckt. In fünf Sekunden kann das Programm 10.000 Stimmen scannen, und es benötigt nur drei Sekunden für die Sprachanalyse. All dies, kombiniert mit 100 zeitgleichen Suchfunktionen und einer Speicherkapazität von zwei Millionen Stichproben, verleiht SpeechPro, wie sich die in den USA ansässige Firma nennt, das Recht, eine Erfolgsquote von 90 Prozent zu behaupten.

 

Nach Angaben Ryan Gallaghers von Slate.com, der mit SpeechPros Präsidenten Aleksey Khitrov sprach, wird die Software bereits in vielen verschiedenen Ländern und ausschließlich für einen »guten Zweck« verwendet – wie etwa in Mexiko, wo VoiceGrid dazu verhalf, Kidnapper bei einem zufälligen Anruf zu identifizieren und zu erfassen, und somit das Leben der Opfer zu retten.

 

Beide Agenturen, das FBI und die National Security Agency, haben bereits ihr Interesse an dem Programm bekundet, welches voraussichtlich auch in 911 Callcentern und in einzelnen Polizeibezirken benutzt wird. Und die Listen mit Stichproben werden natürlich nur »Personen von Interesse« enthalten – bekannte Kriminelle, Terrorverdächtige oder Menschen auf einer Beobachtungsliste.

 

Werden sie das tatsächlich?

 

Die Definition von »verdächtig« ist bekannt dafür, in der Vergangenheit von den US-Strafverfolgungsbehörden weit ausgelegt worden zu sein. So wurden vom FBI etwa Leute als »terroristisch Verdächtige« wegen eines Kaufs von wasserfesten Streichhölzern oder Taschenlampen gebrandmarkt, und das Heimatschutzministerium drängte Hotelbedienstete, die Autoritäten umgehend zu verständigen, falls eine Person versucht, mit Bargeld zu bezahlen und/oder ein »Bitte-nicht-stören«-Schild an der Tür aufhängt. So ist es nicht schwer einzusehen, warum viele Angst bekommen bei der Vorstellung, dass die Regierung nicht nur alles zu jeder Zeit sehen, sondern auch alles hören kann.

 

In der Tat würde die Ausstattung mit TrapWire den Strafverfolgungsbehörden eine noch nie dagewesene Fähigkeit verschaffen, die Gründungsdokumente der USA sowie jede Vorstellung von Privatsphäre effektiv aufzuheben.

 

Ein unverdächtiger, rechtstreuer Staatsbürger müsste seine privaten Mitteilungen und Telefonate offensichtlich laut vorlesen bzw. übertragen, um als legal und ehrlich betrachtet zu werden. Sollte er hingegen in seinen Hörer flüstern, stützt sich das Heimatschutzministerium auf seine »Bürgerspione«, um über den armen Kerl herzufallen und ihn zu denunzieren.

 

So haben nun also die Strafverfolgungsbehörden das TrapWire, um Sie »allzu gut zu sehen«, und den VoiceGrid, um Sie »allzu gut zu hören«. Dies zusammen mit dem Patriot Act verwandelt Amerika in das Land der Nicht-länger-Freien und die Agenturen, die für den Schutz seiner Bürger und deren Land begründet wurden, in den großen bösen Wolf.

 

Der Patriot Act ist wahrscheinlich einer der umstrittensten Gesetzgebungsakte in der amerikanischen Geschichte, ein Akronym welches, für all die alten und neuen Sicherheitsbehörden, die geeigneten Instrumente bereitstellt, um den Terrorismus abzufangen und ihn zu verhindern (»Provides Appropriate Tools Required (to) Intercept (and) Obstruct Terrorism«). Aber die Instrumente, die in diesem Gesetzesentwurf enthalten sind, wurden – und werden – von vielen nicht als angemessen betrachtet. Abhörgeräte und elektronische Überwachung wurden legalisiert. Festnahmen wurden zum Tagesgeschäft. Als die Menge der Festgenommenen 1.200 erreichte, hörten die Funktionäre auf, zu zählen. Persönliche Datensätze blieben nicht länger persönlich – und dies war erst der Beginn im Inland.

 

Offiziell wurden unter dem Patriot Act 1.200 Gefangene von besonderem Interesse festgehalten und untersucht. Das Justizministerium begutachtete mehr als 700 von ihnen, und keiner davon wurde je mit terroristischen Vereinigungen oder Handlungen in Verbindung gebracht.

 

Trotzdem erklärte der frühere Generalstaatsanwalt John Ashcroft bei seinem Rücktritt, dass »das Ziel einer Gewährleistung der Sicherheit der Amerikaner vor Verbrechen und Terror erreicht worden ist«. Dies sollte das Ende des Patriot Act bedeutet haben, da dessen Außerkrafttreten im Dezember 2005 in einer automatischen Auslaufklausel verankert wurde. Sieben Jahre später ist er noch immer in Kraft und wird regelmäßig durchgesetzt... nicht zwangsläufig für den Krieg gegen den Terror.

 

Statistiken zeigen, dass der so genannte Sneak-and-Peak, ein Durchsuchungsbefehl, der ohne vorherige Warnung durchgeführt werden kann, vor allem für die Bekämpfung von Drogendelikten verwendet wird. Zwischen 2006 und 2009 wurden 1.618 Durchsuchungsbeschlüsse in Verbindung mit Drogenkriminalität herausgegeben, 122 wegen Betrugsvorwürfen – und nur 15 wegen Terrorismus.

 

Der National Defense Authorization Act erlaubt die unbefristete Inhaftierung von als terrorverdächtig eingestuften Personen – amerikanische Staatsbürger oder nicht. Und zieht man in Betracht, was einen zu einem potenziellen Verdächtigen macht, kann man bei jedem Telefonat erwarten, festgenommen zu werden.

 

Fazit: Sie können bei jeder Hotelreservierung abgehört und dann beim Barzahlen beobachtet, oder zum Beispiel beim Frühstück gestresst aussehend als ein Verdächtiger unter dem NDAA festgenommen werden, während die Polizei mit ihren besonderen Berechtigungen ihre Dateien durchkämmt.

 

Aber die gute Nachricht ist: Sie werden sich in absoluter Sicherheit befinden.

 

 

 

 


 

 

 

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