Saturday, 27. August 2016
25.11.2015
 
 

Mitschrift der Erklärung von Präsident Wladimir Putin zum Abschuss des russischen Kampfflugzeuges durch die Türkei

Redaktion

Wladimir Putin führte am 24. November Gespräche mit dem jordanischen König Abdullah II. von Jordanien. Es folgt die Mitschrift des jüngsten Treffens zwischen beiden Staatschefs. direkt zu Beginn des Treffens kam der Abschuss eines russischen Kampfflugzeugs durch die Türkei zur Sprache.

 

Der russische Präsident Wladimir Putin: Eure Majestät, es ist mir ein großes Vergnügen, Sie in Russland zu begrüßen.

 

Wir stehen in ständigem Kontakt mit Ihnen. Angesichts des gegenwärtigen ernsten Kampfes gegen den internationalen Terrorismus ist es offensichtlich, dass wir unsere Bemühungen vereinen müssen. Erfreulicherweise kann ich erklären, dass unser Militär und andere staatlichen Organe in dieser Richtung tätig sind.

König Abdullah II. von Jordanien: Mein lieber Bruder, ich danke Ihnen herzlich, dass Sie mich heute an einem solchen Tag empfangen, an dem Sie mit vielen schweren Problemen zu kämpfen haben.

 

Ich möchte Ihnen gegenüber im Zusammenhang mit dem tragischen Terroranschlag gegen unschuldige Russen, die ihr Leben beim Anschlag auf das Metrojet-Passagierflugzeug verloren, sowie dem Tod des russischen Piloten am heutigen Tag mein Beileid und das Mitgefühl des ganzen jordanischen Volkes zum Ausdruck bringen. Ich bin überzeugt, dass diese [Ereignisse] die Weltgemeinschaft dazu bringen, im Zusammenhang der [Syrien-Konferenz] in Wien, die Sie sehr stark unterstützt haben, sowohl militärisch als auch diplomatisch enger zusammenzuarbeiten.

 

Wie Sie wissen, Herr Präsident, habe ich seit vielen Jahren immer wieder erklärt, dass der einzige Weg für eine politische Lösung in Syrien im Interesse der syrischen Bevölkerung mit der starken Rolle Ihrer Person und Russland verknüpft ist.

 

Ihr Kampf gegen den Islamischen Staat ist ein Kampf, den wir alle zusammen nicht nur in Syrien und dem Irak führen müssen. Wie Sie und ich erklärt haben, handelt es sich um einen weltweiten Krieg, einen Krieg, der uns alle miteinander verbindet.

 

Der IS, al-Qaida und ihre jeweiligen Ableger führen diesen Krieg als einen Krieg gegen die Menschlichkeit. Sie und ich haben viele Jahre lang an die Ganzheitlichkeit dieser Herausforderung geglaubt – [und daran, dass] man die internationalen Bemühungen nicht nur in unserer Region vereinen, sondern [den Terrorismus] auch in Afrika, in Asien, in Europa und in unserer Region gemeinsam bekämpfen müsse.

 

Es geht hier nicht nur um die Probleme, denen wir uns in Syrien und dem Irak gegenübersehen. Auch in Saudi-Arabien, in Beirut und tragischerweise erst kürzlich in Paris und in Mali kommt es zu Terroranschlägen.

 

Ich weiß, dass Sie und ich, unsere beiden Länder und viele andere Länder weltweit entschlossen sind, diesen Krieg zu gewinnen. Wir – und zwar die ganze Weltgemeinschaft – sollten diese sich uns hier bietende Gelegenheit ergreifen und diesen Kampf als Teil einer koordiniert vorgehenden, internationalen Gemeinschaft führen.

 

Und ich begrüße noch einmal ausdrücklich die sehr engen Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern und uns persönlich. Ich kenne Sie nun seit vielen Jahren persönlich, und unsere Beziehung war immer sehr eng und stark, und ich weiß, dass sie immer noch stärker und enger werden wird.

 

Ich danke Ihnen, dass Sie mir an diesem so schweren Tag für Ihr Volk und Sie selbst so viel Ihrer wertvollen Zeit gewähren.

 

Wladimir Putin: Herzlichen Dank, Eure Majestät.

 

Ich danke Ihnen für Ihr Beileid und Ihre mitfühlenden Worte im Zusammenhang mit dem heutigen Absturz unseres Kampfflugzeugs. Dieser Zwischenfall geht weit über normale Anstrengungen im Kampf gegen Terrorismus hinaus.

 

Unsere Soldaten engagieren sich in einem heroischen Kampf gegen Terrorismus und setzen dabei ihr eigenes Leben aufs Spiel. Aber der heutige Verlust ist die Folge eines Stoßes in den Rücken, der von Komplizen der Terroristen ausgeführt wurde. Ich finde keine anderen Worte für das, was heute passiert ist.

 

Unser Flugzeug wurde über syrischem Territorium durch eine Luft-Luft-Rakete abgeschossen, die von einem türkischen F-16-Kampfflugzeug abgefeuert wurde. Es stürzte in vier Kilometer Entfernung von der türkischen Grenze über syrischem Territorium ab. Als es in der Luft angegriffen wurde, flog es in einer Höhe von sechs Kilometern in einer Entfernung von einem Kilometer von der türkischen Grenze. Unser Flugzeug und unsere Piloten stellten keinerlei Gefahr für die Republik Türkei dar. Das liegt auf der Hand.

 

Sie [die russischen Piloten] führten eine Operation im Kampf gegen den IS im Norden Latakias durch – in einer Bergregion, in der sich viele aus Russland stammende Kämpfer aufhalten. In dieser Hinsicht erfüllten sie ihre unmittelbare Pflicht, indem sie präventive Angriffe gegen Terroristen flogen, die jederzeit nach Russland zurückkehren könnten. Diese Leute muss man sicherlich als internationale Terroristen einstufen.

 

Wir haben seit Langem die Bewegung großer Mengen von Erdöl- und Benzinprodukten aus vom IS besetzten Gebieten in die Türkei beobachtet und dokumentiert. Dies erklärt auch den immensen Zufluss finanzieller Mittel an die Terroristen. Jetzt fallen sie uns in den Rücken, indem sie unsere Flugzeuge angreifen, die gegen den Terror kämpfen. Dies geschieht ungeachtet der Vereinbarung, die wir mit unseren amerikanischen Partnern abgeschlossen haben, um Zwischenfälle im Luftraum zu vermeiden, und wie Sie wissen, gehört die Türkei zu denen, die behaupten, in der Koalition der Amerikaner gegen Terrorismus zu kämpfen.

 

Wenn der IS so viel Geld mit dem Erdölhandel verdient – wir reden hier über zig oder sogar Hunderte Millionen, möglicherweise sogar Milliarden Dollar – und er dabei von den Streitkräften eines ganzen Staates unterstützt wird, ist nachvollziehbar, warum er derart unverfroren Menschen auf so barbarische Weise tötet [und] überall in der Welt, einschließlich des Herzens Europas, Terroranschläge durchführt.

 

Wir werden selbstverständlich sorgfältig analysieren [was genau geschehen ist], und die heutigen Ereignisse werden die russisch-türkischen Beziehungen maßgeblich beeinflussen.

 

Wir haben die Türkei immer nicht nur wie einen engen Nachbarn, sondern wie einen befreundeten Staat behandelt. Ich weiß nicht, in wessen Interesse der heutige Zwischenfall liegt. In unserem sicherlich nicht. Darüber hinaus wandte sich die Türkei unseren Informationen nach an ihre NATO-Partner, um den Zwischenfall zu diskutieren, anstatt umgehend mit uns Kontakt aufzunehmen. Als hätten wir ihr Flugzeug abgeschossen und nicht umgekehrt.

 

Wollen sie, dass die NATO den Interessen des IS dient? Mir ist klar, dass jeder Staat seine regionalen Interessen verfolgt, und wir haben sie immer respektiert. Aber wir werden vor derartigen Verbrechen wie dem heutigen niemals die Augen verschließen.

 

Natürlich erwarten wir von der internationalen Gemeinschaft, sich um ein gemeinschaftliches Vorgehen im Kampf gegen diesen gemeinsamen Feind zu bemühen.

 

In diesem Zusammenhang zählen wir auf die aktive Beteiligung aller Länder in der Region an diesem Kampf. Ich freue mich daher außerordentlich über unsere heutige Zusammenkunft, Eure Majestät. Wir werden weiterhin mit Ihren Sicherheitskräften und Ihrem Militär sowie mit anderen Ländern in der Region zusammenarbeiten.

 

 

 

 

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