Tuesday, 30. August 2016
06.03.2014
 
 

Mit al-Qaida verbundene Rebellen belagern Flüchtlingslager: Hilfsgüter für Tausende von Syrern blockiert

Redaktion

Die Verteilung von Hilfsgütern und Lebensmitteln für Tausende von Zivilisten, die in einem vorwiegend von Palästinensern bewohnten Viertel der syrischen Hauptstadt eingeschlossen sind, kam zum Erliegen, als das Viertel trotz eines seit Langem ausgehandelten Waffenstillstands von islamistischen Rebellen belagert wurde.

Die Vereinten Nationen äußerten sich über die Lage in Jarmuk, einem südlichen Stadtbezirk von Damaskus, in dem sich auch ein palästinensisches Flüchtlingslager befindet, besorgt. Dort war es am Sonntag erneut zu Kämpfen gekommen. Die dort im Lager lebenden etwa 20 000 Menschen leiden weit verbreitet unter Hunger, Mangelernährung und gesundheitlichen Problemen, da sie

seit Monaten schon von Nahrungsmitteln, Trinkwasser und medizinischer Hilfe abgeschnitten sind.

 

Die Vereinten Nationen (UN) »sind über die verzweifelte humanitäre Lage in Jarmuk und insbesondere darüber tief besorgt, dass die Spannungen wachsen und der Rückgriff auf bewaffnete Kräfte unsere Bemühungen unterbrochen hat, die verzweifelte Not der Zivilisten zu lindern«, sagte Chris Gunness, UN-Sprecher in Damaskus. Im Namen des Hilfswerks der Vereinten Nationen für Palästinaflüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) fordert er alle Konfliktparteien auf, »umgehend die Wiederaufnahme der Verteilung von Nahrungsmitteln an die Zivilbevölkerung in Jarmuk zu erlauben und zu ermöglichen«.

 

Über sein Twitter-Konto erklärte Gunness, die »betroffenen Parteien« hätten Berichten zufolge »die Feuerpause in den vergangenen 48 Stunden eingehalten«. Zudem werde über »Möglichkeiten verhandelt, die Spannungen zu verringern«. Die jüngsten Zusammenstöße gehören zu den seit Wochen schwersten Gewaltausbrüchen in der Region und hielten bis Montagmorgen an. Sie gefährden damit einen ohnehin provisorischen Waffenstillstand, der dort Ende Januar ausgehandelt worden war. Daraufhin konnten erstmalig wieder Lebensmitteltransporte nach Jarmuk gelangen, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters.


Die Feuerpause in Jarmuk hielt bis zum 10. Februar, nachdem die mit al-Qaida verbundene Al-Nusra-Front ihre Kämpfer abgezogen hatte. Aber am Sonntag behauptete die Al-Nusra-Front, Regierungseinheiten des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und deren Verbündete von der Volksfront zur Befreiung Palästinas – Generalkommando (PFLP-GC) hätten die Absprache gebrochen, wie die Nachrichtenagentur Agence France-Presse (AFP) berichtete. Die Al-Nusra-Front behauptete weiter, sie habe sich aus humanitären Gründen zurückgehalten, es sei aber nur »eine sehr geringe Zahl von Nahrungsmittelpaketen – viel weniger, als in der Vereinbarung abgesprochen worden war – verteilt worden«. Wie Aktivisten bestätigten, drang daraufhin die Al-Nusra-Front erneut in das Flüchtlingslager ein. »Ich war gerade dabei, zu filmen, als plötzlich der Granatbeschuss einsetzte. Sie hätten die Kinder sehen müssen: Sie waren zu Tode erschrocken«, berichtete der Aktivist Rami al-Sajed. »Derzeit meidet die Zivilbevölkerung die Straßen. Jeder hat Angst, und alle verstecken sich aufgrund der Scharfschützen und des Granatbeschusses in ihren Häusern.«

 

Neben anderen Gruppen waren auch Kämpfer der Freien Syrischen Armee an den gewalttätigen Zusammenstößen am Sonntag beteiligt, berichtete die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) unter Berufung auf einen Aktivisten, der sich selbst »Abu Akram« nannte.

 

Die PFLP-GC erklärte ihrerseits, mit ihrem erneuten Eindringen in das Flüchtlingslager habe die Al-Nusra-Front die Vereinbarung gebrochen. »Heute Morgen drang die Al-Nusra-Front wieder einmal in das Flüchtlingslager in Jarmuk ein und störte damit die Friedensinitiative, deren Ziel es war, das Leiden in dem Lager in dem die Bevölkerung wie Geiseln gehalten wird zu lindern«, sagte PFLP-GC-Sprecher Anwar Radscha. »Die Bemühungen um eine Wiederannäherung befinden sich meiner Ansicht nach in einer Sackgasse.« Bei den Zusammenstößen zwischen den einzelnen Gruppen kam es zu Gewehrfeuer, dem Einsatz von Scharfschützen und Granatbeschuss, berichtete Akram weiter.

 

Die Al-Nusra-Front wird von al-Qaida als deren einzig legitimer Verbündeter in Syrien gesehen, nachdem der gegenwärtige Al-Qaida-Chef Ayman al-Sawahiri wiederholt vergeblich versucht hatte, Spannungen zwischen der Gruppe Islamischer Staat im Irak und Syrien (ISIS) und der »moderateren« Al-Nusra-Front zu glätten. »ISIS ist kein Ableger von al-Qaida … und unterhält keine organisatorische Beziehung mit ihr. Al-Qaida ist daher nicht für deren Taten verantwortlich«, hieß es in einer Stellungnahme des Al-Qaida-Generalkommandos Anfang Februar.

 

Aufgrund seiner Lage im Süden von Damaskus in der Nähe von Vorstädten, die von den Aufständischen kontrolliert werden, wurde Jarmuk für die Rebellen zu einem wichtigen logistischen Versorgungskorridor. Zugleich geriet das Viertel damit aber auch unter heftigen Artilleriebeschuss seitens der Regierung, durch den Schneisen der Verwüstung gezogen wurden.

 

Al-Sajed erklärte gegenüber AFP, auch während des Waffenstillstands hätten medizinische Hilfsgüter nur in geringen Mengen nach Jarmuk geschmuggelt werden können.

 

Seit Januar hat das UN-Hilfswerk UNRWA mehr als 7500 Lebensmittelpakete in dem Flüchtlingslager ausgegeben. Dies sei aber angesichts der immens gestiegenen Bedürfnisse nur der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein gewesen. Nach Monaten des Granatbeschusses und ständiger Kämpfe zwischen Rebellengruppen und zu Assad loyal stehenden Kräften in und um Jarmuk herum ist die Bevölkerung des Flüchtlingslagers von zuvor 150 000 Menschen auf nunmehr nur 40 000 Menschen, darunter 18 000 Palästinenser, zurückgegangen.

 

 

 


 

 

 

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